Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 3: Das Schwert des Liktors

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Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 3: Das Schwert des Liktors

Ungelesener Beitrag von Nessuno » 6. April 2007 20:17

Ahoj, Kameraden (und solche, die es werden wollen)!

Es geht weiter mit dem dritten Teil von Gene Wolfes genialer Serie "The Book of the New Sun / Das Buch der Neuen Sonne", mit "The Sword of the Lictor".

Das dem Werk voranstehende Gedicht stammt aus den letzten Lebensjahren des russischen Dichters Osip Mandelstam. Der Text variiert etwas zu den Texten, die ich im Internet gefunden habe. Entweder verwendete GW eine andere Version als die „gängige“ oder er hat es etwas „aufgepeppt“.

III 1: Master of the House of Chains / Meister im Haus der Ketten

Ein sehr ruhiger Start in das actiongeladene 3. Buch. Vielleicht ist dies Symbol für den Seelenfrieden, den Severian (zeitweise) erreicht hat bzw. für das Abflauen der stürmischen Beziehung zwischen Severian und Dorcas.

“It was in my hair”: “it” ist “odor of the shaft”, wie aus dem Schluss des Kapitel hervorgeht – eine klassische Ringkomposition.

„They“: die Frauen in der (Frauen-)Sauna.

Acis: Bereits in II 21 erwähnt, Thecla hat dort ihre Kindheit verbracht. Der mythische Hintergrund – Akis ist der Sohn des Faunus und einer Najade, wird von Polyphem getötet und in einen Fluss verwandelt – steht im LU. Vielleicht verdient noch Erwähnung, dass es ein Fluss auf Sizilien ist.

„That´s the way it´s usually done.” Severian ist tatsächlich nicht sehr feinfühlig. Später auch: „You´ve never lost anyone, have you?”. Hier deutet sich schon die Trennung der beiden an. Die Krise wird von GW m.E. sehr fein beschrieben.

„That it wasn´t true then. That it is now.” Dorcas meint anscheinend, dass sie nun tatsächlich von einer Gefährtin zu einer Konkubine eines Folterers „herabgesunken“ sei.

hieromonach: „a monk who is also a priest“ (LU).

1600 Gefangene sind eine Menge, verglichen mit der Zitadelle. Und anscheinend sind alles verurteilte Mörder.

Acies Castle: da Acies die (Schwert-)Spitze im Lateinischen heißt, wird hier anscheinend das Bild vom „crooked dagger entering the heart of the mountains“ aufgenommen. Es geht weiter mit capulus, dem „Schwertgriff“. Die Spitze von Thrax (Castle) liegt im Norden an den Wasserfällen, der Schwertgriff im Süden. Da die Stadt auch den Beinamen „City of the Crooked Knives“ trägt, ziemlich passend. Vielleicht sollte bei dieser Gelegenheit auch darauf hingewiesen werden, dass Thrax der „Thraker“ heißt, was m. E. weniger auf die „mountainous area guarding the north-western border of the Byzantine Empire“ hinweist als auch den gleichnamigen Gladiatortypen. Darauf deutet auch harena = (sandige) Arena.

„which may indeed be Gyoll´s true source”: merkwürdig, klingt fast so, als wäre die genaue Geografie inzwischen in Vergessenheit geraten.

squadrons: anscheinend gibt es keine feste Größe; vielleicht am ehesten einer Kompanie vergleichbar, vielleicht also 7 x 100 Mann.

dimarchi: “Literally, those who fight in two ways. Soldiers trained to act as infantry or cavalry as the occasion demands. Dragoons” (GW). Vgl. I 3, wo sie anscheinend auch als Polizeieinheiten dienen.

“Court convened each month, from the first appearance of the new moon to the full, beginning with the second morning watch and continuing as long as necessary to clear the day's docket.” Also praktisch täglich von 7 Uhr früh bis zur Erledigung aller anstehenden Prozesse. Anders versteht es anscheinend das LU s. v. Acies Castle: „city, where court is in session every two week, from the first appearance of the new moon to the full.“
“during the first weeks”: Severian ist bereits einige Monate in Thrax.

“claviger”. Vgl. II 29.

„cultellarii“: Vielleicht ist konkret an Vodalus´ Männer gedacht.

„petty exultants“: wahrscheinlich nicht nur in übertragenem Sinne, sondern konkret in Bezug auf die Körpergröße gebraucht.

„The Vincula of Thrax is“: Latein ist nicht GWs Stärke, sondern wüsste er, dass Vincula der Plural von vinculum („Fessel“) ist.

“and was only a few hundred years ago enlarged and converted to its new purpose”: Fortschritt scheint es im Commonwealth so gut wie gar nicht zu geben, selbst nach Jahrhunderten.

bartizan: „Turrets or small towers that cling to the wall or other structure and have no foundations of their own“ (GW). Vgl. I 14.

“the prisoners were chained along the walls of the shaft, each with a stout iron collar about his neck”: Erinnert mich irgendwie an Platons Höhlengleichnis in seinem Staat, auch wenn´s wohl eher zufällig ist.

“as to eventually achieve a rational structure”: anscheinend ist Severian stolz auf seine Arbeit – warum sonst hätte er sie Dorcas zeigen wollen?

Die ausführliche Stelle über die Claw erinnert doch stark an Tolkiens Ring.

doeskin: an anderer Stelle – V 39 – wird es als „manskin“ bezeichnet, ein Hinweis vielleicht weniger auf die Fehlbarkeit von Severians unfehlbaren Gedächtnisses als auf die von GW (aus manskin ist die Scheide von Terminus Est).

“that it was crushing out my life”: Warum ist die Claw aktiv? Spiegelt sie hier nur Severians innere Gefühle wider?

„abrupt change in our relationship“: Ging das wirklich so schnell oder steckt mehr dahinter? Immerhin sind mehrere Wochen in Thrax vergangen – wohl kaum weniger, als Dorcas und Severian vorher zusammen verbracht haben.

paramour: II 30 u. 31.

In der Beschreibung seiner Beziehung mit Dorcas verwendet Severian an keiner Stelle das Wort Liebe, wohl nicht zufällig. Wie gesagt, sehr fein geschildert.

Nessuno (der allen Kameraden frohe Ostern wünscht!)
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Ungelesener Beitrag von g. b. corner » 15. April 2007 14:38

hallo Nessuno!

entschuldigung für das späte post; habe im moment ziemlich einiges um die ohren und das wetter ist auch noch wunderbar :-) - aber jetzt hab ich's endlich geschafft: buch 3 kapitel 1:
„That´s the way it´s usually done.” Severian ist tatsächlich nicht sehr feinfühlig.
ja, das ist ein ziemlich grober schnitzer, wenn er auch eine tatsache äußert.
„which may indeed be Gyoll´s true source”: merkwürdig, klingt fast so, als wäre die genaue Geografie inzwischen in Vergessenheit geraten.
ich vermute eher, und die Commonwealth-karte weist darauf hin, dass der Gyoll mehr der Amazonas- als der Nil-typ ist, also keine eindeutige bestimmung der quelle zulässt (vergleichbar vielleicht bei uns mit der Donau, deren quellangabe ja auch recht willkürlich ist)

die beschreibung der "Vincula": Severian weist auf ein gerücht hin, dass das gebäude ursprünglich anderen zwecken gedient haben mag - als grabmal scheint es aber seltsam ungeeignet. woran mich die konstruktion (schräger schacht mit abfluss unterhalb der staumauer in den Acis) am ehesten erinnert, ist übrigens ein speicherkraftwerk - weiß aber nicht, ob Wolfe das gemeint hat.
Die ausführliche Stelle über die Claw erinnert doch stark an Tolkiens Ring.
ja, in dieser passage deutlich wie selten

- "If I had supplied a measure of physical protection to Dorcas, she had equally supplied a certain moral shelter to me ..."
hübsch ausgedrückt

- alles in allem ein kurzes, sehr informatives kapitel (auch die politischen schwierigkeiten in Thrax werden bereits angedeutet) ohne vile fragezeichen. Wolfe erleichtert uns den einstieg ins dritte buch !


schöne feiertage auch noch im nachhinein,
georg

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Ungelesener Beitrag von Nessuno » 16. April 2007 14:05

g. b. corner hat geschrieben:hallo Nessuno!

entschuldigung für das späte post; habe im moment ziemlich einiges um die ohren und das wetter ist auch noch wunderbar :-)
Kein Problem, Georg! Ich muss in dieser Woche leider auch schon eine Pause einlegen, weil ich dringend verreisen muss. Entweder postet einer von euch etwas zu Kapitel 2 oder ich hole das am Wochenende (zusammen mit Kapitel 3) nach.

Nessuno
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Ungelesener Beitrag von Nessuno » 22. April 2007 20:54

Ahoj, Kameraden!

Da der Start doch etwas schleppend war (hallo, Gerd!), doch nur ein Kapitel:

III 2: Upon the Cataract / Auf dem Katarakt

Der ruhige Start geht weiter. Vor einer brodelnden Wasserkulisse gibt Severian einige (m. E. belanglose) Weisheiten von sich. Die Beziehung zwischen Severian und Dorcas scheint am Ende.

peony: Pfingstrose: Etymologisch mit Peion zusammenhängend, dem Arzt der Götter.

circulet: = circlet?

jelab: vgl. I 16.

“The brown book I carry says there is nothing stranger than to explore a city wholly different from all those one knows, since to do so is to explore a second and unsuspected self”: Das Brown Book travestiert ja oft alte Mythen. Kennt einer von euch das Vorbild?

embrasure: „a slanting or beveling in the sides of an opening to a wall oder window, so that the inside profile of the window is larger than that of the outside” (das LU verweist auf II 17, das Wort ist aber schon in I 30 belegt).

gonfalon: vgl. I 24.

kaberu: “African mountain wolf” (LU).

amphitryons: “the name of a tribe of the Commonwealth´s extreme north … As the name means “harassing on either side” in Greek, perhaps the tribe inhabits the region of Orithyia, which is hotly fought over by both Ascia and the Commonwealth” (LU). Oder meint GW etwa Amphiktyonen (“Umwohner”)?

dog-wolves: vielleicht identisch mit den ebenfalls unsichtbaren „white wolves“?

Mir scheint Severians Vergleich mischrassig/reinrassig bzw. grausam/noch grausamer keinen rechten Sinn zu machen.

huanaco: „variant of guanaco, a South American mammal (Lama guanico) that is related to the camel, lacks a dorsal hump, resembles a deer in appearance, and has a soft, thick, fawn-colored coat” (LU).

“found myself speculating on dark-eyed, dark-skinned women, women with glossy black hair”: ziemlich das Gegenteil von Dorcas, ein weiterer Hinweis auf die Entfremdung der beiden.

yurts: „a circular domed hut consisting of skins of felt stretched over a collapsible lattice framework ... Used by the Kirghiz and other Mongol nomad sof Siberia” (LU).

“before Master Palaemon had told me the correct location of Thrax”: I 13.
donjon: vgl. I 13.

caique: vgl. I 13.

feluccas: “a small vessel propelled by oars or lateen sail, or both, used mainly in the Mediterranean vor coasting voyages” (LU).

Wieder haben wir durch Kapitelanfang und -ende eine Ringkomposition mit Dorcas, die ansonsten – offenbar ganz bewusst – nur einmal en passent erwähnt ist. Zum Inhalt fällt mir weiter wenig ein, GW beschränkt sich hier anscheinend auf die literarisch-stilistische Seite, wie die vielen Fremdwörter zeigen. Hübsch sind einige Bilder, mir gefällt vor allem: “for a moment at least, that gravity had been twisted until it stood at right angles to its proper self by some sorcerer's multiplication with imaginary numbers, and the height I saw was properly the level surface of the world”. Parodiert GW hier eine Hohlwelt-Phantasie?

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Ungelesener Beitrag von g. b. corner » 23. April 2007 17:14

hi Nessuno! Gerd?

deinen ausführungen ist wenig hinzuzufügen; wie du richtig anmerkst, handelt es sich ja um ein nicht sehr ereignisreiches kapitel. ich sehe allerdings den deskriptiven charakter als "ablenkung" (natürlich erfahren wir auch einiges, Wolfe verschwendet keine worte) und halte Dorcas für das zentrale element des kapitels, gerade dadurch, dass Severian sie praktisch komplett verschweigt und erst im letzten absatz zu ihr findet.

- die mischlings-beschreibungen beziehen sich evtl. auf auch heute in südamerika weit verbreitete mestizenvölker (werden z.b. auch in Fleming's "James Bond" als ziemlich übel charakterisiert - wird hier ein klischee propagiert oder persifliert??). anklänge finde ich hier auch an Howards "Conan", wo mehrfach der zivilisierte oder halbzivilisierte mensch als wesentlich gefährlicher oder charakterloser beschrieben wird als der "ursprünglich" barbarische mensch mit seiner gerade-heraus-brutalität. und das alles vielleicht nur ein widerhall des "edlen wilden" der aufklärung?

- "multiplication with imaginary numbers" ist natürlich kein scherz, sondern der ingenieur Wolfe in seiner rolle als dozent; imaginäre zahlen werden ja hauptsächlich für geometrische winkelumwandlungen verwendet. Wolfe versteckt gerne lehrreiches in seinen stories (ich bin nicht immer glücklich damit) - überbleibsel aus dem "golden age" der SF vielleicht, wo das ja speziell in der "gimmick-story" seine hochblüte hatte.

grüße,
Georg

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Ungelesener Beitrag von Lichtspruch-an-TRAV » 24. April 2007 14:36

Hallo Leute!

Wie stehen bei Euch die Aktien? Schreiten wir also zum 3. Band:

Die ersten beiden Kapitel sind nicht sooo spannend, zeichnen sich aber durch imposante Landschaftsbeschreibungen aus!

- Kapitel 1 "Master of the House of Chains" lässt ahnen, dass die Beziehung zwischen Severian und Dorcas brüchig zu werden beginnt. Sie scheinen sich langsam aber sicher voneinander zu entfernen...

- Dorcas empfindet Severians Henkerjob als psychische Belastung. Sie spürt, dass sie sich "verloren hat" ("only myself").

- Es folgt eine Beschreibung von "Thrax" - eine Art Festungsstadt in den Bergen. Sie besitzt offensichtlich auch große strategische Bedeutung.

- Severian ist die Leiter hoch gefallen: Er hat umfangreiche Kompetenzen hinzu gewonnen.

- Er leitet die "Vincula", ein uraltes Gefängnis, in dessen Mauern unzählige Menschen "untergebracht" sind.

Wieder mal zeigt sich, dass Wolfe besonders phantasievoll ist, wenn es darum geht "Kerkeratmosphäre" zu schildern.

- In Kapitel 2 "Upon the Cataract" erkundet unser Held die ihm - immer noch - unbekannte Stadt Thrax.

- Sein geübtes Auge nimmt schnell die sozialen Unterschiede in der Bevölkerung wahr. Er stellt Vergleiche mit der "Weltstadt" Nessus an.

- Die vorherrschende Bevölkerungsgruppe, "Eklektiker" genannt, wurde ihm als barbarisch und unberechenbar beschrieben.

- Die Bergwelt übt auf Severian eine übermächtige Faszination aus.

- Er steht auf dem "Donjon" der Burg Acies und mustert die Umgebung.

- Schließlich entdeckt er am Flussufer die am Wasser kauernde Dorcas

Tja, bislang war wirklich nicht viel los, was sich jedoch bald ändern wird!

Grüße,

Gerd

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Ungelesener Beitrag von Nessuno » 30. April 2007 17:08

Ahoj, Kameraden!

Ich bin nächster Zeit auswärts und komme erst am Wochenende nach Hause! Ich bitte um etwas Geduld, mit wachsender Langeweile oder Desinteresse hat das nichts zu tun, im Gegenteil, ich freue mich auf die nächste Runde!

Nessuno
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Ungelesener Beitrag von Nessuno » 6. Mai 2007 16:48

Ahoj Kameraden!

III 3: Outside the Jacal / Vor der Hütte

jacal: “(Mexican Spanish) a crude house or hut in Mexico and southwester United States with at thatched roof and walls made of upright poles or sticks covered and chinked with mud or clay” (LU).

“at the time”: kurz darauf “then”: offenbar hat Severian später eine andere (und wohl auch richtigere) Auffassung für Dorcas´ Schweigen. Denn Dorcas ist wohl nicht (nur) wegen Severians „liebloser“ Haltung verärgert oder verachtet ihn gar.

„But because I love you, I am going to try to state the case for our guild, and thus for myself”: diesen Halbsatz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen …
und der zweite Teil ist auch nicht schlecht:
„hoping that perhaps afterward you won´t feel so badly about having loved a torturer, even though you don´t love me any longer”. Eher liebt ja Dorcas Severian als umgekehrt.

„old horrors of stoning and burning“: offenbar denkt Severian an die Zeit der Hexenverfolgungen.

Severian zeigt sich im Folgenden als beredter Anwalt der Sache der Folterer, oder sind das nur Phrasen, die während seiner Lehrzeit gelernt hat? Jedenfalls redet er recht geschickt die Gegenpositionen schlecht. Aber moralische Fragen wie die eben diskutierte lassen sich nun mal nicht mit rationalen Argumenten lösen. Wie wenig er selbst aber hinter ihnen steht, zeigt dann neben dem „all right“ auch die Tatsache, dass er nach seiner Rückkehr als Autarch die Gilde auflöst.

„as Morwenna of Saltus did“: vgl. zu II 4. Dort hatte Severian aber noch Zweifel an der Schuldigkeit, außerdem wurde Morwenna auch des Mordes an ihrem Mann, nicht nur an ihrem Kind, angeklagt.

“watched the spreading ripples in a pond”: ein ähnliches Bild hatte Severian im Kapitel vorher von sich selbst gebraucht.

orchard: vgl. II 22.

“but then a darkness that was nowhere in the room but on Dorcas's face came to settle there”: ist das nur metaphorisch gemeint, oder spielt sich noch mehr ab?

“Duck´s Nest”: Vielleicht Anspielung auf Hans Christian Andersen Märchen “Das hässliche Entlein”? („To be born in a duck’s nest, in a farmyard, is of no consequence to a bird, if it is hatched from a swan’s egg.”)

“I told her I did not know”: mag sein, aber in II 26 hatten er und Agia sich schon einmal über Dorcas´ Alter unterhalten.

“but I made the mistake of supposing”: was nützt das beste Gedächtnis – und im letzten Kapitel hatte Severian sogar noch im Gedanken die Straßen „nachgezeichnet” –, wenn man es nicht anzuwenden versteht?

“Perhaps I would have laughed at the poor little creature, so timid and so importunate, if I had felt in a better mood; as it was, I dropped a few aes into the soiled palm”: Das ist schon fast nicht mehr Ironie, sondern Zynismus …

“Jader”: „Saint Jader (died 257) was one of nine bishops of Numidia condemned to servitude in the marble quarries“ (LU).

“I see”: der Zynismus (angesichts von Jaders vereitertem Auge) geht weiter …

„mason“: irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass GW in dieser Szene auch die Freimaurer mit ihrer „Tempel“arbeit oder ihrem Schweigegelübde parodiert. Ich weiß aber ad hoc zu wenig davon (und habe keine Zeit, um es nachzuprüfen).

„The passionate pair in love's embrace are at least equally willing to postpone the stabbing, if not more so.” Ein recht zweideutiger Kalauer …

Das Schweigen des Maurers spiegelt in gewisser Weise das Schweigen Dorcas´ wider.

„her hair had fallen away until only wisps remained“: das erinnert ein wenig an Jolenta. Kennen wir das Mädchen oder ihren Vater von anders woher? In V 43 taucht sie nochmals als Prophetin auf, hat aber keinen Namen (eventuell Jade?).

Nessuno
Zuletzt geändert von Nessuno am 12. Mai 2007 20:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Ungelesener Beitrag von Lichtspruch-an-TRAV » 12. Mai 2007 20:26

Hallo Leute!

Kapitel III: "Vor der Hütte"/ "Outside the Jacal"

- Severian findet Dorcas völlig apathisch vor.

- Er mietet sich in einem Gasthaus ein, um dort mit ihr "ins Gespräch zu kommen".

- Severian glaubt, dass Dorcas ihn und seine Zunft verabscheut. Interessant ist, dass er in seinem lang(atmig)en Plädoyer keinen Gedanken an die Abschaffung der Todesstrafe oder die Resozialisierung von Strafgefangenen verschwendet. Dies scheint ihm völlig fremd zu sein.

Noch eine Auffälligkeit: möglicherweise liege ich falsch, aber "Verstümmelungen", wie sie das byzantinische Strafrecht in großer Anzahl für Missetäter aller Art bereithielt, scheinen in der Republik unüblich zu sein. Severian nennt sich zwar "torturer", ist aber doch eher ein Henker. Seine Hauptaufgabe besteht darin, Menschen in der vorgeschriebenen Weise zu Tode zu bringen.

- Dorcas bricht in Tränen aus und schläft ein. Severian verlässt das Zimmer und stellt Dorcas unter die Obhut der Wirtin.

- Im Anschluss irrt er ziellos durch Thrax. Er landet in einem Elendsviertel, wo er von einem kleinen Jungen angebettelt wird. Die Begegnung mit einem Maurer (der Vater des Jungen?) macht ihm die großen Standesunterschiede in der Republik bewusst.

- In einer Hütte liegt ein schwerkrankes Mädchen. Severian erwägt den Einsatz der Klaue. Er sieht jedoch davon ab, da ihn die Anwesenheit des Maurers verunsichert.

Grüße,

Gerd

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Ungelesener Beitrag von Nessuno » 12. Mai 2007 21:54

Ahoj, Kameraden!

III 4: In the Bartizan of the Vincula / Im Turm der Vincula

“Lift, oh, lift me to the fallen wood”: die nächste Parallele, die ich finden konnte, ist “The Indian Serenade“ von Percy Shelley: „Oh lift me from the grass“. Wenn ich das richtig interpretiere, ahnt Dorcas nun, dass sie von Severian von den Toten auferweckt wurde. In „Urth“ (V 22) wird gesagt, dass Dorcas deswegen Severian nicht verzeiht, dass er sie von den Toten zurückgeholt hat. Wahrscheinlich liegt hier auch die tiefere Ursache für die Entfremdung der beiden Liebenden.

„It was some time before he turned ...“: Höflichkeit war nie Severians Stärke …

“His face was coarse … face of an ugly woman”: androgynes Aussehen hatten wir schon beim Autarchen. Besteht da ein Zusammenhang? (vgl. auch unten) Überhaupt wird nicht klar, wie Abdiesus seine Position als Archon erhielt (war sie erblich?). Abdiesus scheint sehr groß zu sein, was auf einen exultant hindeutet, ist aber für einen solchen wohl zu hässlich (es gibt keinen hässlichen exultant, oder? Das spricht für genetische und andere Manipulationen, was wir ja schon vermutet haben).

„judging from the letter“: anscheinend hat Palaemon Severian in höchsten Tönen gerühmt.

Auffällig an der Begegnung zwischen Severian und dem Archon ist, wie sich sich Abdiesus das Wohlwollen des Folterers erkaufen will (Bitte um Ernennung; Angebot des „du“s; Einladung zum Fest).

„both with the block and with the chair“: Er meint wohl nicht Allowin´s necklace (I 12). Anscheinend werden Männer auf dem “Block”, Frauen auf dem “Stuhl” hingerichtet. Vgl. II 2: “One's a woman, so we'll be using the chair!”

“future guilt”: Auffällig in diesem Kapitel ist auch Severians tiefes Verständnis für die Motive des Archon und des Sergeanten. Dumm ist er nicht, aber ab und stellt er sich so ...

„disks of stiff paper“: sie werden dreimal erwähnt, und da auch Thecla „often“ davon sprach, ist es wohl eine Besonderheit. Da ein cacogen abgebildet ist, dürfte es sich um außerirdische Ware handeln. Damit bekommt auch die Abbildung des Menschenaffen wieder einen neuen Aspekt!

planteration: stimmt das? (das LU hat versehentlich "planetaration").

„I can see your guild is far ahead of my imagination – no doubt by a dozen centuries”: merkwürdige Zeitbestimmung. Soll das heißen, dass die Gilde seit 1200 Jahren existiert?

„odor of musk“: nur der Autarch (den ich ja mit Father Inire identifiziere) riecht nach Moschus. Vgl. IV 24. Hmm ...

„the thought of Dorcas lying in her narrow, slant-ceilinged room in the inn and the memory of the dying girl on her straw”; the memory of Dorcas and her despair, and of the beggar girl, whom I confused with her”: abgesehen von der merkwürdigen Identifizierung wird natürlich Dorcas´ naher (?) Tod und die „Wiederbelebung“ der beiden dadurch angedeutet.

„conveyed more information“: Hält der Sergeant Severian für den nächtlichen Feuermörder?

„dismounted troopers“: wie schon bei der Brückenwache in I 14 fungieren Soldaten und keine „zivilen Einheiten“ (wie z. B. Polizisten) als Wachen an neuralgischen (?) Punkten. Ein Zeichen, wie lange schon Krieg herrscht.

Nessuno
Zuletzt geändert von Nessuno am 13. Mai 2007 14:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Ungelesener Beitrag von g. b. corner » 13. Mai 2007 12:05

hallo leute!

sorry für die verspätung,
kapitel 3:
„But because I love you, I am going to try to state the case for our guild, and thus for myself”: diesen Halbsatz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen …
hier und auch in den folgenden absätzen wird, wie Nessuno richtig anmerkt, die (noch) starke beeinflussung Severians durch seine lehrmeister/zunft deutlich gemacht. allein DASS er sie so beredt verteidigt, spricht aber meines erachtens nach dafür, dass er im inneren bereits zweifel hegt.
und interessant in diesem zusammenhang auch, was er dann sagt, als Dorcas weiter schweigt:
"All right, we are devils," I said. "If you would have it so. But we are necessary. Even the powers of Heaven find it necessary to employ devils."

- Severian verirrt sich auf dem heimweg; schon in Nessus haben ein paar straßen ausgereicht, um den armen jungen sich verirren zu lassen, was wirklich seltsam ist, wenn man sein gedächtnis bedenkt. nur ein running gag? oder können wir in beiden fällen vielleicht von "fügung" reden? er gibt die schuld jedenfalls der geographie: "The narrow street betrayed me, ..."

- "I have noticed that in books this sort of stalemate never seems to occur ..."
ab und zu äußert sich Wolfe sehr direkt durch Severian
„The passionate pair in love's embrace are at least equally willing to postpone the stabbing, if not more so.” Ein recht zweideutiger Kalauer …
was genau ist hier zweideutig, Nessuno ?!

- die ganze szene in und vor der kleinen hütte ist schon ziemlich stark, wenn man auch noch nicht auf den ersten blick sieht, was sie zur handlung beiträgt. ob die "wisps of hair" auf Jolenta verweisen sollen, ist mir nicht klar - sehr wohl denke ich, dass hier die "Claw" wieder in den mittelpunkt der handlung gerückt werden soll, und so ergibt das kapitel dann wieder eine geschlossene sinneinheit, zurück zum ersten satz "When I reached Dorcas I could not make her speak." Dorcas' wiedererweckung ist es ja, die einen schatten über ihr leben wirft, und nicht Severians beruf.

gleich weiter zu kapitel 4 ...

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Ungelesener Beitrag von g. b. corner » 13. Mai 2007 12:33

kapitel 4:

- Dorcas' gedicht: danke für den hinweis, Nessuno. mich erinnern die zeilen auch irgendwie an psalme.

- "You are here, Master Torturer."
Nessuno weist anhand einer späteren textstelle darauf hin: Severian scheint ein sehr löbliches empfehlungsschreiben mit auf den weg bekommen zu haben. oder der Archon ist einfach nur höflicher als unser held :-)

- die folgende diskussion (hinrichtungsmethoden ... / öffentliche hinrichtungen) wirkt irgendwie wie eine fortsetzung von Severians ausführungen aus dem vorigen kapitel.

- die "disks of stiff paper", die hier als eintrittskarte fungieren, könnten evtl. wirklich einfach das sein? so etwas wie telefonmünzen oder magnetkarten in parkgaragen? in dieser späten zeit zu seltenen sammlerstücken unfunktioniert? würde ich Wolfe durchaus zutrauen. wenn es so ist, existieren die entsprechenden automaten natürlich nicht mehr; die wachen sehen sich dann auch später die scheibe kaum an.

- "by a dozen centuries". wir können uns nie sicher sein, aber wie ich die sache verstehe, ist die zunft erst nach Typhon entstanden und die zeitangabe könnte also in etwa dem alter der organisation entsprechen.

- " ... the memory of Dorcas and her despair, and of the beggar girl, whom I confused with her."
ist auch Nessuno aufgefallen; damit wird das letzte kapitel sozusagen noch einmal geschlossen.

- die szene mit dem wachtmeister: Messuno vermutet, der könnte Severian für den feuermörder halten. ich halte das gegenteil für möglich: wer immer den Salamander ins spiel bringt, hat es ja letztlich auf Severian abgesehen - gut möglich, dass da verdächtige fragen gestellt worden sind. kann also sein, dass innerhalb der informierten stellen bereits die vermutung kursiert, jemand könnte es auf ihren henker abgesehen haben.

- die beschreibung des palastes lässt an barock-anlagen denken; ein vorgeschmack auf das nächste kapitel.

grüße,
georg

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Ungelesener Beitrag von Nessuno » 19. Mai 2007 22:12

g. b. corner hat geschrieben:
„The passionate pair in love's embrace are at least equally willing to postpone the stabbing, if not more so.” Ein recht zweideutiger Kalauer …
was genau ist hier zweideutig, Nessuno ?!
Vielleicht kommt´s nur mir so vor. Im Satz vorher heißt es ja: "The assassin who holds a dagger to his victim's neck ..." Dies scheint mir in dieses Bild mit reinzuspielen.

Nessuno
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Ungelesener Beitrag von Nessuno » 19. Mai 2007 22:16

Ahoj, Kameraden!

III 5: Cyriaca / Cyriaca

„The lit candelabra with crystal lenses“: beziehen sich die Kristalllinsen auf die candelabra oder auf die Art des Anzündens?

„coronas lucis“: der korrekte Plural wäre coronae lucis. „“crowns of lights,“ a kind of fire work“ (LU).

“atmosphere of children playing dress-up in their parents' old clothing”: wird später wiederaufgenommen: “It's like a girl's looking at her mother's wedding dress”.

Kennen wir den Autochthonen, der sich nicht verkleidet hat?

„women dressed as soldiers“: wir werden allerdings noch erfahren, dass dies gar nicht so ungewöhnlich ist.

„eclectics“: vgl. II 29.

„gymnosophists“: nur hier erwähnt. „Nackte Weisheitslehrer“, die Brahmanen in Indien, auf die Alexander der Große während seines Feldzuges stieß.

„ablegates“: „an envoy of the papal see who brings a newly appointed cardinal his insignia of office“ (LU).

“eidolons”: die merkwürdigste Gruppe in der Aufzählung. Damit sind doch wohl kaum aquastors gemeint, oder?

“zoanthrops”: vgl. III 1.

“deodands”: das LU verweist dazu auf Jack Vances “Dying Earth”. Gut möglich. Mich hat auch die Holzmaske an „Siren“ erinnert.

„remontados“: „someone who has fled to the mountains; a person who has renounced civilization“ (LU)

Der Absatz mit dem New Sun und dem Conciliator trieft natürlich wieder vor Wolfescher Ironie.

ridotto: „an entertainment or social assembly consisting of music and dancing“ (LU). Mich erinnert das Ganze neben dem Fasching auch an die römischen Saturnalien und die griechischen Kronien.

“it seemed that the Claw … drove against my breastbone”: Warum? Wegen Cyriaca? Und falls ja, warum?

„with no true exultants near“: solche Sätze machen mich paranoid. Wer könnte gemeint sein? Cyriaca?

„her face seemed a smooth oval“: Oval war auch das Gesicht der Chatelaine Barbea im House Azure (und wohl der courtiers insgesamt), von Jolenta und von Mannea. Besteht ein Zusammenhang mit dem Gesicht von Severian und seinem schmalen Kinn? Manche halten ja Cyriaca für seine Mutter (eine Ansicht, die einiges für sich hat ...).

“Shrive me”: vertauschte Rollen …

“but are you a true member of the order”: Ist diese Vermutung vielleicht sogar die Richtige? Immerhin lügt Cyriaca, wenn sie behauptet, dass sie den Aufenthaltsort der Pelerinen nicht kennt und keinen Kontakt mehr mit ihnen hat. Allerdings passt ihr Verhalten nicht recht und wie ihr Mann dann ins Spiel kommt, bleibt auch unklar. Ich schwanke hier.

„that she was the wife of an armiger“: War es Borski, der vermutet hat, dass dieser armiger Racho aus dem 1. Buch war? Das erscheint mir jetzt eher unwahrscheinlich, da dieser vor einer Woche noch an einem Prozess in Thrax anwesend war und Racho anscheinend regulär in der Zitadelle zu tun hat.

“palms to pines in a week, though I know that can't be true” / “I don't know where the Pelerines are now—I doubt if they do themselves”: GW gibt sich einige Mühe, diesen Punkt geheimnisvoll zu gestalten. Reisen die Pelerinen (auch) auf ungewöhnlichen Wegen (wie im Botanischen Garten?)? Vgl. auch die auffällige Erwähnung der „corridors of the years“.
„none of them ever wrote to me“. Am Ende von Kapitel III 11 heißt es allerdings: „This woman had a letter, she said, only a week ago, from some she had known in the order“. Warum streitet Cyriaca ihre Verbindung zu den Pelerinen so energisch ab?

„celure“: „ceiling“, „canopy“ (LU).

“very handsome”: wir hatten, glaube ich, das Gegenteil festgestellt.
„and lent her too, I think, a feeling of mystery, of a concealment that lifted from her the weight of responsibility”: wie ist Letzteres wohl gemeint?

“Not here—well, one friend here”: Hallo, Dorcas …

Was soll die Passage mit den Severians Aussehen? Wenn GW hier Hinweise geben will, dann verpasse ich etwas ...

„aubade“: „a musical announcement of dawn; a sunrise song or open-air concert" (LU).

Wieder mehr Fragen als Antworten. Neben Jolenta ist Cyriaca die Person, die für mich am schwersten durchschaubar ist. Habt ihr irgendwelche Vermutungen?

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g. b. corner
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Ungelesener Beitrag von g. b. corner » 24. Mai 2007 23:26

hallo!

kapitel 5:

- wieder einmal ein hübscher titel - man möchte meinen, alle frauen in Severians leben kriegen eines gewidmet. aber was ist mit Valeria?

- "What such a gathering could be in the House Absolute, I have already described." naja, das war dort etwas konfus. und er setzt fort:
"Here, where the society was entirely provincial ..." - ich meine, da spricht Thecla

- "I found myself thinking how strange it would be if the New Sun, the Daystar himself, were to appear now as suddenly as he had appeared so long ago when he was called the Conciliator, appearing here because it was an inappropriate place and he had always preferred the least appropriate places, seeing these people through fresher eyes than we ever could ..."
genau das passiert ja hier wohl - schöne ironie, wie Nessuno anmerkt. auch das spätere:
“it seemed that the Claw … drove against my breastbone”: Warum? Wegen Cyriaca? Und falls ja, warum?
soll ja wohl den leser etwas stärker auf diese tatsache aufmerksam machen.

- danke übrigens für sie erklärungen der fremdartigen wörter, Nessuno!

- noch einmal wird auf Severians vermutlich exultantes blut hingewiesen

- "This isn't a part of your duty, is it?", fragt Cyriaca, aber ihre ursprügliche vermutung war nicht ganz falsch, wie sich zeigen wird.

- "I can judge chins by looking at waists, particularly in men, which is where my chief interest lies." :) - subtiles volk, die pelerinen!
“very handsome”: wir hatten, glaube ich, das Gegenteil festgestellt.
auch Severian selbst sagt ja, er wisse, das das nicht stimme.
Neben Jolenta ist Cyriaca die Person, die für mich am schwersten durchschaubar ist. Habt ihr irgendwelche Vermutungen?
erstens möchte ich einmal (wiederholt) behaupten, dass es zwar möglich ist, dass in dem buch jeder mit jedem verwandt ist, dass es aber eigentlich nicht wirklich eine rolle spielt, solange es a) den protagonisten nicht bewusst und b) keine auswirkungen auf die handlung hat. so gesehen könnte Cyriaca gern mit Racho verheiratet sein, es wäre mir egal. WAS mir in der szene auffällt, sind Cyriacas letzte sätze:
"Later you will do that by showing me everything you would do were you free to do whatever you wished, and now by telling me everything I want to know about you. You come from Nessus—I've learned that much. Why are you so eager to find the Pelerines?"
nur einmal so vermutet - Severians anwesenheit ist ja nicht zufällig; Abdiesus hat ja vor, ihn "beruflich" einzusetzen. könnte auch Cyriaca mehr als nur ein persönliches interesse haben? ist sie vielleicht auf Severian "angesetzt"?

schönen abend noch,
georg

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