[Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

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Knochenmann
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

So-La:

"Dr. Paks Vorschule" von David Brin (1989)

Wieder so einge Geschichte die sich tief eingebrannt hat:

Geschildert wird das Ehe- und sonstiges Leben eine japanischen Ehepaars. Die Frau ist die japanische Vorzeige Ehefrau, der Mann ein übereifriger Karrierist bei einer ungenannten Firma.

Zentrum der Geschcihte: der Nachwuchs der beiden. Schon die Tochter wird schon früh auf den Vorkindergarten geschicht um sie bereicht zu machen für das Erwerbsleben, für den Sohn wird noch ein gang zugelegt: der wird in einer koreanischen Klinik künstlich befruchtet, auf Genfeher untersucht, mit Infromationen beschallt und hat seinen ersten Job bevor er überhaupt geboren wird.

Die Frau: Eine Getriebene, die alles so hinnimit, und erst am Ende zum Schluss kommt, das sie mit der Falschheit des System nicht mehr länger leben kann. Und das eigendliche Ende dann: Singularität im Uterus. Hatte ich komplett vergessen, macht die Geschcihte aber wie ich finde richtig rund.

Meinung: Alter Verwalter, wie aktuell das alles ist! Und wie gut Brin das recherchiert hat! Diese ganze Lebensführung der Japanischen Geschäftsleute, das japanische Frauen und Selbstbild, die Leistungsdruck der Gesellschaft, passt alles zusammen und ist heute so aktuell wie damals, wenn nicht aktueller. Wenn es solche Behandlungen wie oben beschrieben geben würde, die Japaner würden es machen.

Starke Story.
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Flossensauger
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Flossensauger »

Jepp. Liest sich absolut aktuell.
Mammut
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Mammut »

Teddy hat geschrieben: 11. Juli 2021 18:25 Eigentlich wollte ich "Enter a Soldier..." gar nicht lesen, da ich sie vor vielen Jahren schon mal gelesen habe, mich aber an kaum was erinnern konnte, außer dass ich die Geschichte nicht so toll fand. Beim zweiten Lesen hat sie mir allerdings gut gefallen, besonders die Diskussionen des bauernschlauen Pizarro mit dem gar nicht so unähnlichen Sokrates. Leider fehlt der Geschichte ein knackiger Schluss. So endet sie einfach.
Mir gefiel die Geschichte beim zweiten Lesen immer noch nicht, na ja, vielleicht ein wenig besser.
Eigentlich ist die Simulation der KI nur der Rahmen für einen philosophischen Diskurs, den Pizarro und Sokrates miteinander führen. Das kann man spannend oder auch ein wenig zäh finden. Der Schluss ist in dem Sinn folgerichtig, das eine philosophische Diskussion ja nie ein befriedigendes Ende finden kann.

Zu Silberberg gibt es ein interessantes Buch bei Memorandum. Der war Vielschreiber, hat mit Aktien soviel Geld gemacht, daß er eigentlich keines mehr verdienen brauchte irgendwann. Auf jeden Fall hat der einen beeindruckenden Output. Da ist dann alles dabei, von genial bis völlig simpel. Ich habe auf jeden Fall schon bessere Kurzgeschichten von ihm gelesen als die vorliegende.
Ralf Wambach
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Ralf Wambach »

Dr. Paks Vorschule

Ich fand die Geschichte sehr spannend geschrieben und auch das Thema hat mich fasziniert. Ich weiß nur nicht, ob ich das Ende richtig verstanden habe. Wo ist das Baby hin verschwunden? In einer Kleinschen Flasche versunken? Könnt ihr mir das genauer erklären?
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Knochenmann
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

Naja, das Baby war schon im Mutterleib zu einer höheren Form von Mathematik fähig... das hat dan zu einer singularität geführt, heißt: das Baby wurde so intelligent das es in eine höhere Ebene der Existenz übergegangen ist.
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Ralf Wambach
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Ralf Wambach »

Das heißt, man kann man ausschließlich mit viel Intelligenz und ausgeprägten Kenntnissen in höherer Mathematik eine PHYSIKALISCHE Singularität herstellen, in der ein massebehaftetes Objekt (Embryo) verschwindet? Das wäre ja keine Kleinsche Flasche, sondern ein schwarzes Loch.
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Naut »

Ralf Wambach hat geschrieben: 19. Juli 2021 17:58 Das heißt, man kann man ausschließlich mit viel Intelligenz und ausgeprägten Kenntnissen in höherer Mathematik eine PHYSIKALISCHE Singularität herstellen, in der ein massebehaftetes Objekt (Embryo) verschwindet? Das wäre ja keine Kleinsche Flasche, sondern ein schwarzes Loch.
Dieses Thema kam in der Zeit häufiger vor, etwa in Greg Bears "Blutmusik", bei Rudy Rucker oder in Greg Egans Romanen aus der Zeit. Grundlage bildet die philosophische Frage, worin der Unterschied zwischen Energie, Materie und Geist besteht, und ob es überhaupt einen gibt, wenn man z.B. in subatomare Regionen vordringt (Quantenphysik, Unschärferelation).
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Mammut »

Naut hat geschrieben: 19. Juli 2021 18:10
Ralf Wambach hat geschrieben: 19. Juli 2021 17:58 Das heißt, man kann man ausschließlich mit viel Intelligenz und ausgeprägten Kenntnissen in höherer Mathematik eine PHYSIKALISCHE Singularität herstellen, in der ein massebehaftetes Objekt (Embryo) verschwindet? Das wäre ja keine Kleinsche Flasche, sondern ein schwarzes Loch.
Dieses Thema kam in der Zeit häufiger vor, etwa in Greg Bears "Blutmusik", bei Rudy Rucker oder in Greg Egans Romanen aus der Zeit. Grundlage bildet die philosophische Frage, worin der Unterschied zwischen Energie, Materie und Geist besteht, und ob es überhaupt einen gibt, wenn man z.B. in subatomare Regionen vordringt (Quantenphysik, Unschärferelation).
Ein interessantes Thema. Japan war ja damals auch sehr angesagt. Insgesamt fand ich die Geschichte ein wenig gezogen. Auch der Wandel des Ehepaares von progressiv zu untertänig wird zwar erwähnt, aber wirkt wenig mit Leben gefüllt.
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Teddy
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Ein interessante Geschichte, die zwei typische 80er Themen verbindet: das generelle Interesse an Japan und die Idee einer vorgeburtlichen Förderung. Zumindest in den USA war es damals in Mode, das Schwangere mit Gürteln rumliefen, die den Fötus mit Musik stimulieren sollten. Die Geschichte kippte ein wenig, als die Föten dann Ingenieursaufgaben lösen konnten. Und am Ende reicht das Wissen um Topologie, um in eine andere Dimension zu wechseln? War mir etwas zu dick aufgetragen und ging ein wenig in Richtung der Esper/Mutanten, die in den 40er/50er Jahren in der Sf so beliebt waren.
Erschreckend finde ich die Stellung der Frau in der japanischen Gesellschaft. Und wenn Knochenmann schreibt, dass das heute eher noch schlimmer geworden ist, kann ich nur hoffen, dass er sich hier irrt.
Insgesamt fand ich die Geschichte o.k., aber auch nichts Besonderes.
Zuletzt geändert von Teddy am 20. Juli 2021 03:34, insgesamt 1-mal geändert.
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Teddy
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Mammut hat geschrieben: 18. Juli 2021 23:19 Zu Silberberg gibt es ein interessantes Buch bei Memorandum. Der war Vielschreiber, hat mit Aktien soviel Geld gemacht, daß er eigentlich keines mehr verdienen brauchte irgendwann. Auf jeden Fall hat der einen beeindruckenden Output. Da ist dann alles dabei, von genial bis völlig simpel. Ich habe auf jeden Fall schon bessere Kurzgeschichten von ihm gelesen als die vorliegende.
Ja, das hab ich mal gekauft und auch hier und da was drin gelesen. Von Silverberg lese ich bevorzugt die Sachen, die er zwischen 1967 und 1975 geschrieben hat, seiner zweiten Schaffensphase. Da ist die Chance, dass man was Gutes erwischt sehr hoch.
Ich kann mich an einige starke Novellen von ihm erinnern: "Mit den Toten geboren", die drei Novellen, die zum Roman Schwingen der Nacht zusammengefasst wurden oder insbesondere "Heimkehrzeit" (1983), in dem das Bewusstsein eines Forschers Millionen Jahre in die Zukunft in einen intelligenten Hummer transferiert wird. Die ist wirklich klasse. An Kurzgeschichten kann ich mich nur an zwei erinnern: "Passagiere" und "Gute Nachrichten aus dem Vatikan". Die sind o.k. Kannst du noch was empfehlen, dass man dringen gelesen haben sollte?
Mammut
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Mammut »

Teddy hat geschrieben: 20. Juli 2021 03:32 An Kurzgeschichten kann ich mich nur an zwei erinnern: "Passagiere" und "Gute Nachrichten aus dem Vatikan". Die sind o.k. Kannst du noch was empfehlen, dass man dringen gelesen haben sollte?
Oh je, wenn ich die noch wüsste. Da reist eine Gruppe in die weit zurückliegende Vergangenheit. Aber mehr weiß ich jetzt gar nicht mehr, geschweige den Titel.

EDIT: Ich glaube das war Hawksbill Station:
http://www.isfdb.org/cgi-bin/title.cgi?52394
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Teddy
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Teddy »

"Hawksbill Station" (1967) hat Silverberg nur ein Jahr später zum Roman (eher Kurzroman) ausgebaut. Den fand ich auch gut.
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Ender
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Ender »

Knochenmann hat geschrieben: 18. Juli 2021 16:15 "Dr. Paks Vorschule" von David Brin (1989)
Richtig düster und böse, und zwar in mehrfacher Hinsicht: die Leistungsgesellschaft, die Stellung der Frau, die skrupellos experimentierenden Wissenschaftler ...
Zum Glück sind wir ja heute, ein Vierteljahrhundert später, auf humanistischer Ebene schon sehr viel weiter, weshalb solch eine unmenschliche Ausbeutung natürlich undenkbar wäre. Kleiner Scherz.

Letztlich aber dann irgendwie doch eine Art von Happy End, weil das "Versuchsobjekt" entkommt. Wohin auch immer.
Puh. Starker Tobak.
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Knochenmann
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

"Tiny Tango" von Judith Moffet (1998)

Zur Story: junge Studentin infiziert sich in den späten 80ern mit AIDS. Schafft es durch zurückgezogne Lebensführung und Gemütsruhe lange, lange zu überleben. Arbeitet als Lehreren, beschlist dann etwas aus ihrer Begabung zu machen und züchtet Melonen die resistent sind gegen das Mosikvirus. (Das Buch hat mit Rüben angefangen und mit Melonen endet es). Daneben: Auerirdische, die zu Besuch kommen, Experimente mit Penisen, Reaktorkatastrophen.

Eine Geschichte die mir hängengeblieben ist. Das Bild von der AIDS kranken Frau die in einer Welt voller Immuner lebt und ihr eigenes Blut als Gift ansieht.
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Ralf Wambach »

Ich fand die Geschichte GRANDIOS!!!

Sie stellt nebenbei auf sehr anschauliche Weise ein spannendes Problem dar, dass man in vielen Facetten diskutieren könnte: Hat wirklich die pure Erhaltung des Lebens absolut Vorrang? Oder darf ein Mensch auch sein Leben mit interessanten Dingen ausfüllen, in vollem Bewusstsein, dass sie zu einem früheren oder gar baldigen Tod führen?
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