[Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

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L.N. Muhr
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von L.N. Muhr »

Um auf 9 zu kommen?
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Teddy
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Und am besten dann noch den Titel als "Neun Tode" übersetzen.
Mammut
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Mammut »

Teddy hat geschrieben: 8. April 2021 17:54
L.N. Muhr hat geschrieben: 7. April 2021 13:27 Das ist tatsächlich komplett falsch übersetzt:

"The government wanted uranium too urgently to wait while reports drifted home across the lightyears."

Die Regierung wollte das Uran zu dringend, um zu warten, bis die Berichte all die Lichtjahre nach Hause überwanden.

(Ja, ich weiss, das holpert.)

Das wäre eine gute Debatte für den Übersetzungsfehler-Bereich.
Mir ist noch eine weitere Übersetzungspanne aufgefallen.

"The clone, five males and five females, had got done in a couple of minutes what a man might have got done in twenty"

Dies wird übersetzt als:

"Der Klon, fünf männliche und vier weibliche Wesen, hatte innerhalb von wenigen Minuten fertiggebracht, was ein Mensch höchstens in zwanzig geschafft hätte"

Da wird in der Übersetzung doch glatt ein weiblicher Klon unterschlagen.
Da bin ich beim ersten Mal und diesmal auch drüber gestolpert. Aber den Fehler erkennt man ja schnell.
Die Idee des zehnfachen Klons erlebt man aktuell übrigens in den Social Media. Da sind auch Meinungen synchron über verschiedene Personen verteilt. Aber ob die miteinander schlafen bleibt ein Geheimnis
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Ender
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Ender »

Ich hinke zeitlich schon wieder etwas hinterher - das hat den Nachteil, dass das meiste bereits von anderen geschrieben wurde. Oder Vorteil, je nachdem.
Wenn man sich einmal auf die Prämisse eingelassen hat und den Ausdruck "klonen" nicht ganz wörtlich nimmt, dann ist "Neun Leben" eine gut geschriebene, schöne Geschichte mit interessanter Fragestellung. Hat mir gefallen. Nur dass am Ende unbedingt noch das Verhältnis der beiden Kollegen präzise erläutert werden musste, fand ich eher unnötig. Sowohl ich als auch Kaph hatten die Unterschiede zwischen Mensch und Klon bis dahin auch so schon verstanden, denke ich.
Insgesamt aber eine gute Story.
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Knochenmann
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

(Man kommt zu nichts)

Aber:

"Der Wissenschaftler, der keine Ratten quälen wollte" von James Tiptree Jr (1976)

Würde sagen: bis jetzt fast schon die beste Geschichte.

Zur Story: Wir haben eines dieser Tierversuchslabore die anscheinend nur Schmerz und einen Haufen toter Tiere erzeugen. Mittendrinn ein Wissenscahfter, der zwar irgendwie mitmacht, aber der keine Lust hat Tiere aufzuscheiden. Und der sich zumindest im Ansatz für die Tiere interresiert und kümmert. Tun die anderen nämlich nicht, da werden Versuchtiere gerne mal aus Bequemlichkeit tagelang nciht gefüttert oder mit Wasser versorgt. Am Ende kommt es zu der Begegnung mit einem mystischem Wesen: dem Rattenkönig, zusammengewachsenen Ratten. Und da wiederum am Ende steht eine Veränderum im Geiste des Protagonisten.

Kann nur sagen: wie unfassbar reichhaltig die Geschichte ist! Vor allem jetzt, da ich weiß was es mit Tiptree aufsich hat, allein der Umgang mit der weiblichen Nebenprotagonistin. Und diese ganze Darstellung dieser Todes-und-Schmerzmaschine, mit einem Protagonsiten der zwar nciht explizit dagegen ist, der aber auch nur mitmacht weil... naja. Deswegen halt.
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Flossensauger
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Flossensauger »

Welchen Superlativ soll ich noch zu Tiptree nennen, der nicht schon genannt worden ist?

Vielleicht das die Hardcover-Gesamtausgabe von ihr(obwohlich schon vorher gut aufgestellt war) einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal hat. Oder das ich ihre Biographie mittlerweile vier mal nachgekauft habe, weil ich sie immer verschenke?
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L.N. Muhr
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von L.N. Muhr »

Als Rattenliebhaber hat mich die Geschichte damals beeindruckt und spukt mir bis heute im Kopf herum. Hinsichtlich ihrer Nachwirkung ist sie für mich das Highlight in diesem Band.
Ralf Wambach
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Ralf Wambach »

Mich hat die Geschichte sehr berührt, ich hatte die ganze Zeit starkes Mitleid mit den Tieren und auch mit dem Protagonisten, ich habe genauso gelitten wie er. Deshalb hat mich die Geschichte auch zum Nachdenken über Tierversuche angeregt, genauso wie es kürzlich "Im Stall" bezüglich der Massentierhaltung bei mir bewirkt hat.
Also: Eine gute Geschichte, nur das Ende hat mich nicht so vom Hocker gehauen, die Autorin hätte von mir aus die Geschichte beenden können, als der Protagonist zu "verkatertem Bewusstsein zurückfindet".
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Knochenmann
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

Weiß micht, diese "böse" drei Steiten am Ende, die machen den Unterschied aus.

Bemerkenswert hier wie Tiptree über Shila spricht, das "Love Interrest"... einerseits eine Sehnsuchsfigur, dann wieder zeigt sie "Mitleid für Geschlechtsgenossinen" wegen der trächtigen Katze, am Ende ist sie nur "zum f****n gut".
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Flossensauger »

Finde ich oft bei Tiptree, das am Ende noch ein Wendung kommt, ein Zusatz, eine Fortführung. Ist manchmal unnötig, gelegentlich fragwürdig, oft inspirierend. Manchmal auch wtf?, jetzt ist's aber zuviel.

Gehört zu ihrem Schreibstil und macht ihn unverwechselbar. Kann keiner ausser ihr. Deshalb hier -nochmal- die Höchstnote von mir.
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Ender
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Ender »

Tja, dann bin ich hier wohl Außenseiter, denn der ganz riesengroße Tiptree-Fan bin ich nicht und werde ich wohl auch nicht mehr.
Es gibt Geschichten von ihr, die ich richtig gut finde - aber auch eine ganze Reihe, mit denen ich nichts anfangen kann. Diese hier gehört eher in letztere Kategorie.

Die erste Hälfte ist zweifellos gut geschrieben und sehr eindringlich. Allerdings auch ziemlich holzhammermäßig: Ja, ich habe ja verstanden, dass ALLE Leute in diesem Labor gefühllose, sadistische Arschlöcher sind. Offensichtlich zudem auch noch erstaunlich unprofessionell, denn seine Versuchsobjekte regelmäßig aus purer Faulheit verhungern zu lassen, kommt mir wie ein ziemlich schlechtes Geschäftsmodell vor. Na ja.
Die zweite Hälfte ist mir dann zu philosophisch, da fehlt mir wohl einfach irgendetwas, um den passenden Zugang zu finden. Mit Traumsequenzen oder Drogentrips in Film und Literatur tu ich mich aber ohnehin meistens schwer (außer vielleicht manchmal bei PKD), egal welche tiefschürfenden Erkenntnisse dabei herauskommen.
Ist halt Geschmacksache - mein Fall ist die Geschichte nicht.
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Teddy
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Ich bin ein großer Tiptree-Fan und viele ihrer Geschichten sind einfach großartig. Diese hier enthält allerdings viele Dinge, die ich nicht mag. Wie Ender schon sagt, das Frankensteinlabor, in dem Tierquälerei zum Selbstzweck geschieht; Wissenschaftler, die sich überhaupt nicht wie Wissenschaftler verhalten, sowas ärgert mich beim lesen. Und den Auschwitzvergleich hätte sie sich auch sparen können. Aber dann wird die Geschichte trotz allem noch stark: Der Absinth-Trip, in dem der Rattenkönig alle Feinfühligen in eine bessere Welt führt und das bitterböse Ende, dass auch wirklich nur der feinfühlige Teil von Lipsitz gegangen ist. Zurück bleibt der neue, zynische Lipsitz, dem auch gleich ein noch widerwärtigeres Experiment einfällt und der sich an seine Kollegin ranmachen will, deren guter Teil offenbar schon früher mit dem Rattenkönig mitgezogen ist. Oft finde ich Tiptrees Art, einer Geschichte das schlimmstmögliche Ende zu geben, deprimierend. Hier ist es aber sehr gelungen.
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Ender
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Ender »

Jetzt, da du mir das Ende nochmal erklärt hast, gefällt es mir auch gleich ein bisschen besser. ;) Ich gebe zu, da hatte ich wohl schon etwas abgeschaltet und es deswegen nicht so genau nachvollziehen können.
Ach, wie gut, dass es diesen Lesezirkel gibt!
(Aber so richtig super finde ich die Geschichte insgesamt trotzdem nicht.)
Mammut
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Mammut »

Mir gefällt die Geschichte. Sie hat sehr viele Facetten und trifft nicht immer die Erwartungen, die man hat, sondern geht weiter.
Und so wie Teddy schreibt, macht auch das Ende Sinn. Da wäre ich glaube ich alleine nicht drauf gekommen.
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Knochenmann
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

"Einige meiner Freunde sind Amerikaner" von Francois Camoin (1980)

Der Islam hat in den USA Einzug gehalten. Alter Mann mit einer Hand (weil Dieb) geht seinen Leben nach und betrachtet die Welt: blauer Himmel, keine Autos, schlechtes Essen. Hinrichtungen von Juden die sich in der heiligen Stadt Brocklyn aufhalten.

Ich erinnere mich daran das ich die Story damals nachhaltiger empfunden habe als heute. Ist wohl dem Zeitgeist geschuldet.
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