2. Bücher, deren Autoren das Handwerk des Schreibens beherrschen, die aber Worte und Motive verwenden, die in der SF schon x-mal dagewesen sind und wo es meines Erachtens am eigenständigen Weltentwurf mangelt.
3. Bücher, die durchaus originell sind und deren Autoren eine eigene Welt mit eigener Sprache entwickeln, aber deren Maß an Originalität auch nur dem der besseren Werke der SF entspricht.
4. Wirklich originelle Bücher mit neuen Ideen und abgefahrenen Welten, die aber nur Leser in einer Nische begeistern.
5. Top sind diejenigen, die originell sind und zugleich den Mainstream ansprechen. Spontan fällt mir der "Herr der Ringe" ein, weil er gängige Motive von Heldengeschichten, Zwergen, Rittern und Zauberern in eine einmalige und unverwechselbare Form fasst. In der SF der "Wüstenplanet", der populäre Motive des Abenteuer- und Heldenromans mit einem einmaligen [wenn auch dystopischen] Weltentwurf verband (woraufhin aber x Autoren anfingen, Sachen in der Art von "Der Herr der Ringe" zu schreiben und SF-Romane mit einem Label "ein Roman in der Tradition des Wüstenplaneten" beworben werden).
L.N. Muhr hat geschrieben:Und wo da würdest du dich einordnen?

Bei 3. und 4. Mainstream auf keinen Fall.
Mainstream möchte ich auch nie werden, weil es Konformismus und Verflachung bedeutet. Der einzige Trend, den ich setten will, ist der, dass es keine Trends mehr gibt.
frankh hat geschrieben:Andreas Eschbach hat geschrieben:Zweitens scheuen die sogenannten "Großen" (sicherlich teilweise aus nachvollziehbaren Gründen) jedes verlegerische Risiko. Das behaupte ich nicht einfach so, sondern ich kenne diesbezügliche Aussagen aus eigener Erfahrung: "Erstens verlegen wir im SF-Nischenbereich schon X und aus Deutschland Y und einen dritten Autor gibt das Gesamtprogramm nicht her." Aus Controller-Sicht verstehe ich das natürlich, aber das ist kein Klima, in dem etwas Originelles gedeihen könnte. Das heißt, gedeihen könnte es schon, aber es wird nicht auf dem Markt plaziert und erreicht deswegen auch die Mehrzahl der potentiellen Kunden nicht.
Einer Verlegerin, die ich in einem anderen Forum kennengelernt habe, stellte ich einen Roman von mir vor und gab ihr auch das Manuskript. Sie antwortete, dass ihr das Buch gefiel und sie mit den darin gemachten Aussagen übereinstimme, ihr Verlag aber nicht über die Ressourcen verfügte, um es richtig herauszubringen.
Ein Herausgeber schrieb vor Jahren mal als Antwort auf eine Manuskripteinsendung, dass meine Geschichte nicht in sein Konzept passte (wobei ich die Geschichte heute nicht mehr so schreiben würde).
Ein Freund sagte mal, es sei sehr schwer, mit SF auch nur ein Nebeneinkommen zu erzielen, geschweige denn, davon zu leben und ein Literagent antwortete mir, er könnte meine Sachen nicht vermarkten.
Das sind ehrliche Aussagen, mit denen ich leben kann.
Für Miseren in der SF abwechselnd die dummen Leser und unfähige Nachwuchsautoren verantwortlich zu machen, nervt nur noch. Das wirkt auf mich so, als ob die mehr oder weniger erfolgreichen "Macher" alle Schuld auf andere abwälzen. So nach dem Motto: "Im Großen und Ganzen ist alles OK, unser Business läuft ja und wo es nicht läuft, haben stets andere die Schuld."
Andreas Eschbach hat geschrieben:Man kann eben doch Trends sehen. Wenn, sagen wir, die Bücher der Originalitätsklasse 40-100 im Angebot fehlen, gibt es trotzdem Bücher der Originalitätsklassen 0 bis 39. Und wenn man sich von denen die Absatzzahlen anschaut und sieht, "aha, je niedriger die Originalitätsklasse, desto besser der Verkauf", dann muss die Frage gestattet sein, wieso das so ist. Wieso greifen die Buchleser, denen man nur zu gerne unterstellen möchte, sie suchten eine geistige Anregung, die ihnen Ballerspiele und "Dschungelcamp"-TV-Shows nicht bieten können, bevorzugt zu den unoriginellen Büchern? Wieso ist die "Honor Harrington"-Serie, die nun wirklich nichts anderes ist als Captain Hornblower auf weiblich im Weltall, ein Bestseller und Iain Banks was für Spezialisten?
Das mag alles so sein, aber ist es eine Rechtfertigung für irgend etwas?