[Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

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Flossensauger
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Flossensauger »

Knochenmann hat geschrieben: 28. April 2021 10:33 Ich hab ein Herz für den Brutalismus.
[off-topic:]

Ich habe mir wegen der ganz hervorragenden Filmmusik von "Arrival" später noch alles von Jóhann Jóhannsson + Hildur Guðnadóttir an Musik besorgt, das bei einer CD noch ein Film beilag habe ich erst später und vermutlich nur wegen Corona-lock-down Langeweile festgestellt.

https://store.deutschegrammophon.com/p5 ... uage_id=DE

Bild

Grobkörnige 16 mm b/w Aufnahmen von Kriegerdenkmälern im ehemaligem Jugoslawien. Staatschef Tito hatte das Problem nach dem 2. Weltkrieg diesen viel-Völker-Staat mit seinen noch vielfältigeren Religionen zu einen und hat es uA. mit brutalen Kriegerdenkmälern versucht, die keine religiösen Symbole tragen durften. Zwischen den Musikstücken liest Tina Swinton Passagen von Olaf Stapledon "First and last men". Dies fehlt auf der Musik-CD, und deshalb bin ich erst vor kurzem darüber gestolpert. Um den Film zu sehen braucht man keine besondere Technik, da gibt es nix 'rauszuholen, aber um die Musik zu erfühlen bedarf es einer etwas leistungsfähigeren Musikwiedergabe als es eine you-tube Kompression über Flachbildböxlein/sondbarchen vermag.

Brutalismus Ende.
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Naut
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Naut »

Interessant!
Ich bin mir unsicher, ob es überhaupt ein brutalistisches Denkmal geben kann, das ist für mich ein Widerspruch in sich, aber modernistisch sind diese Dinger bestimmt.
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Flossensauger
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Flossensauger »

Kein Plan. Einfach mal bei der Bildersuche "yugoslavian war memorial" eingeben und staunen.
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Knochenmann
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

So- la, wieder zu spät aber trozdem:

"Spider Rose" von Bruce Sterling (1982)

Irgendwo im äußeren Sonnensystem sitzt Spider Rose in ihrer Raumstation und lebt so vor sich hin, beobachtet den Raum, kämpft gegen Klon--Piraten und, weil sie einen reisengroßen wunderschönen Edelstein gefunden hat, führt Verhandlungen mit Aliens ("Investierer") um den Verkauf desselben.

Stellt sich heraus: Spider Rose ist ihrer Existenz müde, und es gibt kaum etwas das sie interreisert, weder Geld noch Technologie, und den Investierern fällt auch kaum etwas sein, außer vielleicht eine besoderne Art von Selbstmord.

Dann die Idee: Ein Haustier muss her! Die Investerer überlassen Rose ihr Maskuttchen für ein Jahr probeweise... das keine ding stellt sich als ziemlich interresant heraus. Es folgt: ein Piratenangriff und ein Twist am Ende.

Eine sehr schöne Geschichte, ich bedauerer es das nicht nichts (wissentlichen) von Bruce Sterling gelesen habe. Auch wenn ich mich an die Story per se nicht erinnern konnte, so sind doch ein paar Sachen hängen geblieben.

Alles in allem: eine farbenfrohe Geschichte, die weit in der Zukunft spielt, die aber trozdem sehr zugänglich ist.
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Ender
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Ender »

Bruce Sterling ist ja meines Wissens sonst v.a. für Cyberpunk bekannt. Darum geht's in dieser Geschichte allerdings nicht ... was mir persönlich ja eher entgegenkommt.
Gut geschrieben, recht originell und - ja, "farbenfroh" trifft es ganz gut.
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Naut
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Naut »

Ender hat geschrieben: 8. Mai 2021 13:24 Bruce Sterling ist ja meines Wissens sonst v.a. für Cyberpunk bekannt.
Eigentlich hat Sterling nie so viel Cyberpunk im Sinne von Neuromancer oder - würg - Shadowrun geschrieben. (Oder ich habe nur die 'falschen' Sachen von ihm gelesen.) Diese Einordnung kommt am ehesten durch seinen Roman "Hardwired" und durch seine Freundschaft mit Gibson. Seine früheren Werke gehen eher in die Richtung der hier erwähnten Geschichte, später gab es etwas, das man heute Climate Fiction nennen würde.
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Teddy
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Geschichte aus Sterlings Former/Mechanisierer-Universum, zu dem noch vier weitere Geschichten und der Roman Schismatrix gehören. In einer recht fernen Zukunft hat sich die Menschheit in zwei verfeindete Parteien gespalten: Die Former, die sich gentechnisch weiterentwickelt haben, und die Mechanisierer, die sich immer mehr zu Cyborgs entwickeln, wie Spider Rose in der gleichnamigen Geschichte. Gut, eine Geschichte, die man mit den zwei Worten "Teddy rocks" zusammenfassen kann, muss mir einfach gefallen. :wink: Es ist schon erstaunlich, wie wenig Sterling von seinem Universum erklärt und man trotzdem nie das Gefühl hat, etwas nicht zu verstehen. Hat mir insgesamt seht gut gefallen.
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Teddy
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Naut hat geschrieben: 8. Mai 2021 18:06 Diese Einordnung kommt am ehesten durch seinen Roman "Hardwired" und durch seine Freundschaft mit Gibson. Seine früheren Werke gehen eher in die Richtung der hier erwähnten Geschichte, später gab es etwas, das man heute Climate Fiction nennen würde.
Hardwired ist aber von Walter Jon Williams.

Inseln im Netz und Video-Kid hören sich von der Inhaltsangabe nach Cyberpunk an.

Richtig gut ist übrigens die Cyberpunk-Geschichte "Taklamakan". Gut geeignet für alle, die mal Cyberpunk von Sterling testen wollen, ohne gleich einen ganzen Roman lesen zu müssen.
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Flossensauger
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Flossensauger »

Ha! Da hat mir der Zufall geholfen, denn wenn ich es richtig behalten habe war "Der Staubozean" seine erste Veröffentlichung auf deutsch. Silbernes "Knaur" Taschenbuch. Müsste Anfang der 80er erschienen sein und war für mich mit 10-12 Jahren Alter an "Dune" anschlussfähig. Der zerstörerische Liebesakt zwischen einem Menschen und einem Alien ist mir deutlich in Erinnerung.

Danach habe ich ihn immer im Auge behalten und halte Schismatrix, Inseln im Netz und Heilige Feuer für sehr gute near-future SF, die mit Cyberpunk nur den historischen Zeitrahmen und den Freundeskreis des Autors gemein hat. Farbenprächtig und unterhaltsam, ja das denke ich auch über ihn. Irgendwann aus den Augen verloren. Oder kam da nix mehr? Weiss ich gar nicht.

An die betreffende Story kann ich mich null erinnern, sorry, müsste ich nachlesen. Am besten mit einer ganzen Kurzgeschichtensammlung von ihm, da müsste doch was aufzutreiben sein.

[nachgeschaut:] "Zirkadenkönigin" als frühe deutsche Story-Sammlung von Heyne muss irgendwo auf dem Dachboden in einem Pappkarton mit der Aufschrift: "SF-TB-deutsch-gelesen" lagern. Zusammen mit 70-80 anderen Pappkartons mit derselben Aufschrift. Vielleicht zur Rente, wenn es noch eine für mich gibt (das ist keine SF).
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Naut
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Naut »

Teddy hat geschrieben: 8. Mai 2021 21:58
Naut hat geschrieben: 8. Mai 2021 18:06 Diese Einordnung kommt am ehesten durch seinen Roman "Hardwired" und durch seine Freundschaft mit Gibson. Seine früheren Werke gehen eher in die Richtung der hier erwähnten Geschichte, später gab es etwas, das man heute Climate Fiction nennen würde.
Hardwired ist aber von Walter Jon Williams.

Inseln im Netz und Video-Kid hören sich von der Inhaltsangabe nach Cyberpunk an.

Richtig gut ist übrigens die Cyberpunk-Geschichte "Taklamakan". Gut geeignet für alle, die mal Cyberpunk von Sterling testen wollen, ohne gleich einen ganzen Roman lesen zu müssen.
Richtig, "Inseln im Netz" war es ... ich werde alt.
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Ralf Wambach »

Mich hat die Geschichte nicht so angesprochen, ich lausche aber trotzdem gern der Diskussion hier im Forum.
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Mammut »

Eine sehr ruhige Geschichte, die schon was von der Exotik einer Cyberpunk Geschichte hat. Nachdem ich mich am Anfang durchkämpfen musste hat sie mir mit jeder Seite dann besser gefallen. Schöne Geschichte.
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Knochenmann
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

"The Lucky Strike" von Kim Stanly Robinson (1984)

Aslo: ich hab von Robinson nichts gelesen außer der Geschichte, und ich weiß das er in den letzen paar Jahren richtig groß heruasgekommen ist... aber das er schon 1984 aktiv war? Gute Geschichte!

Worum es ghet: Eine Pazifikinsel im 2WK, die erste Atombombe soll angeworfen werden... daraus wird aber nichts, die Elona Gay stürzt ab. Die Bombe soll trozdem abgeworfen werden, nur von einem anderen Flugzeug.

Der Bombenschütze Jannuary macht sich seine Gedanken über die Bombe, was die bewirkt und das er derjenige ist der am roten Knopf sitzt. Das führt dann dazu das die Bombe nicht genau auf Hiroshima abgeworfen wird sondern erst eine Minute später. Das wiederum führt dazu das Hiroshima weniger zerstört wird (das wird nicht genau beschrieben), und zu einem Todesvorteil vor dem Kriegsgericht für Jannuary... und die Gründung der "Jannuary Gesellschaft", die sich erfolgreich gegen Atombomben einsetzt.

Zwei bemerkenswerte Dinge:

Zum Einen zerbricht sich Jannuary den Kopf über die Natur der Bombe, von der er nichts weiß, aber von der er vermutet das die gegen die Genfer Konvention verstöst.
Zum Anderen: Am Ende wird Jannuary erschossen, von einem Exekutionskommando. Einer der Soldaten hat eine Platzpatrone damit jeder sich einreden kann er habe es nicht getan. Famos!
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Mammut »

Großartige Geschichte. Fängt an wie eine reine Abenteuerstory, doch der Bombenleger beschließt, den Befehl zu verweigern und eine Stadt und ihre Bewohner zu retten. Er selbst wird dafür gerichtet. Eine Geschichte über die Konsequenz des eigenen Handelns. Sehr schön.

Erschien ursprünglich in Universe 14:
http://www.isfdb.org/cgi-bin/pl.cgi?52845

Und 1988 auf Deutsch:
http://www.isfdb.org/cgi-bin/pl.cgi?394787
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Flossensauger
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Flossensauger »

Super Geschichte.

Schreiben kann er ja. Sogar seine (Master?) Abschlussarbeit an der Uni lässt sich gut lesen. (Über Phil Dick, ist sogar mal auf deutsch im Shayol verlag erschienen.)
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