NOVA 11

Wir lesen gemeinsam ausgewählte Bücher und diskutieren darüber!

Beitragvon Jan Gardemann » Montag 16. April 2007, 10:39

Scotty hat geschrieben:Ich wusste gar nicht, dass es noch andere Stories um die Euro-Detektive gibt!

Kann jemand genaue Quellen nennen?

Spontan fallen mir die Stories in Nova 1 und 2 ein. Bei diesen beiden Eckhardt-Geschichten handelt es sich um Eurodetektiv-Stories. Die Geschichte in Nova 10 spielte übrigens auch im selben "Universum", wie die Eurodetektivgeschichten.
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NOVA 11

Beitragvon Guido Seifert » Montag 16. April 2007, 22:07

Die SF kann ja alle Genres und Stile in sich aufnehmen; so auch den Krimi-Reißer. Und da schiebt sich mir vor den Versuch einer mehr oder minder "objektiven" Kritik die Geschmacksfrage. Schlicht und einfach: ich bin nicht der größte Fan dieses Genres. Mit einigen gewichtigen Ausnahmen allerdings, so z.b. Raymond Chandler. Da ist es aber vor allem sein lakonischer und witziger Stil, der mich anzieht (und die Frage, wer denn jetzt wohl der Mörder ist, wird schon zweitrangig...). Eckhardt bedient sich nun des ziemlichen Gegenteils eines Chandler-Stils: Er schreibt betulich; und gar nicht so sehr manieristisch (wie es auf SciFiNet zu lesen war). Denn "manieristisch" hieße ja wohl "gekünstelt", dabei ist "Kafkas Schloss" doch - Alles in Allem - eher durch eine konventionelle Erzählhaltung geprägt (wobei die Assoziation des Erzählers auf S. 57 - "kafkaeskes Schloss" - mir kaum tauglich erscheint, zum Titel erhoben zu werden: Dieses Schloß ist denn doch wohl ein bisschen anders...). Um vom bloßen Geschmacksurteil wegzukommen und auch ein bisschen "objektiv" zu kritisieren: Eine Hämorrhoide, die sich "zu Wort meldet", auch mal "zustimmend kneift", wenn sie nicht gerade "beleidigt schweigt": Sorry, aber das ist Schmock; und erinnert an den literarischen Anfänger, der - auf Teufelkommraus - brillieren möchte und zu vermeintlich lustigen Personifikationen greift. Diese Art Humor, die sich an weiteren Beispielen aufzeigen ließe, tut keinem Text gut. Auch die gedankliche Präzision in Bildern und Vergleichen läßt manchmal zu wünschen übrig. So heißt es zum Beispiel Von Gwendolin von Stamsund: "Eine von diesen Schöpfungen, die vor Urzeiten Modell gestanden haben mochten, als Der Alte Erdgott nicht wusste, wie die Rippe zu formen war." Das hieße, den christlichen Mythos in ein Paradox zu treiben: Der Alte Erdgott war ja gerade damit beschäftigt, überhaupt ersteinmal MODELLE zu SCHAFFEN, nämlich für die zwei Sorten von Menschen. Er hätte also für das Modell Frau (Eva) nach einem Modell Ausschau gehalten... (oder kapiere ich es nicht, und es soll bloß "witzig" sein? Dann kann ich aber nicht lachen...). Oder: "Sie stellte einen triefendnassen Schirm in die Ecke, unter dem sich ein kleiner See ejakulierte." Wie kann man - etwas - sich selbst ejakulieren? Die Ejakulation setzt doch wohl einen "Ejakulanten" voraus. Es müsste also heißen: "Sie stellte einen triefendnassen Schirm in die Ecke, DER (sogleich) einen kleinen See ejakulierte." Oder: "Die Stationen waren verlassen, und die Moorcrafts verschwunden oder sie ragten als pittoreske stümpfe gekentert aus dem salzigen Morast." Das ist missverständlich, den die Moorcrafts sind ja wohl kaum als pittoreske Stümpfe gekentert. Geschmeidiger wäre es, der Kausalität der Ereignisse zu folgen: also erst kentern, dann ragen. ("Die Stationen waren verlassen, und die Moorcrafts verschwunden oder sie ragten - gekentert - als pittoreske Stümpfe aus dem salzigen Morast"). Diese Unsauberkeiten ließen sich weiterverfolgen und sind umso unangenehmer, je stärker der Erzählstil sich an die Tradition bindet. Denn diese bietet uns ja perfekte Muster (etwa Thomas Mann; oder auch Theodor Storm, an den Eckhardt bei der Wahl des Lokals gedacht haben mag...). Da könnte also mehr kommen; und ich - als Leser - möchte da auch mehr...

Gruß, Guido
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Beitragvon Michael Schmidt » Samstag 21. April 2007, 13:26

Im Bereich Krimi kann ich Arthur Lyon und seine Jacob Ash Serie empfehlen. Düstere Geschichten, spannend und ein Sinnbild der 70/80er Jahre. In der Tradition von Raymon Chandler, aber halt aktueller, bissiger und hoffnungsloser. :wink:

Zu den nächsten beiden Geschichten. Beide sind kurz und doch sehr unterschiedlich:
Testudo von A. D. ist eine kurze Zukunftsdarstellung in Berichtsform, nichts besonderes, wirkt deplaziert.
Der Lazarus-Mann von Scot W. Stevenson dagegen ist eine kurze intensive Erzählung mit viel Mystik, Gefühl und Raum zum Nachdenken.
Zuletzt geändert von Michael Schmidt am Freitag 9. Mai 2008, 09:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Guido Seifert » Samstag 21. April 2007, 17:15

"Testudo": kurz; aber keine Kurzgeschichte (und auch kein Gedicht). Ich glaube, der Autor Uwe Post schrieb auf SciFiNet in etwa: Nettes Exposé, aber wann kriegen wir die Story? Sela.

Gruß, Guido
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Beitragvon Helmuth W. Mommers » Freitag 27. April 2007, 07:14

Hier meine Zusammenfassung, die ich auch an anderer Stelle publik gemacht habe:

So, jetzt habe ich auch NOVA 11 geschafft (dieses Jahr schien einiges nicht mit nur 3-wöchiger Verspätung auf Mallorca einzutrudeln), und bin eigentlich recht zufrieden mit der Ausbeute an Storys. Top machte Flop wett, und dazwischen lagen noch ein paar immerhin lesbare Kurzgeschichten.

Top waren bei mir die Erzählungen des Kroaten Ziljak, und Eckhardts Kafkas Schloss, die beste Eurodetektei-Story bisher, wenn auch mit gewissen Längen, und vom Sprachlichen her ein Leckerbissen (wobei ich mit dem meisten Storys dieses Autors so meine Probleme habe). Diese hab ich wirklich genossen. Der Lazarus-Mann von Stevenson und auch Hebbens Im Labyrinth der Neonrose gefielen; letztere nicht uneingeschränkt – zwar atmosphärisch dicht, spannend, aber bruchstückhaft und ohne Tiefe; das Problem „Gedächtnistransfer“ wird leider nicht behandelt.

Hahn bleibt Hahn, typisch, bissig und witzig! Bei der Kemmler-Story Das perfekte Paar musste ich schmunzeln – eine ganz ähnliche Story hatte ich unter dem Titel Personal Android in ALIEN CONTACT veröffentlicht: nicht die erste und nicht die letzte ihrer Art, natürlich, nette Unterhaltung allemal.

Schwach fand ich Kontakt des Autorengespanns, langweilig weil uninteressant die Story von Weis, enttäuschend die Bekker-Erzählung Das Festival – sie wirkte auf mich wie das routiniert, aber breitgewalzte Kapitel eines Romans. Testudo von Debray war gottseidank nur eine Seite lang. Last but not least konnte ich mit der Erzählung des hochtalentierten Jakob Schmidt Nadeln und Fäden nichts anfangen, aber auch gar nichts. Für mich ungeniessbar. Aber eben: man kann nicht jedermanns Geschmack treffen.

Layout gut, Grafiken nicht minder, schön die Idee, die Mitarbeiter zum Schluss vorzustellen. Alles in allem eine Ausgabe, die, wenn auch durchwachsen, ich nicht missen möchte.
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Beitragvon Michael Schmidt » Freitag 27. April 2007, 09:30

Hallo Helmuth,

eigentlich machen wir hier einen Lesezirkel und gehen die Geschichten einzeln durch.

Bis bald,
Michael
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Beitragvon Scotty » Freitag 27. April 2007, 10:42

Ich war ne Woche weg und bin mir nicht ganz sicher, bei welcher Story wir jetzt sind.

Mit Testudo von AD konnte ich gar nichts anfangen. Wieder einmal so eine Story, wo ihr mir helfen müsst (falls ich da irgendetwas verpasst habe)

Der Lazarus-Mann von Scot W. Stevenson fand ich gut. Allerdings eher als Appetithappen. Auf mich wirkte es wie ein Trailer für die "richtige" Story. In wenigfen Zeilen wurde eine spannende Atmosphäre geschaffen und der Leser neugierig gemacht.
Zuletzt geändert von Scotty am Dienstag 13. Mai 2008, 09:48, insgesamt 1-mal geändert.
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    Beitragvon Michael Schmidt » Freitag 27. April 2007, 11:56

    Genau an diesen beiden Stories sind wir. Ab Montag wäre die Ziljakstory dran, falls noch jemand mitliest.
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    Beitragvon Helmuth W. Mommers » Samstag 28. April 2007, 09:12

    Michael Schmidt hat geschrieben:eigentlich machen wir hier einen Lesezirkel und gehen die Geschichten einzeln durch.

    Tut mir leid, mea culpa. Ich habe mein NOVA erst vor ein paar Tagen bekommen und dachte, ihr müsstet eigentlich schon fast durch sein. Und für die superkurzen Storys nicht eine ganze Woche "verplempern". :lol:
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    Beitragvon Jan Gardemann » Montag 30. April 2007, 08:15

    In den letzten Tagen war ich mit den "fünf Seelen des Ahnen" von Ulrike Nolte beschäftigt. Das Buch hatte mich so sehr gefangen, dass ich keine Lust hatte, zwischendurch etwas anderes zu lesen.
    Jetzt bin ich mit dem Roman aber durch (den ich ziemlich klasse fand!).
    Zur Geschichte von A. D. gibt es aber eigentlich nicht viel zu sagen. Man kann sie eigentlich nur zur Kenntnis nehmen und abhaken. Eine Fingerübung, eine ganz nette...
    Ebenfalls eine Fingerübung, jedoch eine mit Tiefgang und vielsagenden Andeutungen, ist die Story von Scot W. Stevenson. Der Text hat etwas - ich bin gespannt, ob bald etwas Längeres von diesem Autor in Nova zu lesen sein wird. Meine Neugierde ist auf jeden Fall geweckt worden!
    Zuletzt geändert von Jan Gardemann am Freitag 9. Mai 2008, 08:27, insgesamt 1-mal geändert.
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    Beitragvon Michael Schmidt » Montag 30. April 2007, 10:31

    Ich habe jetzt die Geschichte von Zijdak durch, Ein Abend im CityCafe, die Gedanken bei Lydia. Eine recht unterhaltsame Geschichte, aber mehr auch nicht. Das Ende blieb auch ein wenig blass. Insgesamt recht nett, jedoch kein Reißer. Bisher eine recht durchschnittliche Ausgabe.
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    Beitragvon Scotty » Montag 30. April 2007, 13:58

    Hallo Michael,

    ich kann mich deiner Kritik anschliessen. Allerdings in einer Steigerungsform: Wenn die vorliegende Ausgabe "durchschnittlich" ist, kann ich anscheinend noch schlechtere Ausgaben erwarten. Das will ich nicht hoffen. Ich bin bisher eher etwas enttäuscht, bewerte den Zwischenstand daher als "unterdurchschnittlich" (Holger Eckhardts Story mal ausgenommen).

    Gruss

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      Beitragvon Michael Schmidt » Montag 30. April 2007, 17:53

      Hallo scotty,

      du kannst mal Ausgabe 5 ausprobieren. Die war wirklich mies.

      Warum ich durchschnittlich sage? Na, insgesamt ist die Ausgabe eher enttäuschend - ich hab sie jetzt zu Ende gelesen -, aber das liegt halt an den - aus meiner Sicht - überwiegend mittelmäßigen Geschichten. So richtig schlechte Geschichten waren halt nicht dabei. Es waren halt viele dabei, die hast du vergessen, bevor du sie zu Ende gelesen hast.

      Eckhardts Geschichte war auch mein Highlight. Die blieb auch in Erinnerung. Schafft der gute Eckhardt aber meistens.

      Bis bald,
      Michael
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      Beitragvon Guido Seifert » Montag 30. April 2007, 18:27

      Dem Lob auf stevensons "Der Lazarus-Mann", das hier und auch im SF-Netzwerk ausgesprochen wurde, kann ich mich leider nicht anschließen. Und es ist gar nicht nötig, hier subjektiv-unverbindlich zu vermelden, dass ich mystische Geschichten nicht mag; es reicht, den Untertitel von NOVA hierher zu setzen: "Das deutsche Magazin für Science Fiction & Spekulation". "Der Lazarus-Mann" ist beides nicht. Science Fiction verlangt doch eine Erklärung für das "Wunderbare", sei es auf wissentschaftlicher oder bloß pseudowissentschaftlicher Ebene. Der Lazarus-Mann ist in der Lage, elektronisches Spielzeug "ohne Chips und mit herausgerissenen Drähten" in Funktion zu setzen. Doch dieses "Wunder" wird nicht einmal ansatzweise erklärt; somit bleibt es ein Wunder, und die Geschichte wird zur romantischen Zauberposse (ohne den Witz, die Ironie und den Humor der deutschen Romantik: und deshalb langweilig (für mich)).

      Loben kann und will ich allerdings die erzählerische Ökonomie Stevensons: Die Informationsvergabe wird sehr dezent gehandhabt, peu à peu stellen sich alle Elemente ein, die die Geschichte rund machen (mit Ausnahme des "Wunders" natürlich...). Stevenson beherrscht die Form der Kurzgeschichte, zweifellos...: Jetzt - bitte - diese Fähigkeit einmal im Bereich der SCIENCE FICTION anwenden!

      Gruß, Guido
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      Guido Seifert
       

      Beitragvon frankh » Dienstag 1. Mai 2007, 06:51

      Guido Seifert hat geschrieben:Dem Lob auf stevensons "Der Lazarus-Mann", das hier und auch im SF-Netzwerk ausgesprochen wurde, kann ich mich leider nicht anschließen. Und es ist gar nicht nötig, hier subjektiv-unverbindlich zu vermelden, dass ich mystische Geschichten nicht mag; es reicht, den Untertitel von NOVA hierher zu setzen: "Das deutsche Magazin für Science Fiction & Spekulation". "Der Lazarus-Mann" ist beides nicht. Science Fiction verlangt doch eine Erklärung für das "Wunderbare", sei es auf wissentschaftlicher oder bloß pseudowissentschaftlicher Ebene. Der Lazarus-Mann ist in der Lage, elektronisches Spielzeug "ohne Chips und mit herausgerissenen Drähten" in Funktion zu setzen. Doch dieses "Wunder" wird nicht einmal ansatzweise erklärt; somit bleibt es ein Wunder, und die Geschichte wird zur romantischen Zauberposse (ohne den Witz, die Ironie und den Humor der deutschen Romantik: und deshalb langweilig (für mich)).

      Gruß, Guido


      Ach je, bitte nicht das schon wieder. Da schreibt endlich mal jemand eine Geschichte, die sich deutlichst vom Mittelmaß und Schlimmeren abhebt, schon wird die Das-ist-aber-keine-richtige-SF-Keule rausgeholt. Mir persönlich ist es gleichgültig, ob eine Geschichte in irgendein Definitionsschema paßt oder nicht. Sie muß spannend und/oder anrührend sein, und das ist der "Lazarus-Mann" fraglos.

      Wie man in diesem Zusammenhang von "Zauberposse" reden kann, nur weil man sich etwas nicht erklären kann, bleibt mir schleierhaft, ebenso wie der merkwürdige Hinweis auf fehlende Ironie oder Humor. Mir war diese Story jedenfalls sympathischer als ein ganzes Dutzend von Eckhardt-Geschichten, deren schon beinahe schon penetrant zu nennendes Auftreten in fast jeder neuen NOVA-Ausgabe dem Niveau des Magazins m. E. eher abträglich erscheint.

      Gruß

      Frank
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