Kritik – wie sag ich's dem Autor?

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Mammut
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Ungelesener Beitrag von Mammut »

Anonymous hat geschrieben:Was mit schon stört, ist der (wie ich es empfinde) literaturpapistische Kommandoton, in dem ... über Literatur verfügt wird
Tja, das ist leider war, stört mich auch des öfteren in diversen Kritiken. Allerdings gibt es da auch gegenteilige Meinungen. Schreib Autor X mal, du findest seine Geschichte langweilig, dann fordert dieser genau diesen literaturpapistische Kommandoton.

Das passt zwar jetzt nicht ganz zu eurer Diskussion, aber das passt zumindest thematisch.
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Scotty
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Ungelesener Beitrag von Scotty »

Michael Schmidt hat geschrieben: Allerdings gibt es da auch gegenteilige Meinungen. Schreib Autor X mal, du findest seine Geschichte langweilig, dann fordert dieser genau diesen literaturpapistische Kommandoton.
Solche Auseinandersetzungen gibt es oft genug auch zwischen Leser und Leser! :x
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    Ungelesener Beitrag von Mammut »

    Ja, da hast du Recht.
    Wir leben in einer Zeit, wo du nicht einfach sagen darfst, du findest etwas Scheiße! Ganz einfach, weil verlangt wird, dass du es begründen musst.

    Warum soll ich begründen, dass mir die Musik von Marianne Rosenberg nicht gefällt? Hört es doch einfach selbst und bildet eure Meinung :kotzen:
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    Ungelesener Beitrag von breitsameter »

    Ich habe diese Diskussion jetzt mal aus dem Visionen 3-Lesezirkel abgetrennt und zu einem eigenen Thema gemacht.
    Michael Schmidt hat geschrieben:Ja, da hast du Recht.
    Wir leben in einer Zeit, wo du nicht einfach sagen darfst, du findest etwas Scheiße! Ganz einfach, weil verlangt wird, dass du es begründen musst.

    Warum soll ich begründen, dass mir die Musik von Marianne Rosenberg nicht gefällt? Hört es doch einfach selbst und bildet eure Meinung :kotzen:
    Wobei ich den Eindruck hatte, daß bei der ursprünglichen Diskussion genau die Begründungen das Problem waren, bzw. die von mir genannten Kritikpunkte nicht gehört werden wollten. Wie man es macht, ist es also falsch. :wink:

    Zum Glück schreibt man aber seine Kritiken nicht singulär für den Autor des besprochenen Werkes, sondern für das restliche Publikum. Und das ist sicher froh, wenn es auch eine Begründung erhält, warum einem etwas nicht gefallen hat.
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    Ungelesener Beitrag von Mammut »

    Ich bin der Meinung, man soll eine Geschichte vor der Veröffentlichung sezieren. Ist sie einmal erschienen, soll man natürlich seine Meinung begründen, aber aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, diese in ihre Bestandteile zu zerlegen, da sollte man dem Autor gegenüber fair sein und gar nicht so sehr ins Details gehen. Wie weit man begründen soll/muss ist natürlich diskussionswürdig.

    Ich bin auch der Meinung, dass Autoren die Meinungen der Leser zur Kenntnis nehmen sollten, ohne in seitenlangen Elaboraten zu argumentieren, warum der Mist, den sie verbrochen haben, doch kein Mist ist.

    Nachtrag: Die Geschichte, um die es eigentlich geht, bietet aus meiner Sicht - unabhängig ob sie einem gefällt oder nicht - eigentlich keine große Plattform, um sich da lange drüber zu unterhalten. Dafür ist sie eigentlich zu gewöhnlich. Da wirft die erste Geschichte, Haubolds Orakel, mehr offene Fragen auf.
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    Ungelesener Beitrag von Scotty »

    Michael Schmidt hat geschrieben:Ich bin der Meinung, man soll eine Geschichte vor der Veröffentlichung sezieren. Ist sie einmal erschienen, soll man natürlich seine Meinung begründen, aber aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, diese in ihre Bestandteile zu zerlegen, da sollte man dem Autor gegenüber fair sein und gar nicht so sehr ins Details gehen. Wie weit man begründen soll/muss ist natürlich diskussionswürdig.
    Michael, da bin ich etwas anderer Meinung. Das gleicht ja einem Maulkorb! Wenn ich mich mit anderen Lesern über das Buch unterhalte, sehe ich überhaupt keinen Anlass, irgendwelche Punkte auszuschliessen.

    Viel wichtiger ist es aus meiner Sicht, sämtliche Eindrücke in aller Deutlichkeit auf sich zu beziehen, also zu beschreiben, wie das Buch/die Story bei einem selber angekommen ist und nicht absolute Urteile zu fällen.

    Alles weitere artet schnell in eine Kompetenzanmaßung aus. Kluge Ratschläge, wie es der Autor besser machen sollte, Anmerkungen, was der Autor falsch gemacht hat etc. Der Künstler ist der einzige, der für sein Werk verantwortlich ist, der es so schafft, wie er es für richtig hält. Da keiner im Detail weiß, welches Ziel er mit seinem Werk verfolgt, kann auch keiner ihm kluge Ratschläge geben.

    Gibt man dem Künstler allerdings ein Feedback, wie das Werk bei einem angekommen ist, so kann er prüfen, ob diese Wirkung seine Absicht entspricht und seine Kosequenzen ziehen oder nicht.
    Zuletzt geändert von Scotty am 17. Dezember 2006 14:58, insgesamt 1-mal geändert.
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      Ungelesener Beitrag von Mammut »

      Scotty hat geschrieben:
      Alles weitere artet schnell in eine Kompetenzanmaßung an. Kluge Ratschläge, wie es der Autor besser machen sollte, Anmerkungen, was der Autor falsch gemacht hat etc.
      Das ist genau das was ich meine.
      Ich habe eigentlich keinen Maulkorb gemeint, nur muss es irgendwann auch mal gut sein und man kann sich auch tot diskutieren. Das macht ein Autor auch, wenn er auf fragwürdige Weise sein Konstrukt verteidigt. Ich muss mal bei Gelegenheit ein Beispiel raussuchen, das verdeutlicht vielleicht eher, was ich meine.

      Ansonsten fehlen mir scheinbar im Moment die richtigen Worte. :oops:
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      Ungelesener Beitrag von Scotty »

      Eigentlich ist der Thread-Titel zu speziell. Es geht ja nicht nur darum, wie ichs dem Autor sage, sondern wie man Kritik im allgemeinen äussern sollte.
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        Ungelesener Beitrag von frankh »

        Na ja, es gibt m. E. zwei Arten von Kritik:

        1. die betont subjektive: "Die Geschichte X hat MIR nicht gefallen, weil ..."

        2. die belehrende; "Die Geschichte X ist mißlungen, weil der Autor keine Ahnung von Y hat."

        Die erstgenannte Variante ist etwas, worüber sich kein Autor ernsthaft aufregt. Um ein Beispiel zu nennen: Michael S. empfindet den Dialog zwischen Mensch und KI als langweilig. Das freut den Autor nicht (da er schon einiges gekürzt hat), es ist aber auch keine Katastrophe. Vielleicht (aber nur vielleicht) faßt er sich beim nächsten Dialog noch kürzer.

        Die zweitgenannte Variante ist dagegen (bei entsprechender Veranlagung des Autors) hervorragend geeignet, eine Kontroverse auszulösen. Wieder ein Beispiel: Leser X wirft Autor Y vor er hätte keine Ahnung von den Verhältnissen auf dem Mars, da seine Protagonisten keine Sauerstoffgeräte tragen. Nun hat Autor Y aber einen ganzen Ordner mit Details über den Mars zusammengetragen und kennt jeden zweiten Krater mit Vornamen. Seine Protagonisten tragen aber trotzdem keine Sauerstoffegräte, weil sie sich sonst schlecht unterhalten könnten und die Mimik nicht erkennbar wäre. Außerdem benutzt er den Mars nur als Kulisse für Irdisches. Folglich rastet Autor Y aus und nennt Leser X einen Deppen. Leser X brummt etwas von "arrogantem A...h", und schon ist der schönste Zoff im Gange. :-?

        P. S. Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Ereignissen sind wie stets rein zufällig. :smokin

        Gruß

        Frank
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        Ungelesener Beitrag von Mammut »

        frankh hat geschrieben:Um ein Beispiel zu nennen: Michael S. empfindet den Dialog zwischen Mensch und KI als langweilig.
        Das ist ein gutes Beispiel. Ich könnte natürlich im Details aufzählen, was mir an der Szene zwischen Mensch und KI im "Orakel" nicht gefällt. Aber ich bin der Meinung, auch wenn dies eine Schlüsselszene in der Geschichte ist, würde das für eine öffentliche Diskussion zu weit führen. Unabhängig davon, ob meine Meinung jetzt richtig ist, oder die des Autors, der sich ja was bei seiner Szene gedacht hat.

        Umgekehrt macht Frank W. Haubold das gleiche. Er teilt meine oben genannte Meinung nicht, diskutiert sich aber nicht tot.
        Damit haben beide den gegenseitigen Respekt bekundet, trotz unterschiedlicher Meinung.

        Natürlich fällt dies schwer, wenn mir als Leser eine Geschichte absolut missfallen hat. Oder mir als Autor, wenn mir die Kritik missfallen hat.

        Aber der von Frank genannte Zoff sollte eigentlich nicht Gegenstand einer "literarischen Diskussion" sein. Das war eigentlich mein Begehren weiter oben, was auf keinen Fall als Maulkrob verstanden werden sollte. Diskussionen um eine Sache - wie die Diskussion über die Sexualität in der Kasperschen Geschichte oder die Pointe der Geschichte, ist natürlich wichtig.
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        Ungelesener Beitrag von Rusch »

        Ich schreibe ja viele Kritiken und versuche möglichst Konstruktiv zu bleiben. Die Erfahrung zeigt doch, dass eine destruktive Rezension weder dem Autoren noch dem Leser hilft, da er sich vor der Kritik verschließen wird. Genauso ist es eigentlich mit den anderen Lesern: Man schreibt seine subjektiven Eindrücke nieder, kann aber nicht für alle eine allgemeingültige Kritik verfassen.

        So kommt es, dass eine Buch, dass mir vielleicht solala gefallen hat, in der Kritik durchaus hier und da noch positives angerechnet bekommt. Ich bringe Kritik und Lob immer zusammen, um zu versuchen, die Kritik dem Autoren nahe zu bringen. Auf der anderen Seite bemängele ich schon offensichtliche Fehler, wie z. B. eine total vermurkstes Ende oder eine klischeehafte Beschreibung von Personen und Orten. Gnädiger bin ich bei Handlungsverläufen, Tempo, Erzählart, etc. Hier ist es auch schon mal Geschmackssache.

        Und natürlich mache ich einen Unterschied zwischen Fanautoren, semi-professionellen und professionellen Autoren.
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        Ungelesener Beitrag von Jan Gardemann »

        Genau so, wie eine Geschichte bei einem Leser etwas hervorruft (Positives, wie Negatives), löst auch die Lesermeinung bei dem Autor etwas aus (Glücksgefühl bis Niedergeschlagenheit). Wahrscheinlich ist ein Leserforum nicht der beste Platz für einen Autor, seinen Frust über die Leser und Kritiker abzulassen. Aber ebenso, wie ein Autor sich Kritik gefallenlassen muss, sollten die Kritiker oder Textbesprecher auch damit leben können, wenn sie mal eine Ladung Frust von einem kritisierten Autor abbekommen. Nicht alle können so souverän mit Kritik umgehen, wie z.B. Frank W. Haubold. Einige juckt es, zurückzuschießen, auch wenn dies allgemein als unschicklich angesehen wird.
        Hartmut Kasper wollte sich wohl ursprünglich auch gar nicht äußern und hat sich vielleicht nur durch meine in den virtuellen Raum geworfenen Frage, ob er die Kommentare liest, herausgefordert gefühlt.
        Hartmut hat sich entschuldigt und sieht das alles als Missverständnis an, und das glaube ich ihm auch.

        Der literaturpapistische Kommandoton, der hier zum Thema gemacht wurde, rührt wohl daher, dass jeder Leser sich wichtig nimmt (was er ja auch ist). Dieser Ton ist nur unerträglich, wenn dieser Papst andere mit seinem Glauben bekehren will und nicht als Diskussionsgrundlage ansieht.
        Ansonsten ist es gerade die Vielstimmigkeit des literaturpapistischen Chors, der einen Lesezirkel für einen Autor reitzvoll macht. :lehrer: :lehrer: :lehrer: :lehrer: :lehrer: :lehrer: :lehrer: :lehrer: :lehrer:
        :lehrer: :lehrer: :lehrer:
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        Ungelesener Beitrag von Rusch »

        Wie gesagt: Man sollte stets sachlich bleiben. Ein Lesezirkel ist in meinen Augen für einen Autoren ein Glücksfall. Und wenn der Verfasser sogar noch mitmacht, dann gibt es nicht nur mehr konstruktive Kritik, weil sich die meist wohl am Riemen reissen, sondern auch einen Dialog. Ich fand das immer für beide Seiten bereichernd.
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        Michael Schmidt hat geschrieben:
        Das ist ein gutes Beispiel. Ich könnte natürlich im Details aufzählen, was mir an der Szene zwischen Mensch und KI im "Orakel" nicht gefällt. Aber ich bin der Meinung, auch wenn dies eine Schlüsselszene in der Geschichte ist, würde das für eine öffentliche Diskussion zu weit führen. Unabhängig davon, ob meine Meinung jetzt richtig ist, oder die des Autors, der sich ja was bei seiner Szene gedacht hat.
        Genau in diesem Punkt sind wir nicht ganz einer Meinung (was selten genug vorkommt :bier: ). Nach meiner Auffassung ist eine gelungene Kritik (bzw. ein gelunges Feedback) keine Frage des Abstraktionsgrades. Ganz im Gegenteil: Je konkreter der Leser schildert, was ihn gestört hat, desto mehr kann man doch damit anfangen, oder?

        Um mich zu wiederholen: Bleib beim Feedback bei dir selber, denn solche Aussagen tun nicht weh und sind auch unanfechtbar. Normalerweise sollte sich dann auch kein hitziges Gefecht entwickeln können. Genau diese Regel unterscheidet auch die beiden von Frank aufgeführten Beispiele!

        Durch meinen Beruf musste ich viele hundert (teilweise schwierige) Feedback-Gespräche durchführen. Diese kleine Regel hat mir dabei sehr geholfen.

        Das ein oder andere Male habe ich bei Kritiken in diesem Forum sogar Entschuldigungen gelesen, dass die ein oder andere Anmerkung vielleicht zu kleinlich sei. Meine Güte, wer entscheidet eigentlich darüber, was wichtig ist und was nicht? Wenn eine solche Kleinigkeit mir den Spass an der Story verdorben hat, dann ist sie wichtig! So hat mich z.B. der (scheinbar) fehlende Bezug der Sexualität zu H. Kaspers Story gefehlt. Das habe ich klar geäussert. Nur so war es möglich, dass mir Jan eine kleine Hilfestellung gegeben hat.
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          Jan Gardemann hat geschrieben:
          Nicht alle können so souverän mit Kritik umgehen, wie z.B. Frank W. Haubold.
          Ich wusste gar nicht, dass du einen solchen Sinn für Humor hast. Da bin ich aber beeindruckt.
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