Der Tag, an dem es zu wenige Menschen gab

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Der Tag, an dem es zu wenige Menschen gab

Beitragvon Thomas Wawerka » 23. Mai 2012 16:24

Hallo Leute!

Diese Dokufiction http://www.youtube.com/watch?v=bsM3IBJqotU hat mich in Verbindung mit dieser Diskussion hier http://forum.sf-fan.de/viewtopic.php?f=46&t=6240&p=127236#p127236 und diesem Buch (das ich sporadisch lese) http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Machine-of-Death-Kurzgeschichten/Ryan-North/e385515.rhd auf einen Gedanken gebracht.

Was wäre, wenn es tatsächlich eine große Auswanderungswelle auf eine Erde 2.0 gäbe?

Geeignete Planeten gibt es evtl. bereits, wie z.B. diesen Burschen http://www.heise.de/tp/artikel/36/36010/1.html, der den prosaischen Namen "Kepler 22b" trägt. Weitere werden folgen. Der Planet ist 600 Lichtjahre entfernt, und wie die Auswanderer dahin kommen, spielt erstmal keine Rolle. Mir geht es um die Frage:

Was macht das mit der Erde? Mit den Menschen, die hier bleiben? Wie verändert es die Gesellschaft, die Wirtschaft, das Menschsein überhaupt?
Könnten wir einen Verlust von so vielen Menschen verkraften (schon der Geburtenrückgang in Deutschland macht sich ja mittlerweile deutlich bemerkbar)?
Wer würde gehen, wer zurückbleiben?
Wie kommen die Zurückgebliebenen als solche miteinander klar?
Wie geht es hier weiter? Denn es muss ja nicht nur was Neues auf Kepler 22b aufgebaut, sondern auch das Alte, hier Existierende bewahrt werden!

Wenn ihr das erste Kapitel aus Bradburys Mars-Chroniken kennt (die fast lyrische Miniatur vom "Raketensommer") - dann stellt euch vor, eure Nachbarn, Freunde, entfernte Bekannte, euer Chef oder euer meistgehasster Feind, vielleicht eure Familie, Menschen aus aller Welt, Gutmenschen wie Schurken, Terroristen wie Terroristenjäger, Krethi und Plethi können einen Platz in einem Interstellarshuttle buchen. (Gehen wir der Einfachkeit halber davon aus, der Transport ist für jeden bezahlbar, oder man kann auch einen Kredit aufnehmen und abarbeiten - das ist nebensächlich.) Und stellt euch vor, ihr bleibt zurück. Warum? Was nun? Wie weiter?

So, und dann schreibt eine Geschichte darüber und schickt sie mir. Ich war noch nie herausgeberisch tätig - nun, dann gibts halt mal wieder was zu lernen. Vielleicht finde ich ja auch noch Unterstützer. Ziel ist eine Antho, ähnlich der oben gezeigten. Verschiedene Schlaglichter auf dasselbe Thema. Episoden aus verschiedenen Gegenden der Welt, ob bei euch vor der Haustür oder in welcher Art Ausland auch immer - das bleibt ganz und gar euch überlassen. Aber alle Episoden unter dem einigenden Eindruck der "großen Auswanderung".

Wer von euch hätte Lust, an einem solchen Projekt mitzuarbeiten?
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Re: Der Tag, an dem es zu wenige Menschen gab

Beitragvon Kringel » 23. Mai 2012 16:33

Vermutlich würde dasselbe geschehen - vielleicht nur in größerem Maßstab - wie bei den Auswanderungswellen in die USA / nach Australien, und vermutlich wären die Gründe ebenfalls dieselben: Flucht in vermeintlich bessere Verhältnisse / neue Perspektiven, pure Abenteuerlust, Geldgier (Goldrausch), Deportierung von Sträflingen usw.
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Re: Der Tag, an dem es zu wenige Menschen gab

Beitragvon deval » 23. Mai 2012 17:31

Käme auch drauf an, wie teuer solch eine Reise für den einzelnen wäre. Denn wäre eine solche Reise
so teuer das sie sich nur eine gewisse Oberschicht leisten könnte, besteht die Gefahr, dass die "geistige
Elite" abwandert und unseren Planten verläßt um neu anzufangen, während der Rest hier bleibt / bleiben
muss.

Ich könnte mir also gut vorstellen, dass die gute alte Erde, das Armenviertel der Galaxis wird, ihrer Bo-
denschätze beraubt und nur noch von ein paar Ökos bewohnt wird, die entweder freiwillig oder gezwunge-
nermaßen zurückgeblieben sind. Auf jeden Fall gilt aber: "Der letzte machts Licht aus."
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Re: Der Tag, an dem es zu wenige Menschen gab

Beitragvon Thomas Wawerka » 23. Mai 2012 18:02

Kringel hat geschrieben:wie bei den Auswanderungswellen in die USA / nach Australien


Ich hatte ein anderes, näher liegendes Szenario vor den Augen: Die Massenabwanderung nach der Wende von Ost nach West. Manche Regionen in Sachsen-Anhalt oder Brandenburg sind gleichsam entvölkert worden ("Lasst mich durch, ich bin Arzt, ich muss nach Brandenburg!" - Rainald Grebe). Das waren völlig neue Herausforderungen für Städteplaner, Kommunen, Politiker ...

Sicher müssten die Rahmenbedingungen noch ein wenig genauer definiert werden. Es ist schon so: Man kann das Prekariat deportieren oder zurücklassen. Bsp 1: Australien, Bsp 2: Sachen-Anhalt. Je nachdem, was es zu gewinnen oder zu verlieren gibt. Ich dachte gerade daran, dass auf dem neuen Planeten jedem Einwanderer ein Habitat zur Verfügung gestellt wird (die müssen ja wo wohnen), von Ikea- bis Mercedes-Niveau. Muss natürlich bezahlt werden, also muss es dort Jobs geben, also muss es Wirtschaftskreisläufe geben. Ich würde darüber gern noch ein bisschen diskutieren. Und wie findet ihr übrigens die Idee mit der Antho?
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Re: Der Tag, an dem es zu wenige Menschen gab

Beitragvon Knochenmann » 23. Mai 2012 21:07

Die Entvölkerung findet ohnehin schon statt.

Letztes Jahr erreichte die Weltbevölkerung 8 Milliarden, aber 9 Milliarden werden es wohl nicht mehr werden. Der Trend zu weniger Kindern der von Europa ausgegangen ist schlägt gerade in den ganzen Schwellenländern ein, und China mit seiner Ein-Kind Politik wird bis 2040 das Land mit der ältesten Bevölkerung sein.

Im Prinzip eine gute Entwicklung, weil der Planet ohnehin nicht so viele Menschen verkraftet (In den nächsten 20 Jahren müssen so viele Lebensmittel produziert werden wie in den letzen 2000 Jahren).

Anywawy, die alte Gesellschaft ist eine Entwicklung, die unsere Politiker natürlich total verschlafen/ignorieren, so wie alles andere eben was wichtig wäre. Also was solls.
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Re: Der Tag, an dem es zu wenige Menschen gab

Beitragvon Kringel » 24. Mai 2012 07:19

Thomas Wawerka hat geschrieben:
Kringel hat geschrieben:wie bei den Auswanderungswellen in die USA / nach Australien


Ich hatte ein anderes, näher liegendes Szenario vor den Augen: Die Massenabwanderung nach der Wende von Ost nach West.

Das kann aber nur funktionieren, wenn's auf dem anderen Planeten D-Mark, kein DRM, leckerere Südfrüchte und schönere Urlaubsziele gibt als auf der Erde.
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Re: Der Tag, an dem es zu wenige Menschen gab

Beitragvon Uschi Zietsch » 24. Mai 2012 07:56

Die Idee mit der Antho an sich ist gut. :)
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Re: Der Tag, an dem es zu wenige Menschen gab

Beitragvon Ming der Grausame » 24. Mai 2012 16:03

Thomas Wawerka hat geschrieben:Was macht das mit der Erde? Mit den Menschen, die hier bleiben?

Erst einmal würde die Politik die Auswanderung regeln. Wahrscheinlich würde jeder Staat aus Eigennutz dafür sorgen, dass höhergebildete auf keinen Fall auswandern dürfen. Die Dummen und diejenige ohne höhere Ausbildung dürfen gehen oder werden sogar diesbezüglich gedrängt. Es würde mir nicht einmal wundern, wenn praktisch alle Staaten so ihre Problemklientel loszuwerden trachten.

Thomas Wawerka hat geschrieben:Wie verändert es die Gesellschaft, die Wirtschaft, das Menschsein überhaupt?

Nicht sonderlich. Die menschliche Gesellschaft war schließlich schon immer eine mehr oder minder verkappte Plutokratie, die sich zeitweise den äußeren Anschein einer Ochlokratie gibt. Die ungleiche Verteilung materieller oder immaterieller Ressourcen in einer Gesellschaft fällt ja nicht vom Himmel, sondern ist gesellschaftlich gewollt.

Thomas Wawerka hat geschrieben:Könnten wir einen Verlust von so vielen Menschen verkraften (schon der Geburtenrückgang in Deutschland macht sich ja mittlerweile deutlich bemerkbar)?

Locker. Solange die zahlungsfähige Ober- und Mittelschicht nicht auswandert, würden wir wohl überhaupt nichts Nachteiliges merken – ganz im Gegenteil. Endlich könnten die Innenstädte luxussaniert werden, ohne soziale Unruhen zu befürchten. Eben weil Unruhestifter wahrscheinlich sofort zur Auswanderung gezwungen werden würden.

Thomas Wawerka hat geschrieben:Wer würde gehen, wer zurückbleiben?

Die üblichen Verdächtigen. Eben all diejenigen, die bereits jetzt schon marginalisiert werden.

Thomas Wawerka hat geschrieben:Wie kommen die Zurückgebliebenen als solche miteinander klar?

Vermögende kommen in der Regel immer ziemlich gut miteinander klar. Nur wer nichts oder nicht sonderlich viel zu verlieren hat, begehrt überhaupt auf.

Thomas Wawerka hat geschrieben:Wenn ihr das erste Kapitel aus Bradburys Mars-Chroniken kennt (die fast lyrische Miniatur vom "Raketensommer") - dann stellt euch vor, eure Nachbarn, Freunde, entfernte Bekannte, euer Chef oder euer meistgehasster Feind, vielleicht eure Familie, Menschen aus aller Welt, Gutmenschen wie Schurken, Terroristen wie Terroristenjäger, Krethi und Plethi können einen Platz in einem Interstellarshuttle buchen.

Warum sollten Menschen, denen es bereits jetzt schon gutgeht, überhaupt von hier fortziehen wollen? Nur diejenigen, die sich noch mehr versprechen, als sie hier je erreichen könnten, würden überhaupt fortziehen wollen.
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Re: Der Tag, an dem es zu wenige Menschen gab

Beitragvon Jorge » 24. Mai 2012 17:32

TV-Tipp
Exodus Erde(Exodus Earth)
http://science.discovery.com/tv/exodus- ... about.html
Wird vom ZentralenDachschadenFerein mal wieder in einem seiner Nischenkanäle unter Ausschluß der Öffentlichkeit versendet:
ZDFneo, 26/05/12, 18.45h
ZDFneo, 28/05/12, 13.10h
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Re: Der Tag, an dem es zu wenige Menschen gab

Beitragvon Jorge » 24. Mai 2012 18:08

Ming der Grausame hat geschrieben:Erst einmal würde die Politik die Auswanderung regeln. Wahrscheinlich würde jeder Staat aus Eigennutz dafür sorgen, dass höhergebildete auf keinen Fall auswandern dürfen. Die Dummen und diejenige ohne höhere Ausbildung dürfen gehen oder werden sogar diesbezüglich gedrängt. Es würde mir nicht einmal wundern, wenn praktisch alle Staaten so ihre Problemklientel loszuwerden trachten.

Aus der SF ein schönes Beispiel dafür: Der Marsch der Idioten von C.M. Kornbluth http://en.wikipedia.org/wiki/The_Marching_Morons

Warum sollten Menschen, denen es bereits jetzt schon gutgeht, überhaupt von hier fortziehen wollen?


Yep, Poul Anderson bringt das in Das letzte Sternenschiff schön auf den Punkt http://www.scifinet.org/scifinetboard/t ... __p__70178 .
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Re: Der Tag, an dem es zu wenige Menschen gab

Beitragvon Gast09 » 24. Mai 2012 20:02

Dann, wenn es auf der Erde zu wenig Menschen gibt, steigen die Müllgebühren ins Unermessliche . . .
Gilt auch für Abwasser, ÖPNV und Krankenkasse.
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Re: Der Tag, an dem es zu wenige Menschen gab

Beitragvon Ming der Grausame » 24. Mai 2012 23:55

deval hat geschrieben:Käme auch drauf an, wie teuer solch eine Reise für den einzelnen wäre.

Ziemlich teuer, denn sie bedeutet die komplette Aufgabe von all dem, was man hier praktisch an jede Ecke bekommt. Keine gesicherte Krankenversicherung, keine Rentenversorgung und eine Unfallversicherung gibt es dort hochwahrscheinlich auch nicht.

deval hat geschrieben:das sie sich nur eine gewisse Oberschicht leisten könnte, besteht die Gefahr, dass die "geistige Elite" abwandert und unseren Planten verläßt um neu anzufangen, während der Rest hier bleibt / bleiben muss.

Wie kommst du bloß darauf, dass die Eliten auch nur eine Sekunde daran denken würde? Angehörige der Elite machen eventuell mal dort Urlaub, aber mehr ganz sicher nicht.

deval hat geschrieben:Ich könnte mir also gut vorstellen, dass die gute alte Erde, das Armenviertel der Galaxis wird, ihrer Bodenschätze beraubt und nur noch von ein paar Ökos bewohnt wird, die entweder freiwillig oder gezwungenermaßen zurückgeblieben sind.

Andersrum wird ein Schuh daraus: Eher wird die Erde zum galaktischen Pendant des Fürstentum Monaco, wo hauptsächlich die Reichen der Reichen sich die Klinke in die Hand geben und es sich gutgehen lassen. Wo Armut von Rechtswegen verboten ist. Die Erde könnte so nach ökologischen Gesichtspunkten renaturalisiert und zum globalen Naturschutzpark gemacht werden. Keine Kleinbauern mehr, die den Regenwald abfackeln, um neuen Feldern anzulegen, sondern riesige naturgewachsene Urwälder, so dass die vereinzelten Villen darin gar nicht weiter auffallen.

Thomas Wawerka hat geschrieben:ch dachte gerade daran, dass auf dem neuen Planeten jedem Einwanderer ein Habitat zur Verfügung gestellt wird (die müssen ja wo wohnen), von Ikea- bis Mercedes-Niveau. Muss natürlich bezahlt werden, also muss es dort Jobs geben, also muss es Wirtschaftskreisläufe geben.

Du machst aber gerade den zweiten Schritt vor dem Ersten! Wer schafft all diese Habitate? Fallen sie vom Himmel? Nein, besagte Habitate müssen von den Kolonisten erst gebaut werden. Die fangen schlicht bei null an. Und Nachschub bekommen sie wahrscheinlich so schnell auch nicht. Sie werden reine Selbstversorger werden müssen. Ikeamöbel gibt es erst, nachdem eine entsprechende Industrie aufgebaut wurde, also ganz sicher nicht zu Lebzeiten der Erstkolonisten. Und der einzige Wirtschaftskreislauf wird wohl zuerst der Tauschhandel sein.

Jorge hat geschrieben:Yep, Poul Anderson bringt das in Das letzte Sternenschiff schön auf den Punkt

Verdammt. Warum kenne ich dieses Buch nicht? Und warum wird es auf Wikipedia gar nicht aufgeführt?
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Re: Der Tag, an dem es zu wenige Menschen gab

Beitragvon Thomas Wawerka » 25. Mai 2012 00:53

Ming der Grausame hat geschrieben:
Thomas Wawerka hat geschrieben:ch dachte gerade daran, dass auf dem neuen Planeten jedem Einwanderer ein Habitat zur Verfügung gestellt wird (die müssen ja wo wohnen), von Ikea- bis Mercedes-Niveau. Muss natürlich bezahlt werden, also muss es dort Jobs geben, also muss es Wirtschaftskreisläufe geben.

Du machst aber gerade den zweiten Schritt vor dem Ersten! Wer schafft all diese Habitate? Fallen sie vom Himmel? Nein, besagte Habitate müssen von den Kolonisten erst gebaut werden. Die fangen schlicht bei null an. Und Nachschub bekommen sie wahrscheinlich so schnell auch nicht. Sie werden reine Selbstversorger werden müssen. Ikeamöbel gibt es erst, nachdem eine entsprechende Industrie aufgebaut wurde, also ganz sicher nicht zu Lebzeiten der Erstkolonisten. Und der einzige Wirtschaftskreislauf wird wohl zuerst der Tauschhandel sein.


Diese Habitate schaffen natürlich irdische Firmen, und irdische Transportfirmen transportieren sie dorthin, und wenn es dort genügend Leute, Infrastruktur und Industrie gibt, können sie selber Habitate herstellen - und billiger anbieten, weil die Transportkosten entfallen. Und die irdischen Firmen können die Preise nicht mehr senken, indem sie z.B. ihren Arbeitern weniger zahlen, weil sie ganz einfach keine Arbeiter mehr fänden, die für weniger Geld arbeiten würden - das wäre z.B. eine konkrete Auswirkung. Ausbeutung funktioniert nur solange, solange man Menschen findet, die sich noch mehr ausbeuten lassen als andere. Wenns hier Arbeitnehmerrechte gibt, outsource ich eben nach Asien, vgl. die Simpsonfolge "Kiss kiss bang bangalore" (Episode 373).

Auf dem anderen Planeten - nehmen wir mal an, er ist genauso wie die Erde - gibt es jede Menge Land, eine Flora und Fauna ... damit lässt sich schon was anfangen. Außerdem dürfte sich der Planet zum logistischen Drehkreuz für sämtliche weiteren interstellaren Unternehmungen entwickeln.

Die Kolonisten fangen natürlich nicht bei Null an. Du darfst nicht in wildwestromantische Vorstellungen zurückfallen. Sie bringen Technik mit. Und sie bringen ein etabliertes Wirtschaftssystem mit - nix mit Tauschhandel.

Die Voraussetzung für dieses etwas spezielle Szenario ist natürlich der unkomplizierte und preiswerte interstellare Verkehr. Das lässt sich nicht machen, ganz richtig - aber das interessiert mich im Augenblick gar nicht. Mich interessiert ja auch nicht, was die Leute dort treiben, sondern was die Leute auf der Erde machen, wenn diese sich plötzlich entvölkert. Andere Voraussetzungen kann ich für dieses Szenario nicht annehmen, weil irgendein Siedlerschiff oder Generationenschiff oder irgendeine bescheuerte Sekte, die auswandert, überhaupt keine Veränderungen auf der Erde bewirken würden ... außer dass es ein paar Idioten weniger gäbe, aber nichtmal das würde außerhalb des engsten Kreises auffallen.

Ich denke, die Erde insgesamt würde weder Mülldeponie noch Monaco werden, sondern der Prozess hätte in verschiedenen Regionen höchst unterschiedliche Folgen (je nachdem, wie die Leute dieser Regionen eben damit umzugehen verstehen). DAS interessiert mich. DAS bietet jede Menge Platz für interessante Geschichten, und DAS ist meines Wissens in der SF bisher nicht thematisiert worden (naja, da irgendwie alles in der SF schonmal thematisiert worden ist, ist es vielleicht nicht gänzlich neu - aber der Focus lag bisher zum allergrößten Teil auf denen, die gehen, und nicht auf denen, die bleiben).

Komisch, dass keiner von euch mitmachen will ... Uschi und ich tüfteln schon, und ich grüble außerdem über ne gute Story ... :smokin
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Re: Der Tag, an dem es zu wenige Menschen gab

Beitragvon Bungle » 25. Mai 2012 15:39

Hm, ist interessant, da fällt mir "After the Goldrush" von Neil Young ein, der eine melancholisches Schlaglicht auf diese Situation wirft. Die Stimmung dieses Songs wollte ich schon immer mal für eine Story nutzen.

MB
".../Erde ungewohnt" Enst Jandl
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Re: Der Tag, an dem es zu wenige Menschen gab

Beitragvon Gernot » 25. Mai 2012 20:49

Thomas Wawerka hat geschrieben:
Auf dem anderen Planeten - nehmen wir mal an, er ist genauso wie die Erde - gibt es jede Menge Land, eine Flora und Fauna ... damit lässt sich schon was anfangen.


Die Fauna und Flora müssten die Kolonisten wohl selber mitbringen, auch auf einen 1:1-erdähnlichen Planeten. Es ist nicht anzunehmen, dass die in den außerirdischen Pflanzen und Tieren enthaltenen Entsprechungen zu Eiweiß, Kohlehydrat und Fett mit unserem Verdauungssystem kompatibel sind, nachdem das Leben dort völlig unabhängig entstanden ist. So weit dürfte das Prinzip der konvergenten Evolution wohl doch nicht gehen.

Möglicherweise kann man aber Konverter bauen, die die Nahrungsmittel des Zielplaneten (falls dort welche wachsen) für Menschen verträglich machen. Ich habe diese Idee in einer (unveröffentlichen) Story schon einmal recht detailliert ausgebaut. Ich beschränke mich in meinem Konzept auf die Kohlehydrate, weil diese chemisch relativ einfach gebaut sind. Ich gehe davon aus, dass die Energiespeicher-Moleküle der außerirdischen Pflanzen eine ähnliche chemische Struktur haben und sich deshalb mit einfachen Mitteln zu Zucker umbauen lassen. (Meine Protagonisten sind Robinson-artig gestrandet und haben nicht viel dabei.
Protein ist chemisch schwieriger herzustellen, weil es auf die genaue Abfolge der Aminosäuren ankomment. Nachdem meine Helden kein Gentechnik-Labor dabei haben, habe ich für die Eiweißversorgung Hefepilz-Kulturen vorgesehen, gezüchtet aus Hefepilzen, die von der Erde mitgereist sind, als Teil der mikrobiologischen Ökosystems auf in in den Körpern der Astronauten. Gefüttert werden diese Hefepilze mit dem Zucker aus dem Konverter.

Eine weitere Alternative wäre, dass die Auswanderer gentechnisch mit Enzymen zum Verdauen der fremden Nahrung ausgestattet werden.
Das Fliegen wird erst möglich, wenn zuvor vom Fliegen geträumt wurde. (Stanislaw Lem)
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