Lesezirkel NOVA 18

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breitsameter
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Re: Lesezirkel NOVA 18

Ungelesener Beitrag von breitsameter » 5. März 2012 22:12

Shock Wave Rider hat geschrieben:Holger Eckhardt: Das letzte Taxi
Ein außerirdischer Inspekteur empfiehlt nach eingehender Begutachtung die Zerstörung des menschlichen Lebens auf der Erde. Die letzten Minuten vor der Auslöschung verbringt er auf einem deutschen Bahnhof (Köln?) und beobachtet die ganzen Kuriositäten und die menschliche Freakshow.
Schnoddrig, misanthropisch, böse und treffend, ohne sich in den Menschenhass zu verbeißen. Schöne Variante des Themas "Blick eines außerirdischen Wesens auf die Menschheit" mit vielen netten, lebendigen Details. Die dritte ordentliche Story nach Küper und Behrend.
Na ja, ich habe ja immer meine kleinen Probleme mit den Geschichten von Holger Eckhardt. Hier hat mich dieser in jede Richtung gehende Zynismus etwas genervt, aber ich stimme Dir zu: letztlich ist das eine ganz ordentliche Pointenstory. Nicht mehr, nicht weniger.

Nominiert für den KLP wurden aus NOVA 18 Olaf Kemmlers »Der Kuss der Deltafloride« (eine Geschichte, die ich ja ganz gut fand) und Sven Klöppings »Mein Freund, der Arkologiker« (zu lang, die Physik völlig falsch). Die Meinungen gehen also auseinander.
Echte Vampire schillern nicht im Sonnenlicht, sie explodieren. Echte Helden küssen keinen Vampir, sie töten ihn.

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Re: Lesezirkel NOVA 18

Ungelesener Beitrag von breitsameter » 5. März 2012 22:15

Norbert Stöbe: Klondike

Endlich! Endlich mal eine rundum gute Kurzgeschichte. Kurz, knackig und vor allem auch hervorragend erzählt (besonders die für die Handlung wichtige Enttäuschung des Kindes ist gut herausgearbeitet). Ich sage jetzt mal bewußt nichts über den Inhalt, um Niemandem den Spaß an der Geschichte zu verderben, aber hätte ich eine Geschichte aus NOVA 18 nominieren müssen, dann wäre es sicher diese hier gewesen!
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Re: Lesezirkel NOVA 18

Ungelesener Beitrag von breitsameter » 8. März 2012 13:27

Hier eine Kritik zu NOVA 18 von Peter Herfurth aus dem FANDOM OBSERVER:
http://www.fandomobserver.de/2012/03/we ... n-nova-18/
Vielem muss ich leider zustimmen.
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Shock Wave Rider
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Re: Lesezirkel NOVA 18

Ungelesener Beitrag von Shock Wave Rider » 10. März 2012 10:09

So, NOVA 18 ist endlich durch!
Ich liefere mal meine Meinung zu den deutschsprachigen Stories nach. Das Nahost-Special hat eine eigenständige Würdigung verdient.

Norbert Stöbe: Klondike
Das Thema ist total "old school" und von den Klassiker bereits ausgelutscht - sollte man denken! Stöbe schafft es aber, der Idee neue Facetten abzugewinnen. Und das gelingt vor allem wegen der Wahl der Perspektivperson (der Junge als "betroffener Außenstehender") und der großartigen Erzählweise. Sowohl sprachlich als auch dramaturgisch top. Obwohl der Text eher still daherkommt, baut Stöbe doch einen starken Spannungsbogen auf. Viele Dinge muss der Leser zwischen den Zeilen hervorkratzen. Ich stimme Florian zu: Das ist eine richtig gute Story, von den deutschsprachigen sogar mein Favorit in dieser Ausgabe!

Wolf Welling: Die Katze Schrödinger
Ausgehend von der Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik und der Veranschaulichung mit Schrödingers Katze schildert Welling ein Experiment, das zunächst zwei Zustände parallel aufrechterhält, sich aber beim Nachschauen für einen dritten entscheidet.
Nett gemeintes Experiment, hat mich aber nicht berührt. Was sich in den Parallelwelten abspielte, war mir einfach zu unwichtig.

Siegfried Langer: Schöpfungsgeschichte
Ein Raumschiff landet auf dem Potsdamer Platz. Die übliche Katastrophen-Schutz-Maschinerie läuft ab, SEKs und Medienvertreter belauern das UFO, die Kanzlerin erklärt die Kontaktaufnahme zu den Außerirdischen zur Chefsache. Aber das Raumschiff reagiert einige Tage überhaupt nicht. Bis schließlich Bälle ausgeworfen werden, die sofort Wurzeln schlagen und für einen Reset der Schöpfung sorgen.
Soll wohl Satire sein. Aber sie packt mich nicht so recht.

Karsten Greve: Die Entschädigung
Thomasson wird versehentlich von Aliens entführt. Als Entschädigung bieten sie ihm Superkräfte an. Aber was für welche!
Das wiederum ist eine gelungene, witzige Satire, bei der ich einige male herzlich lachen konnte. Kein Meilenstein, aber gern gelesen.

Gruß
Ralf
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Denn er tut sich verbitten
Aliens, UFOs und Titten.
Einen Kerl wie den sollte man lünchen!

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Re: Lesezirkel NOVA 18

Ungelesener Beitrag von fictionality » 22. August 2012 13:44

@Alfred: Gute Analyse. Genau so war die Story gedacht gewesen.

@ Ralf: Die Story sollte keine Satire werden, deshalb habe ich dieses Element außen vor gelassen (obwohl es vielleicht gut hinein gepasst hätte). Aber ich wollte Constantinus nicht parodieren, sondern seine Krankheit ernsthaft darstellen. Natürlich wirkt das Ende etwas satirisch, aber es zeigt auch die Tragödie auf, in der er steckt. Ach ja: Schachtelsätze sind vielleicht nur was für Leute, die ihre Aufmerksamkeit kontrollieren können.

Es wurde ja auch die Länge der Story kritisiert. Diese Kritik nehme ich jetzt mal teilweise an. Sicher hätte ich auch auf nur 30 Seiten dasselbe schildern können. Aber es ging mir darum, Hoffnung auf Heilung zu erzeugen. Dafür braucht man schon ein bisschen Geduld. Diese Hoffnung dann am Ende ins Nichts zu katapultieren, das war der eigentliche Sinn der Story, der (zumindest bei Alfred) ja auch die richtige Wirkung gehabt hat.

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Re: Lesezirkel NOVA 18

Ungelesener Beitrag von Mammut » 11. Januar 2013 15:19

breitsameter hat geschrieben: Na ja, ich habe ja immer meine kleinen Probleme mit den Geschichten von Holger Eckhardt. Hier hat mich dieser in jede Richtung gehende Zynismus etwas genervt, aber ich stimme Dir zu: letztlich ist das eine ganz ordentliche Pointenstory. Nicht mehr, nicht weniger.

Nominiert für den KLP wurden aus NOVA 18 Olaf Kemmlers »Der Kuss der Deltafloride« (eine Geschichte, die ich ja ganz gut fand) und Sven Klöppings »Mein Freund, der Arkologiker« (zu lang, die Physik völlig falsch). Die Meinungen gehen also auseinander.
Bei mir ist es umgekehrt. Normalerweise amüsieren mich Geschichten von Holger Eckhardt immer besonders, die Vorliegende erinnert mich aber eher an einen Witz als an eine Geschichte und findet nicht mein gefallen.

Bei den Nominierungen würde mich mal interessieren, warum man gerade diese beiden nominiert hat. Olaf Kemmlers Geschichte ist schöne Unterhaltung, aber was daran ist auszeichungwürdig?
Bei Svens Geschichte mag die Grundidee interessant sein, aber die Umsetzung fand ich ebenfalls eher mäßig und nicht preiswürdig.

Die Heller Story fand ich ebenfalls sehr unterhaltsam und für mich funktioniert sie sogar nur in der vorliegenden Form. Einen ausgearbeiteten Roman (oder eine Novelle) würde ich dem Thema gar nicht geben. Sie hat ihre Stärken gerade durch die Kürze und der Verknappung.

Klondike muss ich mir nochmal durchlesen. Da bin ich bezüglich der Berwertung am Schwanken.

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