

Jan Gardemann hat geschrieben:Ob diese armen Viecher, denen man doch einige Intelligenz nachsagt, wirklich zu so infantilen Versen fähig sind
...







Einzig das Ende war mich nicht so klar. Was wollte Frank damit sagen? Dass Kohle wichtiger als die Revolution ist? Glaube ich nicht. Dieser Aspekt wurde schon vorher in der Story veraten. Das wäre keine Pointe. Aber was dann? Habe ich etwas verpasst? Irgendwie passiert mir das dauernd, dass ich die Pointe nicht versteh oder versuche, zuviel darin zu sehen.
Jakob hat geschrieben:Einzig das Ende war mich nicht so klar. Was wollte Frank damit sagen? Dass Kohle wichtiger als die Revolution ist? Glaube ich nicht. Dieser Aspekt wurde schon vorher in der Story veraten. Das wäre keine Pointe. Aber was dann? Habe ich etwas verpasst? Irgendwie passiert mir das dauernd, dass ich die Pointe nicht versteh oder versuche, zuviel darin zu sehen.
Ich glaube ja ehrlich gesagt, dass diese Pointenfixiertheit in der SF oft ziemlich unglücklich ist und dazu führt, dass Autoren sich in dem verzweifelten Bemühen, noch einen letzten Twist einzubauen, verkrampfen, anstatt sich auf Figuren und Geschichte zu konzentrieren. Von daher erwartest du von Frank Story vielleicht etwas, worauf sie gar nicht abzielt - ich konnte auch keine "Abschlusspointe" finden, die in dem Sinne eine neue Aussage hat, aber das ist ja auch völlig OK. Wir erfahren am Ende einfach, wie sich die Hauptfigur innerhalb eines schon vorher aufgespannten Möglichkeitsfelds entscheidet.
Ich persönlich störe mich ja meistens eher an Geschichten, bei denen der Autor mir explizit auftischt, was er mir "sagen" will. Ich hab manchmal den verdacht, dass sf-Leser einfach zu wenig vertrauen in das haben, was sie vielleicht selbst in einer Story sehen, und immer gern durch den Autor explizit bestätigt hätten, ob ihre Interpretation denn nun "richtig" ist. Ist doch nun wirklich egal, was Frank sagen will, solange man etwas interessantes in der Geschichte findet!

Und ein Strudel von Memories drang in sie ein – Bilder, Klänge und Empfindungen aus einem Leben, das nicht ihr eigenes war, und sich dennoch vertraut anfühlte: Kindheit, goldenes Viertel, Mord an ihrer Mutter, gravierte Klingen, Drache, Teufel, Schulfabrik, Einsamkeit, Untergrund, Spraydosen, Gefängnis, Waffen, Feuer über Feuer, ein Blitz, ein blauer Hund und dann Graffitis mit Knochen und Blumen und Tod, surreal und doch so echt, daß sich Mirós Erinnerungen mit den ihren vermischten, sich beim dritten Kurzschluß miteinander verzahnten. Céline schrie auf, während das letzte Memory sich in ihr aufblähte wie eine Seifenblase und zerplatzte – Schwärze und Rauschen; Skas Körper war kollabiert.
Der Händler beugte sich über den Transmitter, ein Gerät in der Form eines Kubus, links und rechts die Drähte und goldene Haftungen für die Stirn. »Fünfzehn.«
»Was, fünfzehn?« Mit zwei Fingern knibbelte das Mädchen die Haftung ab. »Das sind ja mehr als drei Erinnerungen.«
»In bester Qualität«, ergänzte der Händler und setzte sein Verkaufslächeln auf. »Glasklare Bilder, saubere Gefühle. Wir nehmen nur Alpha-Memories.«
»Teuer, teuer.«
»Und zu recht!« Der Händler öffnete die Hände. »Diese Erinnerung stammt aus dem Jahr 1964, Westeuropa, Frankreich vielleicht; sie ist mehr als 200 Jahre alt.« Sein Lächeln wurde breiter. »La Bohème, wenn Sie wissen, was ich meine.«
»La Bohème«, wiederholte das Mädchen nachdenklich. »Gut, okay, tauschen sie auch schlechte?«
»Kommt drauf an.«
»Ich habe ein Erlebnis aus der Schulfabrik, zwei Nächte im Gefängnis und den Mord an meiner Mutter.«
Der Händler sog Luft durch die Zähne. »Mord? Wir sind ein seriöses Geschäft, so etwas können Sie hier nicht tauschen. Erinnerungen an Bücher, an Filme, die unsere Regierung vernichten ließ, das nehmen wir gerne. Sonnenuntergänge, Erinnerungen an Tiere und Pflanzen. Ein Picknick im Wald. Haben Sie solche Fragmente?«
»Nein«, antwortete das Mädchen traurig, und ihre Augen schillerten in tausend Farben. »Oh, ich hatte mal einen Hund.«
»Einen Hund? Dafür gibt es Sammler. Welche Rasse?«
»Weiß ich nicht. Er hatte ein königsblaues Fell.«
Der Händler winkte ab. »Keine Schöpfungen, tut mir leid.«


Jakob hat geschrieben:Ich persönlich störe mich ja meistens eher an Geschichten, bei denen der Autor mir explizit auftischt, was er mir "sagen" will. Ich hab manchmal den verdacht, dass sf-Leser einfach zu wenig vertrauen in das haben, was sie vielleicht selbst in einer Story sehen, und immer gern durch den Autor explizit bestätigt hätten, ob ihre Interpretation denn nun "richtig" ist. Ist doch nun wirklich egal, was Frank sagen will, solange man etwas interessantes in der Geschichte findet!

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