Wozu schreiben ...

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Wozu schreiben ...

Beitragvon Thomas Wawerka » 20. März 2012 13:46

... fragt ihr, werte Kollegen, euch das auch manchmal? Wenn ich die Bücherberge auf dem Grabbeltisch bei Hugendubel sehe ... von der Buchmesse ganz zu schweigen ... es ist so viel, es erschlägt einen fast! Es gibt gute Gründe:
- um Geld zu verdienen
- um etwas auszudrücken, was man anders nicht ausdrücken kann
- weil es Freude macht
- weil Literatur ein großer Diskurs ist und man etwas zu sagen hat
- weil man es kann
und so weiter, jeder möge nach Belieben ergänzen. Aber angesichts dieser Sintflut aus Druckbuchstaben befällt mich manchmal das Gefühl, es wäre ein Zeichen von Irrheit, noch zusätzlich Wasser hineinzugießen. Man kommt ja schon mit Lesen nicht mehr nach! Viele von euch haben einen SUB - ich nicht, aber ich habe mir das eine oder andere vorgenommen. Irgendwann ist Asimov dran. Irgendwann ist Kleist dran. Irgendwann will ich auch mal "König Ödipus" lesen. Aber ach ja, der neue Eco ist ja auch schon wieder da. Und, und, und ... und nebenbei, es gibt ja immer wieder Neuentdeckungen und Spontankäufe (ein SUB würde mich eher vom Lesen abhalten, einfach mal was ausprobieren macht mir mehr Spaß, aber es besteht halt die fifty-fifty Chance auf einen Reinfall). Wir haben die Möglichkeit, bis zu unserem Tod gute Literatur zu lesen (selbst wenn wir nach strengen Maßstäben aussondern) - mal im Ernst: fragt ihr euch nicht auch manchmal, wozu noch schreiben?
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Re: Wozu schreiben ...

Beitragvon muellermanfred » 20. März 2012 13:56

… um eine Geschichte zu erzählen.

Am besten von Angesicht zu Angesicht. Ganz direkt. Sofort in den Gesichtern lesen können, wie ein Ausdruck ankommt, finde ich toll.

Ich hatte mal einen, der ist dabei eingeschlafen und hat geschnarcht wie ein Weltmeister. Am nächsten Morgen habe ich ihn gefragt, ob es wirklich so langweilig gewesen sei. Da hat er mich beruhigt und gesagt, daß er nun mal leicht einschlafe, aber ich solle mir keine Sorgen machen: wenn es richtig beschissen gewesen wäre, hätte es ihn bestimmt geweckt … :lol:
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Re: Wozu schreiben ...

Beitragvon Dschinnie » 20. März 2012 14:41

... weil nur ich es schaffen kann, meine Geschichten genau so zu schreiben, wie sie meiner Meinung nach geschrieben werden müssen.

Was übrigens auch der Grund ist, warum es nicht ausreicht, sie zu erzählen. Es kommt auf jedes Wort an. Das Feilen am Text ist das, was für mich das Schreiben zum Erlebnis macht.
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Re: Wozu schreiben ...

Beitragvon a3kHH » 20. März 2012 15:50

Thomas Wawerka hat geschrieben: mal im Ernst: fragt ihr euch nicht auch manchmal, wozu noch schreiben?


?????
Thomas, Du kommst da voll vom Richtigen Weg ab. Aber so was von.
Natürlich habe ich ein RUB. So what ? Jetzt habe ich ein RUB, vor zehn Jahren sah das deutlich düsterer aus und vor 15 Jahren bin ich auf andere Genres ausgewichen. Ich gehe auch davon aus, daß der hohe Qualitätsstandard, der momentan in der deutschen Phantastik vorhanden ist, nicht immer so hoch bleibt. Und dann ist immer noch Zeit, das RUB abzubauen. Also mach' hier keine defätistischen Threads auf, sondern schick' mir endlich Deinen neuen Roman.
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Re: Wozu schreiben ...

Beitragvon Andreas Eschbach » 20. März 2012 16:31

Thomas Wawerka hat geschrieben:... fragt ihr, werte Kollegen, euch das auch manchmal? Wenn ich die Bücherberge auf dem Grabbeltisch bei Hugendubel sehe ... von der Buchmesse ganz zu schweigen ... es ist so viel, es erschlägt einen fast!


Jo. Aber wieso, frage ich mich, finde ich dann so selten ein Buch, das mir gefällt? Wieso ist für mich ein Lesejahr schon gut, wenn ich 1-2 mal an ein Buch gerate, das mich wegsaugt?

Alles muss man selber machen.

Deswegen.
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Re: Wozu schreiben ...

Beitragvon Bully » 20. März 2012 17:50

Thomas Wawerka hat geschrieben:... - weil man es kann
...

Anders als beispielsweise bei der Urananreicherung ist dieses Argument hier nicht nur notwendig, sondern hinreichend. :wink:
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Re: Wozu schreiben ...

Beitragvon Thomas Wawerka » 20. März 2012 19:00

a3kHH hat geschrieben:sondern schick' mir endlich Deinen neuen Roman


Dazu müsste ich wissen, wer du überhaupt bist ... :beanie:
Außerdem bin ich einer dieser ewigen Bedenkenträger, die sich ständig selbst hinterfragen (und auch alles andere) und von Natur aus defätistisch veranlagt sind und wahrscheinlich schon deshalb nie einen Roman fertig kriegen, weil man dafür einfach mal schreiben müsste, ohne sich dauernd vom eigenen Gehirn unterbrechen zu lassen. Aber mein Gehirn macht, was es will ... *seufz* ... es wächst mir sozusagen über den Kopf. Har-har. Im Augenblick macht es sich einen Heidenspaß damit, über einen Gottesbeweis nachzudenken. Total plemplem, ich weiß - aber mir brauchst du das nicht zu sagen.
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Re: Wozu schreiben ...

Beitragvon Dirk » 20. März 2012 19:20

Andreas Eschbach hat geschrieben:Jo. Aber wieso, frage ich mich, finde ich dann so selten ein Buch, das mir gefällt? Wieso ist für mich ein Lesejahr schon gut, wenn ich 1-2 mal an ein Buch gerate, das mich wegsaugt?

Zu höhe Ansprüche?
:xmas:

Thomas Wawerka hat geschrieben:
a3kHH hat geschrieben:sondern schick' mir endlich Deinen neuen Roman

Dazu müsste ich wissen, wer du überhaupt bist ... :beanie:

Also ... das ist Alfred.
Alfred kommt aus Hamburg.
Alfred hat profunde Kenntnise der Science Fiction, und ist trotzdem immer noch positiv zu überraschen.
Klingt komisch, ist aber so.
:jump:

Aber nun zu der eigentliche Frage, lieber Thomas.
Warum noch schreiben?
Ich finde, du stellst die Frage falsch, bzw. nicht vollständig.
Sie sollte eigentlich lauten:
Liest du noch, oder schreibst du schon?
Okay, kommt jetzt vielleicht albern rüber, aber der Kern der Sache ist doch die Beschäftigung mit Sprache in schriftlicher Form.
Eine aktive Beschäftigung, genau so wie das Lesen auch, ganz im Gegensatz zum reinen Konsum, zum Beispiel irgendwelcher hirntoten Endlosseifen über schrecklich asoziale ... äh ... glamouröse Familien, Aus- und Einwanderer, Kochgewohnheiten, für's einfach strukturierte Hirn aufbreitete Psychologen- oder Rechtssprechungsshows ...

Wer anfängt sich vom halb-passiven Lesen (ist immer noch etwas, was man selber tun muss, im Gegensatz zum Hörbuch) zum aktiven Schreiben bewegen zu lassen, und dafür all den gerade erwähnten Mist links liegen lässt, der hat doch schon was gewonnen.
Er wird selber aktiv, lässt sich nicht gängeln oder fertige Kost hirngerecht servieren.
Ich finde, dass ist schon ein Grund zu schreiben.

LG

Dirk :bier:
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Re: Wozu schreiben ...

Beitragvon a3kHH » 20. März 2012 20:48

Thomas Wawerka hat geschrieben:
a3kHH hat geschrieben:sondern schick' mir endlich Deinen neuen Roman


Dazu müsste ich wissen, wer du überhaupt bist ... :beanie:
Außerdem bin ich einer dieser ewigen Bedenkenträger, die sich ständig selbst hinterfragen (und auch alles andere) und von Natur aus defätistisch veranlagt sind und wahrscheinlich schon deshalb nie einen Roman fertig kriegen, weil man dafür einfach mal schreiben müsste, ohne sich dauernd vom eigenen Gehirn unterbrechen zu lassen. Aber mein Gehirn macht, was es will ... *seufz* ... es wächst mir sozusagen über den Kopf. Har-har. Im Augenblick macht es sich einen Heidenspaß damit, über einen Gottesbeweis nachzudenken. Total plemplem, ich weiß - aber mir brauchst du das nicht zu sagen.


a. Du nimmst mir das Wort aus dem Munde.
b. Du schreibst tatsächlich an einem Roman ? Wer, wie, wo, wann und worum geht's ?
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Re: Wozu schreiben ...

Beitragvon Andreas Eschbach » 20. März 2012 20:53

Dirk hat geschrieben:
Andreas Eschbach hat geschrieben:Jo. Aber wieso, frage ich mich, finde ich dann so selten ein Buch, das mir gefällt? Wieso ist für mich ein Lesejahr schon gut, wenn ich 1-2 mal an ein Buch gerate, das mich wegsaugt?

Zu höhe Ansprüche?
:xmas:


:kaffee_muede: Ach was. Ich bin doch manchmal schon mit einem alten Konsalik glücklich zu machen. Wenn ich eines ganz bestimmt nicht habe, dann zu hohe Ansprüche.
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Re: Wozu schreiben ...

Beitragvon Thomas Wawerka » 20. März 2012 20:58

Andreas Eschbach hat geschrieben:
Dirk hat geschrieben:
Andreas Eschbach hat geschrieben:Jo. Aber wieso, frage ich mich, finde ich dann so selten ein Buch, das mir gefällt? Wieso ist für mich ein Lesejahr schon gut, wenn ich 1-2 mal an ein Buch gerate, das mich wegsaugt?

Zu höhe Ansprüche?
:xmas:


:kaffee_muede: Ach was. Ich bin doch manchmal schon mit einem alten Konsalik glücklich zu machen. Wenn ich eines ganz bestimmt nicht habe, dann zu hohe Ansprüche.


Soll ich dir mal ne Liste machen? Kann regelmäßig erneuert werden ... Übrigens, ich finds gut, dass du dich zu Konsalik bekennst! :prima: Seitdem habe ich keine Scheu mehr, mich zu Karl May zu bekennen! :D
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Re: Wozu schreiben ...

Beitragvon Thomas Wawerka » 20. März 2012 21:00

a3kHH hat geschrieben:Du schreibst tatsächlich an einem Roman ? Wer, wie, wo, wann und worum geht's ?


Das Thema würde ausufern ... Aber sag doch mal, warum du das gefragt hast. Hatten wir schon mal anderweitig irgendwie Kontakt? Ich war überrascht.
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Re: Wozu schreiben ...

Beitragvon Uschi Zietsch » 20. März 2012 21:02

zu Andreas' Posting
Ach was. Ich bin doch manchmal schon mit einem alten Konsalik glücklich zu machen. Wenn ich eines ganz bestimmt nicht habe, dann zu hohe Ansprüche.

Ich auch nicht. Muss mir bloß gefallen. :lol:

BTW - steht zufälligerweise auf der Spiegel-Bestsellerliste, hab ich aber nicht deswegen gekauft (den Status hab ich erst heute entdeckt): Jonas Jonasson, Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Zum Brüllen komisch, und eine kleine Reise durchs 20. Jahrhundert gibts obendrein. Bin noch nicht ganz durch, aber als Betthupferl ist es einfach köstlich.

Und komischerweise, sowas regt mich erst recht zum Schreiben an. Will auch Geschichten toll erzählen. Also wozu? Destohalben!
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Re: Wozu schreiben ...

Beitragvon a3kHH » 21. März 2012 10:16

Thomas Wawerka hat geschrieben:
a3kHH hat geschrieben:Du schreibst tatsächlich an einem Roman ? Wer, wie, wo, wann und worum geht's ?


Das Thema würde ausufern ... Aber sag doch mal, warum du das gefragt hast. Hatten wir schon mal anderweitig irgendwie Kontakt? Ich war überrascht.


Nö. Aber Du bist der Autor, dessen Story-Band ich mir unbedingt noch besorgen muß. Einer aus der Kategorie "mehrlesenwill". Und, analog zu Karsten Kruschel, mich mit seinen Romanen, i.e. längeren Texten, überraschen könnte. Wie Dirk es schon präzise analysiert hat.
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Re: Wozu schreiben ...

Beitragvon Dirk » 21. März 2012 10:21

Moin Alfred :bier: *<- Kaffee*

Auch wenn es witzig rüberkam, ist es eher ernst gemeint.
Ich achte deine Meinung sehr, und deine Rezis sind für mich immer ein guter Wegweiser.
Wenn ein Autor es schafft, jemanden mit deiner Kenntnis / deinem Background zum Genre zu überraschen, dann ist das ein Ritterschlag.

LG

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