Fantasy, Science Fiction, Horror - alles Ansichtssache?

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breitsameter
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Fantasy, Science Fiction, Horror - alles Ansichtssache?

Ungelesener Beitrag von breitsameter »

Im Blog Polyoinos schreibt Frank Weinreich einen interessanten Text unter dem Titel »Fantasy, Science Fiction, Horror – Gedanken über die Aussagekraft von Genreeinteilungen in der phantastischen Literatur«: http://www.polyoinos.de/Phantastik/genregrenzen.html
Die Phantastik reicht so weit, wie die Phantasie der Künstler und Schriftsteller, die sie erschaffen, und so weit wie die Träume des Publikums, das sich in ihre Welten begibt – die Welten der Fantasy, des Horrors, der Märchen, der Science Fiction und was es da noch so an Genres gibt. Gemeinsam ist den phantastischen Geschichten, dass sie vom Unmöglichen berichten. Doch das, was ihnen nicht gemeinsam ist, ist das, was die Genres der Phantastik konstituiert. Und da beginnt ein Problem, das sich in der allgemeinen wie der wissenschaftlichen Diskussion so sehr ausgeweitet hat, dass unklar ist, wie weit überhaupt von Genres in der Phantastik gesprochen werden kann. Das führt dann zu der Frage, ob eine Aufteilung nach Genres überhaupt noch sinnvoll ist.

Wie seht ihr das? Früher erschien bei Heyne die Fantasy jahrelang erst einmal unter dem Label "Science Fiction", heute zersplittert die Fantasy in den Buchhandlungen in verschiedene Regale mit "Vampiren", "Romantic Fantasy" und anderem... und der Horror muss immer noch gucken, wo er bleibt. Klar, das sind Kategoriern, die der Handel schafft, aber oft spiegeln/prägen? diese auch die Vorstellung der Leser, die sich aus diesen Regalen bedienen.
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Frank Böhmert

Re: Fantasy, Science Fiction, Horror - alles Ansichtssache?

Ungelesener Beitrag von Frank Böhmert »

breitsameter hat geschrieben:Wie seht ihr das?
Die Einordnung einiger weltbester Geschichten in die Schubladen realistische bzw. fantastische Literatur ist schon schwierig genug. Darum habe ich selbst diese Sortierung in meinen Regalen längst abgeschafft.

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Re: Fantasy, Science Fiction, Horror - alles Ansichtssache?

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

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Re: Fantasy, Science Fiction, Horror - alles Ansichtssache?

Ungelesener Beitrag von Doop »

Sehe ich ähnlich. Wobei es schwieriger wird, in den Buchhandlungen die Bücher zu finden, die zum Genre SF/Fantasy/Horror gehören. Aber ganz am Ende ist es mir ziemlich Wumpe, ob Tim Powers' "Tore zu Anubis Reich" nun im Regal mit der Aufschrift Scifi, Fantasy, Steampunk oder Romane steht. Bei mir zu Hause steht er einfach bei den Büchern. :D
deval
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Re: Fantasy, Science Fiction, Horror - alles Ansichtssache?

Ungelesener Beitrag von deval »

Ich brauche zwar auch keine Genreschubladen in die ich meine Bücher einordnen kann, finde
sie aber dennoch als grobe Richtlinie hilfreich.

Wenn ich wissen will was in manchen Verlagen im Bereich SF auf den Mark kommt muss ich
nicht lange suchen, sondern klicke auf der Homepage einfach bei SF/Fantasy und bekomme
so eine Übersicht. Das gleiche in Bücherläden. Wenn es nicht die Regale mit der Überschrift
SF oder Fantasy geben würde, müßte ich ja alle Bücher durchschauen um etwas passendes zu
finden. Und viele Romane würde ich vom Titel her gar nicht mal als SF einordnen. Ich würde
den Titel lesen und gar nicht wissen welchen Inhalt das Buch hat. Dann würden mir auch Bücher
wie Die Schönheit jener fernen Stadt von Ronald Wright durch die Lappen gehen.
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Re: Fantasy, Science Fiction, Horror - alles Ansichtssache?

Ungelesener Beitrag von Bungle »

Ansichtssache sicher auch, wenngleich Definitionen sich mit der Literatur wandeln. Aber ein paar Anhaltspunkte sind schon notwendig.
Für mich sind diese Genres immer noch bedeutsam, denn sie sind mit bestimmten Erwartungen meinerseits und anderer Leser verbunden, und die Romane, sei es SF, Fantasy oder Horror werden ja nicht zum größten Teil ohne Kenntnis der Genres geschrieben. Dass die Phantastik im Wandel ist, das sehen wir zu Zeit. Es kann sein, dass das Genre Horror, das im Buchhandel und in den Bibliotheken immer einen schweren Stand gehabt hat, irgendwann hinter Mystery, Dark Fantasy und "Vampiren" verschwindet, aber es werden dann immer noch unheimliche Romane geschrieben. Und Gespenstergeschichten wurden vor dem "Horror" geschrieben und werden es vermutlich auch noch nach ihm. Dafür ist der Horror das einzige Phantastik-Genre, dass sozusagen den Kontakt mit der uns bekannten Wirklichkeit braucht, und von den meisten Lesern "verstanden" wird. Und das Bedürfnis sich zu gruseln, oder erschreckt zu werden, das wird sowieso bleiben. Wenngleich das, was uns erschreckt, sich mit der Zeit verändert.

Aber ich habe es auch aufgegeben, in meiner Bibliothek Phantastisches und Nicht-Phantastik zu trennen. Sie sind nur noch nach Ländern und Sprachen sortiert.


MB
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Pogopuschel
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Re: Fantasy, Science Fiction, Horror - alles Ansichtssache?

Ungelesener Beitrag von Pogopuschel »

Frank Böhmert hat geschrieben:
breitsameter hat geschrieben:Wie seht ihr das?
Die Einordnung einiger weltbester Geschichten in die Schubladen realistische bzw. fantastische Literatur ist schon schwierig genug. Darum habe ich selbst diese Sortierung in meinen Regalen längst abgeschafft.

Die ganzen weiteren Unterteilungen sind was für Briefmarkensammler.

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Dem kann ich nur zustimmen. Ich finde dieses Schubladendenken bzw. zwanghafte Einteilen in Genres inzwischen sogar richtig nervig. Ich brauche im Buchladen auch keine Aufteilung in SF, Fantasy und Horrorregal. Ich lese alles und stöbere überall. Sätze wie: »Das gehört nicht hier her. Das ist doch Fantasy.« Finde ich engstirnig und überflüssig. Ist »Star Wars« Fantasy oder SF? Ist doch vollkommen egal.
Aber von mir aus können sich die Leser auch ruhig weiter in ihren Schubladen einigeln. Ich will sie da nicht um ihr Glück bringen. :D
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Bully
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Re: Fantasy, Science Fiction, Horror - alles Ansichtssache?

Ungelesener Beitrag von Bully »

Zu hause sortiere ich Bücher nach Autoren. Strata landet bei Pratchett, obwohl ziemlich sf-artig, und King ist King, egal, ob SF, Fantasy oder Horror. (Früher hatte ich mal das Gefühl, dass man "Horror" als Genre führte, um das Regal mit den Kingtiteln zu beschriften, aber diverse davon erfüllen die meisten Definitionen von SF oder Fantasy.)
Dass Schubladendenken per se schädlich ist, finde ich nicht.
Zu sagen, dass meinetwegen "Vampire im Weltraum" oder "Die Schlümpfe und die Zeitmaschine" nicht eindeutig einem Genre zuzuordnen sind, ist ja immer möglich.

Dass diese Abgrenzungen in Buchläden nicht so konsequent durchgehalten werden, liegt aber jetzt mMn weder daran, dass die Buchhändler ihren Kunden das Schubladendenken abgewöhnen wollen, oder dass es soviele neue Autoren gibt, deren Kreativität so groß ist, dass ihre Bücher sich einfach nicht in ein Genre pressen lassen, sondern daran, dass es denen egal ist.
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breitsameter
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Re: Fantasy, Science Fiction, Horror - alles Ansichtssache?

Ungelesener Beitrag von breitsameter »

Bully hat geschrieben:Zu hause sortiere ich Bücher nach Autoren.
Das tue ich natürlich auch. :beanie:
Da gibt es Autoren, die füllen mehrere Regalbretter (Philip K. Dick, Robert Silverberg, C.J. Cherryh, Andreas Eschbach, usw.) in bester Lage im Wohnzimmer, und andere, die müssen leider aufgrund von Platzgründen ihr Dasein im Keller (aber zumindest in Regalen!) fristen.

Der Autor des im ersten Posting zitierten Essays kommt übrigens zu einem interessanten Fazit, dass ich für mich voll und ganz unterstütze:
Sie sehen, auch wenn die Genrebegriffe schwammig wirken mögen – und so schwammig sind sie meist gar nicht – so geben sie doch wertvolle Orientierung. Man kann mit ihnen als Wissenschaftlerin oder Kritiker arbeiten, man kann sich nach ihnen als Publikum richten. Was man aber wirklich nicht mit ihnen tun kann – weil sie eben durchlässig und lebendig und unscharf sind – ist, ein Genre „an sich“ zu beurteilen oder gar zu verteufeln, wie es aber gerade die etablierte Literaturkritik ganz gerne macht. Das aber ist eine Abkürzung, die die üblichen Genreeinteilungen nicht erlauben, und das ist gut so.
Sicherlich eine interessante und kluge Aussage, die mir gut gefällt. Und natürlich findet die aktive Ablehnung der anderen Phantastikgenres trotzdem bei vielen Anhängern der Teilbereiche statt.
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Mammut
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Re: Fantasy, Science Fiction, Horror - alles Ansichtssache?

Ungelesener Beitrag von Mammut »

Ich persönlich finde eine Sortierung wichtig und stimme bungle da zu. Wozu braucht es denn eigentlich Genre?
Von der grundsätzlichen Idee ist doch das Genre ein Wegweiser durch den Literaturdschungel. Wollte ich was Spannendes lesen in dem auch reichlich Aktion enthalten ist, habe ich mir einen Krimi zugelegt. Hat man Sehnsucht nach den Sternen, wählt man SF, will man in eine nichttechnische Welt geht man in die Fantasy und will ich mich gruseln, nehme ich einen Horrorroman.
Nach Autoren sortiert man ja sowieso. Gefällt mir ein Autor wegen seiner SF, vesuche ich mal ein Krimi oder sonstwas von ihm, gerade wenn er mich schwer beeindruckt hat.

So eine Einteilung hat natürlich auch Nachteile. Es wurden und werden unzählige Geschichten geschrieben, um sich in einem Genre zu positionieren. Dadurch werden dann Weltraumgeschichten oft auch sehr schablonenhaft. Ist das aber so schlimm, wenn der glühende SF Fan genau die Geschichte bekommt, die er erwartet, selbst wenn sie nicht mehr so originell ist wie zu Anfang solcher Geschichten?

Das dann immer weiter in tausende Subgenres aufzuteilen, die sich dann überschneiden, macht mit Sicherheit Sinn für die Buchindustrie, die ja zielgerichtet ein "Harry Potter Genre" vermarkten kann und der Leser bekommt dann entsprechende Geschichten. Der Erfolg zeigt ja, diese Bedürfnisse sind da, Zwerge, Elfen und Wasauchimmer-Bücher haben unzählige Leser.
Für den Nichtexpertenleser wird es dann schwierig. Greift er nach einem Vampirbuch und erwartet was in Richtung Dracula, bekommt er jetzt einen Teenagerliebesroman. Es wird wieder unübersichtlich.

Ich frage mich daher nicht, ob Genregrenzen überflüssig sind, sondern eher, wie könnte ein besserer Wegweiser durch den Literaturdschungel aussehen? Also wie könnte man eine Aufteilung besser machen?

Vielleicht sind es andere Kriterien als Raumschiffe, Vampire oder Elfen, die als Wegweiser durch den Literaturdschungel herhalten können. Nur welche?

Für den Expertenleser sind Schubladen sowieso weniger wichtig. Der ist ja gut informiert (z.B. durch ein Forum wie dieses) und findet sich wohl auch ohne Genrewegmarken zu Recht.
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Helge
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Re: Fantasy, Science Fiction, Horror - alles Ansichtssache?

Ungelesener Beitrag von Helge »

Ich bin auch jemand, der die Genres als Wegweiser gut und nützlich findet. Da muss ja nichts sklavisch reingepresst werden, sondern wenn es ein Crossover ist, dann darf ja auch das auf der Titelseite stehen - es gab da auch mal den Begriff der Science Fantasy, der sich aber nicht recht durchsetzen konnte. Ärgerlich finde ich dagegen schon immer, dass "Genreliteratur" als etwas Abwertendes betrachtet wird - zwar nur von wenigen Prozent der Gesamtbevölkerung, aber eben ausgerechnet denjenigen, die im Kulturbetrieb etwas zu sagen haben. Dadurch wird impliziert, gute Literatur stände irgendwie außerhalb der Genres und diese wären auf sie gar nicht anwendbar. Dabei folgt es keinerlei Logik, dass man klassischer Literatur keine Genrebezeichnung gibt, sondern ist reine Willkür - normalerweise müsste Goethes Faust genauso wie Grimms Märchen unter Fantasy eingeordnet werden.
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molosovsky
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Re: Fantasy, Science Fiction, Horror - alles Ansichtssache?

Ungelesener Beitrag von molosovsky »

Ich finde die Genre-Frage spannend, auch wenn damit sicherlich immer wieder Ärgerliches einher geht.

Am wichtigsten finde ich, sich immer erstmal zu vergewissern, wer die Genre-Frage warum stellt, bzw. wer warum wie eine Genre-Definition oder Genre-Zuweisung vornimmt.

Wenn man sich beim Umgang, also bei Definition und Zuweisung, von Genres hauptsächlich auf Verlage verlässt, hat man schon verloren. Diese wollen vor allem eine grobe und einfache Orientierung bieten, um ihre Ware ideal auf dem Markt zu platzieren. Entsprechend schnell fallen dann Feinheiten unter den Tisch, die den Kennern wichtig sind, und die zu beachten für noch Unerfahrene wichtig wäre.

Eine große Dummheit, der man durchaus empörend oft beim Umgang mit Genre-Begriffen begegnet, ist die Annahme, die Genres ließen sich mit großer Genauigkeit eindeutig definieren und voneinander abgrenzen, bzw. einzelne Werke ließen sich entsprechend eindeutig einem (und nur einem!) Genre zuordnen. -- Ich hab schon einige Male die Metapher bemüht, dass Genre-Begriffe kein Schubladensystem bilden, sondern ein Genre-Begriff eher wie ein Betrachtungsfilter ist, und beim Blick durch diesen verschiedene Eigenschaften eines Werkes betont oder geschwächt werden (und man kann ein Werk eben durch verschiedene Genre-Begriffs-Filter sinnvoll betrachten).

Am interessantesten und vielleicht nützlichsten finde ich Genre-Begriffe, wenn man über Entwicklungs-, Traditions- & Beziehungs-Räume nachdenken will, also hinsichtlicher der Beziehungen des Einflusses, des aufeinander Verweisens, des kritischen, ablehnden oder zustimmenden Diskurses, welche zwischen Werken bestehen (oder bestehen könnten).

Grüße
Alex / molo
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Re: Fantasy, Science Fiction, Horror - alles Ansichtssache?

Ungelesener Beitrag von Bully »

molosovsky hat geschrieben:...Am wichtigsten finde ich, sich immer erstmal zu vergewissern, wer die Genre-Frage warum stellt, bzw. wer warum wie eine Genre-Definition oder Genre-Zuweisung vornimmt.
...
Eine große Dummheit, der man durchaus empörend oft beim Umgang mit Genre-Begriffen begegnet, ist die Annahme, die Genres ließen sich mit großer Genauigkeit eindeutig definieren und voneinander abgrenzen, bzw. einzelne Werke ließen sich entsprechend eindeutig einem (und nur einem!) Genre zuordnen. -- Ich hab schon einige Male die Metapher bemüht, dass Genre-Begriffe kein Schubladensystem bilden, sondern ein Genre-Begriff eher wie ein Betrachtungsfilter ist, und beim Blick durch diesen verschiedene Eigenschaften eines Werkes betont oder geschwächt werden (und man kann ein Werk eben durch verschiedene Genre-Begriffs-Filter sinnvoll betrachten).

Am interessantesten und vielleicht nützlichsten finde ich Genre-Begriffe, wenn man über Entwicklungs-, Traditions- & Beziehungs-Räume nachdenken will, also hinsichtlicher der Beziehungen des Einflusses, des aufeinander Verweisens, des kritischen, ablehnden oder zustimmenden Diskurses, welche zwischen Werken bestehen (oder bestehen könnten).

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Eine Frage mit der Gegenfrage zu beantworten, warum die erste Frage gestellt wird, klingt immer so verdächtig.
Wenn jemand von mir wissen will, was ist "Science Fiction", dann antworte ich: "Literatur/Filme/Comics, in der/denen die mehr oder weniger plausibele Extrapolation technischer und/oder naturwissenschaftlicher Theorien und Entwicklungen eine wesentliche Rolle spielen.", wenn mich jemand fragt, was ein "Krimi" sei, dann ersetze ich den "Extrapolation etc."-Teil mit "Verbrechen und häufig ihre Aufklärung".
Wenn man die "Macht" auch noch so (fantasymäßig) unwissenschaftlich findet, "Star Wars" ist nach der Definition SF, weil Raumfahrt- und Robotertechnik extrapoliert wurde.
Dass ein Roman/Comic/whatever in mehr als eine Kategorie passen kann, oder in kein etabliertes Genre, oder nicht eindeutig, weil in einer Geschichte offengelassen wird, ob ein Phänomen die Weiterentwicklung bekannter Wissenschaft und Technik oder mehr Magie sein soll, tut dem ja keinen Abbruch.
Den bekannten Einwand, dass ein fliegender Besen und ein überlichtschnelles Raumschiff beide nicht wissenschaftlich erklärbar seien, und es von daher keinen Unterschied zwischen Fantasy und SF gäbe, halte ich aber trotzdem für falsch.
SF wird nicht dadurch definiert, dass die darin dargestellte Technik irgendwann umgesetzt wird.
Überlichtschnelle Raumschiffe sind eine Extrapolation (wenn auch nicht eine besonders wahrscheinliche, beim derzeitigen stand der Technik) von unterlichtschnellen Raumschiffen. Fliegende Besen sind keine Extrapolation von normalen Besen, eine Extrapolation von Reisigbesen wären dampfgetriebene Fegemechanismen oder vllt. noch Staubsauger, wenn es richtig abgehoben sein darf. :wink:
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Re: Fantasy, Science Fiction, Horror - alles Ansichtssache?

Ungelesener Beitrag von molosovsky »

Auf einen Satz zusammendampfbare Definitionen finde ich nur begrenzt wertvoll. Mich erinnert das an Kleinkinderspiele, bei denen man dreieckige, runde und quadratische Formen durch Löcher schieben muss.

Ob »Star Wars« SF ist oder nicht hängt für mich weniger von (einer!) Definitionen ab, sondern mehr von Zusammenhängen, Betrachtungsweisen und Interessen.
Im Umfeld von »Buck Rogers« und »Flash Gordon« macht »Star Wars« als SF eine gute Figur.
Verglichen mit »Harry Potter« und »Conan der Barbar« hebt sich »Star Wars« (trotz Macht) als SF ab.
Verglichen mit »Children of Men« oder »Repo Man« treten bei »Star Wars« die märchen- / fantasy-haften Aspekte überdeutlich hervor.

(BTW: Ich fürchte, »Star Wars« bietet weniger Extrapolation möglicher Entwicklungen — schon gar nicht wissenschaftlich angehauchte — als vielmehr Interpolation von allem Möglichen, das Lucas und Co cool finden.)

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Andreas Eschbach
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Re: Fantasy, Science Fiction, Horror - alles Ansichtssache?

Ungelesener Beitrag von Andreas Eschbach »

molosovsky hat geschrieben:Wenn man sich beim Umgang, also bei Definition und Zuweisung, von Genres hauptsächlich auf Verlage verlässt, hat man schon verloren. Diese wollen vor allem eine grobe und einfache Orientierung bieten, um ihre Ware ideal auf dem Markt zu platzieren.
Wogegen im Grundsatz nichts einzuwenden ist. Die Frage, "in welches Regal stelle ich dieses Buch, damit es mit der größten Wahrscheinlichkeit Leser findet, denen es gefällt", ist keine unwichtige, sondern geradezu die zentrale Frage des Buchmarktes, da niemand imstande ist, die gesamte Buchproduktion zu überblicken.

Ein Genre ist sozusagen eine Fahne, hinter der sich Leute sammeln, die bestimmte Arten von Geschichten mögen – Krimis, Thriller, SF, was auch immer.

"Genre" als "Filter" zu sehen – hmm. Da geht es dann um literarische Verwandtschaft, um die Frage, welche Einflüsse in einem Werk erkennbar sind … Wäre es (mal ins Unreine gedacht) nicht sinnvoll, dafür einen anderen Begriff zu prägen?

Mir jedenfalls kommt es immer so vor, als ob ein Autor, der sich sagt, "ich schreibe einen <Genre>-Roman", sich damit zugleich kreativ begrenzt (ohne dass es ihm bewusst werden muss). Besser, das zu schreiben, was in einem ist, und sich über die Einordnung erst danach Gedanken zu machen (oder diese Gedanken Berufeneren zu überlassen, wenn man kann).
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