Der fröhliche Buchzitate-Rätsel-Thread

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Torsten
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Re: Der fröhliche Buchzitate-Rätsel-Thread

Ungelesener Beitrag von Torsten »

Er bewegte sich langsam durchs Zimmer, schlurfte fast über die Dielen. Jetzt bemerkte er, dass das Zimmer nicht zu einem Haus gehörte, sondern eher zu einem Cottage; die Einrichtung war das übliche Mischmasch eines Ferienhauses. Diesen Nachttisch – niedrig, Holzspanplatte mit tapetendünner Folie überzogen, die eine Holzmaserung vortäuschte -, den zumindest erkannte er wieder. Ein Möbelstück, das er als Student gekauft und eines Tages ins Gästezimmer im elterlichen Haus in Illinois gestellt hatte. Aber wie kam das Ding hierher, an diesen unbekannten Ort?
Er ging weiter. Das rechte Knie quälte ihn bei jedem Schritt; was stimmte nicht mit dem Knie? An der Wand hing ein Spiegel; der Rahmen bestand aus knorrigem Kiefernholz, das mit Klarlack überzogen war. Es passte natürlich überhaupt nicht zu dem dunkleren `Holz´ des Nachttisches, aber …
Jesus!
Ohne sein Zutun blickten seine Augen im Vorbeigehen in den Spiegel und er sah sich …
Eine halbe Sekunde lang hielt er sich für seinen Vater.
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Re: Der fröhliche Buchzitate-Rätsel-Thread

Ungelesener Beitrag von Torsten »

Gaston B******* hatte keinen Zweifel, wo er sich befand: Er war in Genf, in seinem Haus am rechten Rhôneufer. Die Ikea-Billy-Bücherregale waren dieselben, mit Couch und Lehnstuhl verhielt es sich genauso. Nur der Fernseher von Sony und sein Untersatz waren fort. Stattdessen hing an der Wand über der leeren Stelle ein Flachbildschirmgerät, das ein internationales Lakrosse-Spiel übertrug. Das eine war das spanische Team; die rot—grünen Trikots konnte er nicht unterbringen.
Ein junger Mann war ins Zimmer gekommen. Auch ihn konnte Gaston nicht unterbringen. Er hatte seine schwarze Jacke (Leder, wie es schien) über die Lehne der Couch geworfen, von wo sie auf den Teppich gerutscht war. Ein kleiner Roboter, nicht viel größer als ein Schuhkarton, rollte unter einem Beistelltischchen hervor und steuerte auf die Jacke zu. Gaston zeigt mit dem Finger auf den Roboter und befahl: "Arréte"! Das Maschinchen erstarrte, dann, einen Moment später, zog es sich unter den Tisch zurück.
Der junge Mann drehte sich um. Er mochte neunzehn oder zwanzig sein. Auf der rechten Wange trug er wohl ein lebendiges Tattoo von einem Blitz, der im Zickzack über sein Gesicht zuckte (immer wieder und immer in genau fünf Sprüngen).
Als er sich umdrehte, wurde die linke Gesichtshälfte sichtbar – es war grauenhaft, Muskeln und Blutgefäße waren deutlich zu sehen, als ob er die Haut irgendwie mit einer Chemikalie behandelt hatte, die sie durchsichtig gemacht hatte. Die rechte Hand steckte in einem Exoskelett, das die Finger mechanisch verlängerte; sie endeten in glänzenden skalpellscharfen Metallspitzen.
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Re: Der fröhliche Buchzitate-Rätsel-Thread

Ungelesener Beitrag von Torsten »

Aus irgendeinem Grund war er in seinem vinylgepolsterten Sessel zusammengesackt. Er setzte sich auf und rückte sein Hemd zurecht. War das eine unsägliche Halluzination gewesen! Klar, dass die Hölle los sein würde: Hundert Meter Erdreich zwischen hier und dem Ringbeschleuniger hätten mehr als genug Abschirmung sein müssen. Aber er hatte gehört, dass Hochenergieladungen Halluzinationen hervorrufen konnten; bestimmt war genau das passiert.
Lloyd brauchte einen Moment, um sich zu orientieren. Es hatte keinen Übergang zwischen hier und da gegeben: keinen Lichtblitz, kein Schwindelgefühl, keinen Knall. In diesem Augenblick war er am CERN gewesen, im nächsten woanders, und zwar für – wie lange? - zwei Minuten vielleicht. Und nun, genauso nahtlos, war er wieder im Kontrollraum.
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breitsameter
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Re: Der fröhliche Buchzitate-Rätsel-Thread

Ungelesener Beitrag von breitsameter »

Okay, jetzt ist's klar. Robert J. Sawyer »Flash Forward«.

Schon die Szene mit der Tätowierung kam mir bekannt vor, aber erst jetzt hat es Klick gemacht. Nebenbei: Wer hat das denn übersetzt? Ich wundere mich nur, weil da eben »Tattoo« statt der deutschen Begriffes »Tätowierung« steht.
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Re: Der fröhliche Buchzitate-Rätsel-Thread

Ungelesener Beitrag von Torsten »

breitsameter hat geschrieben:Okay, jetzt ist's klar. Robert J. Sawyer »Flash Forward«.

Schon die Szene mit der Tätowierung kam mir bekannt vor, aber erst jetzt hat es Klick gemacht. Nebenbei: Wer hat das denn übersetzt? Ich wundere mich nur, weil da eben »Tattoo« statt der deutschen Begriffes »Tätowierung« steht.
Ja, richtig! Die deutsche Übersetzung von "Flash" stammt übrigens von Hendrik P. und Marianne Linckens.
Was wäre, wenn wir alle für einen kurzen Moment in unsere Zukunft blicken könnten?
Es ist ein großer Tag für die Wissenschafter am europäischen Zentrum für Kernforschung in Genf. Der neue unterirdische Teilchenbeschleuniger wird in Betrieb genommen.
Doch plötzlich geschieht etwas völlig Unerwartetes: Alle Menschen auf der Erde verlieren für Sekunden das Bewusstsein. Und sehen in diesen Sekunden in die Zukunft - auf ihr Leben in zwanzig Jahren. Entsetzen und Panik machen sich breit. Wie konnte es zu diesem kollektiven Bewusstseinsprung kommen? Und ist diese Zukunft, die die Menschen gesehen haben, unabänderlich?
Heute noch im fröhlichen Buchzitate-Rätsel-Thread morgen schon als Serie "FlashForward" bei Pro7 um 20:15 im Fernsehen. :beanie:
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Re: Der fröhliche Buchzitate-Rätsel-Thread

Ungelesener Beitrag von breitsameter »

Gut, dann gleich das neue Rätsel-Zitat:
»Diese Landung hast Du ja noch mal sauber hingekriegt.«
Der Mann, der das sagte, sah den Piloten, der im Raumanzug, den Helm unterm Arm, vor ihm stand, nicht mehr an, sondern trat an eine der gläsernen Wände, die den runden Kontrollraum mit seinen hufeisenförmig angeordneten Steuerpulten umschlossen. Man erkannte von hier aus trotz der Entfernung die Größe des zylindrischen Raumschiffs und den Ruß an seinen Düsen, aus denen immer noch ein schwärzlicher Auswurf auf den Beton kleckerte. Der andere Fluglotse, ein vierschrötiger Mann, der eine Baskenmütze auf dem Kahlkopf trug, ließ die Bandaufzeichnungen rückwärtslaufen und schielte dabei nach dem Ankömmling nur aus den Augenwinkeln, wie ein Vogel mit reglosen Lidern. Er hatte Kopfhörer auf und vor sich eine Reihe chaotisch flimmernder Monitore.
»Es ging zu machen«, warf der Pilot hin.
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Re: Der fröhliche Buchzitate-Rätsel-Thread

Ungelesener Beitrag von breitsameter »

Keiner? GUt, das nächste Zitat:
Die EURYDIKE verlor durch gedrosselten Schub im Verlaufe einiger Dutzend Stunden an Geschwindigkeit und ging auf eine Flugbahn, eine sogenannte Evolvente, in Richtung Beta Harpyiae, die unsichtbar blieb, denn sie war ein Kollapsar. Das Raumschiff durchschnitt in beträchtlicher Entfernung bereits weit ausgreifende Isograven, deren Gravitationseinflüsse noch erträglich für Mensch und Material waren. Der Kurs, nach Optimalberechnung ausgewählt, garantierte Sicherheit, konnte jedoch nur schwerlich als problemlos angesehen werden. Die Isograven, Linien die durch Raumpunkte der gleichen Krümmung gingen, wanden sich auf den Isolaktoren wie Schlangen in einem schwarzen Feuer. Im Standsteuerraum, der so hieß, weil er die Führung des Raumschiffes nur im hochvariablen Schwerefeld übernahm, saßen die Diensthabenden vor den flimmernden Monitoren, tranken Bier aus Büchsen und zerstreuten sich, indem sie Dummheiten von sich gaben.
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Re: Der fröhliche Buchzitate-Rätsel-Thread

Ungelesener Beitrag von bukaman »

Stanislaw Lem - Fiasko

Hätt ich eigentlich schon beim ersten Zitat wissen sollen, wo ich das Buch doch erst im Dezember gelesen habe.
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Re: Der fröhliche Buchzitate-Rätsel-Thread

Ungelesener Beitrag von breitsameter »

bukaman hat geschrieben:Stanislaw Lem - Fiasko

Hätt ich eigentlich schon beim ersten Zitat wissen sollen, wo ich das Buch doch erst im Dezember gelesen habe.
Richtig! Übrigens zitiere ich hier aus einer Hardcover-Ausgabe erschienen im Verlag Volk und Welt im Jahr 1987.

Du bist dran!
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Re: Der fröhliche Buchzitate-Rätsel-Thread

Ungelesener Beitrag von bukaman »

Dann will ich mal:
Funken tanzten über die dunkle Erde ...
Die Männer und Frauen, die durch die Kuppel im Zentrum des Kraters Eratosthenes nach oben starrten, waren zu betäubt, um aufzuschreien. Einige begriffen nicht einmal sofort, was die winzigen Lichtpunkte bedeuteten, die über das im Schatten liegende Antlitz der Erde stoben, grell auflammten und dann verglühten. So grell, daß man sie durch die Wolkenmassen erkennen konnte, die einen Großteil von Europa bedeckten. So grell, daß es keinen Zweifel an ihrer geographischen Lage gab: London, Paris, Brüssel, Kopenhagen, Leningrad, Rom, Reykavik, Athen, Kairo ...
Dann eine Fackel über Moskau, die loderte und loderte ...
Einige in der Kuppel erholten sich schneller von dem Schock als andere. Scone und Broward, zwei der Sowjet-Nordamerikaner, die am Empfang zu Ehren der Südatlantik-Achse teilgenommen hatten, handelten rasch genug, um sich zu verteidigen.
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Re: Der fröhliche Buchzitate-Rätsel-Thread

Ungelesener Beitrag von bukaman »

Weiter gehts, mit einem Sprung über 20 Seiten:
Amerika war mehr seinen politischen Wirren zum Opfer gefallen als den Machenschaften der Sowjets. Dem Untergang folgten turbulente Jahre: Säuberungsaktionen, Aufstände, blutige Unterdrückungen, Massendeportationen nach Sibirien und anderen Gebieten, Infiltrationen fremder Nationalitäten, Knüppelpropaganda und Umerziehung. Das überlebten nur die Starken und Intelligenten.
Scone, Broward und Ingrid Naschdoi bildeten bereits die zweite Generation nach dem Sturz von Kanada und den Vereinigten Staaten. Sie waren zur Welt gekommen und am Leben geblieben, weil sie mutige, anpassungsfähige und geistig bewegliche Eltern besaßen. Und weil sie diese Eigenschaften geerbt und weiterentwickelt hatten.
Die Amerikaner wurden ein Problem für die Russen. Und für die Chinesen. Jene unter ihnen, die man zusammen mit anderen Nationalitäten nach Sibirien deportiert hatte, vollbrachten Wunder in dem rauhen Klima. Sie verwandelten die trostlosen Gebiete in blühende Gärten. Aber sie standen den Russen feindselig gegenüber.
Der südliche Nachbar China, der nach Land für seinen Bevölkerungsüberschuß suchte, protestierte gegen die Eingliederung fremder Nationalitäten. Rußlands Einwanderungssperre für die gelbe Rasse war ein weiterer Punkt auf der langen Liste der Kränkungen, die China von seinem älteren Brider in der Marx-Familie einstecken mußte.
Und auf dem nordamerikanischen Kontinent kam es durch die amerikanischen Kommunisten zu einer neuen Kraftprobe mit Moskau. Rußland ruhte sich satt und zufrieden auf den Lorbeeren seines Sieges aus. Die unterdrückte, hungrige Schar der Amerikaner, die der Partei beitraten, um ihr Los zu verbessern, gewannen immer mehr Einfluß und Macht innerhalb der Regierungsstruktur. Darüber hinaus hatte sich das Land vom Krieg erholt. Es blühte erneut zum Industriezentrum auf. Scheinbar unter russischer Vorherrschaft schoben und drängten sich die Amerikaner nach vorn, behutsam erst, dann immer ungestümer. Moskau hatte alle Mühe, eine Amerikanisierung abzuwehren.
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Re: Der fröhliche Buchzitate-Rätsel-Thread

Ungelesener Beitrag von Bungle »

Mal geraten:

Robert A. Heinlein "Revolte auf Luna"
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Re: Der fröhliche Buchzitate-Rätsel-Thread

Ungelesener Beitrag von bukaman »

So´n bisschen Revolte ist da schon auf Luna, aber der Heinlein ist es leider nicht.
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Re: Der fröhliche Buchzitate-Rätsel-Thread

Ungelesener Beitrag von bukaman »

So, mit einem kleinen Sprung gehts weiter...
DIE USAF-Zerstörer wurden im Laderaum der Semlja verstaut. Mit dem gewaltigen Antrieb des interstellaren Riesen dauerte der Rückflug zum Mond nur drei Stunden. Während dieser Zeit funkte der sowjetische Stützpunkt immer wieder Botschaften. Scone beantwortete sie nicht. Er beabsichtigte seine Pläne erst dann preiszugeben, wenn die Semlja kurz vor dem Ziel war. Tausend Kilometer von der Mondoberfläche entfernt - das Schiff besaß zu diesem Zeitpunkt einen Bremsdruck von drei g - kehrte er mit seinen Leuten zu den Zerstörern zurück. Nur drei Posten blieben bei Schaposchnikow.
Die Zerstörer geleiteten die Semlja zu einem engen, tiefen Canyon, dessen Wände sich nach unten verbreiterten und so einen mächtigen Überhang bildeten. Scone hielt die Schlucht für den sichersten Landeplatz des interstellaren Schiffes.
Aber als die Amerikaner den Einschnitt zwischen den Klippen ansteuerten, entdeckten sie auf ihren Radarschirmen vier Blibs, die sich den Bergen im Norden näherten. Ein Schlachtkreuzer und drei Zerstörer. Offenbar hatten die Russen nur die Hälfte ihrer Streitmacht ausgesandt, um im Notfall den Stützpunkt verteidigen zu können.
Scone nahm sofort Funkverbindung mit dem Kommandanten der Lermontow auf und teilte ihm seine Pläne mit.
"Wir erklären hiermit die Unabhängigkeit, die Rückkehr zum Nationalismus", schloß er. "Und wir fordern die übrigen Stützpunkte auf, das gleiche zu tun."
Die Stimme des Kommandanten zitterte vor Wut. "Wenn ihr euch nicht augenblicklich ergebt, schalten wir die Gehirnsteuerung ein!"
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Re: Der fröhliche Buchzitate-Rätsel-Thread

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Ich tappe da ganz schön im Dunkeln. Ist das vielleicht ein Osteuropäischer Autor?
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