Eschbachs "Buch von der Zukunft"

Science Fiction in Buchform
Benutzeravatar
Frank Böhmert

Eschbachs "Buch von der Zukunft"

Ungelesener Beitrag von Frank Böhmert »

Nanu, gibts noch gar keinen Thread dazu? Dann aber flugs einen aufgemacht! :wink:

Ich bin noch nicht ganz durch, aber zwei Sachen will ich schon mal loswerden:

Erfreulich - Bild ich mir das nur ein, oder wird Eschbachs Sprache immer klarer? Diesmal hat sie schon fast was von schlichter Eleganz. Als ich angefangen habe, Eschbach zu lesen, musste ich schon öfters schlucken, was die Sprache angeht. "Jesus Video" zum Beispiel liest sich in Aberdutzenden Stellen eher wie eine schlechte Übersetzung als ein Original. Aber spätestens seit seinem Wechsel zu Lübbe passieren solche Sachen immer seltener. Und jetzt, hier in diesem "Reiseführer", finde ich Sprachschnitzer eigentlich überhaupt nicht mehr. Bezaubernd. Hat er bessere Lektoren heutzutage oder achtet er mehr drauf? Na, wahrscheinlich beides. :biggrin:

Ärgerlich - Da macht der Verlag ein so schönes Buch mit toll griffigem Deckel, 1a-Papier und Lesebändchen, und dann fügt er ihm weder eine Literaturempfehlungsliste noch ein Register bei. Das reduziert den Wert als Nachschlagewerk z. B. für Schulaufsätze oder zum Argumentesuchen gegen Null. Wat soll der Scheiß? Wo es doch ein Jugendbuch sein soll!

Frank, der für dieses Buch den SPIEGEL dieser Woche glatt links liegen lässt
Benutzeravatar
Oliver
SMOF
SMOF
Beiträge: 1782
Registriert: 18. Januar 2003 18:29
Bundesland: Niedersachsen
Land: Deutschland

Ungelesener Beitrag von Oliver »

Ein Parallel-Thread auf SF-Netzwerk.de ist auch noch sehr leer, liegt wohl daran, dass das Buch gerade erst erschienen ist.

Meine Rezi von letzter Woche gibt es hier, ich war sehr angetan von dem Buch:

http://www.phantastik-news.de/modules.p ... ent&id=372
Benutzeravatar
Stefan Hoffmann
SMOF
SMOF
Beiträge: 1544
Registriert: 23. Oktober 2003 12:03
Land: Deutschland
Wohnort: Berlin

Ungelesener Beitrag von Stefan Hoffmann »

Apropos Rezi:
Oliver hat geschrieben: Nur auf einem Nebenschauplatz erlaubt sich der Autor einen bösen Patzer: Wenn er versucht, einen Zusammenhang zwischen Computerspielen und Schulmassakern zu konstruieren, plappert er, wohl aus Gedankenlosigkeit, die dummdreist-populistischen Wortbrocken von ahnungs- und hilflosen Politikern am äußersten rechten Rand nach.
Diese Äußerung freilich hat mich bestürzt. Seit diesem Erfurt-Massaker und der anschließenden Medienschlacht habe ich eigentlich die Nase gestrichen voll von wohlfeilen Populismen zu diesem Thema.

Nun frag ich mich freilich: Was hat Andreas Eschbach überhaupt geschrieben? :D


Stefan
Liest: "Cyberabad" von Ian McDonald
Benutzeravatar
Frank Böhmert

Ungelesener Beitrag von Frank Böhmert »

Oliver auf phantastik.de hat geschrieben:Kritik wird sich Andreas Eschbach anhören müssen, weil sein Buch wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genügt und auch nicht genügen will, das macht er schon auf dem Cover mit dem Wort "Reiseführer" deutlich und fernerhin wäre der nötige Fußnotenapparat vermutlich ähnlich umfangreich wie der Text. Er wollte bewusst populärwissenschaftlich schreiben und dieser Ansatz wird auch von hier begrüßt, nur manchmal wünscht man sich schon, dass man mittels einer Fußnote vom Autor präsentierte Ergebnisse zu gewissen Studien weiter verfolgen kann, entweder weil einen das Ergebnis verblüfft, oder weil man schlicht mehr darüber wissen will.
Genau. Mit der Einschränkung allerdings, dass über Anhänge in der Regel der Verlag entscheidet und nicht der Autor.

Und so schrecklich fußnotig müsste man das Buch ja gar nicht ausstatten. Ein paar Seiten Empfehlungsliste zum Weiterlesen wären durchaus ausreichend. Da gibt es doch genug Sachtitel im Jugendbuchbereich, die das vorgemacht haben - mir fällt da sofort Fernando Savater mit seinen Ethik/Politik-für-die-Erwachsenen-von-morgen-Büchern ein.
Oliver auf phantastik.de hat geschrieben:Der Autor kann noch so unterhaltsam schreiben, das ständige Springen von einem Thema zum anderen sorgt gegen Ende des Buches für ganz leichte Ermüdungserscheinungen
Da stimme ich nicht mit Dir überein, und zwar in der Wahrnehmung des Buches: Ich finde nicht, dass Eschbach von einem Thema zum anderen springt - er verfolgt eine regelrechte Argumentationskette, statt irgendwie nach Sachgebieten/Oberbegriffen zu ordnen. Ich finde das wunderbar. (Vermisse aber eben dadurch das Sachregister umso mehr.)

Frank, der sich jetzt aber endlich auf die Lektüre von Kollege Wulf Dorns erstem Romanmanuskript stürzen wird!
Benutzeravatar
Oliver
SMOF
SMOF
Beiträge: 1782
Registriert: 18. Januar 2003 18:29
Bundesland: Niedersachsen
Land: Deutschland

Ungelesener Beitrag von Oliver »

Stefan Hoffmann hat geschrieben:Diese Äußerung freilich hat mich bestürzt. Seit diesem Erfurt-Massaker und der anschließenden Medienschlacht habe ich eigentlich die Nase gestrichen voll von wohlfeilen Populismen zu diesem Thema.

Nun frag ich mich freilich: Was hat Andreas Eschbach überhaupt geschrieben? :D
Zunächst vorab: Ich gebe zu, dass das ein Reizthema für mich ist, deswegen habe ich da auch etwas deutlichere Worte benutzt.

Er schreibt dazu, ich hoffe, ich gebe ihn da jetzt richtig wieder (sonst bitte korrigieren!!!), dass man, wenn man sich Schulmassaker auf der einen Seite und Ego-Shooter (das Wort benutzt er nicht, das stammt von mir) auf dem Computer auf der anderen Seite ansieht, nicht wundern darf, denn was sollten diese Spiele sonst trainieren, wenn man sich im Übermaß mit ihnen beschäftigt.

Ich hatte deswegen schon einen kleinen Mailwechsel mit Andreas (von beiden Seiten absolut freundlich-sachlich und argumentativ, nicht streitlüstern-polemisch), in welchem ich ihm schrieb, dass mich das Wort "trainieren" sehr stören würde, weil es offensichtlich von Politikern stammt, die selbst noch nie vor so einem Spiel gesessen haben, denn man kann durch dem Umgang mit der Maus und dem Zielen auf Polygon-Gebilde nicht dem Umgang mit einer Schusswaffe trainieren. Das sind für mich zwei völlig verschiedene paar Schuhe.
Er steht, vorsichtig ausgedrückt, Computerspielen deutlich skeptischer gegenüber als ich ("geistige Diät"), das ist seine Meinung und die kritisiere ich auch nicht, geärgert hatte ich mich halt darüber, dass er das Wort "trainieren" in diesem Zusammenhang einfach von ahnungslosen Politikern übernommen hat.

Er schriebt mir dazu noch was, da er aber zum einen hier mitliest und sehr gut für sich selbst sprechen kann und ich zum anderen schlecht einfach aus seiner Mail zitieren kann, schließe ich zunächst mal hier.
Ulrich
SMOF
SMOF
Beiträge: 2629
Registriert: 10. September 2003 17:41

Ungelesener Beitrag von Ulrich »

Oliver hat geschrieben:Ein Parallel-Thread auf SF-Netzwerk.de ist auch noch sehr leer, liegt wohl daran, dass das Buch gerade erst erschienen ist.
Da gibt es bestimmt noch andere Gründe. Mir fallen mindestens noch drei andere Threads über neue Bücher ein, in denen wenig oder gar nicht diskutiert wurde. Und dann gibt es wiederum lange Diskussionen über Neuerscheinungen.
Benutzeravatar
Stefan Hoffmann
SMOF
SMOF
Beiträge: 1544
Registriert: 23. Oktober 2003 12:03
Land: Deutschland
Wohnort: Berlin

Ungelesener Beitrag von Stefan Hoffmann »

Oliver hat geschrieben:Zunächst vorab: Ich gebe zu, dass das ein Reizthema für mich ist, deswegen habe ich da auch etwas deutlichere Worte benutzt.
Das geht mir leider ähnlich. In den über 15 Jahren, die ich in der Branche arbeite, haben sich die teils haarsträubenden Verunglimpfungen leider nicht wirklich gebessert, daher reklamiere ich hier mein persönliches Grundrecht auf Gereiztheit. :)
Oliver hat geschrieben:Er schreibt dazu, ich hoffe, ich gebe ihn da jetzt richtig wieder (sonst bitte korrigieren!!!), dass man, wenn man sich Schulmassaker auf der einen Seite und Ego-Shooter (das Wort benutzt er nicht, das stammt von mir) auf dem Computer auf der anderen Seite ansieht, nicht wundern darf, denn was sollten diese Spiele sonst trainieren, wenn man sich im Übermaß mit ihnen beschäftigt.
Och, da fielen mir speziell beim Paradebeispiel Counterstrike nun schon noch andere Dinge ein. Teamplay, soziale Interaktion in den Clans usw.. Und solide PC-Netzwerkkenntnisse stellen sich bei vielen Lan-Party-Freaks auch nach ner Weile ein. ;)
Hm, und sowas sagt ein ausgewiesener Shooter-Hasser...
Oliver hat geschrieben:Er schriebt mir dazu noch was, da er aber zum einen hier mitliest und sehr gut für sich selbst sprechen kann und ich zum anderen schlecht einfach aus seiner Mail zitieren kann, schließe ich zunächst mal hier.
Trotzdem danke für die Info. Vielleicht äußert sich Herr Eschbach ja selbst.


Stefan
Liest: "Cyberabad" von Ian McDonald
Benutzeravatar
Kringel
SMOF
SMOF
Beiträge: 6259
Registriert: 13. Mai 2003 07:32
Land: Deutschland
Wohnort: Das schöne Rheinhessen
Kontaktdaten:

Ungelesener Beitrag von Kringel »

Ja, ja, jaaa! Bitte auch hier eine Diskussion über "gewaltverherrlichende Anleitungen zum Massenmord" (= Videospiele in den Augen mancher Leute)!!! Dann werde ich nämlich bald meinen zweitausendsten Beitrag schreiben können!
Benutzeravatar
Stefan Hoffmann
SMOF
SMOF
Beiträge: 1544
Registriert: 23. Oktober 2003 12:03
Land: Deutschland
Wohnort: Berlin

Ungelesener Beitrag von Stefan Hoffmann »

Kringel hat geschrieben:Ja, ja, jaaa! Bitte auch hier eine Diskussion über "gewaltverherrlichende Anleitungen zum Massenmord" (= Videospiele in den Augen mancher Leute)!!! Dann werde ich nämlich bald meinen zweitausendsten Beitrag schreiben können!
Ich sehe, Du bist voller Vorfreude, hier demnächst richtig loslegen zu können. :D Indes, mir fehlt etwas der Glaube darein, daß der Dissenz hier im Forum das hergibt. Aber ich lasse mich da gerne eines Besseren belehren. ;)
Wobei ich die mediale Betrachtung dieses Themas und die Qualität dieser Betrachtung als ein Separatthema ansehe.

Apropos: Was schreibt Andreas Eschbach denn über die Zukunft der Medien? :)


Stefan
Liest: "Cyberabad" von Ian McDonald
Benutzeravatar
Frank Böhmert

Ungelesener Beitrag von Frank Böhmert »

Stefan Hoffmann hat geschrieben:Apropos: Was schreibt Andreas Eschbach denn über die Zukunft der Medien? :)
Selber lesen macht schlau. :biggrin:
Benutzeravatar
Shock Wave Rider
Statistiker des Forums!
Statistiker des Forums!
Beiträge: 11522
Registriert: 20. Juli 2003 21:28
Bundesland: Bayern
Land: Deutschland
Liest zur Zeit: C. Stross "Accelerando"
R. Schweikert "Gerade Gedanken - schiefe Gedanken"
Wohnort: München

Ungelesener Beitrag von Shock Wave Rider »

Frank Böhmert hat geschrieben:Selber lesen macht schlau. :biggrin:
Falsch!
Arthur Schopenhauer hat geschrieben:Lesen heißt mit einem fremden Kopf statt dem eigenen zu denken.
Gruß
Ralf
Shock Wave Riders Kritiken aus München
möchten viele Autor'n übertünchen.
Denn er tut sich verbitten
Aliens, UFOs und Titten.
Einen Kerl wie den sollte man lünchen!
Benutzeravatar
Kringel
SMOF
SMOF
Beiträge: 6259
Registriert: 13. Mai 2003 07:32
Land: Deutschland
Wohnort: Das schöne Rheinhessen
Kontaktdaten:

Ungelesener Beitrag von Kringel »

Stefan Hoffmann hat geschrieben:Ich sehe, Du bist voller Vorfreude, hier demnächst richtig loslegen zu können.
Du hast es erfasst. Eine Diskussion würde aber nur dann richtig Spaß machen, wenn hier a) mehr Gamer und b) mehr Vertreter der anderen Seite mitmachen würden.
Benutzeravatar
HectorSamuel
True-Fan
True-Fan
Beiträge: 299
Registriert: 4. Februar 2004 12:44
Land: Deutschland
Wohnort: VW-Town :D

Ungelesener Beitrag von HectorSamuel »

Kringel hat geschrieben:Eine Diskussion würde aber nur dann richtig Spaß machen, wenn hier a) mehr Gamer und b) mehr Vertreter der anderen Seite mitmachen würden.
Also als "Gamer" möchte ich mich nicht gerade bezeichnen... aber als Ex-Gamer stehe ich auf ihrer Seite... ;)

Aber ich glaube kaum, dass hier wirklich genügend "Gegner" aufzutreiben sind...
habe gerade fertig gelesen: KJA - Saga d. sieben Sonnen Bd.4
lese gerade: A.Bradhorst - Diamant (Kantaki 1)
habe unterbrochen: F.Schätzing - Nachrichten aus einem unbekannten Universum
Benutzeravatar
Frank Böhmert

Ungelesener Beitrag von Frank Böhmert »

Shock Wave Rider hat geschrieben:
Arthur Schopenhauer hat geschrieben:Lesen heißt mit einem fremden Kopf statt dem eigenen zu denken.
:o Der Arme! Es muss ihn ziemlich zermürbt haben, mit so einer Haltung Bücher zu publizieren.

Aber du hast natürlich Recht, löblicher Aussagen-Verbesserer. Ich hätte besser geschrieben: Selber lesen macht wissend.

Klingt bloß scheiße.

Frank :biggrin:
Benutzeravatar
Stefan Hoffmann
SMOF
SMOF
Beiträge: 1544
Registriert: 23. Oktober 2003 12:03
Land: Deutschland
Wohnort: Berlin

Ungelesener Beitrag von Stefan Hoffmann »

Frank Böhmert hat geschrieben:
Stefan Hoffmann hat geschrieben:Apropos: Was schreibt Andreas Eschbach denn über die Zukunft der Medien? :)
Selber lesen macht schlau. :biggrin:
Tja, vielleicht finde ich eine gutgläubige Seele, die's mir ausleiht. :D Zu einem Kauf könnt ich mich derzeit nicht durchringen. :o


Stefan
Liest: "Cyberabad" von Ian McDonald
Antworten