Weltwirtschaftskrise

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Re: Wirtschaftsdiktatur

Beitrag von Henry de la Fick » Dienstag 9. März 2010, 21:52

Diboo hat geschrieben:
andy hat geschrieben:
Diboo hat geschrieben:Bitte nicht. Die Politik mag gut im Geldausgeben sein, aber leider nicht im Verdienen desselben. Sie sollte sich daher so weit wie möglich aus der Wirtschaft heraushalten. Überall da, wo sie es nicht getan hat oder tut, sehen wir ja die negativen Konsequenzen.


lässige aussage angesichts der aktuellen krise. diese als konsequenz von zu viel staat zu betrachten - respekt!

andy


Danke. Angesichts der Tatsache, dass es der US-amerikanische "Community Development Act" war, der Banken quasi dazu verpflichtet hat, Immobilienkredite an Leute zu vergeben, die keine oder kaum Sicherheiten zu bieten in der Lage waren, was überhaupt erst zur Immobilienblase und deren späteres Zerplatzen geführt hat, würde ich sagen, dass es in der Tat zuviel Staat war, der für die besagte Krise zumindest mitverantwortlich gewesen ist. Dass man angesichts der derzeitig mal wieder "schicken" Kapitalismuskritik solche unwichtigen Details gerne übersieht, weil sie nicht so richtig in das Gespräch am PDS-Stammtisch gehören, verwundert mich allerdings nur wenig.


Zu einfach gedacht...Ich vermisse die kaufmännische Sorgfalt, so einfach kann man die (Privat-) Banken nicht aus ihrer Verantwortung entlassen.

Griechenland

Beitrag von StevesBaby » Samstag 6. März 2010, 09:08

Regierungen halten immer noch ruhig und sagen immer noch nicht die Wahrheit über diese Krise. Die Griechen spüren das. Bis jetzt hat sich meine Prognose erfüllt.

Re: Weltwirtschaftskrise

Beitrag von upanishad » Dienstag 24. November 2009, 13:44

Oliver hat geschrieben:
upanishad hat geschrieben:(Neoliberalismus vs. Sozialstaat)

Bitte erst einmal informieren und nicht so einen furchtbaren Unfug schreiben. Wissenschaftler neoliberaler Ausrichtung haben im letzten Jahrhundert ausdrücklich einen Sozialstaat gefordert als Weiterentwicklung liberaler Ideen. Da ein 'vs.' dazwischen zu setzen könnte unsinniger nicht sein.


Das sehe ich nicht so. Neoliberalismus bedeutet, den Staat möglichst aussen vor zu lassen, da der Markt alles alleine besser regeln kann.
Ich beziehe mich hier insbesondere auf den Neoliberalismus angelsächsischer Prägung (Thatcher). Und natürlich kann Liberalismus auch soziale Komponenten enthalten bzw. impliziert diese, da ein Leistungsprinzip nicht per se schlecht ist und ansonsten Sozialkosten in ungebührlicher Höhe der Allgemeinheit in Rechnung gestellt werden.Ein Sozialstaat begrenzt die Marktmechanismen, um einen sozialen Ausgleich zu erreichen - in welchem Maß auch immer.

Und natürlich gibt es Menschen und Strukturen die sich primär einer Richtung verpflichtet fühlen, aber trotzdem auch andere Elemente einbringen möchten.
So zum Beispiel China mit seinen Sonderwirtschaftzonen.

Re: Weltwirtschaftskrise

Beitrag von Oliver » Dienstag 24. November 2009, 10:24

upanishad hat geschrieben:(Neoliberalismus vs. Sozialstaat)

Bitte erst einmal informieren und nicht so einen furchtbaren Unfug schreiben. Wissenschaftler neoliberaler Ausrichtung haben im letzten Jahrhundert ausdrücklich einen Sozialstaat gefordert als Weiterentwicklung liberaler Ideen. Da ein 'vs.' dazwischen zu setzen könnte unsinniger nicht sein.

Re: Weltwirtschaftskrise

Beitrag von upanishad » Montag 23. November 2009, 22:04

Ein wie ich finde ziemlich kompliziertes Thema. Und da wir auch im Bereich von Wirtschaft vom Glauben an bestimmte Grundsätze (Neoliberalismus vs. Sozialstaat) sprechen, die sich nicht immer empirisch beweisen lassen muss m.E. einfach viel offen bleiben. Der gesamte "Marktmechanismus" ist mit so vielen Parametern behaftet, das Wirtschaftpolitik eine schwierige Angelegenheit geworden ist. Zudem agieren Konzerne ländergrenzenübergreifend und da wird die Regulierung zusehends geringer wenn nicht sogar unmöglich.

Mein persönliches Fazit ist, das die Arbeit und unser Wirtschaftssystem dem Menschen diesen soll und nicht umgedreht. Und das Ethik auch und gerade in der Wirtschaft nicht fehl am Platze ist.

Re: Wirtschaftsdiktatur

Beitrag von Helge » Montag 23. November 2009, 21:31

StevesBaby hat geschrieben:Das System ist nicht das richtige, um 30 Milliarden Menschen bald durchzubringen.


Es gibt kein richtiges System, um 30 Milliarden Menschen auf diesem Planeten durchzubringen - so viele Menschen darf es schlicht und einfach nicht geben. Und dieses Problem ist nicht unseres (tatsächlich hat Deutschland (und ich glaube sogar Europa) derzeit einen Bevölkerungsrückgang), sondern allein das einer Handvoll asiatischer Länder.

Ganz was anderes: Ist euch eigentlich aufgefallen, dass die Krise auch positive Seiten hat? In meinem Briefkasten landet nicht einmal mehr halb so viel Spam-Post wie vor 2 Jahren noch!

Re: Weltwirtschaftskrise

Beitrag von Stefan Hoffmann » Montag 23. November 2009, 00:08

Danke für die Info, Dirk. Da gibts wirklich reichlich zu lesen, insbesondere in der amerikanischen Wiki, deren Eintrag mit bescheidenen 116 Fußnoten aufwartet. :)

Soviel läßt sich in jedem Fall festhalten: Dieses Gesetz verlangt von keiner Bank der Welt, existenzbedrohende Risiken einzugehen. Aber um das beurteilen zu können, müßte man vielleicht die (eigenen und fremden) Risiken auch erst einmal vernünftig einschätzen. Wenn aber gar nicht mal sooo abwegige Risiken wie fallende Immobilienpreise nicht ansatzweise ausreichend bedacht wurden, wie gut kann dann das Risk Management der Banker gewesen sein?

Sheila Bair, FDIC (Amerikanische Einlagensicherungsbehörde) Charman hat geschrieben:Let me ask you: where in the CRA does it say: make loans to people who can't afford to repay? No-where! And the fact is, the lending practices that are causing problems today were driven by a desire for market share and revenue growth ... pure and simple.
(...)
Another question: Is lending to borrowers under terms they can not afford to repay "consistent with the safe and sound operations"? No, of course not.


Immerhin: Es ist offensichtlich, dass der "Community Reinvestment Act" zur Ausweitung der Subprime Loans beigetragen hat. Wenn aber deutlich weniger als 50% dieser Kredite irgendwas mit dem CRA zutun haben (und jene Kredite, die aufgrund des CRA vergeben wurden, eine geringere Ausfallrate haben), dann riecht das schon sehr nach einer verdammt faulen Ausrede. Da möchte wohl jemand nicht alleine am Pranger stehen...

Aber ich lese erst mal weiter, interessantes Thema! :)

Stefan

Re: Weltwirtschaftskrise

Beitrag von Diboo » Sonntag 22. November 2009, 19:36

Mein Fehler, man sollte keine Forumsbeiträge schreiben, wenn man etwas isst.
Das Gesetz heißt korrekt "Community Reinvestment Act".
Und hier einige relevante Quellen:
http://www.nypost.com/p/news/opinion/op ... 6LWDxcq03J
http://online.wsj.com/article/SB122298982558700341.html
http://www.forbes.com/2008/07/18/fannie ... brook.html (hier muss man erst eine Werbeseite wegklicken)

Re: Wirtschaftsdiktatur

Beitrag von Stefan Hoffmann » Sonntag 22. November 2009, 19:07

Diboo hat geschrieben:Danke. Angesichts der Tatsache, dass es der US-amerikanische "Community Development Act" war, der Banken quasi dazu verpflichtet hat, Immobilienkredite an Leute zu vergeben, die keine oder kaum Sicherheiten zu bieten in der Lage waren, was überhaupt erst zur Immobilienblase und deren späteres Zerplatzen geführt hat, würde ich sagen, dass es in der Tat zuviel Staat war, der für die besagte Krise zumindest mitverantwortlich gewesen ist.


Kannst du für die Info irgendeine Quelle benennen? Für eine vermeintliche oder reale Mitursache für eine Weltwirtschaftskrise ist dieser "Community Development Act" (bzw. seine Auswirkungen auf die Weltwirtschaftskrise) jedenfalls verdammt schlecht dokumentiert im Netz.

Diboo hat geschrieben:Dass man angesichts der derzeitig mal wieder "schicken" Kapitalismuskritik solche unwichtigen Details gerne übersieht, weil sie nicht so richtig in das Gespräch am PDS-Stammtisch gehören, verwundert mich allerdings nur wenig.


Man muss wirklich nicht Sarah Wagenknecht heißen (oder ihr in letzter Zeit nicht nur inhaltlich näher gekommen sein...), um einige Aspekte des Kapitalismus als ernstlich dysfunktional zu begreifen. Was nicht gleichbedeutend damit ist, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Aber staatliche Eingriffe als Ursache der Wirtschaftskrise zu benennen, das ist schon eine verdammt einsame Position, vermutlich selbst in der FDP.

Stefan

Re: Wirtschaftsdiktatur

Beitrag von andy » Sonntag 22. November 2009, 17:25

Diboo hat geschrieben:Danke. Angesichts der Tatsache, dass es der US-amerikanische "Community Development Act" war, der Banken quasi dazu verpflichtet hat, Immobilienkredite an Leute zu vergeben, die keine oder kaum Sicherheiten zu bieten in der Lage waren, was überhaupt erst zur Immobilienblase und deren späteres Zerplatzen geführt hat, würde ich sagen, dass es in der Tat zuviel Staat war, der für die besagte Krise zumindest mitverantwortlich gewesen ist. Dass man angesichts der derzeitig mal wieder "schicken" Kapitalismuskritik solche unwichtigen Details gerne übersieht, weil sie nicht so richtig in das Gespräch am PDS-Stammtisch gehören, verwundert mich allerdings nur wenig.


ich bin da echt nur laie. wie groß war denn deiner meinung nach der einfluss des bisherigen boni-systems auf die krise? unbedeutend?


andy

Re: Wirtschaftsdiktatur

Beitrag von StevesBaby » Sonntag 22. November 2009, 17:21

Dass man angesichts der derzeitig mal wieder "schicken" Kapitalismuskritik solche unwichtigen Details gerne übersieht, weil sie nicht so richtig in das Gespräch am PDS-Stammtisch gehören, verwundert mich allerdings nur wenig.


Was hat das mit schick zu tun? Gesunder Verstand ist das. Das System ist nicht das richtige, um 30 Milliarden Menschen bald durchzubringen. Die Konsequenz ist diesmal die vollständige Zerstörung. Wir sind nicht die 1. Kultur, die vollständig verschwunden wäre.

Re: Wirtschaftsdiktatur

Beitrag von Diboo » Sonntag 22. November 2009, 17:12

andy hat geschrieben:
Diboo hat geschrieben:Bitte nicht. Die Politik mag gut im Geldausgeben sein, aber leider nicht im Verdienen desselben. Sie sollte sich daher so weit wie möglich aus der Wirtschaft heraushalten. Überall da, wo sie es nicht getan hat oder tut, sehen wir ja die negativen Konsequenzen.


lässige aussage angesichts der aktuellen krise. diese als konsequenz von zu viel staat zu betrachten - respekt!

andy


Danke. Angesichts der Tatsache, dass es der US-amerikanische "Community Development Act" war, der Banken quasi dazu verpflichtet hat, Immobilienkredite an Leute zu vergeben, die keine oder kaum Sicherheiten zu bieten in der Lage waren, was überhaupt erst zur Immobilienblase und deren späteres Zerplatzen geführt hat, würde ich sagen, dass es in der Tat zuviel Staat war, der für die besagte Krise zumindest mitverantwortlich gewesen ist. Dass man angesichts der derzeitig mal wieder "schicken" Kapitalismuskritik solche unwichtigen Details gerne übersieht, weil sie nicht so richtig in das Gespräch am PDS-Stammtisch gehören, verwundert mich allerdings nur wenig.

Re: Wirtschaftsdiktatur

Beitrag von andy » Sonntag 22. November 2009, 16:31

Diboo hat geschrieben:Bitte nicht. Die Politik mag gut im Geldausgeben sein, aber leider nicht im Verdienen desselben. Sie sollte sich daher so weit wie möglich aus der Wirtschaft heraushalten. Überall da, wo sie es nicht getan hat oder tut, sehen wir ja die negativen Konsequenzen.


lässige aussage angesichts der aktuellen krise. diese als konsequenz von zu viel staat zu betrachten - respekt!

andy

Re: Wirtschaftsdiktatur

Beitrag von Stefan Hoffmann » Sonntag 22. November 2009, 15:35

Diboo hat geschrieben:Bitte nicht. Die Politik mag gut im Geldausgeben sein, aber leider nicht im Verdienen desselben. Sie sollte sich daher so weit wie möglich aus der Wirtschaft heraushalten. Überall da, wo sie es nicht getan hat oder tut, sehen wir ja die negativen Konsequenzen.


Du hast sicherlich recht, dass die Politik oftmals wenig ökonomischen Sachverstand zeigt und somit eine dirigistische Staatswirtschaft kaum als kommendes Erfolgsmodell angesehen werden kann. Im Umkehrschluss zu denken, dass die Wirtschaft sich schon selber reguliert und dass sie dies auf eine gute, allgemein verträgliche Weise tut, ist allerdings nach den Geschehnissen der letzten 15 Monaten eine sehr steile These - auch wenn sie erschütternd weit verbreitet scheint (dafür spricht zumindest das Wahlergebnis der letzten Bundestagswahl).
Aber wie man beispielsweise zu vernünftigen Regularien kommen soll bei den Derivaten (gibts natürlich schon wieder neue), bei fehlgesteuerten Boni-Systemen (Stichwort AIG, wo mit Staatsknete fette Boni ausgezahlt wurden) oder Ratingsystemen, die wirklich vollkommen widersinnig aufgestellt sind (selbst Firmen wie Enron hatten bis kurz vor Ende genügend Kleingeld, um sich ein AAA-Rating kaufen zu können), ohne dass Staaten oder Staatengemeinschaften sich an diesem Regelwerk massiv beteiligen und es in Gesetze gießen, das musst du mal erklären. Ich sehe nicht mal das geringste Anzeichen dafür, dass die berühmten Selbstheilungskräfte der Märkte den nächsten Crash, der mit unseren Steuergeldern aufgefangen werden müsste, verhindern könnten.

Insofern, würde ich behaupten, sehen wir momentan die negativen Konsequenzen überall dort, wo die Politik sich nicht eingemischt hat. Versteht sich von selbst, dass sich diese Aussage primär auf die Nachhaltigkeit und die Stabilität des Wirtschaftskreislaufes bezieht, nicht darauf, dass der Staat der bessere Unternehmer wäre.

Stefan

Re: Wirtschaftsdiktatur

Beitrag von Diboo » Sonntag 22. November 2009, 11:58

StevesBaby hat geschrieben:Hatten wir jemals wirklich eine Demokratie? Oder kann man es Wirtschaftsdiktatur nennen? Denn die Wirtschaft bestimmt die Politik. Sollte ja eigentlich umgekehrt sein.


Bitte nicht. Die Politik mag gut im Geldausgeben sein, aber leider nicht im Verdienen desselben. Sie sollte sich daher so weit wie möglich aus der Wirtschaft heraushalten. Überall da, wo sie es nicht getan hat oder tut, sehen wir ja die negativen Konsequenzen.

die Presse ist anscheinend auf Kurs der Regierung gebracht und hält still.


Wow, Verschwörungstheorien. Mal was ganz originelles. Chapeau!

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