von Mort » 29. Oktober 2012 19:00
Agent der Sterne – John Scalzi
Ich habe schon mal Krieg der Klone von Scalzi gelesen und für wenig gut befunden. Letztens komme ich aber an einem Grabbeltisch (meine Achillesferse) vorbei, und finde da einen blauen Band mit dem bewährten Raumschiff-Vor-Planet Design. „Nun gut“, sage ich mir, „vielleicht gebe ich dem eine zweite Chan ..… "
...... Aber ich will nicht in diesen Zeiten € 2.99.- fehlinvestieren. Also blättere ich gleich an Ort und Stelle ins Buch hinein und die ersten zwei, drei Seiten reichen mir eigentlich schon aus, um eine Entscheidung zu treffen. Um es vorweg zunehmen:
Ne, so was muss man sich nicht geben. Ich hab was Besseres verdient.
Wo soll man nur anfangen? Meinetwegen beim Einstieg in die Handlung, welcher ja nach ländläufiger Meinung im besten Fall den Leser packen und nicht mehr loslassen soll. Das Buch soll wohl witzig sein und die erste Szene beginnt mit einer Konferenz zweier Hollywood Typen bezüglich der Verpflichtung einer Schauspielerin für einen Film. Das lässt bei mir noch keine Alarmglocken schellen. Warum auch? Thema ist für mich meistens sekundär, die Ausarbeitung ist das, was zählt. Wenn der Scalzi nun also unbedingt Entourage – Fanfiction schreiben möchte, ist das in meinen Augen kein echtes Problem.
Aber Grundgütiger …. WIE er das schreibt, ist ein einziger stilistischer Offenbarungseid. Schauderhaft. Scalzi ist derart verzweifelt bemüht, einen locker – lässigen Ton zu treffen und trifft doch (eher: deswegen) dermaßen weit am Ziel vorbei, dass das Lesen jeder einzelnen Zeile zur echten Belastung wird. Denn zumindest ich kann meine Augen gar nicht genug verdrehen, ob der cleveren Dialoge und einfallsreichen Filmtitel, die da zum Besten gegeben werden.
Sie rotieren jetzt noch in stiller Agonie vor sich hin.
So was Verkrampftes, so was Gezwungenes muss einer alleine auch erst mal hinzaubern; ganze Schülerzeitungsredaktionen würden daran wohl scheitern. Man kann förmlich spüren, wie er der fast unbezähmbaren Versuchung widerstehen musste, nach jedem Satz ein fröhliches {HARDY HAR HAR} anzufügen, damit auch der Letzte merkt, wie lustig doch alles ist.
Na ja, etwas Gutes hat das Ganze dann doch: Bisher habe ich mich immer (zu Unrecht) zurückgehalten, was die Schärfe meines Urteils betraf; weil ich es für unfair hielt, Scalzi nach nur einem gelesenem Buch – Krieg der Klone – endgültig zu bewerten. Doch nun kann ich ihn ohne falsche Scham ungehemmt in der Luft zerreißen. Das tut auch mal Not.
Ich fühle mich mehr denn je in meiner ursprünglichen Ansicht über John Scalzi bestätigt. Nämlich, dass man über diesen Autor eigentlich überhaupt keine Worte, keinen Gedanken verschwenden sollte. Denn Aufmerksamkeit hat er keine verdient. Dennoch kann ich nicht umhin, hier eine Warnung für die Welt abzugeben. Wohl wissend, dass ich mich dadurch selbst torpediere.
C'est la vie.