[Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Wir lesen gemeinsam ausgewählte Science Fiction-Bücher und diskutieren darüber!
Mammut
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Mammut »

Ralf Wambach hat geschrieben: 25. Juli 2021 23:09 Ich fand die Geschichte GRANDIOS!!!

Sie stellt nebenbei auf sehr anschauliche Weise ein spannendes Problem dar, dass man in vielen Facetten diskutieren könnte: Hat wirklich die pure Erhaltung des Lebens absolut Vorrang? Oder darf ein Mensch auch sein Leben mit interessanten Dingen ausfüllen, in vollem Bewusstsein, dass sie zu einem früheren oder gar baldigen Tod führen?
Ich denke das kann man eindeutig beantworten. Die Qualität des Lebens, nicht die Quantität soll das Maß der Dinge sein. Gut, wenn man das selbst entscheiden kann.
In der Geschichte wird aber gezeigt, das es zwischen diesen beiden Extremen eine ganze Bandbreite gibt.
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Teddy
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Und wieder zwei typische Themen der 1980er Jahre: AIDS und Super GAU. Mir hat die Darstellung der Biologin, die nach ihrem HIV positiv Befund mit wissenschaftlicher Präzision ihr Leben nur noch auf die Krankheit ausrichtet, sehr gefallen und auch bewegt. Wie sie durch das Melonenzuchtprojekt wenigstens etwas von ihrem aufgegebenen Traum der Forschung an einer angesehenen Universität in ihr Leben holt und erst durch die Reaktorkatastrophe erkennt, dass auch eine Liebesbeziehung zum wahren leben gehört. Eien Geschichte, die die alte frage nach dem Sinn des Lebens stellt.
Etwas überflüssig, wenn auch nicht störend, fand ich die Außerirdischen. Die hätte man auch weglassen können, oder?
Interessant, dass Moffet eigentlich kaum Einzelheiten ihres Zukunftsentwurfs erwähnt. Und wenn, waren sie meist falsch. Holografisches Fernsehen und Elektroautos haben sich noch nicht durchgesetzt, aber Telefonzellen und Disketten wirken recht anachronistisch in der Geschichte.
Insgesamt eine tolle Geschichte.
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Knochenmann
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

"Liebkossung" von Greg Egan (1990)

Polizist in der Zukunft findet am Tatort eines Verbrechens eine Chimäre, einen Leopard mit Frauenkopf (oder umgekehrt). Das Verbrechen klärt sich praktisch von alleine auf: eine KI filtert Anruft aus, und es wird ein Bild erwähnt, von einem belgischen Surrealisten der genau diese Chimäre auf dem Bild "Liebkossung" gezeichnet hat. Zufall ist das keine, dahinter steckt ein wahnsinniger Künster / Verbrecher / Wisssenschaftler - Genie. Der ist superreich und damit Beschäftigt, Bidler wirklichkeit werden zu lassen.

So, bei Egan steckt immer soviel drinnen und vor allem, ich sags mal so: wahnsinnige Bösartigkeit, das ich das ich fast imemr schreien möchte: "Halt, Stop, das alleine reicht doch schon! Das ist doch schon schlimm genug!". Ich fidne ihn daher nur schwer zu konsumieren.

Aber etwas Schönes ist auch in dem Buch drinnen: der Polizist sucht natürlich nach dem Bild, im Überlegenen Computersystem Der Zukunft. Als ich das damals gelesen habe: unfassbar. Aber heute, Ladys and Gentleman, google ich das Bild und stelle es hier ins Forum:

Bild

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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Ralf Wambach »

Herzlichen Dank, Knochenmann, für das tolle Anschauungsmaterial, das macht für mich die Geschichte noch unheimlicher.

Mir hat die Geschichte gut gefallen.

Für mich ein gelungenes Beispiel für Science-Fiction. Wie könnten Dinge, die wir heute schon kennen, in der Zukunft aussehen: Polizeiarbeit, Verwendung von Körperkameras, Umgang mit großen Datenmengen, Künstliche Intelligenz, Medizin, Kunst … sogar das Urheberrecht wurde thematisiert. Für 1990 eine tolle Leistung, finde ich.
Und das Internet mit Google hat der Autor 1990 auch schon vorausgesehen: On-line-Britannica …
Mammut
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Mammut »

Ich kann mich nur anschließen und sagen, toller Autor.
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Teddy
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen: Die sehr realistischen zukünftigen Polizeiarbeit, bei der die Polizisten im Einsatz ständig ein Monitoring erfahren oder Drogen bekommen, die alle Emotionen unterdrücken, ist faszinierend und beklemmend zugleich. Dies kombiniert mit dem Thema mögliche Kunstformen der Zukunft ist sehr gelungen. Da störte mich selbst der genial-böse Schurke nicht. Wenn es um realistische Nahzukunftsszenarien geht, gehört Egan zweifelslos zu den besten Autoren, auch wenn er nicht unbedingt der beste Schriftsteller ist, was mMn bei seinen kürzeren Texten aber nicht so sehr ins Gewicht fällt wie bei seinen Romanen.
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Flossensauger »

Bei Greg Egan fühlt sich die Welt die er schafft immer "echt" an, das ist eine sehr hohe Kunst, die mich über manche schriftstellerische Lücken bei ihm gerne hinwegsehen lässt.

Tatsächlich habe ich schon länger nix mehr von ihm gelesen. Ist der noch aktiv? Wäre eigentlich eine Idee.
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

"Passagen" von Joe Haldeman (1990)

So, zur Geschichte: Wir haben einen Guide und einen Jäger (oder so) der auf einem obskuren Planeten ein ziemlich gefährliches Viech jagen will (reist die HAut vom Körper). Irrungen und Wirrungen und ein mehr oder weniger überraschendes Ende. Oder zumindest eine überraschende Erklärung für ein Ende.

Auf der Habenseite: Viel Lokalkolorit auf wenigen Seiten.

Auf der Soll Seite: Was soll das alles? Welche Rolle spielt die Telephatie? Welche Rolle spielt die "Passage" selber?

Tja, im großen und ganzen: eine eher durchnittliche Geschichten von einem Autor der schon länger im Geschäft war.
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Mammut »

Ich mag solche Geschichten eigentlich nicht. Aber die Überlebenstaktik beim Ritual und das die scheinbar überlegene Rasse die unterentwickelte ist, hat mir gut gefallen. Ich habe mich angenehm unterhalten gefühlt, glaube mich aber zu erinnern, dass mir die Geschichte bei der ersten Lektüre nicht so gefallen hat. Wie auch immer.
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Der launige Ich-Erzähler, der immer mal wieder durch trockenen Humor glänzt, die exotische Welt mit den überaus gelungenen Baleseli, und das verbunden mit der spannenden Handlung der Jagt ergibt eine tolle Geschichte. Haldeman ist ein Autor, der auf wenigen Seiten viel unterbringen kann.
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Flossensauger »

Super Story, extrem fremde Welt, glaubwürdige Charaktäre, wenig Seiten, Wendung/Überraschung am Ende: So muss das sein.
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Knochenmann
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

Aber nochmal, was soll das alles? Was macht das für einen Unterschied ob die Enwohner telephatisch begabt sind oder nicht?
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Flossensauger »

Ich habe mich schon länger damit abgefunden, das es leider in der SF wohl keinen guten Plot oder keine Auflösung mehr geben kann.

Zu dieser Erkenntnis bin ich bei der Lektüre von Ian M. Banks gelangt: Ich halte ihn für einen hervorragenden SF-Autor, für tatsächlich den Erneuerer der Space-Opera (ich weiss, das sind starke Aussagen!). Seine Bücher vernünftig zu beenden, das ist ihm selten geglückt. Ian Banks halte ich übrigens für einen hervorragenden mainstream Autor, soviel Zeit muss sein.

Und ab dieser Punkt ist es mir, auch rückblickend, umso stärker aufgefallen.

Entweder liefert nur die kurze "Ideen-SF" der Gründungszeit bis golden age die Möglichkeit auf eine plot hinzuarbeiten. Oder alle Geschichten sind erzählt. Oder sowohl unsere reale Welt wie auch die der bisher verfassten SF ist soweit far-out, abgespact, fortgeschritten, das wir mit unseren Möglichkeiten sie gar nicht mehr schlüssig/endgültig darstellen können.

[Nur kurze Gedanken, will den Threat auch nicht schreddern, aber zum Austausch ist er ja auch da, denke ich.]
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Knochenmann hat geschrieben: 9. August 2021 17:30 Aber nochmal, was soll das alles? Was macht das für einen Unterschied ob die Enwohner telephatisch begabt sind oder nicht?
Den Forschern kommt es so vor, als beobachten sie eine sehr primitive Rasse, die kaum kommuniziert und stupide um ein Feuer herumsitzt. In Wirklichkeit sind sie sozial hoch entwickelt und kommunizieren telepathisch, legen nur auf Besitz halt keinerlei Wert. Ich fand diese Wendung am Ende sehr gelungen.
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Re: [Lesezirkel] Fernes Licht - Kurzgeschichten

Ungelesener Beitrag von Flossensauger »

Jepp. Und das schafft (bei mir) nur die allerbeste SF.
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