Stormking hat geschrieben:Ich bin nachwievor der Ansicht, daß der Film ohne die aufgepfropfte Deckard-ist-auch-ein-Replikant-Interpretation des Director's und Final Cuts besser dran wäre. Die Schlußszene der Kinofassung ist natürlich indiskutabel, das Voice Over zumindest in der deutschen Fassung aber nicht halb so schröcklich wie immer getan wird.
Wir haben die Diskussion ja schon im Blade Runner-Thread geführt. Aber dann eben auch hier nochmal.
Mir gefällt weder DC noch FC, sondern nur die Kinofassung. Die Idee, dass Deckard ein Replikant ist, ist schlicht und ergreifend dämlich. Da soll er Replikanten jagen, gilt als der Beste Blade Runner, und ist ihnen aber weit unterlegen. So blöd kann doch kein Konstrukteur sein?! Wo liegt bitte da der Sinn? Vor allem, wieso sollte er nicht wissen, dass er ein Replikant ist, wieso wird er dann so zwangsneurotisch als "normaler Mensch" kreiert - wobei Rachel doch eigentlich den Höhepunkt der Entwicklung darstellen soll? Da hakt's bei mir aus.
Und ohne das Voice Over würden die meisten Kinobesucher ohne den literarischen Hintergrund den Film gar nicht verstehen. Ich hätte ihn damals - trotz SF-"Vorbildung", aber eben nicht PKD - nämlich nicht verstanden, und mir gefällt die Erzählerstimme im Gegenteil sehr gut mit ihren Gefühlsmomenten, heute noch. Ich erfahre sehr viel mehr über die Welt, in der Deckard lebt; ohne den Erzähler weiß ich gar nichts, und damit finde ich mich auch nicht in die Welt hinein. Ich betrachte den Film von außen. Aber mit dem Erzähler gehe ich unmittelbar mit, das geht mir unter die Haut und verleiht sehr viel mehr Tiefe, vor allem bei Roys Sterbeszene. Besser jedenfalls als ein seltsames, kitschiges Einhorn in kurzen Flashbacks, das nicht erklärt wird, wieso Deckard davon träumt. Das empfinde ich sogar als melodramatisch.