James Morrow "Das Gottesmahl"
Die Hardliner und langjährigen SF-Fans unter euch kennen das Buch sicher.
Für mich bedeutet das Buch: Endlich mal wieder ein Roman, der mich von der ersten Zeile an fesselt, mit stimmigen Personenbeschreibungen, einer stimmigen, dichten Atmosphäre und und und... Der Autor ist herrlich sarkastisch!
Zur Story: Der Roman ist am Ende des 20 Jh. angesiedelt. Einem abgehalfterten Öltanker-Kapitän erscheint zu seinem 50. Geburtstag Erzengel Raphael und verkündet ihm, dass die Himmlischen Heerscharen wie die Fliegen wegsterben, weil Gott tot ist. Soweit sogut - oder schlecht. Ganz wie man es sehen mag. Doch das Problem"chen" ist größer, als angenommen. Sehr viel größer - denn die Leiche des lieben Herrgotts mißt über zwei Meilen und ist in den Ozean gestürzt. Langsam aber sicher wird Gottes Leib von diversen Meeresbewohnern verspeist. Bevor Raphael stirbt, fordert er in Zusammenarbeit mit dem Vatikan den Tankerkapitän auf, Gottes Korpus zu bergen und ins Nördliche Eismeer zu schleppen, damit er dort tiefgefrostet nicht mehr der Verwesung / Verspeisung preisgegeben wird. Was nun folgt, kann sich jeder ausmalen. Dem Vatikan wird die Lebensgrundlage entzogen - er versucht mit aller Macht Gottes Tod zu vertuschen. Dennoch sickert einiges durch: Dverse Reliquienjäger wollen sich nun eine Scheibe (im wahrsten Sinne des Wortes) abschneiden. Die Atheisten wollen nun beweisen, dass es Gott gegeben hat und nun aber tot ist. Ein absurdes Szenario tut sich dem Leser auf. James Morrow gelingt es meiner Meinung nach, mit Witz, Sarkasmus und einer schonungslosen Abrechnung mit den ganzen Idioten, die so durch die Welt tapern, ein Bild der heutigen Gesellschaft zu zeichnen und schlägt in alle Richtungen um sich. Ziemlich jeder bekommt hier sein Fett weg, angefangen bei fanatischen Gläubigen und neureichen Wohlstandssöhnchen, die sich als Revoluzzer ausprobieren, bis hin zu Feministinnen, die gegen das Patriarchat aufbegehren, denn Gott - (der, männlich) ist in ihren Augen der oberste Phallukrat und gehört auf den Meeresboden versenkt.
(Das Buch hat schon um die 15 Jahre auf dem Buckel, daher lassen mich einige Dinge *Laserdiscs / *noch kein Internet/Emails in einigen Szenen auf dem Tanker schmunzeln )
Was wäre wenn - es Gott gäbe / es ihn nicht gäbe / es ihn gegeben hätte / oder doch nicht....
So - ich muss jetzt weiterlesen! Bin hellauf begeistert. Leider scheint das Buch nur noch bei Online-Märkten erhältlich zu sein.
Wer das Buch noch nicht kennt ---> Mein absoluter Lesetipp.


