Sprache in der Science Fiction?

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Sprache in der Science Fiction?

Ungelesener Beitrag von breitsameter » 31. Juli 2011 17:13

China Mievilles Roman »Embassytown« befasst sich - das kann man ohne zu Spoilern durchaus verraten - mit dem Thema Sprache - mit der Möglichkeit und den Problemen der Verständigung, aber auch mit der Macht der Sprache.

Das finde ich spannend, den ein anderer Roman, den ich sehr schätze, befasst sich mit einem sehr ähnlichen Thema: »1984« von George Orwell. Grundlegend ist dabei die Entwicklung von »Newspeak«, eine Sprachereform, die zum Ziel hat, daß es irgendwann unmöglich werden soll, auch nur an eine Rebellion gegen das System zu denken, da alle dafür notwendigen Worte getilgt werden sollen. Deshalb formuliert die Hauptfigur Winston Smith auch: »Thoughtcrime is the only crime that matters«. Sprache als Mittel zur Machtausübung, zur Kontrolle des Individuums und des Denkens.

Fallen Euch weitere Romane der Science Fiction ein, die dieses Thema - also die Möglichkeiten und die Gefahren der Sprache behandeln?
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deval
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Re: Sprache in der Science Fiction?

Ungelesener Beitrag von deval » 31. Juli 2011 18:15

Babel-17 von Samuel R. Delany.

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Re: Sprache in der Science Fiction?

Ungelesener Beitrag von Pogopuschel » 31. Juli 2011 18:21

Er behandelt zwar nicht Gefahren oder Möglichkeiten von Sprache, nutztSprache aber um die Entwicklung des Ich-Erzählenden Protagonisten auf sehr drastische Weiße darzustellen: "Blumen für Algernorn" von Daniel Keyes.

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Re: Sprache in der Science Fiction?

Ungelesener Beitrag von deval » 31. Juli 2011 18:23

Wird nicht auch bei Dune von Frank Herbert die Sprache als Waffe benutzt?
Das Wort Muadib oder so hat doch enorme Sprengkraft.

Und, hat zwar nichts mit SF zu tun, im Film Windtalkers wird die Sprache der Navajo Indianer
als Code eingesetzt da die Japaner einfach nicht in der Lage sind diese zu entziffern.

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Re: Sprache in der Science Fiction?

Ungelesener Beitrag von Stormking » 31. Juli 2011 18:32

deval hat geschrieben:Wird nicht auch bei Dune von Frank Herbert die Sprache als Waffe benutzt?
Das Wort Muadib oder so hat doch enorme Sprengkraft.
Das ist eine der unsäglich blöden Erfindungen von Lynchs Film. Im Roman gibt es nur Die Stimme und deren Funktionsweise wird nicht weiter erläutert.

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Re: Sprache in der Science Fiction?

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch » 31. Juli 2011 18:58

Ja, Muad'dib heißt Mäuseschatten (in irgendeinem Mondzyklus) und hat sonst keine weitere Bedeutung außer der, dass es Pauls Fremen(geheim)name ist.
Die Bene Gesserit verfügen über "die Stimme", wie schon gesagt, da spielen die Worte aber keine Rolle.

Was Lynch sich dabei gedacht hat, wird ein ewiges Rätsel bleiben.
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Re: Sprache in der Science Fiction?

Ungelesener Beitrag von Doop » 31. Juli 2011 22:57

Sehr wichtig ist Sprache bei LeGuin im (allerdings Fantasy) Erdsee-Zyklus. Die gesamte Magie ist sprachbasiert.
„Ich habe [...] nichts gegen Filme ohne viel Handlung (z.B. Laberfilme von Rohmer), aber das Verhältnis zwischen Landschaftsmalerei, Dialog und Kawumm muss stimmen.“ (Badabumm, hier im Forum)

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Re: Sprache in der Science Fiction?

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch » 31. Juli 2011 23:58

Die Magie bei der Fantasy ist meistens sprachbasiert, das hat eine lange Tradition, kam schon im Kalevala vor. Ebenso auch die "Geheimnamen", über die man, wenn man sie kennt, Macht hat. (Also mal jetzt abgesehen von den Zaubersprüchlein, die in Filmen immer lateinisch sind)
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Re: Sprache in der Science Fiction?

Ungelesener Beitrag von Knochenmann » 1. August 2011 04:19

Ich hab mal eine Kurzgeschichte gelesen, "Der ultimative metaphysische Alptraum" hieß die, oder so ähnlich. Da wurde ein mieser Bildhauer durch Sprache ("die ultimative Erkenntniss") in eine Art Zombie verwandelt (weil die Erkenntnis sein Ego vernichtet hat), wodurch er zu einem besseren Bildhauer wurde der von sich selber behauptet hat ein Zombie zu sein, nur eben das ihm keiner glaubt weil jeder denkt das er sich nur wichtig machen will.

War eine witzige Story, ich kann sie leider ums verrecken nicht mehr finden.
Als ich jung war, war der Pluto noch ein Planet

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Re: Sprache in der Science Fiction?

Ungelesener Beitrag von Jorge » 1. August 2011 08:03

David I. Masson
Weniger sicher(Not so certain)
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An den Grenzen der Zeit(The Caltraps of Time)
http://www.scifinet.org/scifinetboard/i ... st&p=47960

Jack Vance
Die Kriegssprachen von Pao(The Languages of Pao)

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Re: Sprache in der Science Fiction?

Ungelesener Beitrag von breitsameter » 1. August 2011 09:39

Doop hat geschrieben:Sehr wichtig ist Sprache bei LeGuin im (allerdings Fantasy) Erdsee-Zyklus. Die gesamte Magie ist sprachbasiert.
Stimmt, daran konnte ich mich jetzt gar nicht mehr erinnern. Liegt vielleicht daran, dass mir die nachgeschobene Fortsetzung den Zyklus etwas vermiest hat.

Gab's nicht auch einen Zyklus (von Foster??), bei dem sich die Zaubersprüche immer reimen mussten?
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Re: Sprache in der Science Fiction?

Ungelesener Beitrag von Bully » 1. August 2011 11:42

Die fliegenden Zauberer?

Ohne Magie: "Die Kriegssprachen von Pao", von Jack Vance.

Zaubersprüche müssen zumindest latein klingen, quia: "nomina sunt omina", et non sola hauptwoertia, sed etiam tuwoertia, abverbia, adjectiva, praeposita sontstica woertiaque "ominös" clingent.
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Re: Sprache in der Science Fiction?

Ungelesener Beitrag von Jorge » 1. August 2011 13:04

breitsameter hat geschrieben:Gab's nicht auch einen Zyklus (von Foster??), bei dem sich die Zaubersprüche immer reimen mussten?
Bannsänger-Zyklus

Nicht gereimt, sondern gesungen...der Haken daran war nur, das der Bannsänger Jon-Tom nie so genau wußte, was das endgültige Resultat seiner "Magie" nun sein würde(z.b. erscheint beim Anstimmen von Eye of the Tiger eine 2m große, bis(im wahrsten Sinne des Wortes) an die Zähne bewaffnete Tigerin, die sich jedoch als äußerst nützlich für die Flucht aus dem Verlies erweist...obwohl das Lied eigentlich auch so die Tür öffnen sollte :lol: ).


Ian Watson
Das Babel-Syndrom(The Embedding)
http://www.x-zine.de/xzine_rezi.channel ... _11027.htm


Weitere SF-Romane zum Thema Linguistik
http://www.princeton.edu/~browning/sf.html
Zuletzt geändert von Jorge am 1. August 2011 13:25, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Sprache in der Science Fiction?

Ungelesener Beitrag von breitsameter » 1. August 2011 13:24

Jorge hat geschrieben:
breitsameter hat geschrieben:Gab's nicht auch einen Zyklus (von Foster??), bei dem sich die Zaubersprüche immer reimen mussten?
Bannsänger-Zyklus

Nicht gereimt, sondern gesungen...der Haken daran war nur, das der Bannsänger Jon-Tom nie so genau wußte, was das endgültige Resultat seiner "Magie" nun sein würde(z.b. erscheint beim Anstimmen von Eye of the Tiger eine 2m große, bis(im wahrsten Sinne des Wortes) an die Zähne bewaffnete Tigerin, die sich jedoch als äußerst nützlich für die Flucht aus dem Verlies erweist...obwohl das Lied eigentlich auch so die Tür öffnen sollte :lol: ).
Genau, das meinte ich! Danke für die Erinnerungshilfe. Ich habe den Zyklus nie gelesen, aber das fand ich immer sehr witzig.
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Re: Sprache in der Science Fiction?

Ungelesener Beitrag von Doop » 1. August 2011 15:52

Dann war da noch Robert Silverbergs "A Time Of Changes" (dt. "Zeit der Wandlungen") (Nebula-Gewinner, Hugo-Nominierter). Aus der Beschreibung "The novel is set in a culture where the first person singular is forbidden, and words such as I or me are treated as obscenities or social errors."

Und in Jack Vances "The Languages of Pao" (dt. "Die Kriegssprachen von Pao") geht es auch um die Macht der Sprache, das hat Bully oben schon genannt. Zitat aus der Wikipedia: "This novel centers on a fictional experiment in modeling a civilization by tweaking its language. As the masterbrain behind this experiment, Lord Palafox, says in chapter 9: "We must alter the mental framework of the Paonese people, which is most easily achieved by altering the language." His son, Finisterle, says in chapter 11 to a class of linguists in training: "every language impresses a certain world-view upon the mind."

In Gene Wolfs Zyklus von der neuen Sonne gibt es die fiktive "Ascian language" (ich erinnere mich nicht mehr an den Namen in der Übersetzung, waren das Askianer? ), in der sich aus den Versatzstücken der Staatspropaganda eine eigene Sprache gebildet hat.

Außerdem gehört natürlich eine der besten Episoden von "Star Trek: The Next Generation" hier erwähnt: "Darmok", eine ganz wunderbare Folge und sicher eine der 10 schönsten und besten "Star Trek"-Episoden aller Serien.
„Ich habe [...] nichts gegen Filme ohne viel Handlung (z.B. Laberfilme von Rohmer), aber das Verhältnis zwischen Landschaftsmalerei, Dialog und Kawumm muss stimmen.“ (Badabumm, hier im Forum)

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