Lesezirkel HOUSTON, HOUSTON! von James Tiptree jr.

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breitsameter
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Lesezirkel HOUSTON, HOUSTON! von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von breitsameter » 1. Juli 2013 10:45

James Tiptree Jr.
HOUSTON, HOUSTON!
Sämtliche Erzählungen, Band 3

Aus dem Amerikanischen von Bella Wohl, Samuel N. D. Wohl, Andrea Stumpf, Frank Böhmert, Michael Preissl und Laura Scheifinger

Nachwort von Andreas Eschbach

Die Serie geht bereits in die dritte Runde. Die titelgebende Erzählung »Houston Houston bitte kommen!« ist sicher eine der besten der Autorin sowie des gesamten Genres. Nach einer Weltraumreise wird ein irdisches Raumschiff in der Zukunft kurz vor seinem Anflug auf die Erde abgefangen – die durchwegs männliche Besatzung stellt fest, dass sich auf der Erde nur noch Frauen befinden...
Für diese Erzählung erhielt James Tiptree Jr. 1977 - ihre Identität war zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufgedeckt - den begehrten Hugo Award, den Nebula Award sowie den Jupiter Award.

Inhalt:

Es liegt nicht an Ihrem Gerät [erstmals auf Deutsch]
Drücken, bis kein Blut mehr kommt [erstmals auf Deutsch]
Ihr Rauch steigt auf in Ewigkeit
Schlangengleich erneuert die Erde sich
Ein flüchtiges Seinsgefühl
Der Psychologe, der Ratten keine schrecklichen Dinge antun wollte
Houston, Houston, bitte kommen!
Bibertränen
Eure Gesichter, o meine Schwestern! Eure Gesichter voller Licht!
Sie wartet auf alle Geborenen

Nachwort von Andreas Eschbach: Über James Tiptree Jr.:
Wanderungen entlang der Grenze des Wahnsinns
Echte Vampire schillern nicht im Sonnenlicht, sie explodieren. Echte Helden küssen keinen Vampir, sie töten ihn.

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breitsameter
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Re: Lesezirkel HOUSTON, HOUSTON! von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von breitsameter » 1. Juli 2013 10:45

Und auf geht's!
Echte Vampire schillern nicht im Sonnenlicht, sie explodieren. Echte Helden küssen keinen Vampir, sie töten ihn.

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Bully
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Re: Lesezirkel HOUSTON, HOUSTON! von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von Bully » 1. Juli 2013 13:06

Ich habe ältere Tiptree-Sammelbände, aber ich weiß jetzt nicht, ob das dieselben Übersetzungen sind.
Anderswo known as Yart Fulgen

deval
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Re: Lesezirkel HOUSTON, HOUSTON! von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von deval » 2. Juli 2013 15:53

Und wie isses? Ich bin jetzt bei der vierten Geschichte und noch nicht wirklich begeistert.

Die erste fand ich recht lustig und auch schön für den Einstieg ins Buch. Ein paar skurrile
Typen wie sie sich jeder Radiomoderator vermutlich wünschen würde.

Die zweite war nun ja, so lala. Mir kam die beliebte Frage "Was wollte uns der Autor mit der
Geschichte sagen" in den Sinn. Allerdings weiß ich es nicht. Vielleicht das die Natur einfach
keine Chance gegen den Menschen hat?

Bei der dritten bin ich mir noch etwas im Unklaren. War das jetzt so eine Art Nahtod-Erlebnis
das der gute Petey durchlebt hat? Das er in den See versunken ist und sein Leben vor seinem
"inneren Auge" noch einmal vorbeigezogen ist? Mit all seinen Erlebnissen was das weibliche
Geschlecht angeht.

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Re: Lesezirkel HOUSTON, HOUSTON! von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von deval » 8. Juli 2013 19:43

Ich hab es nun durch.
Mal sehen, vielleicht poste ich mal meine Meinung in dem Thread über schwule oder pädophile Priester.
Der Thread schein in diesem SF Forum ja wesentlich besser zu laufen als SF Themen. Eigentlich ein Armutszeugnis wie ich finde. Aber was solls. Ein SF Forum ist das ja schon lange nicht mehr.

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Re: Lesezirkel HOUSTON, HOUSTON! von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von deval » 12. Juli 2013 11:59

Warum widerspricht mir denn keiner??

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Re: Lesezirkel HOUSTON, HOUSTON! von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von breitsameter » 12. Juli 2013 12:14

deval hat geschrieben:Warum widerspricht mir denn keiner??
Sommerloch. Viele sind im Urlaub (gerade die Berliner) und die anderen schwitzen im Büro. Und ich stecke noch in einem anderen Buch fest.
Echte Vampire schillern nicht im Sonnenlicht, sie explodieren. Echte Helden küssen keinen Vampir, sie töten ihn.

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Re: Lesezirkel HOUSTON, HOUSTON! von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von deval » 13. Juli 2013 13:36

Du meinst, es besteht die Hoffnung, dass es besser wird? Vielleicht sogar "richtig gut"?

(Mal aus reinem Interesse: Stimmt die Kommasetzung in dem ersten Satz?)

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Re: Lesezirkel HOUSTON, HOUSTON! von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von Pogopuschel » 3. Februar 2014 16:28

deval hat geschrieben:Du meinst, es besteht die Hoffnung, dass es besser wird? Vielleicht sogar "richtig gut"?

(Mal aus reinem Interesse: Stimmt die Kommasetzung in dem ersten Satz?)
Meiner Meinung nach ja.

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Re: Lesezirkel HOUSTON, HOUSTON! von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von Lagjaogale » 23. April 2015 12:49

Eigentlich ein Armutszeugnis wie ich finde. Aber was solls. Ein SF Forum ist das ja schon lange nicht mehr.????
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Re: Lesezirkel HOUSTON, HOUSTON! von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von Pogopuschel » 23. April 2015 12:53

Lagjaogale hat geschrieben:Eigentlich ein Armutszeugnis wie ich finde.
Was jetzt? Die Kommasetzung? :)

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Re: Lesezirkel HOUSTON, HOUSTON! von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von lapismont » 23. April 2015 13:00

Ich hab zwar das Buch, aber wann ichs lese, weiß ich nicht.

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Re: Lesezirkel HOUSTON, HOUSTON! von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von Shock Wave Rider » 27. April 2015 11:46

Ich hab's gelesen. Ist aber zu lange her, als dass ich mich noch an konkrete Dinge erinnern könnte.
Außer: Ich war gefesselt und begeistert.

Gruß
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Re: Lesezirkel HOUSTON, HOUSTON! von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von Doop » 27. April 2015 17:32

Pogopuschel hat geschrieben:
Lagjaogale hat geschrieben:Eigentlich ein Armutszeugnis wie ich finde.
Was jetzt? Die Kommasetzung? :)
Lieber Pogo, Du bist einem Bot aufgesessen, der schanlos aus einem Posting von deval kopiert hat. Guckst Du:
deval weiter oben im Thread, und zwar am 8. Juli 2013 hat geschrieben: Eigentlich ein Armutszeugnis wie ich finde. Aber was solls. Ein SF Forum ist das ja schon lange nicht mehr.
Ich habe den Bot namens Lagjaogale eben gesperrt. Aber sein Posting lasse ich hier mal stehen, nachdem es Anlass für Folgebeiträge war. Und irgendwelche Links kann der Gute ja nicht mehr in seinen Beitrag einfügen.

Vielleicht handelt es sich bei diesem Bot ja um Ultron? Wer weiß... Wehren wir den Anfängen! :wink:
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Re: Lesezirkel HOUSTON, HOUSTON! von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von Konrad » 30. April 2015 08:36

Eigentlich muss man ja Joe über den Klee loben, daß er sich mit dem Septime-Verlag dem Tiptree-Werk angenommen hat.
Allerdings hätte ich mir gewünscht, beim Juwel der Sammlung, "Houston, Houston, do you read?", hätte ein erfahrener Übersetzer/in auf die Feinheiten der Story geachtet. Andrea Stumpf gehörte zum Übersetzerteam der Steve-Jobs-Biographie, das durch spektakuläre Fehler negativ aufgefallen ist (z.B. "silicon" mit "Silikon" übersetzt). Dies ließ Schlimmes befürchten. Die Übersetzung von technischem Vokabular ist nicht einfach, wenn man nicht vom Fach ist. Obwohl offenbar jemand ;-) ein Auge auf die technischen und SF-spezifischen "Klippen" hatte, findet man doch viele Schnitzer. Es wurden zwar einige Übersetzungsfehler von Walter Brumm (Heyne) korrigiert, leider aber auch richtige Übersetzungen verschlimmbessert.

Z.B. kann man aus dem Kontext eindeutig erkennen, daß Tiptree mit "port energy accumulator", der von der Sonneneruption getroffen wurde, keinen Akku im umgangssprachlichen Sinn, sondern ein Solarpanel, gemeint hat. Stumpf übersetzt dies mit "Backbordakkumulator"; Brumm trifft da mit "backbordseitiger Sonnenkollektor" besser.
Daß man bei der Übersetzung von technischen Begriffen nicht nur die Grundlagen der Physik beherrschen, sondern auch die Feinheiten der Bedeutung kennen sollte, sieht man z.B. an Stumpfs Übersetzung von "reaction engine". Ein Reaktionsantrieb für ein Raumfahrzeug ist kein "Strahltriebwerk" (Luft atmendes Triebwerk, Turbine), wie Stumpf meint, sondern ein "Raketentriebwerk".
"Everything in the cabin drifts sidewise...as the retros cut in" übersetzt Stumpf "Die losen Teile in der Kabine schweben zur Seite...als der Schub wieder abgebremst wird". Natürlich wird hier kein "Schub" abgebremst, sondern der Schwung oder genauer der Drehimpuls.
"They fired their engines", übersetzt Stumpf: "Sie haben ihre Triebwerke gestartet". Es waren aber nur die Lageregelungstriebwerke und die brennen nicht ständig, sondern *feuern* nur kurzzeitig.
Oder Stumpf: "...Teleskop..führt es langsam an seine Augen", ein Teleskop ist aber kein Feldstecher, sondern ein Monokular.

Gravierender sind allerdings Verständnisfehler von technischen bzw. physikalischen Zusammenhängen, wobei auch Brumms Übersetzung davon nicht verschont ist.
Als Houston auf ihren Funkspruch nicht reagiert, sagt Lorimer: "They could have a hard time sorting us out", und Stumpf übersetzt: "Kann sein, dass es eine Weile dauert, bis sie unser Signal rausgefiltert haben", was knapp daneben ist, denn Warten nutzt da nichts. Brumm liegt hier richtig, "Sie könnten Schwierigkeiten haben, uns aus den Störgeräuschen herauszufiltern".

"Earth's apparent position is in Pisces" übersetzt Brumm richtig "Die scheinbare Position der Erde ist in den Fischen". Stumpf macht aus "scheinbar" ein umgangssprachliches "offenbar", die spezielle astronomische Bedeutung von "scheinbar" ist ihr wohl nicht geläufig.

Wenn Bud die vermutete "Bodenkontrolle" zur Richtungskalibrierung der Funkantenne anpeilt, und sagt "We have a fix...That monkey was torqued one hundred forty-nine degrees", übersetzt Strupf: "Wir haben eine Peilung...Das Scheißerchen war um hundertneunundvierzig Grad gedreht." Es geht hier aber nicht um eine normale Ortung, sondern um die mutmaßliche Verbiegung der Antenne und die Ermittlung des Korrekturfaktors (fix). Richtig wäre also: "Wir haben einen Korrekturwert...Der Piephahn war um hundertneunundvierzig Grad *verdreht*". Brumm liegt hier allerdings mit "Wir haben die Frequenz fixiert." völlig daneben.
Aber "...the antenna's beamed right now" übersetzt er richtig mit "...nachdem die Antenne nun korrekt ausgerichtet ist" und Stumpf liegt wiederum mit "die Antenne fängt gerade das Signal auf" falsch.

Wenn die Funkverbindung abreißt, weil "...the strange ship is too close to the coronal horizon", dann liegt das nicht an der Korona, wie uns Stumpf fälschlich vereinfachend glauben machen will, sondern am Horizont der Sonne, hinter dem das Schiff verschwindet.

"...the fuel feed to the attitude jets goes sour..." übersetzt Stumpf "...der Brennstoff verstopft die Stabilisatordüsen...", was natürlich Blödsinn ist. Da verstopft nichts, sondern der Treibstoff geht aus und die Pumpen fangen an, leer zu laufen bzw. zu stottern. Brumm liegt mit "Die Treibstoffzufuhr zu den Stabilisierungsdüsen versagt." richtig.
"We don't want to brake any more on account of our exhaust" übersetzt Stumpf "Wir wollen nicht weiter abbremsen, um unsere Brennstoffvorräte nicht zu erschöpfen". Knapp daneben. "To exhaust" heißt zwar erschöpfen, das Substantiv "exhaust" ist aber Abgas, hier der Triebwerksstrahl, der die Leute treffen würde. Brumm liegt auch hier richtig mit "Wir möchten wegen unserer Abgase nicht weiter verlangsamen."

"...his own LSP has less load" übersetzt Stumpf "...seine Lebenserhaltungssysteme sind nicht so schwer", was natürlich Unsinn ist; richtig wäre "... sein LSP (life support pack) hat weniger zu tun.

Daß man als SF-Übersetzer auch eine gewisse spekulative technische Phantasie haben muss, sieht man an folgendem Beispiel:
Das "Long-Range Particle Density Cumulator Experiment" wird von Lorimer zum Aufspüren des Raumschiffs der Frauen zweckentfremdet.
Das Experiment und das zugehörige Instrument "Lurp" wird nicht erklärt, aber als SF-Leser mit technischer Phantasie wird einem schnell klar, daß sich Tiptree ein auf dem Radarprinzip basierendes Gerät vorgestellt haben muß. Daß man die Reflektionen von einem Laser- oder Mikrowellenstrahl an Staubteilchen auswerten könnte, um die Teilchendichte zu bestimmen, kann man sich vorstellen.
Bei Stumpf wird das Gerät zum "Langstrecken-Partikelstrom-Verdichter", was bezüglich der beschriebenen Anwendung ziemlich unsinnig ist. Wenn man den Anspruch eines SF-Autors auf technischen Realismus ernst nimmt, muß man die fiktive Konstruktion verstehen, oder es wird unfreiwillig zu Technobrabbel. Brumm liegt hier mit "...Gerät für die Fernmessung der Partikelströme und ihrer Dichte..." richtig.

Streckenweise hatte ich den Eindruck, daß Brumms Übersetzung als Vorlage genommen und einzelne Worte ersetzt oder umformuliert wurden. Das geht manchmal gut, oft aber nicht, weil Zusammenhänge und Details übersehen wurden.
Ein Beispiel:
"...; he starts methodically setting in the values for the vector that will bring Spica in line with their functional window. Now why couldn't I have done that, Lorimer asks himself for the thousandth time, following the familiar check sequence"
Brumm: "...dann macht er sich methodisch an die Einstellung der Werte für den Vektor, der Spica in eine Linie mit dem Bugfenster bringen soll. Nun, warum hätte ich das nicht tun können, fragt sich Lorimer zum hundertsten Mal, während er der vertrauten Prüfsequenz folgt"
Stumpf: "Nacheinander gibt er die Vektorwerte ein, die Spica auf eine Linie mit ihrem brauchbaren Fenster bringen. Warum konnte ich das nicht tun?, fragt sich Lorimer zum tausendsten Mal und führt die bekannten Prüfsequenzen aus."
Hier sieht man prototypisch alle Probleme der Stumpfschen Übersetzung. Warum wird das Futur "will bring" in Präsens umgewandelt? Warum wird "methodisch" (methodically) durch das blasse "nacheinander", warum das "vertraute" (familiar) durch das schwache "bekannte" ersetzt? Warum wird aus der einzelnen Prüfsequenz plötzlich mehrere Sequenzen? Warum wird die Gleichzeitigkeit des sich Fragens und des Ausführens der Prüfung verändert?
Hier wird deutlich, warum die Stumpfsche Übersetzung nicht richtig funktioniert; sie vollzieht nicht nach, warum Tiptree einzelne Worte und Satzkonstruktionen wählt.
Dave gibt Werte in den Computer ein, die später in einen Bewegungsvektor umgesetzt werden. Dies geschieht also nicht bei der Eingabe, sondern erst einige Sätze weiter, wenn der Computer auf "Echtzeit"[-Ablauf] umgestellt wird. Sonst wäre eine Prüfung durch Lorimer auch völlig sinnlos. Also fehlt das Futur, das gezielt die Verbindung zu der noch ausstehenden Ausführung der Lagekorrektur herstellt. Das bestimmende, Kompetenz ausstrahlende "methodisch" spiegelt einen Teil der Gründe wieder, warum Lorimer Dave bewundert. Weiter muß Lorimer die Prüfsequenz, nämlich die Überprüfung von Daves Eingaben, nicht nur kennen, sondern er muß sie *im Schlaf* kennen, mit ihr völlig vertraut sein. Nur so ist er in der Lage, parallel zu Prüfung über sich und seine Passivität nachzudenken.
Die innere Logik wird bei Stumpf nicht richtig wiedergegeben, die Detailschärfe fehlt.

Zudem fällt eine gewisse Humorlosigkeit bei pointierten Formulierungen auf:
Der ironische Kommentar zu einem notdürftig gerade gebogenem Teil, "Best we can do, we'll have to compensate in the psychic mode" ("... den Rest müssen wir Geistheilen"), übersetzt Brumm ziemlich schwach mit: "... ein etwaiger Leistungsabfall werden wir eben psychisch kompensieren müssen". :( Stumpf übersieht die Ironie und übersetzt 100% humorfrei: "...im Notfall werden wir mit unseren Geisteskräften ausgleichen müssen" :kopfschuettel:
Ein "gelockter Gesichtsbusch" (curly face-bush) wird bei Stumpf zum "struppigen Bart", die "Reserve-ges" zum Brennstoff, "they won't peep" zu "sie reagieren nicht". :evil:
"One little old burp won't hurt us." (burp=Bäuerchen für den kurzen Schub des Lagetriebwerks) zu "Eine halbe Drehung wird uns schon nicht umbringen." :nein:

Alle diese Abweichungen führen bei der Stumpfschen Übersetzung zu diesem merkwürdig blassen Eindruck. Es gibt allerdings noch weitere Gründe, warum mich ihre Übersetzung nicht überzeugt. Wenn ich mich nicht irre, hat Frau Stumpf bisher kein eigenes Werk veröffentlicht und das merkt man leider. Ihrer Sprache fehlt der natürliche "Ton", sie "klingt" oft nicht richtig, ist manchmal sehr holprig.
Bei Dave gelingt ihr der militärische Befehlston nicht, den er anschlägt, wenn er das Kommando übernimmt oder Bud maßregelt. Hier würde ein Vorgesetzter, spätestens wenn er den Nachnahmen benutzt, zum förmlichen "Sie" übergehen. Auch die durch die Droge+Alkohol verursachte zunehmende Veränderung von Buds Sprache vermag sie nicht in überzeugender Form zu übersetzen.
"Sagen" wird viel zu häufig wiederholt und mit dem Konjunktiv der indirekten Rede hat sie so ihre Schwierigkeiten.

Hinzu kommt ein Mangel an dramaturgischem Instinkt, den ich an einem Beispiel erläutern möchte.
Auf Seite 325 gibt es eine großartige Passage, in der Lorimer über seine Empfindungen für Bud und Dave sinniert und zunehmend in Rage gerät.
Tiptree spricht zu Beginn des Abschnitts neutral von vielschichtigen Empfindungen und läßt bei Lorimer und dem Leser im Laufe des Textes langsam die Erkenntnis reifen, daß es sich hier um den unterschwelligen Groll eines "Betas" handelt. Stumpf platzt mit dieser Erkenntnis am Anfang der Passage heraus, indem sie ein Wort verändert. "submerged silent *thing*" übersetzt sie als "untergründigen, stillen *Groll*" und ruiniert mit dieser Vorwegnahme die Dramaturgie der Passage. :nein: :nein: :nein:

Dies scheinen nur kleine Abweichungen zu sein, aber zusammen führen sie bei der Stumpfschen Übersetzung zu einem merkwürdig blassen Gesamteindruck; die Story läßt mich kalt und das hat sie nicht verdient.

Natürlich hat Stumpf auch Brummsche Fehler erfolgreich korrigiert.
"Bud and Lorimer continue their current task of checking out suits and packs for a damage-assessment EVA to take place as soon as the radiation count drops." übersetzt Brumm mit "Bud und Lorimer setzen ihre schon begonnene Arbeit fort und überprüfen Schutzanzüge und Hilfsgeräte *auf mögliche Beschädigungen*.” Dabei hat er den Grund der Arbeit im zweiten Teil des Satzes mehr geraten als übersetzt. Stumpf übersetzt "EVA" (extra vehicular activity) und den Rest richtig: "...für den Außenbordeinsatz. Sobald die Strahlenwerte sinken, werden sie rausgehen und die Schäden in Augenschein nehmen."

Trotzdem muß ich gestehen, daß ich Brumms Übersetzung vorziehe. Obwohl man bei Walter Brumm eine Menge Übersetzungsfehler findet und die Phantasie manchmal mit ihm durchgeht, schätze ich sein technisches Einfühlungsvermögen und seinen literarischen Instinkt.

Kennt zufällig jemand Joachim Körbers Übersetzung?

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