Science Fiction am Ende?

Science Fiction in Buchform
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Andreas Eschbach
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Andreas Eschbach »

a3kHH hat geschrieben:Die "originellen SF-Romane" gibt es und sie werden auch publiziert.
Ich verweise da zum Beispiel auf "Ein Kaiser für Deutschland" oder "Black*Out".
(Da kannst Du jetzt schwerlich widersprechen, nicht wahr ?
:teufel: )
:prima:

Aber widersprechen muss ich doch insofern, dass ich gerade zu "Black*Out" regelmäßig in Rezis lesen darf, "na ja, nicht gerade eine originelle Idee, aber ganz gut umgesetzt" ...
:wand:

Und in Mails und Foren werde ich genauso regelmäßig gefragt, ob ich denn nicht mal wieder einen "richtigen" SF-Roman schreiben wolle.
Auf meine Rückfrage, was das denn sei, ein "richtiger" SF-Roman, heißt es dann: Na, mit Raumschiffen und Aliens und galaktischen Imperien und so.

:lehrer:Womit wir auf den Telepolis-Beitrag zurück und zu dem Schluss kommen können: Dass die SF in dem Zustand ist, den Michael Szameit beklagt, liegt tatsächlich daran, dass das Gros der SF-Konsumenten sie genau so haben will. Abstimmung mit den Füßen, dem Geldbeutel, per Mausklick und per Fernbedienung – demokratischer geht's gar nicht!
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Beverly »

Andreas Eschbach hat geschrieben:Die Frage aller Fragen in diesem Zusammenhang ist doch aber die: Woran liegt es, dass wir diese "unglaublich originellen SF-Romane", die wir so vermissen, nicht in der Buchhandlung finden – liegt es daran, dass diese Romane von den Verlagen nicht publiziert, oder liegt es daran, dass sie gar nicht geschrieben werden?

Ich persönlich vermute: Letzteres. Und ich vermute es auf der Grundlage von gefühlt tausend Manuskriptanfängen, Entwürfen, Konzepten, Vorschlägen und sonstigen Texten bislang unveröffentlichter Autoren, die mir im Lauf der Zeit untergekommen sind. Klar hält jeder Autor seinen eigenen Roman für unglaublich originell und noch nie da gewesen, aber mir jedenfalls sind in der weit überwiegenden Hauptsache Aufgüsse von Aufgüssen von ohnehin schon wenig originellen Vorlagen begegnet.
Ich will jetzt gar nicht darauf abheben, ob Bücher unveröffentlicht sind oder nicht. Das tut zum Inhalt nichts zur Sache. Wir haben da:

1. Bücher, die schlicht unleserlich sind. Das mag für viele Manuskripte zutreffen, kommt aber auch bei veröffentlichen Sachen vor und ist auch Geschmackssache.
2. Bücher, deren Autoren das Handwerk des Schreibens beherrschen, die aber Worte und Motive verwenden, die in der SF schon x-mal dagewesen sind und wo es meines Erachtens am eigenständigen Weltentwurf mangelt.
3. Bücher, die durchaus originell sind und deren Autoren eine eigene Welt mit eigener Sprache entwickeln, aber deren Maß an Originalität auch nur dem der besseren Werke der SF entspricht.
4. Wirklich originelle Bücher mit neuen Ideen und abgefahrenen Welten, die aber nur Leser in einer Nische begeistern.
5. Top sind diejenigen, die originell sind und zugleich den Mainstream ansprechen. Spontan fällt mir der "Herr der Ringe" ein, weil er gängige Motive von Heldengeschichten, Zwergen, Rittern und Zauberern in eine einmalige und unverwechselbare Form fasst. In der SF der "Wüstenplanet", der populäre Motive des Abenteuer- und Heldenromans mit einem einmaligen [wenn auch dystopischen] Weltentwurf verband (woraufhin aber x Autoren anfingen, Sachen in der Art von "Der Herr der Ringe" zu schreiben und SF-Romane mit einem Label "ein Roman in der Tradition des Wüstenplaneten" beworben werden).
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L.N. Muhr
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von L.N. Muhr »

Und wo da würdest du dich einordnen? :teufel:
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frankh
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von frankh »

Andreas Eschbach hat geschrieben::lehrer:Womit wir auf den Telepolis-Beitrag zurück und zu dem Schluss kommen können: Dass die SF in dem Zustand ist, den Michael Szameit beklagt, liegt tatsächlich daran, dass das Gros der SF-Konsumenten sie genau so haben will. Abstimmung mit den Füßen, dem Geldbeutel, per Mausklick und per Fernbedienung – demokratischer geht's gar nicht!
Entschuldigung, daß ich da widersprechen muß. Erstens kann der Leser ja nur über das "abstimmen", was er vorgesetzt bekommt. Nicht jeder recherchiert in Internet-Foren, ob in den dort diskutierten Büchern aus kleineren Verlagen etwas für ihn dabei sein könnte. Genau genommen tun das die wenigsten. Mir ist das selbst schon so gegangen, daß ich kurz vor dem Urlaub dann eben irgendwas noch schnell gekauft habe, das eben dort lag.

Zweitens scheuen die sogenannten "Großen" (sicherlich teilweise aus nachvollziehbaren Gründen) jedes verlegerische Risiko. Das behaupte ich nicht einfach so, sondern ich kenne diesbezügliche Aussagen aus eigener Erfahrung: "Erstens verlegen wir im SF-Nischenbereich schon X und aus Deutschland Y und einen dritten Autor gibt das Gesamtprogramm nicht her." Aus Controller-Sicht verstehe ich das natürlich, aber das ist kein Klima, in dem etwas Originelles gedeihen könnte. Das heißt, gedeihen könnte es schon, aber es wird nicht auf dem Markt plaziert und erreicht deswegen auch die Mehrzahl der potentiellen Kunden nicht.

Exoten wie Cordwainer Smith konnten seinerzeit überhaupt nur eine (überschaubare) Publizität erlangen, weil die Gesamtmenge des professionell Veröffentlichten auf Grund der weit höheren Leserzahl groß genug war, um auch die "Nischen" zu bedienen. Heute würde m. E. keines seiner Bücher mehr zur Veröffentlichung angenommen werden. Damit behaupte ich nicht, daß es massenweise Autoren seines Niveaus gäbe, aber wenn doch, würde es vermutlich niemand bemerken.

Der Niedergang der SF-Literatur speist sich m. E. aus vier Quellen:

1. eine weitaus geringere Anzahl an Interessenten (z. B. gegenüber den 60ern), bedingt durch die Dominanz anderer Medien,

2. ein niedrigerer literarischer Anspruch seitens der Mehrheit der Konsumenten aufgrund der medialen Reizüberflutung und einer veränderten Erwartungshaltung (action & blood).

3. Aussterben von Verlegerpersönlichkeiten durch die Dominanz des Konzerncontrollings, das jedes veröffentlichte Buch als "Profitcenter" definiert.

4. wirtschaftlich begründetes "Auswandern" der wenigen talentierten Autoren in andere Genres oder den Mainstream.

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Uschi Zietsch
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Aber Frank, über all diese Gründe wurde doch schon vor 30 Jahren diskutiert. Ich hab damals angefangen und genau diese Diskussion von A-Z genau so gehabt. Und damals war die SF besser dran als die Fantasy. Und dann kam die Diskussion in den 90ern, und Anfang der 2000er, und was hat sich denn genau geändert seitdem? Nix.

Und schon Goethe hat seine Werke selbst verlegen müssen, weil er keinen Verleger gefunden hat, und Buchhandlungen bestechen, damit sie wenigstens ein paar Exemplare auslegen.

Wir können die Gründe hin- und herschieben, sie sind immer dieselben und ändern sich nie, und der Niedergang des Niveaus wird schon genauso lange beklagt wie die "unmögliche Jugend heutzutage". Also ein paar tausend Jahre. :beanie:
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Andreas Eschbach
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Andreas Eschbach »

Nein, so unrecht hat Frank nicht. Es gab noch nie so viele Medien wie heute, die Konzentration der wichtigsten Marktakteure (sowohl auf Verlagsseite als auch – und mit vielleicht noch dramatischerer Wirkung – auf Seiten der Buchhandelsketten) war noch nie so hoch – das macht sich schon bemerkbar, in allen Bereichen des Buchmarktes natürlich, nicht nur in der SF. Vergleiche mit Goethe sind da nicht erhellend, wahrscheinlich nicht mal mit Thomas Mann.

Dass man nur über das abstimmen kann, was einem angeboten wird, kennen wir ja aus der Politik leider auch.

Aber ...

Man kann eben doch Trends sehen. Wenn, sagen wir, die Bücher der Originalitätsklasse 40-100 im Angebot fehlen, gibt es trotzdem Bücher der Originalitätsklassen 0 bis 39. Und wenn man sich von denen die Absatzzahlen anschaut und sieht, "aha, je niedriger die Originalitätsklasse, desto besser der Verkauf", dann muss die Frage gestattet sein, wieso das so ist. Wieso greifen die Buchleser, denen man nur zu gerne unterstellen möchte, sie suchten eine geistige Anregung, die ihnen Ballerspiele und "Dschungelcamp"-TV-Shows nicht bieten können, bevorzugt zu den unoriginellen Büchern? Wieso ist die "Honor Harrington"-Serie, die nun wirklich nichts anderes ist als Captain Hornblower auf weiblich im Weltall, ein Bestseller und Iain Banks was für Spezialisten?
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Beverly »

Amtranik hat geschrieben:Oh ja jetzt sind wir bei einem meiner Lieblingsthemen angelangt.

Mir begegnet viel zu oft in Buchbesprechungen,Rezensionen und Kritiken zu SF-Romanen die Aussage der Roman x oder der Roman y wäre langweilig, oder durchschnittsware oder vorhersehbar und was weiß ich nicht alles, weil keine neue Idee enthalten sei. Auch habe ich schon öfter mal gelesen da SF als reine Ideenliteratur gelte würde sie eben als solche auch nicht ernst genommen. Ich frage mich ob das in anderen Genres auch so ist.

Wenn ich schon vorn vornherein mit der Einstellung in einen neuen SF-Roman gehe das ich den abklopfe ob ich die ein odere andere Idee schon so oder ähnlich bei wem anders gelesen habe dann bin ich doch ein armes Schwein. Nie würde ich wirklich befriedigt werden, es sei denn ich lüge mir was in die Tasche. Wie wir wissen sind ja auch die Wahrnehmungen solcher überschneidungen je nach Leser extrem unterschiedlich. Was der eine als total abgekupfert bei xy empfindet, sieht der nächste anders. Eines ist doch klar. Jeder von uns der hier als langjähriger Fan unterwegs ist würde vermutlich zu jeder erdachten Technik, Geschichte oder kniff eines neu erschienen SF-Werkes historische Beispiele aus anderen Romanen auflisten wo das der Herr son und so auch schon drinne hatte.
Sowohl auf naturwissenschaftlichem und technischen als auch auf politischem und gesellschaftlichem Gebiet sind so gut wie alle Ideen in der SF schon mal da gewesen. Mich nervt es eher, wenn Autoren aus all dem Fundus an tollen Ideen immer nur eine "Mindestausstattung" auswählen, die es z. B. für eine 08/15-Space Opera braucht.
Abgesehen von den Ideen bleibt noch immer das Schreiben, die Sprache, die Handlung und die Protagonisten. Die entscheiden letztendlich darüber, ob ein Buch "Aufguss" oder originell ist.
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Beverly »

2. Bücher, deren Autoren das Handwerk des Schreibens beherrschen, die aber Worte und Motive verwenden, die in der SF schon x-mal dagewesen sind und wo es meines Erachtens am eigenständigen Weltentwurf mangelt.
3. Bücher, die durchaus originell sind und deren Autoren eine eigene Welt mit eigener Sprache entwickeln, aber deren Maß an Originalität auch nur dem der besseren Werke der SF entspricht.
4. Wirklich originelle Bücher mit neuen Ideen und abgefahrenen Welten, die aber nur Leser in einer Nische begeistern.
5. Top sind diejenigen, die originell sind und zugleich den Mainstream ansprechen. Spontan fällt mir der "Herr der Ringe" ein, weil er gängige Motive von Heldengeschichten, Zwergen, Rittern und Zauberern in eine einmalige und unverwechselbare Form fasst. In der SF der "Wüstenplanet", der populäre Motive des Abenteuer- und Heldenromans mit einem einmaligen [wenn auch dystopischen] Weltentwurf verband (woraufhin aber x Autoren anfingen, Sachen in der Art von "Der Herr der Ringe" zu schreiben und SF-Romane mit einem Label "ein Roman in der Tradition des Wüstenplaneten" beworben werden).
L.N. Muhr hat geschrieben:Und wo da würdest du dich einordnen? :teufel:
Bei 3. und 4. Mainstream auf keinen Fall.
Mainstream möchte ich auch nie werden, weil es Konformismus und Verflachung bedeutet. Der einzige Trend, den ich setten will, ist der, dass es keine Trends mehr gibt.
frankh hat geschrieben:
Andreas Eschbach hat geschrieben:Zweitens scheuen die sogenannten "Großen" (sicherlich teilweise aus nachvollziehbaren Gründen) jedes verlegerische Risiko. Das behaupte ich nicht einfach so, sondern ich kenne diesbezügliche Aussagen aus eigener Erfahrung: "Erstens verlegen wir im SF-Nischenbereich schon X und aus Deutschland Y und einen dritten Autor gibt das Gesamtprogramm nicht her." Aus Controller-Sicht verstehe ich das natürlich, aber das ist kein Klima, in dem etwas Originelles gedeihen könnte. Das heißt, gedeihen könnte es schon, aber es wird nicht auf dem Markt plaziert und erreicht deswegen auch die Mehrzahl der potentiellen Kunden nicht.
Einer Verlegerin, die ich in einem anderen Forum kennengelernt habe, stellte ich einen Roman von mir vor und gab ihr auch das Manuskript. Sie antwortete, dass ihr das Buch gefiel und sie mit den darin gemachten Aussagen übereinstimme, ihr Verlag aber nicht über die Ressourcen verfügte, um es richtig herauszubringen.
Ein Herausgeber schrieb vor Jahren mal als Antwort auf eine Manuskripteinsendung, dass meine Geschichte nicht in sein Konzept passte (wobei ich die Geschichte heute nicht mehr so schreiben würde).
Ein Freund sagte mal, es sei sehr schwer, mit SF auch nur ein Nebeneinkommen zu erzielen, geschweige denn, davon zu leben und ein Literagent antwortete mir, er könnte meine Sachen nicht vermarkten.

Das sind ehrliche Aussagen, mit denen ich leben kann.

Für Miseren in der SF abwechselnd die dummen Leser und unfähige Nachwuchsautoren verantwortlich zu machen, nervt nur noch. Das wirkt auf mich so, als ob die mehr oder weniger erfolgreichen "Macher" alle Schuld auf andere abwälzen. So nach dem Motto: "Im Großen und Ganzen ist alles OK, unser Business läuft ja und wo es nicht läuft, haben stets andere die Schuld."
Andreas Eschbach hat geschrieben:Man kann eben doch Trends sehen. Wenn, sagen wir, die Bücher der Originalitätsklasse 40-100 im Angebot fehlen, gibt es trotzdem Bücher der Originalitätsklassen 0 bis 39. Und wenn man sich von denen die Absatzzahlen anschaut und sieht, "aha, je niedriger die Originalitätsklasse, desto besser der Verkauf", dann muss die Frage gestattet sein, wieso das so ist. Wieso greifen die Buchleser, denen man nur zu gerne unterstellen möchte, sie suchten eine geistige Anregung, die ihnen Ballerspiele und "Dschungelcamp"-TV-Shows nicht bieten können, bevorzugt zu den unoriginellen Büchern? Wieso ist die "Honor Harrington"-Serie, die nun wirklich nichts anderes ist als Captain Hornblower auf weiblich im Weltall, ein Bestseller und Iain Banks was für Spezialisten?
Das mag alles so sein, aber ist es eine Rechtfertigung für irgend etwas?
Zuletzt geändert von Beverly am 8. Februar 2012 19:08, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Amtranik »

Andreas Eschbach hat geschrieben: Wieso ist die "Honor Harrington"-Serie, die nun wirklich nichts anderes ist als Captain Hornblower auf weiblich im Weltall, ein Bestseller und Iain Banks was für Spezialisten?

Weil das der Normalzustand ist und war und immer sein wird.

Des Königs Admiral war schon immer weit eher ein Publikumsmagnet als bspw irgend ein schwerer Stoff mit literarischem Anspruch. Das groh der Leute liebt Abenteuergeschichten die gerne einfach gestrickt sein dürfen wenn Sie nur kurzweilig sind und charme haben. Es ist immer nur die Minderheit die sich durch irgendein ambitioniertes Werk quälen will. Diese Beobachtung halte ich für etwas ganz natürliches.
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agro
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von agro »

Originalität und wirklich neue Einfälle fehlen, richtig! Meistens zumindest. Die Masse der Konsumenten will leicht verständliche Kost. Nur die wenigsten begreifen, dass der kommerziell enorm erfolgreiche Cameron-Streifen "Avatar" eigentlich der tausendste Aufguss des Pocahontas-Themas ist. Erstmal blieben die Münder der Kinogänger angesichts der Farbenflut und der durchaus beeindruckenden 3D-Technik offen stehen - was in meinen Augen auch der einzige wirkliche Pluspunkt des Films ist.. Denn die Optik täuschte über die eigentlich sehr magere Story hinweg. Die nette Idee - Neuronenkopplung der Pandora-Species, -sämtliches Leben des Mondes ist miteinander verknüpft - kam mir beim ersten Filmerlebnis sowas von bekannt vor. (ich üblege gerade, woher. Ich bin mir sicher, ähnliches bereits vor Jahren irgendwo gelesen zu haben. Die menschlichen Charaktere bleiben Pappfiguren, Bösewicht - vernarbtes kanntiges Gesich mit stechendem Blick, der Hauptheld bekommt zusätzliche Symphatiepunkte dank eines Behindertenbonus. (ein Ehemaliger - ein Kriegsveteran.) Gut und Böse, Schwarz und weiß - Graustufen fehlten, nichts, was eine Figur lebendiger und glaubwürdiger gestaltet hätte.

Aber ich verstehe Cameron: Schließlich sollen Milliarden in die Kassen gespült werden. Und das funktioniert nur, wenn man den Anspruch des Films soweit herunterschraubt, dass die Mehrheit die"Avatar"-Story für ein intellektuelles Ereignis hält.
Die Öko-Story ist in drei Sätzen erzählt: Dank der Gier terranischer Konzerne (oaaah - Kritik am System!) und mithilfe des kriegsgeilen Militärs (da kann man´s mal wieder sehen!) soll der Mond "Pandora" (unpassender Name, wie ich finde) umgepflügt und ausgebeutet werden. Ohne Rücksicht auf Verluste sollen auf den im Einklang mit der Natur lebenden India.... äähm Aliens (die sowas von humanoid aussehen *da hilft auch keine blaue Farbe*, denken und fühlen *gähn*) ihre Lebensgrundlage - entzogen werden. Das ruft ein paar Umweltschützer auf den Plan, von denen sich einer in die Häuptlingstochter verliebt. Das wars auch schon.

Gottseidank hat "Avatar" eine so beeindruckende Optik, dass ich meinen Ärger über die besch...eidene flache Story zumindest für eine Weile herunterschlucken konnte. Ein Buch ähnlichen Anspruchs hätte ich nämlich sofort im Mülleimer entsorgt. (obwohl mir meine Eltern beigebracht haben, Bücher niemals wegzuwerfen)

Bitte bitte lieber Filmgott Ridley Scott, vergeige es nicht mit "Prometheus"! Lass es einen halbwegs anspruchsvollen Film werden! Ich bin Optimist, wenn ich an deine Bladerunner-Umsetzung denke. Aber dein letztes Spiel im SF-Genre liegt schon fast 30 Jahre zurück. Bitte bitte bitte!!! :bier:
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Christof »

m mir beim ersten Filmerlebnis sowas von bekannt vor. (ich üblege gerade, woher. Ich bin mir sicher, ähnliches bereits vor Jahren irgendwo gelesen zu haben
http://www.amazon.de/denkenden-W%C3%A4l ... 3453043154
Oder um Wikipedia zu zitieren:
Viele Elemente der Handlung finden sich schon in Die denkenden Wälder (englisch: Midworld, 1975) von Alan Dean Foster und Der Planet der Katzenwölfe (englisch: The Winds of Altair, 1973) von Ben Bova. Der Schauplatz Pandora erinnert stark an den gleichnamigen Schauplatz des russischen Romans Die Unruhe (1960) von Boris Strugazki.

Als ich aus dem Kino kam, war damals mein direkter Eindruck das sie die denkenden Wälder verfilmt haben.
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Andreas Eschbach »

Amtranik hat geschrieben:
Andreas Eschbach hat geschrieben: Wieso ist die "Honor Harrington"-Serie, die nun wirklich nichts anderes ist als Captain Hornblower auf weiblich im Weltall, ein Bestseller und Iain Banks was für Spezialisten?

Weil das der Normalzustand ist und war und immer sein wird.

Des Königs Admiral war schon immer weit eher ein Publikumsmagnet als bspw irgend ein schwerer Stoff mit literarischem Anspruch. Das groh der Leute liebt Abenteuergeschichten die gerne einfach gestrickt sein dürfen wenn Sie nur kurzweilig sind und charme haben. Es ist immer nur die Minderheit die sich durch irgendein ambitioniertes Werk quälen will. Diese Beobachtung halte ich für etwas ganz natürliches.
Ja, ja, ja, schon – aber halten sich SF-Leser nicht eigentlich für genau diese Minderheit? Das ist es doch, was der Szameit-Artikel unterstellt: Die aufrechten SF-Leser suchen originelle, das Denken anregende Geschichten, aber der böse Mainstream macht ihnen alles kaputt.

Hat die SF-Szene vielleicht ein Selbstbild-Problem? Nur mal so gefragt. (Diboo nicht, klar. :wink: )
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Andreas Eschbach »

agro hat geschrieben:Originalität und wirklich neue Einfälle fehlen, richtig! Meistens zumindest. Die Masse der Konsumenten will leicht verständliche Kost.
Dann fehlen der Masse der Konsumenten Originalität doch gerade nicht! Im Gegentum!

(Ich muss da immer an eine Videorezension denken, in der ein ansonsten eigentlich ganz vernünftig aussehender ca. 17jähriger erklärte, er habe bis jetzt nur Vampirromane gelesen :( , aber jetzt habe er sich an was ganz Neues gewagt, nämlich an einen Engelroman :o – wobei die Story ansonsten ganz ähnlich sei, aber eben auf eine ganz neue Art :cry: ...
So jemand würde doch tot umfallen mit ausgebranntem Hirn, wenn er mal ein wirklich originelles Buch in die Hand bekäme, oder? Kann man das verantworten? :mad: :mad: )
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Christof

Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Christof »

Ich gehe in meinem Mittagspäuschen öfters zu einem Thalia in einem Einkaufscenter. Sehr stark frequentiert von Kindern und Jugendlichen. Es ist interessant wie hoch die Diskussionen über Zwerge, Elfen, die Zwerge der Elfen, die Elfen der Gnome, die Orks der Engel und die Vampire der Zwerge hier diskutiert werden.
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Andreas Eschbach hat geschrieben:Nein, so unrecht hat Frank nicht.
Ich bestreite ja nicht, was Frank sagt - mir geht es nur um die Wiederholung der jahrzehntelangen Diskussion.
Es gab noch nie so viele Medien wie heute, die Konzentration der wichtigsten Marktakteure (sowohl auf Verlagsseite als auch – und mit vielleicht noch dramatischerer Wirkung – auf Seiten der Buchhandelsketten) war noch nie so hoch – das macht sich schon bemerkbar, in allen Bereichen des Buchmarktes natürlich, nicht nur in der SF. Vergleiche mit Goethe sind da nicht erhellend, wahrscheinlich nicht mal mit Thomas Mann.
Jaaaaaa, das ist aber ein anderes Thema, vordergründig ging es ja bisher um Szameits Artikel mit der Kritik an der "Niveaulosigkeit".
Und ich muss sagen: Dafür, dass es eben diese vielfältigen Ablenkungen und Freizeitmöglichkeiten gibt, ein riesiges Angebot - wird doch noch verflixt viel gelesen und werden doch noch verflixt viele Bücher gekauft, oder?
Dass man nur über das abstimmen kann, was einem angeboten wird, kennen wir ja aus der Politik leider auch.
Es gibt aber doch ein sehr großes, vielfältiges Angebot. Es gab noch nie so viele Kleinverlage wie jetzt mit einem oft speziellen Programm (lassen wir die Qualität außen vor, sondern gehen einfach nur davon aus, dass sie keinen Mainstream machen). Nur: wie sollen die Leute denn erfahren, dass es das gibt? Es gibt Werbung, Internetverbreitung, Messeauftritte, Cons ... und das reicht trotzdem nicht aus. Was nicht direkt auf dem Büchertisch ausliegt, was nicht von der großen Presse besprochen wird, was man nicht als TV-Werbung machen kann, was nicht der großen Masse eingehämmert wird, wird größtenteils - abgesehen von Überraschungserfolgen - übersehen.
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