Anthropozentrismus nervt

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deval
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Re: Anthropozentrismus nervt

Ungelesener Beitrag von deval »

Auch ich wünsche mir manchmal über "wirkliche" Außerirdische zu lesen. Aliens, die so fremd sind, das wir sie nicht verstehen oder begreifen können.
Viele entpuppen sich dann doch als allzu menschlich.

Aber, wie soll man über etwas wahrhaft unbegreifliches schreiben, wenn man es erst begreifen muss um darüber zu schreiben.
Wie soll man etwas zu Papier bringen, wenn es so fremdartig ist, dass man es nicht beschreiben kann?

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L.N. Muhr
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Re: Anthropozentrismus nervt

Ungelesener Beitrag von L.N. Muhr »

deval hat geschrieben:Auch ich wünsche mir manchmal über "wirkliche" Außerirdische zu lesen. Aliens, die so fremd sind, das wir sie nicht verstehen oder begreifen können.
Davon gibt es doch seit Stanley Weinbaums Mars-Odyssee so einige. Natürlich aus der Draufsicht beschrieben, aber wie sonst soll man das erzählerisch handhaben?

deval
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Re: Anthropozentrismus nervt

Ungelesener Beitrag von deval »

Sag ich ja, ich weiß es auch nicht.

In Sternbeben und Das Drachenei von Robert Forward wird auch eine "absolut" außerirdische Lebensform beschrieben.
Aber die machen eigentlich auch nur das, was wir Menschen auch machen, einschließlich den Glauben an einen Gott, bzw. höheres Wesen.

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L.N. Muhr
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Re: Anthropozentrismus nervt

Ungelesener Beitrag von L.N. Muhr »

Solaris?

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achimh
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Re: Anthropozentrismus nervt

Ungelesener Beitrag von achimh »

Prisma?

deval
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Re: Anthropozentrismus nervt

Ungelesener Beitrag von deval »

Hmm, nicht wirklich, eher exotisch.
Was mich dabei etwas stört ist, dass sich die "Intelligenz" oder der Planet sich durch die Menschen die er erschafft artikuliert oder darstellt.
Dadurch bekommt er halt ein menschliches Antlitz und wirkt nicht mehr wirklich fremdartig.

Aber, es ist dennoch ein gutes Beispiel wenn man sich einzig und allein auf den lebenden Planeten konzentriert.

Edit :
Das galt für Solaris.

Prisma habe ich noch nicht gelesen.
Dann könnte ich auch Bios von Robert Wilson anführen.
Aber alle haben wohl gemeinsam, dass es sich um ein Kollektiv handelt, sprich einen ganzen Planeten.
Ich bezog mich mehr auf Einzellebewesen oder ein Volk aus Einzellebewesen.

Und nein, die Chaotarchen und Kosmokraten lasse ich ausdrücklich vor. :D
Zuletzt geändert von deval am 7. Mai 2010 16:07, insgesamt 1-mal geändert.

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achimh
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Re: Anthropozentrismus nervt

Ungelesener Beitrag von achimh »

deval hat geschrieben:Was mich dabei etwas stört ist, dass sich die "Intelligenz" oder der Planet sich durch die Menschen die er erschafft artikuliert oder darstellt. Dadurch bekommt er halt ein menschliches Antlitz und wirkt nicht mehr wirklich fremdartig.
Okay, dann sollten wir vielleicht hier abbrechen und dann weitermachen, wenn das erste Alien einen SF Roman veröffentlicht hat. :beanie:

auch edit: Ich hatte das auf Prisma bezogen.

deval
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Re: Anthropozentrismus nervt

Ungelesener Beitrag von deval »

Und die schreiben dann über Menschen.
Auch nicht sehr außerirdisch für mich. :D

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L.N. Muhr
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Re: Anthropozentrismus nervt

Ungelesener Beitrag von L.N. Muhr »

deval hat geschrieben:Hmm, nicht wirklich, eher exotisch.
Was mich dabei etwas stört ist, dass sich die "Intelligenz" oder der Planet sich durch die Menschen die er erschafft artikuliert oder darstellt.
Dadurch bekommt er halt ein menschliches Antlitz und wirkt nicht mehr wirklich fremdartig.
Was erwartest du denn? Eine nullkommunikative, nullrezeptive, nullwahrnehmbare Wesenheit?

Kurz: Geister? Gespenster? ;)

Jede noch so fremdartige Wesenheit wird immer Anknüpfungspunkte im Bereich irgendwelcher Naturgesetze haben, dort wird sie mindestens wahrnehmbar sein. Und sofern sie kein absolutes Singulum ist, wird sie auch einen Kommunikationsweg haben, der möglicherweise vollkommen unverständlich, aber in irgendeiner Form wahrnehmbar/ meßbar sein wird.

Und was Solaris angeht: in meinen Augen entsteht so kein menschliches Antlitz. Diese Kommunikationsversuche sind letztlich nichts anderes als simple Mimikry, wie wir sie im Naturreich immer wieder beobachten können. Das ist also nicht menschlich, sondern allerhöchstens den allgemeinen Pfaden der irdischen Evolution abgeschaut.

Im Endeffekt wird immer die Frage voran stehen: erkenne ich ein fremdartiges Wesen überhaupt als solches? Aber sobald diese Hürde überwunden ist und ich weiß, dass ich ein fremdartiges Wesen vor mir, um mich herum oder gestern habe, werde ich auch erkennen, dass es agiert, selbst wenn mir jede dieser Handlungen in keiner Weise nachvollziehbar vorkommt.

Im Übrigen wirfst du mir planetenweites Lebewesen und Kollektivlebewesen etwas zu leicht in einen Topf.

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conanboy
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Re: Anthropozentrismus nervt

Ungelesener Beitrag von conanboy »

Ich bin so froh und stolz, dass sich Leute endlich mal mit der Sache auseinandersetzen, statt mit "wie benimmt sich der Conanboy-Asi hier schon wieder?"

breitsameter » Freitag 7. Mai 2010, 08:26
Eine Standbesucherin sagte dort wortgemäß: »Sie verkaufen jetzt auch Science Fiction? Ich mag Science Fiction nicht. Eine gute Geschichte kann auch ohne dieses SF-Szenario erzählt werden.«
Ein interessanter Blick auf das gleiche Problem, aber genauso haarscharf an der Realität vorbei, wie conanboys Meinung.
Ich stimme breitsameter da teilweise völlig zu, und behaupte das Gegenteil. Es gibt SF-Geschichten, die ohne Weiteres mit Nicht-SF-Elementen erzählbar wären, Paradebeispiel Star Wars. Prinzipiell ist das nur ein Mantel-und-Degen-Film im SF-Gewandt.

Gute Geschichten, die ausschließlich in SF erzählbar sind, sind zB. Matrix (Teil 1), oder Alien (ebenfalls Teil 1). Ich bin sehr offen für Vorschläge zu Handlungsbeschreibungen, die das Gleiche ausdrücken wie diese Filme, wo sich auf Nicht-SF-Elemente beschränkt wird.

Zugespitzt formuliert: lässt sich eine bestimmte literarische Thematik nicht immer ohne SF-Elemente formulieren? Oder existieren doch genügend Freigeister dort draussen, die es gerne haben, wenn ihnen Unterhaltung kredenzt wird, die sich über fremde Lebensformen mal den ein oder anderen Gedanken gemacht haben? Ich möchte die Geschichte lesen, die das Gleiche wie "District 9" vermittelt, nur ohne SF-Elemente.

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userin

Re: Anthropozentrismus nervt

Ungelesener Beitrag von userin »

Aber zum Thema Anthropozentrismus: das ist ja nicht nur in Science Fiction Romanen der Fall, der Mensch ist generell auf sich selbst zentriert, zum Beispiel ist wird in der Natur der Mensch als zentrales Wesen betrachtet, andere Lebewesen wie z.B. Tiere werden als weniger wertvolle Lebewesen angesehen.

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Re: Anthropozentrismus nervt

Ungelesener Beitrag von heino »

conanboy hat geschrieben:Ich stimme breitsameter da teilweise völlig zu, und behaupte das Gegenteil. Es gibt SF-Geschichten, die ohne Weiteres mit Nicht-SF-Elementen erzählbar wären, Paradebeispiel Star Wars. Prinzipiell ist das nur ein Mantel-und-Degen-Film im SF-Gewandt.

Gute Geschichten, die ausschließlich in SF erzählbar sind, sind zB. Matrix (Teil 1), oder Alien (ebenfalls Teil 1). Ich bin sehr offen für Vorschläge zu Handlungsbeschreibungen, die das Gleiche ausdrücken wie diese Filme, wo sich auf Nicht-SF-Elemente beschränkt wird.
So ganz stimmt das aber nicht. "Alien" ist letzten Endes ein Horror-Sujet, in dem ein Monstrum (in diesem Fall als Ausserirdischer dargestellt) die Menschen in der Dunkelheit anfällt und tötet. Das ist das gleiche Prinzip wie z.B. bei Vampiren oder Werwölfen, da ist der SF-Kontext nicht wirklich notwendig.
Lese zur Zeit:

E. Annie Proulx - Aus hartem Holz

deval
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Re: Anthropozentrismus nervt

Ungelesener Beitrag von deval »

Da muss ich auch nur an den Film D-Tox, mit Sylvester Stallone, denken.

Der spielt in einem abgelegenen früheren Militärbunker am ***** der Welt irgendwo in den USA.
Durch einen Schneesturm ist der Militärbunker von der Außenwelt abgeschnitten. In dem Bunker
sind ca. ein halbes Dutzend ehemaliger FBI Agenten oder Polizisten, samt Psychiater. Alle dieser
Staatsdiener haben ein traumatisches Erlebnis hinter sich und sind darum in Behandlung. Was
niemand weiß ist, dass einer der Leute gar kein Polizist ist, sondern ein Mörder der in die Rolle
eines Polizisten geschlüpft ist und nun nach und nach alle anderen umbringen will.

Das Thema ist absolut wie bei Alien:
- ein von der Außenwelt abgeschlossener Ort
- eine kleine Anzahl von Handelnden
- "etwas" das diese Handelnden umbringen will
- 10 kleine Negerlein Prinzip

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conanboy
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Re: Anthropozentrismus nervt

Ungelesener Beitrag von conanboy »

heino » Freitag 21. Mai 2010, 12:35
So ganz stimmt das aber nicht. "Alien" ist letzten Endes ein Horror-Sujet, in dem ein Monstrum (in diesem Fall als Ausserirdischer dargestellt) die Menschen in der Dunkelheit anfällt und tötet. Das ist das gleiche Prinzip wie z.B. bei Vampiren oder Werwölfen, da ist der SF-Kontext nicht wirklich notwendig.
Natürlich kann man"Alien" einfach nur als Monster-Movie betrachten. Das würde dem Film, oder zumindest meiner Auffassung davon, und dazu noch der Absicht von Regisseur Ridley Scott, nicht gerecht, finde ich. Ich zitiere mal frei übersetzt aus dem DVD-Audio-Kommentar von Herrn Scott. Es ging ihm darum, eine Lebensform darzustellen, die wir Menschen (und die Menschen im Film) nicht kapieren. Ein Wesen, das offenbar zu nichts anderem geschaffen wurde, um andere Lebensformen zu vernichten. Für Scott war das Alien eine biologische Waffe von globalem Maßstab, wie ein Virus in Menschengröße, das nicht nur einzelne Individuen befallen und vernichten sollte, sondern ganze Planeten-Bevölkerungen ausradieren sollte. Das fremde Schiff, in dem die Nostromo-Besatzung die Alien-Eier findet, war für Scott eine Art Waffentransporter, der die biologische Waffe namens Alien irgendwohin transportieren sollte. Ich persönlich würde gerne mehr über die Erzeuger der Aliens erfahren, aber zurück zum Thema.

Ich finde auch, dass Lems "Solaris" ein Super-Beispiel dafür ist, dass man sich Lebensformen ausdenken kann, die total fremdartig sind. Allerdings gehts ja in Solaris eher um menschliche, persönliche Menschen-Schicksale, die fremde Lebensform wird nur als Auslöser menschlicher Dramen verwendet, und nicht an sich thematisiert. Lems "Fiasko" ist zwar grottenschwer zu lesen, aber kommt dem schon nahe, worum es mir geht, und was ich interessant finde.

Und das ist die Frage: Wenn alle Themen, die in SF-Werken behandelt werden, angeblich auch ganz einfach mit "Nicht-SF-Elementen" erzählt werden könnten, warum existiert SF dann überhaupt? Oder, um es mal ganz überspitzt für die "Experten" zu formulieren: Adaptiere thematisch bitte die STNG-Folge "Wem gehört Data?" für die "Lindenstraße"! :D

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bukaman
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Re: Anthropozentrismus nervt

Ungelesener Beitrag von bukaman »

conanboy hat geschrieben:Adaptiere thematisch bitte die STNG-Folge "Wem gehört Data?" für die "Lindenstraße"! :D
Klarer Fall: Wem gehört das Scheidungskind? Dem Vater, der Mutter, dem Hund oder dem Jugendamt? Das Kind hat natürlich außerordentliche Fähigkeiten und kann die Dusche, unter der Stefan Nossek steht, per Gedankenkraft von Kalt auf Warm stellen. Ist das jetzt noch Lindenstraße oder schon SF und hat Mutter Beimer die letzten zwanzig Jahre nur geträumt?

Natürlich kann man jede Geschichte in jedem Setting erzählen, nur haben Erzähler und Zuhörer halt ihre Lieblingsumgebungen, in denen die Geschichten spielen.
Alien ist SF, weil es auf einem Raumschiff spielt. Raumschiffreise = gleich wissentschaftlich und technisch möglich (Science), aber in der Art und Weise, wie im Film dargestellt noch eine weitentfernte Sache (Fiktion).

Natürlich kann das Alien auch ein Hammermörder sein, der sieben Teenager beim Ferienurlaub im Wald hammermörderd, das ist dann keine SF. Ist es dann Horror, oder ein Krimi? (Falls noch der obligatorische Lonesome-Cop auftaucht.)

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