Idee für ein real mögliches Zukunftsszenario: Ähnliches?

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Badabumm
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Re: Idee für ein real mögliches Zukunftsszenario: Ähnliches?

Ungelesener Beitrag von Badabumm » 12. März 2019 16:14

Wir müssen zwei Themenkreise unterscheiden: die technische und die ethische.

Angenommen, es gäbe eine KI, die sämtliche Sprachen spricht, sämtliche Witze versteht, in menschlicher Mimik lesen und das Vier-Ohren-Modell interpretieren kann (interpretieren sagt schon aus, dass es keine 100%ige Klarheit gibt...), so hätten wir mit diesem System einen Übermenschen erschaffen. Diese KI könnte milliardenfach mehr als jeder Mensch. Das wäre Hürde Nr. 1.

In gewisser Weise läuft das Experiment bereits: Siri oder Alexa oder 20000 Follower sagen uns, ob wir zu dick sind und abspecken müssen. Der Kühlschrank bestellt also Bio-Gemüse. Die Krankenkasse stuft uns in eine höhere Risikogruppe ein. Der Fernseher stellt jugendgeeignete Kinderfilme ein, der Impfunwillige wird von der Schule ausgeschlossen, wer jobunwillig ist, wird vom Personalchef an der Mimik erkannt, usw.

Wir wissen nicht, ob ab einer bestimmten Stufe von Komplexität automatisch Bewusstsein entsteht. Wenn nicht bei den einzelnen Gliedern, so doch sozusagen beim zentralen Server. Wir könnten das bereits beim Internet postulieren.

Angenommen, es geschieht nicht. Super Datennetz ja, aber kein Bewusstsein.

Wir hätten 5 Milliarden Bots (nicht jeder Mensch braucht einen, oder? Ansonsten hätten wir mindestens 8 oder 10 Milliarden...). Diese müssten ihm tatsächlich unaufhörlich folgen, denn die Alternative wäre, dass es Sammelbots gibt, die das Individuum erkennt. Z.B. wenn ein Mensch einen Laden, eine Eingangshalle, eine Schule betritt. Also hätten alle Bots Zugriff auf eine zentrale Datenbank. Der Hausmeister-Bot erkennt die Bewohner, der Supermarkt-Bot erkennt jeden Kunden, der Kita-Bot erkennt alle Gören.

Dieselben Bots könnten an einem anderen Ort aber wechseln. Jeder Bot müsste alles können, jeden erkennen, über das gesamte Kulturwissen der Menschheit verfügen!

Wir postulieren, dass Bots teilweise physisch eingreifen sollen. Damit potenziert sich das Problem. Reine Unterstützer ohne Physik sind für die ISS geplant: eine fliegende Kugel, die sich selbstständig orientiert und bei Anfrage das komplette Wissen über die ISS preisgibt. Nächstes Problem: an wen? Wir brauchen also Zugriffsrechte.

Angenommen, wir besitzen eine solche fliegende Kugel (und das ist wirklich SF! Drohnen funktionieren auch nicht überall...), kann diese physisch nicht eingreifen. Außer, sie brummt zwischen zwei Kampfhähne oder so.
Reine Daten-KI wäre vorstellbar. Wie sieht es mit physischer Eingriffsmöglichkeit aus?

Wir brauchen also einen größeren Standard-Bot, der vielleicht auch Hemden bügelt (Danke, Andreas). Für Sonderanwendungen brauchen wir demnach spezielle Bot-Typen. Die in Rohre kriechen, Feuer löschen, Verschüttete bergen, Streit schlichten. Lässt sich alles ausdenken. Wir sind in einem SF-Forum!

Physische Eingriffsmöglichkeit setzt Interaktion mit der Welt voraus. Also Sinnesorgane und Sensoren. Kräfteausgleich, Manipulatoren, Raumverständnis. Um in einer menschlichen Welt zu agieren, muss ein Mindestmaß an menschlichem Körperidentität vorhanden sein. Der "Blechkumpel" muss es also interpretieren oder - Stufe 2 - ein Android sein. Sehr, sehr viel SF!

Kommen wir im nächsten Beitrag zum wichtigen Teil: der Ethik und der Organisation. Wer entwickelt das alles, warum, wie und auf der Grundlage welchen Weltverständnisses?
Ich will keine englische Rangbezeichnung! :faint:

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Re: Idee für ein real mögliches Zukunftsszenario: Ähnliches?

Ungelesener Beitrag von Badabumm » 12. März 2019 18:11

Die ethische Seite ist naturgemäß umfangreicher.

Ich fange mit meinen drei Prämissen für das menschliche Leben an:

1. Jedes Lebewesen existiert, um seine Gene weiterzureichen. Auch der Mensch. Daraus entwickeln sich bestimmte Bedingungen von Empathie und Individuum. Dinge werden getan, damit diese Maxime der Natur erfüllt wird. Über das "warum" kann nichts gesagt werden.

2. Jedes Lebewesen ist nur in der Lage, einen begrenzten Lebensraum zu überblicken. Alles drumrum interessiert nicht. Das gilt auch für den Menschen. Er ist außerstande, mehr als ca. 100 Mitmenschen zu "verwalten".
Das erkennt man bereits daran, dass "primitive" Völker (sorry), keine Zählmöglichkeit für große Mengen entwickelt haben. Sie zählen "1,2,3, viele". Piaget hat entdeckt, dass Kinder erst im Laufe der ersten Lebensjahre ein Bewusstsein für Mengen erwerben und auch die Vorstellung, was "mehr" und was "größer" ist, noch nicht richtig einordnen.

3. Der Mensch gestaltet sofort eine imaginäre Gedankenwelt (Tiere tun dies augenscheinlich nicht). Diesen Gedankenwelten ist gemeinsam, dass sie auf Begriffen aufgebaut sind, die nicht real existieren. Das kann Religion sein oder ein politisches System. Phantasie ist ein Urmerkmal des Menschen. Das beginnt mit Handabdrücken auf Höhlenwänden und endet mit dem Flug zum Mars. Kein Tier hat solche Ambitionen.

Ich könnte mir das so erklären, dass es dem Unvermögen geschuldet ist, sich die Unendlichkeit vorzustellen. Ab dem Moment, in dem man sich "vieles" vorstellen kann, kann man sich "unendlich vieles" vorstellen. Das übersteigt aber unsere geistige Vorstellung bei weitem. Also wird das Vehikel "Gott" erfunden.

Aus 3. entwickelt sich zwangsläufig ein Zusammenleben nach Regeln, die "ausgedacht" sind. Keine Affenhorde lebt nach ausgedachten, sondern nach realen Regeln. Das Alpha-Männchen ist das stärkste.  Diese Urregeln existieren natürlich auch noch beim Menschen (die sogenannten Instinkte). Sie beruhen auf Punkt 1: der Sinn des Lebens ist, sich zu vermehren.

Ausgedachte Regeln haben nun mal die Eigenart, dehnbar und veränderlich zu sein. Sie sind bloß Vereinbarung. Dennoch wirken sie stärker auf unser Zusammenleben ein als die "natürlichen" Gesetze. Die Menschenrechte sind frei erfunden, sie stehen in keiner Natur-Carta. Warum sie dennoch von vielen Menschen angenommen und als richtig empfunden werden, versuchten Kant und Jung zu erklären..

So wie sich jedes menschliche Kind körperlich vollständig und immer gleich entwickelt, so wird es auch mit dem Geist sein. Eigentlich ist überhaupt verwunderlich, dass praktisch jeder Mensch ein Ich-Bewusstsein hat und denken kann. Dieser Vorgang läuft also fehlerfrei ab. Da kann man sagen, dass die "Seele" immer vorhanden ist.

Die automatisierte Entwicklung beweisen Experimente bei verschiedenen Kulturen. Die Reihenfolge der kindlichen Entwicklung ist vergleichbar, nur der gelernte Inhalt ist verschieden. Ein japanisches oder äthiopisches Kind wächst in der gleichen Entwicklungs-Reihenfolge heran wie ein deutsches. Am Ende steht immer ein denkender Mensch.

Tests zeigen, dass "Ethik"  - das, was wir als gut und böse empfinden, als richtig und falsch - offenbar fest eingebaut zu sein scheint. Das Gerechtigkeitsgefühl ist ab der Geburt vorhanden. Kleinkinder haben ein Gerechtigkeitsgefühl. Ebenso hat Jung nachgewiesen (naja, angenommen...), dass unsere Ideen und Träume bei allen Menschen ähnlich ablaufen, weil wir wie den gemeinsamen Körper auch einen gemeinsamen Geist haben. Geht man davon aus, dass unser Bewusstsein und unser "ich" aus unzähligen verdrahteten Neuronen mit denselben Startbedingungen besteht, so erscheint das logisch. Die Art, wie sich kindliche Neuronen im allgemeinen vernetzen, ist ähnlich. Sprache formt zwar stark unser Denken, aber Wünsche und Träume sind identisch. Wie wir ticken, lässt sich deshalb verallgemeinern, weil unser Gehirn ebenso wie unser Herz oder unser Ohr die gleiche Struktur hat. Dieselben Archetypen treten deshalb bei allen Menschen auf.

Ende Teil1
Ich will keine englische Rangbezeichnung! :faint:

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Ungelesener Beitrag von manu2107 » 12. März 2019 19:36

Merci, Badabumm! Sind eine Menge vernünftiger Argumente in deinen letzten 2 Posts .. (und 'Ende Teil1' deutet auf mind. einen weiteren hin)
Antworten können etwas dauern ... ;-)

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