von timetunnel » 2. Februar 2013 04:01
Ich habe mir mal testweise die aktuelle Ausgabe #4 gekauft. Ich find's teilweise sehr gelungen, teilweise aber auch katastrophal schlecht.
Aufgrund der oben verlinkten PDF-Leseprobe war ich zuerst skeptisch, ob ich's überhaupt testen sollte, weil ich diese aufgeblasenen, vollgestopften Layouts überhaupt nicht mag. Ich hab da immer den Eindruck, da will jemand von mangelnden Inhalten ablenken. Viel zu viel Farbe, alles voller verschiedenfarbiger Textklötzchen, Bilder, noch mehr Bilder und dann eventuell noch ein Hintergrundbild dazu. Das wirkt so wie die alten Homepages aus den 90er Jahren, wo es überall blinkte und der Font in jedem Satz eine andere Farbe haben musste. Das wirkt billig und lieblos - Geek ist da aber kein Einzelfall, das ist ja leider recht weit verbreitet. Überraschenderweise ist auf Seite 86 beim einem interessanten Artikel über Übersetzungen plötzlich für ein paar Seiten wohltuende gestalterische Ruhe. Direkt danach geht's dann leider fast auf Bravo-Niveau weiter: ein Foto-Interview (d.h. der Interviewte antwortet mit Gesten auf Fotos; Himmel und Hölle, was soll das denn?!)
Hätte ich nicht hier im Thread Positives über Geek gelesen sondern wäre zufällig im Zeitschriftenhandel darauf gestoßen hätte ich es beim Drinrumblättern nach drei, vier Seiten wegen der Gestaltung wieder weggelegt und keinen weiteren Gedanken daran verschwendet. Fazit, was die Gestaltung angeht: überwiegend richtig schlecht. Absolut nicht mein Fall. Aber vielleicht bin ich da auch einfach zu alt für.
Zum Inhalt: der ist stellenweise tatsächlich überraschend gut. Zum Beispiel: langes Interview mit Oliver Kalkofe über deutsches Fernsehen; ein recht langes Interview mit ein paar Darstellern aus James Camerons "Aliens"; oder ein guter Artikel zu 10 Jahren "Firefly". Es gibt aber auch ein popelig-kurzes Interview mit einer Special-Effects-Firma aus Stuttgart, die für Game of Thrones arbeitet, das in dieser Kürze eigentlich total überflüssig ist.
Gut auch: es wird nicht nur der Mainstream dahergebetet, sondern auch Nischenprodukte vorgestellt. Die Buchrezensionen finde ich zu kurz, für einen Überblick aber nicht schlecht. Manche sind informativ, andererseits ist die Hellboy-Rezension ("Medusas Rache") ein schlechter Scherz: die ganze Rezension ist nichts anderes als eine kurze, allgemeine Einführung in das Hellboy-Universum, und erst am Ende wird in 1 Halbsatz überhaupt mal auf das Buch selbst eingegangen (man erfährt nur, dass es 14 Kurzgeschichten enthält).
Gesamtfazit: durchwachsen, eine irgendwie wilde Mischung. Man merkt den Spagat zwischen inhaltlichem Anspruch, wahrscheinlich knappem Budget und dem Wunsch, möglichst viele Leute, äh, Geeks zu erreichen. Ich werde sicherlich hin und wieder in weitere Hefte reingucken. Überzeugt bin ich bisher nicht, aber vielleicht wird's irgendwann doch noch so eine Art eine Hassliebe...