Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 4: The Citadel of the Autarch

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Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 4: The Citadel of the Autarch

Ungelesener Beitrag von Nessuno » 1. Februar 2009 11:38

Ahoj, Kameraden!

Es geht weiter mit "The Citadel of the Autarch"!

Das vorangestellte Gedicht von Kipling ist die erste Strophe von „The Dawn Wind“ aus „Songs Written for C.R.L. Fletcher's "A History of England"“ (http://www.theotherpages.org/poems/kipli06.html). Es trägt den Untertitel „The Fifteenth Century“. Der einzige Bezug zum 15. Jh. scheint mir in den Waffen der Soldaten zu bestehen. Interessant ist die letzte Zeile, die GW nicht zitiert: „And every one smiles at his neighbour and tells him his soul is his own!“ Erhält nicht auch Miles die Seele von Jonas?

IV 1: The Dead Soldier / Der tote Soldat

Arioch: eines der 17 megeatherians, nur hier erwähnt. Kommt in der Bibel und in Miltons „Paradise Lost“ vor. Ein näher liegendes Vorbild mag allerdings Michael Moorcocks Corum-Saga sein, die in den 70er erschien und wo Arioch als Chaos Lord gegen die Lords of Law kämpft.

“so that my mind had stirred at his malignancy”: Telepathie ist, wie auch Severian schon bemerkt hat, allgegenwärtig in TBotNS, auch wenn oft nur angedeutet. Wie seine Visionen und Träume zeigen, hat Severian eine gewisse Sensibilität dafür.

“perhaps some lingering effect of the drug I had been given in the hetman's house”: Wahrscheinlich verging – anders als zwischen Buch 1 und 2 und 2 und 3 kaum Zeit seit dem Ende von Buch 3.

“I became aware that the ground was shaking, very slightly, beneath me”: Wegen der Einschläge der Waffen oder aus einem anderen Grund? Sind die megatherians vielleicht vorher gar nicht zufällig genannt? Für letzteres könnte auch sprechen, dass Einschläge alle 500 Herzschläge kaum für ein anhaltendes Beben vorantwortlich sein können.

“but his wind-stiffened cape was green instead of red”: Severian(GW?) vergisst zu sagen, dass es neben den roten in Thrax auch blaue dimarchi (I 27) in Nessus gibt. Daher sind die Farben vielleicht geographisch oder ethnographisch zu interpretieren.

„Minnows“, hier wohl weniger die Elritzen bzw. Bitterfische (Phoxinus phoxinus) als die Galaxiae. Diese sind „natürlich“ in der südlichen Hemisphäre zu Hause. Da sie tatsächlich sauberes Wasser brauchen, sind sie in ihrem Bestand gefährdet.

Midan: sonst nicht erwähnt.

“my uncle's huntsman”. Also hatte Theclas Vater oder Mutter einen Bruder, der auch im nördlichen Commonwealth lebte. Ist eine banale Information, aber dadurch werden m.E. einige Kandidaten von Theclas Vater eliminiert.

„two spans“: 16 inches.

“separated from Dr. Talos, Baldanders, Jolenta, and Dorcas”: Jonas ist nicht erwähnt, weil er bei Severian blieb. Interessant ist das Fehlen von Hethor, der sich ja kurz vorher der Gruppe aufgedrängt hat. Wie erwähnt, halte ich ihn für die Ursache des Tumults am Ende von Buch 1.

“No grass grew upon it”: Ähnlich war es schon am Mount Typhon. Wahrscheinlich bestehen die (uralten?) (Haupt)Straßen aus einem besonderen Material.

“antepilani”: In der römischen Armee die Soldaten, die vor den Pilani, der dritten Reihe” standen, also die hastati und principes.

“korsekes”: Die Korseke, auch spatum, ist eine etwa 2 Meter lange Stabwaffe mit zwei zusätzlichen, um 45° abgewinkelten Spitzen. Im 13. Jh. (nach LU2 im 15 Jh.) gebraucht. Allerdings ist in IV 6 die korseke auch als Energiewaffe bezeichnet. Also auch in der Waffentechnik haben wir nur Analogien, keine direkten Entsprechungen.

“demilunes”: besser „demi-lunes“, auch eine Stabwaffe mit halbmondförmigen Klingen rechtwinkling zum Schaft. Vielleicht auch hier eine Pyrowaffe. So nicht bei Stone, was darauf hinweist, dass GW sein Wissen nicht extra nachgeschlagen hat, sondern aus dem Kopf zitiert.

“heavy-headed voulges”. ebenfalls eine Stabwaffe mit einem axtähnlichen Kopf. Vgl. Stone, Glossary.

mora: größte taktische Einheit bei den alten Griechen. Zwischen ca. 500 und 1200 Mann. Auch hier ist also die Parallele zu TBotNS (4000 Mann) nur ungefähr. Im LU2 wird das leider unter mora und militay organization leider ignoriert.

“trilophodons”: “a genus of mastodons having molar teeth with three transverse ridges” (LU2).

“I fled instead”: „Allerdings ergriff ich das Hasenpanier”, na ja.

“and faded now”. Wie soll man sich das bei dem fuligin vorstellen?

“perhaps a trifle more insistently”: fast hat man den Eindruck, dass die Fliege Severian aufmerksam machen will.

"falchion": ein Art Breitschwert mit leicht gekrümmter einseitiger Schneide. Mich erinnert es stark an meinen Tai Chi-Säbel.

“barbute”: Metallhelm, der fast den ganzen Kopf bedeckt. Ohne Visier, wie Magnetos Helm, falls einer von euch Comics liest ...

“The straps of his pack had been drawn so tight that I could neither pull it off nor even loosen the fastenings”: Merkwürdig angesichts von Severians Stärke.

“coutel”: das Messer von irregulären Truppe im 13. und 14. Jh.

“then drove the point into a tree”: merkwürdig, dass Severian die Waffe nicht an sich nimmt, bei anderen Dingen hat er weniger Skrupel.

Makar: nur hier erwähnt, wohl nach einem ägyptischen Heiligen Macar(ius).

“seditionists”: die Vodalarii machen gemeinsame Sache mit den Ascians. Wahrscheinlich rekrutieren sie sich vor allem aus Einwohnern des nördlichen Commonwealth.

Über die Identität des Soldaten werden wir uns noch unterhalten. Woran aber ist er gestorben? LU2 vermutet Krankheit, aber dafür gibt es im Brief oder sonst keinen Hinweis. Auch spricht das Bein unter seinem Körper, der gezogene Säbel und der weggerollte Helm eher für einen überraschenden Tod. Da keine Wunde zu sehen ist und er nicht ausgeraubt wurde, scheinen auch die Vodalarii nicht die Ursache zu sein. Hat die Fliege was damit zu tun?

Nessuno
Zuletzt geändert von Nessuno am 8. Februar 2009 15:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 4: The Citadel of the Autarch

Ungelesener Beitrag von Lichtspruch-an-TRAV » 8. Februar 2009 12:25

Hallo Leute!

Kapitel 1: "Der tote Soldat/ The Dead Soldier"

- Der Leser wird einmal mehr in die Handlung "hinein katapultiert". Severian philosophiert über den Krieg und die völlig neuen Erfahrungen, die dieser mit sich bringt.

- Unser Held wird von einem violetten Blitz geweckt; es folgt "a flare of magenta". Der Boden bebt.

Kein Zweifel: wir befinden uns unmittelbar hinter der Front. Der "Blitz" begegnete uns schon beim "Mount Typhon" und scheint eine typische Angriffs- oder Abwehrwaffe zu sein. Mich hat er schon beim ersten Lesen ein wenig an das "Griechische Feuer" der Byzantiner erinnert.

- Severian ist völlig ausgehungert. Er durchstreift einige verlassene und verfallene Gehöfte, ohne jedoch etwas Essbares aufstöbern zu können.

Ein Brunnen wurde vergiftet. Offensichtlich befürchtet man den Durchbruch der Ascier und praktiziert eine "Taktik der verbrannten Erde". Oder könnte es sich um einen Sabotageakt handeln, der auf das Konto von Vodalus und seinen Verschwörern geht?

- Ein einsamer Reiter galoppiert einen Hügel hoch.

Allem Anschein nach gibt es kein Zivilleben in der Gegend mehr. War dieser Landstrich schon immer unbesiedelt oder hat man die Bevölkerung evakuiert?

- Severian findet einen Fluss und "trinkt sich satt". Als er weiter geht bemerkt er, dass die Bäume allesamt auf Augenhöhe den gleichen Schaden aufweisen.

Dies scheint zwar eine banale Beobachtung zu sein, doch gerade bei Wolfe werden derartige Informationen selten ohne Hintergedanken vermittelt. Handelt es sich um Auswirkungen einer Waffe oder nur um einen gewöhnlichen Flurschaden? Wir dürfen nicht vergessen, dass G.W. während des Koreakrieges eine Menge Fronterfahrungen gemacht haben dürfte.

- Eine aus mehreren Tausend Mann bestehende Truppeneinheit kreuzt die Straße. Einmal mehr zeigt sich, dass das Gesetz des Autarchen Maruthas in dieser Gegend - aus logischen Gründen - keine Geltung hat.

- Severian wird angerufen. Hält man ihn für einen Deserteur? Er ergreift die Flucht.

- Auf einer Waldlichtung macht er Pause und entdeckt den Leichnam eines Soldaten.

"He had been young and blond one (...)" Klingt sehr nach einem "Southerner", die bekanntlich in großer Anzahl für die Armee des Autarchen rekrutiert werden.

- Der tote Soldat weist keine äußere Wunde auf. War er fahnenflüchtig? Der später aufgefundene Brief deutet eher auf einen Anschlag der Vodalarii hin...

- Severian nimmt dem Toten alle Lebensmittel ab und entdeckt einen Brief, den der Soldat bei sich trug.

"His hand had been angular, and smaller than I would have anticipated (...)" Wieder eine nebensächliche Info oder steckt da mehr dahinter?

- Es handelt sich um ein Schreiben an das Mädchen des Soldaten ("O my beloved"). Er berichtet von den harten Märschen und Entbehrungen, die sein Bataillon zu bewältigen hatte. Kämpfe mit den Asciern gab es nicht, doch macht der "innere Feind" zu schaffen: die Vodalarii führen eine Art Partisanenkrieg gegen die Truppen des Autarchen und werden diesbezüglich von den Asciern (besser: Erebus und Abaia) unterstützt.

Grüsse,

Gerd

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Re: Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 4: The Citadel of the Autarch

Ungelesener Beitrag von g. b. corner » 18. Februar 2009 12:09

Hallo Kollegen,

hatte leider viel zu tun und habe daher etwas Verspätung mit Kapitel 1:

- der titel weist uns schon von vorneherein auf den umstand hin, dass der soldat tatsächlich tot ist.

- ich denke dass der gesamte kriegsabschnitt recht viele autobiographische züge trägt (allerdings mehr in details als von der handlung her).

- die beschädigten bäume sollen ziemlich sicher auf waffeneinsatz hinweisen (es handelt sich um mechanische beschädigungen, also wahrscheinlich keine energie-waffen) ... eine andere erklärung wären riesige tiere, die hier vorbeigezogen sind.

- dass das gesetz Maruthas keine geltung hat glaube ich nicht - wir kennen das gesetz zwar nicht, aber dass der Autarch seinen eigenen truppen die benützung der straßen untersagt ist schwer vorstellbar.
“perhaps some lingering effect of the drug I had been given in the hetman's house”: Wahrscheinlich verging – anders als zwischen Buch 1 und 2 und 2 und 3 kaum Zeit seit dem Ende von Buch 3.
würde ich auch so sehen, obwohl zu der zeit als das buch geschrieben wurde bereits einiges über die langzeitwirkungen solcher psycho-drogen bekannt war; evtl. spielt Wolfe also darauf an.
“my uncle's huntsman”. Also hatte Theclas Vater oder Mutter einen Bruder, der auch im nördlichen Commonwealth lebte. Ist eine banale Information, aber dadurch werden m.E. einige Kandidaten von Theclas Vater eliminiert.
aber Thecla wuchs doch ohnehin an der nordseite des Diuturna auf (siehe auch landkarte); d.h. die gesamte familie scheint aus der gegend zu stammen.
“perhaps a trifle more insistently”: fast hat man den Eindruck, dass die Fliege Severian aufmerksam machen will.
ich denke mir die fliege hier vor allem als hinweis auf den tod, also für den leser - zusätzlich zum titel.
"falchion": ein Art Breitschwert mit leicht gekrümmter einseitiger Schneide. Mich erinnert es stark an meinen Tai Chi-Säbel.
läuft nicht ein paar bücher später Latro mit so einem ding herum (falcata) ?

- dass Severian das messer nicht nimmt erstaunt wirklich; wenn er schon eines mit sich tragen würde (wäre ja kein problem gewesen eines mitzunehmen), dann fragt man sich weshalb er den riemen dann nicht mit dem eigenen messer durchtrennt.

- ob der Soldat den brief selbst geschrieben hat lässt sich nicht erschließen; wir gehen vorerst einmal davon aus.

grüße aus dem verschneiten Tirol,
Georg

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Re: Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 4: The Citadel of the Autarch

Ungelesener Beitrag von Nessuno » 8. März 2009 10:28

Ahoj, Kameraden!

IV 2: The Living Soldier / Der lebendige Soldat

„now he stared at the sun“: auch metaphorisch gemeint? Vgl. auch später: “seemed to catch the light of the dying sun”, “lay with the face to the sky”.

“by I cannot say what impulse, put it into his mouth”: im Altertum legte man einem Tod eine Münze auf den Mund, quasi als Fährgeld für Charon.

“I heard a stick snap some distance away”: Wir können vermuten, dass Father Inire (als Affe?) Severian für einige Zeit gefolgt ist. Andere Möglichkeiten?

„suggesting something I could not quite recall“: mal wieder unser running gag.

„some pigeon´s blood ruby“: Damit ist der schönste und hellste Rotton bei Rubinen gemeint.

“but taking care to keep the fire between the dead man and myself”: um den Mann nicht zu erschrecken?

“Sitting in a window … trays and a rood”: Nicht ganz genau von Severian zitiert (weiterer Hinweis auf sein fehlerhaftes Gedächtnis). In I 23 heißt es: "Sitting by a window . . . There were pretty things in the window. Trays and boxes, and a rood."

“What will you do? Summon up some Erinys to destroy me?” Fast exakt Dorcas´s Worte als Meschiane in Dr. Talos´ Stück: “What will you do? Summon up Erinys to destroy me?” Anscheinend verschmelzen hier zwei Erinnerungen Severians zu einer.

“Vodalus had lifted“: eigentlich haben Vodalus und Hildegrin gemeinsam am Seil gezogen.

„Dorcas belonged ... to that vast group of women (which may, indeed, include all women) who betray us“: Severians Misogynie schlägt mal wieder durch.

“the moment at which the tapestry was cast over me”: Hinweis darauf, dass Verhaftung Theclas nicht “offiziell” war.
Caitanya: “Under the usual questioning, Wolfe answers that he means a goddess of consciousness and intelligence (akin to Athena and Minerva), who is Called Wisdom in Bible translations … an Indian mystic (A.D. 1485 –1533) of this name led a Hindu sect focused in part on the love of Krishna and his consort Radha as the archetype of mystical reunion. He is regarded by his fellowers as an incarnation of both Krishna and Radha in a single form” (LU2).

„but as though he were truly hungry for my flesh“: Andre-Driussi weist hier auch darauf hin, dass sich Theclas prophetische Gabe (oder verschmolzene Erinnerungen?) hier erneut bestätigt hat.

„Aphrodisios“: nicht weiter bekannt.

„nephew of the chiliarch of the Companions“: die Companions (nicht im LU2) sind möglicherweise die Leibgarde des Autarchen.

„Was something watching us?“: merkwürdig, dass es nicht somebody heißt. Gibt es (funktionierende) Überwachungskameras in den Gefängnissen?

„how dazed the uhlan had been“: allerdings konnte der relativ bald wieder sprechen.

“whom I had revived on the road to the House Absolute”: die Zweifel an seinen eigenen übernatürlichen Fähigkeiten scheinen verschwunden.

„I had the feeling that the feared the trees might rush upon us like a pride of lions“: Merkwürdige Emphatie seitens Severians.

Ein ruhiges Kapitel mit eine paar hübschen Einblicken in Severians Seelenleben.

Nessuno
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Re: Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 4: The Citadel of the Autarch

Ungelesener Beitrag von g. b. corner » 9. März 2009 17:58

hi!

dann auch mein senf zu kapitel 2:

- "Long before that moment I should have recalled the Claw ..."
bereits hier der hinweis darauf dass Severian die heilende und sogar lebensspendende kraft der kralle voll akzeptiert hat (aber noch kein hinweis dass diese kraft evtl. seine eigene ist!) - seine versuche an dem toten soldaten zeigen, dass er das ganze (noch) eher "mechanistisch" auffasst (wo muss ich das ding "anwenden" um einen effekt zu erzielen?).

- "The fly seemed to have gone."
doch auffällig dass die fliege noch einmal erwähnt wird.

- "if I had not seen his corpse, I would have thought him dying"
lustige bemerkung; auffällig auch wieder die selbverständlichkeit mit der das wunder akzeptiert wird.

- "That night I felt I might lose myself forever in them, making of my life a loop instead of a line ..."
meiner meinung nach ein hinweis an den leser, die struktur der geschichte betreffend.
„Dorcas belonged ... to that vast group of women (which may, indeed, include all women) who betray us“: Severians Misogynie schlägt mal wieder durch.
naja so arg sehe ich das nicht - wenn man weiterliest und betrachtet, WAS er als "betrayal" definiert (so gesehen "verraten" auch umgekehrt alle männer die frauen :mad: ) - abgesehen davon dass er ja (wie wir schon ein paar zeilen später erinnert bekommen) inzwischen schon zum teil frau ist.

alles in allem ein sehr ruhiges, aber recht stimmungsvolles kapitel kapitel, wie Nessuno schon angemerkt hat - die wenige handlung beschränkt sich auf die kleine lichtung. ich weiß nicht inwieweit wir berücksichtigen müssen, dass wir hier ja wieder am anfang eines separat erschienenen bandes stehen; es kann also z.b. sein dass Wolfe die erwähnung der wiederbelebungen aus diesem grund eingebaut hat.

grüße,
Georg

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Re: Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 4: The Citadel of the Autarch

Ungelesener Beitrag von Lichtspruch-an-TRAV » 22. März 2009 10:43

Hallo Leute!

Kapitel 2: "Der lebendige Soldat/ The Living Soldier"

- "Now, at the mention of Vodalus and his followers (...), I remembered it at once and took it out."

Mir will nicht so recht einleuchten, warum gerade Vodalus bei Severian Erinnerungen an die Klaue wachruft...(?)

- Wir werden Zeugen einer weiteren Wiederbelebung. Severian hört ein verräterisches Knacken im Wald.
Nessuno hat geschrieben:Wir können vermuten, dass Father Inire (als Affe?) Severian für einige Zeit gefolgt ist.
Heißt das Nessuno, dass Du nun von der Theorie Inire = Autarch abgerückt bist? Recht so! :D

- Von früher wissen wir, dass die Auferstehung von den Toten einige Zeit in Anspruch nimmt. Der Soldat kommt nur langsam zu sich. Severian macht ein Feuer.
Nessuno hat geschrieben:“but taking care to keep the fire between the dead man and myself”: um den Mann nicht zu erschrecken?
Also ich hätte eher daran gedacht, dass unser Held dem Toten nicht so ganz traut. Möglicherweise gehört er ja - wie der Uhlan - zu den Typen mit denen zu Lebzeiten nicht gut Kirschen essen war. Ein Überfall aus dem Hinterhalt ist daher nicht ausgeschlossen...

- Erneut verliert sich Severian in nächtlichen Visionen. Seine Gewalt- und Größenphantasien weichen einem plötzlich erwachenden Mitgefühl. Erlebt unser Messias unter dem Einfluss der Klaue eine innere Läuterung? Severians Zerrissenheit klingt - wie so oft - nur indirekt an. Ist sie ihm peinlich?

- Der Morgen bricht an und unser Held stellt fest, dass das Wunderwerk wieder einmal gelungen ist: der Soldat lebt. Severian befürchtet einen Angriff, weshalb er das Schwert des Soldaten bei sich behält. Es zeigt sich, dass diese Sorge unbegründet ist. Zusammen machen sie sich auf die Suche nach Wasser.

Grüsse,

Gerd

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Re: Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 4: The Citadel of the Autarch

Ungelesener Beitrag von Nessuno » 29. März 2009 11:01

Gerd aus Bayern hat geschrieben:
Nessuno hat geschrieben:Wir können vermuten, dass Father Inire (als Affe?) Severian für einige Zeit gefolgt ist.
Heißt das Nessuno, dass Du nun von der Theorie Inire = Autarch abgerückt bist? Recht so! :D
He he. Nö. Die Identität von beiden ist mir sicher. Aber zum einen verfügt der Autarch/Father Inire über diverse Mittel, um Severians Weg zu verfolgen, zum anderen kann einer, der eine zweite Identität hat, auch noch eine dritte und vierte ... schaffen.

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Re: Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 4: The Citadel of the Autarch

Ungelesener Beitrag von Nessuno » 29. März 2009 11:06

Ahoj, Kameraden!

IV 3: Through Dust / Durch den Staub

“I did not whether we should turn north or south”: Anscheinend hat Severian nach der (vermeintlichen) Zerstörung der Claw noch keinen Plan entwickelt, wie es weitergehen soll. Die Suche nach den Pelerinen ist wohl keine Option mehr. Vgl. auch später: “I no longer asked the location of the Pelerines”.

“No doubt I acted largely from habit”: keine gute Erklärung. Gibt´s andere Erklärungen? Geheime Motive? Telepathische Beeinflussung?

hauberk ist zwar etymologisch mit Halsberge, wie unser Übersetzer meint, verwandt, bezeichnet aber nicht den Metallkragen um den Hals (da könnte/sollte man wohl auch kaum ein Messer verstecken), sondern ein Panzerhemd („Brünne“), das den Oberkörper schützt.

“I longed to question him about the fields of Death”: Man sollte meinen, dass Dorcas ihn darüber erzählt hat. Aber dann vielleicht auch wieder nicht, was Severians Interesse hier verständlich machen würde.

“so I kept it“: die Aversion gegen Waffen hat nicht lange gehalten.

„We crossed other roads and sometimes followed them“: schon merkwürdig, dass der „ziellose“ Severian nicht einfach auf der Straße bleibt. Anscheinend ist die Aussage, dass er nach Norden will, sehr dezidiert zu nehmen.

„My informant“: Ein Bekannter?

„beasts“: Alzabos? White Wolfes?

“I´ve seen cases like his before”: Hier mag Wolfe aus seiner persönlichen Erfahrung im Koreakrieg sprechen.

„I caught something there so reminiscent of Jonas”: Als Cyborg mag Jonas´ Gesicht relativ ausdruckslos gewesen sein.

„I began to talk. Partially, I admit, it was from sheer loneliness“: Vielleicht ist hier nicht nur das Sprechen gemeint, sondern auch der Wunsch nach der Anwesenheit eines Freundes. Dann hätte vielleicht dieser tatsächlich Jonas in Miles´ Körper zurückgeholt.

„I have the facility of recalling everything. I can´t always lay hands on it“: unser running gag mal wieder.

“escaped clients wandering through the oubliette”: entflohene Klienten? Offenbar kein Einzelfall. Ein solche Schlamperei bei den Folterern?

Zur Oubliette habe ich eine kleine Sammlung von weiteren Stellen bei II 30 gegeben.

„more lovely even than Jolenta“: Severians Marotte, “seine” Frauen miteinander zu vergleichen, haben wir ja schon mehrfach bemerkt.

“climbing hills where no feet had ever walked but the sun's”: Mal wieder ein Kalauer.

„because the Claw twisted time for him“: Dorcas´ Erklärung der Wirkungsweise der Claw (oder besser: Severians Fähigkeit) macht für mich Sinn. Fraglich bleibt aber, warum sie/er manchmal nicht funktioniert.

"I … Thecla, I mean … never bore a child." Merkwürdige Aussage an dieser Stelle. Wollte Thecla ein Kind haben?

tarantella: süditalienischer Tanz, nach der Stadt Taranto benannt, nach anderen von der „Wolf(!)-Spinne“. Im Mittelalter sollen Musik und Tanz gegen Bisse von Wolfsspinnen geholfen haben.

“But if he [New Sun] will exist, he will be the Conciliator come again, and thus Conciliator and New Sun are only two names for the same individual, and we may ask why that individual should be called the New Sun”: Wenn die Analogie mit den zeitweise rückläufigen Uhren und der tanzenden Sonne stimmt, dann wäre das “nur” eine Zeitschleife. Mit anderen Worten: die Zeitlinie ist nicht generell, sondern nur abschnittsweise rückläufig, im Wesentlich aber linear. Es ist also kein echtes zyklisches Weltbild, das hier propagiert wird.

Die Identität von New Sun und Conciliator hat übrigens auch Morwenna behauptet. Da Severian ja an das Wirken der Claw (of the Conciliator) glaubt, müsste er folglich sich auch zu diesem Zeitpunkt schon als „New Sun“ fühlen bzw. um sein zukünftiges Schicksal wissen.

„Now I felt indeed that time itself had stopped”: Schon fast ein Kalauer, wie Wolfe den philosphischen Abschnitt und seinen Leser wieder auf den Boden der Realität zurückführt.

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Re: Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 4: The Citadel of the Autarch

Ungelesener Beitrag von g. b. corner » 30. März 2009 11:55

Hallo Kollegen!

Kapitel 3:
“so I kept it“: die Aversion gegen Waffen hat nicht lange gehalten.
die kleine rasierklinge würde ich nicht unter "waffe" laufen lassen ("one of those little blades")
“I longed to question him about the fields of Death”: Man sollte meinen, dass Dorcas ihn darüber erzählt hat. Aber dann vielleicht auch wieder nicht, was Severians Interesse hier verständlich machen würde.
dass Dorcas tot war kam ja erst gegen ende der beziehung ans tageslicht (bzw. hat es ja die trennung überhaupt eingeleitet); es wird natürlich nicht jedes wort zwischen den beiden erwähnt aber viel zeit für gespräche war damals nicht mehr.

- "Then you must beware of beasts."
damit sind evtl. aasfresser gemeint; das wäre zumindest mein erster gedanke. ich kann mir nicht vorstellen dass sonst noch viel großwild herum ist; alles essbare hat wohl in so einer umgebung nur wenig überlebenschancen. der auskunftgeber hat offenbar bereits erkannt dass auch Severian nicht mehr in der lage sein wird sich zu wahren, sollte tatsächlich etwas passieren ("My informant looked from one of us to the other, and seemed to have almost as much sympathy for me as for the soldier ...")
„I have the facility of recalling everything. I can´t always lay hands on it“: unser running gag mal wieder.
noch lustiger in diesem fall wie es eingeleitet wird:
"Perhaps I never told you this, but I have the facility ..." :)

- die entflohenen häftlinge in der Oubliette könnten mehrere ursachen haben; zwei fallen mir auf die schnelle ein: es könnte sein dass für bestimmte "aussichtslose" fälle nur mehr eine "mindestversorgung" stattfindet (also z.b. nur ein unbegleiteter geselle oder lehrling das essen bringt) so dass ein entkommen möglich ist - der verantwortliche "lehrling" könnte das ja verheimlichen und z.b. in den nächsten wochen die rationen selber einstreifen. andere möglichkeit: der kostenbewusste Gurloes lässt solche fälle absichtlich "entwischen" um sich fortan die betreuung komplett zu ersparen.
„more lovely even than Jolenta“: Severians Marotte, “seine” Frauen miteinander zu vergleichen, haben wir ja schon mehrfach bemerkt.
er macht sogar fleißig weiter damit und hat in diesem fall auch eine ausrede parat:
"I had continued to talk of women because that seemed to have caught his attention."

- die theorie mit der "kralle als zeitmaschine" ist mir irgendwie zu märchenhaft ... das erklärt alles und nichts.

-" ... But if he will exist, he will be the Conciliator come again, and thus Conciliator and New Sun are only two names for the same individual, and we may ask why that individual should be called the New Sun. What do you think? Might it not be for (t)his power to move time?" (meine Ausgabe hat hier "this power" aber soll eher "his" heißen oder?)
wiederum denke ich nicht dass das wirklich in seiner macht steht ... bestenfalls kann er sich "durch" die zeit bewegen und ehrlich gesagt erinnert das dann auch mehr an magie als physik.

Grüße,
Georg

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Re: Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 4: The Citadel of the Autarch

Ungelesener Beitrag von Nessuno » 30. März 2009 22:21

Hier gibt´s ein neues Interview mit GW:

http://radio.nationalreview.com/between ... A4YmU2OWE=

Nessuno

PS.: In Japan sind die fünf Bücher von TBotNS als TB neu aufgelegt worden - mit phantastischen Titelbildern. Sammler bestellen einfach bei amazon.co.jp (es gibt auch eine englische Version von den Seiten). Meine Bücher waren in vier (!) Tagen da. Ein Hoch auf die Globalisierung!

PPS.: Gekommen ist außerdem die neue Sammlung "Best of Gene Wolfe", großenteils Stories aus den 70er und 80ern. Leider ist keine neue dabei, aber immerhin zu jeder Story ein persönliches "Afterword".
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Re: Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 4: The Citadel of the Autarch

Ungelesener Beitrag von Lucardus » 20. April 2009 16:33

Nessuno hat geschrieben:
Gerd aus Bayern hat geschrieben:
Nessuno hat geschrieben:Wir können vermuten, dass Father Inire (als Affe?) Severian für einige Zeit gefolgt ist.
Heißt das Nessuno, dass Du nun von der Theorie Inire = Autarch abgerückt bist? Recht so! :D
He he. Nö. Die Identität von beiden ist mir sicher. Aber zum einen verfügt der Autarch/Father Inire über diverse Mittel, um Severians Weg zu verfolgen, zum anderen kann einer, der eine zweite Identität hat, auch noch eine dritte und vierte ... schaffen.

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War die Fliege denn schon da, als Severian dort vorbei kam, oder hat sie sich vielleicht nur vorher ruhig verhalten und
wollte seine Aufmerksamkeit auf den Toten lenken? "Es" könnte ihn beobachten oder ist ein "Ding", durch das er beobachtet
wird?

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Re: Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 4: The Citadel of the Autarch

Ungelesener Beitrag von Lucardus » 20. April 2009 16:39

Huch, ich sehe gerade ich habe euch eingeholt, wenn ihr noch nicht bei Kapitel V "The Lazaret" angekommen seid. :popcorn:

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g. b. corner
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Re: Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 4: The Citadel of the Autarch

Ungelesener Beitrag von g. b. corner » 21. April 2009 12:01

naja angekommen .. ich hab schon vorausgelesen ^^ (ist ja meine bisher 4. lesung des buchs) aber wir warten im allgemeinen auf unsern Nessuno, der fasst immer so brav zusammen 8-)

Georg

p.s.: wenn ich dir einen tip geben darf; lies das bis zum ende fertig (mit spezieller aufmerksamkeit auf die letzten kapitel) und steig dann in die diskussion ein - bei Wolfe ist wiederholtes Lesen absolut unerlässlich.

Lichtspruch-an-TRAV
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Re: Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 4: The Citadel of the Autarch

Ungelesener Beitrag von Lichtspruch-an-TRAV » 22. April 2009 19:41

Hallo Leute!

Reichlich spät :oops: nun zu:

Kapitel 3: "Through Dust/ Durch den Staub"

- Severian hat offensichtlich die Orientierung verloren. Seit der Zerstörung der Klaue scheint seine Wanderung ohnehin kein bestimmtes Ziel mehr zu verfolgen.

- An einem Fluß bringt er sich in Form. Er rasiert sich mit dem Messer seines stummen Begleiters.

- Auffallend (wenn auch nicht überraschend) ist Severians starkes Interesse an den Todeserfahrungen des Soldaten: "I longed to question him about the fields of Death..."

Wolfe' sche Dialektik: unser Held hat so viele Menschen zu Tode gebracht und ausführlich über deren Leben reflektiert (man denke nur an Thecla, Agilus oder Morwenna). Nun holt er zur Abwechslung wieder einen Toten ins Leben zurück und beißt auf Granit. Die jenseitige Welt bleibt ihm wohl weiterhin verschlossen...

- Die Wanderung führt durch Zeltlager. Offensichtlich sind die Soldaten des Autarchen allgegenwärtig. Severian gibt sich als Liktor eines "civil judge" aus dem Gefolge des Autarchen aus.

Das ist nun nicht die beste aller Erklärungen: Der Autarch scheint damit beschäftigt die bröckelnde Front zu stabilisieren. Deserteure stellen ein ernstes Problem dar. Folglich gilt das Standrecht und es machte eher Sinn, wenn den Autarch ein Militär/ bzw. Strafrichter begleitete. Wir haben festgestellt, dass das Hinterland völlig ausgestorben ist. Mangels "Zivilisten" sollte ein Zivilrichter daher besser in Nessus bleiben, wo es für ihn sicher eine Menge zu tun gibt :D

Immerhin: Severians "kunstvolle" Lüge scheint keinen Verdacht zu erregen.

- "He's not likely to recover." "He has already recovered" - das ist nun nicht typisch Severian, aber typisch Wolfe :-P :evil: :-P

- Auf merkwürdige Weise erinnert der Soldat an Jonas. Severian erfasst ein starkes Mitteilungsbedürfnis. Er spricht von Frauen, vor allem von Valeria.

Das ist eigentlich nichts neues. Erstaunlich nur, wie sehr die Anwesenheit des Unbekannten unseren Folterer in Erzähllaune versetzt. Wird er deshalb so privat, weil er letztlich nicht damit rechnet, dass ihn der Soldat versteht? Zumindest in diesem Punkt korrigiert sich Severian später.

- Sie schlagen einen Weg ein, auf dem augenscheinlich Verwundete transportiert werden. Das Lazarett ist also nicht mehr weit.

Grüsse,

Gerd

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Nessuno
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Re: Gene-Wolfe-Lesezirkel Teil 4: The Citadel of the Autarch

Ungelesener Beitrag von Nessuno » 3. Mai 2009 15:41

g. b. corner hat geschrieben:naja angekommen .. ich hab schon vorausgelesen ^^ (ist ja meine bisher 4. lesung des buchs) aber wir warten im allgemeinen auf unsern Nessuno, der fasst immer so brav zusammen 8-)

Georg
Ja, ja, den Wink mit dem Zaunpfahl habe ich schon verstanden ... :D


IV 4: Fever / Fieber

Die völlige Erschöpfung Severians ist bei diesem starken Mann schon auffällig. Sie tritt oft dann ein, wenn er die Claw eingesetzt hat bzw. von den Toten wiedergekehrt ist.

“I brought my friend here” / “A weapon of a friend's”: ein geradezu inflationärer Gebrauch des Wortes. Sarkasmus ist eigentlich nicht Severians Art, vor allem nicht, wenn er krank ist. Aber wie sonst ist Baldanders ein Freund?

"Flying through the dark. Yes, I was with you, and we came to a place where the sun hung just above our heads. There was a light before us, but when I stepped into it, it became a kind of darkness." Severians Erklärung ist wohl zu bodenständig, um wahr zu sein. Aber was ist tatsächlich mit Miles passiert? Wenn Miles tatsächlich Jonas ist, könnte dies entweder auf seinen Flug im Weltraum und seinen Absturz auf der Erde hindeuten oder auf die Inkarnation seiner Seele in Miles´ Körper. Der „Sailor Talk“, den Miles gebraucht, ist schon auffällig. In seinem Brief gab es dafür keine Anzeichen.

Einige Bemerkungen zum Traum bzw. der Vision von Severian:

Die Abwesenheit der Schwerkraft deutet darauf hin, dass der Turm sich im Weltall jenseits der Pluto-Bahn („beyond the circle of Dis“) befindet. Befinden wir uns in der Vergangenheit oder in der Zukunft oder in einer fiktiven Zeitebene oder alles zusammen? Trotz trotz des „at last“ wohl eher letzteres.

Malrubius, der in Severians Kindheit gestorben ist, taucht niemals in Wachzuständen, sondern immer in Visionen etc. auf (I 2 bein Ertrinken, I 2 in der Nacht nach seiner Ernennung; I 33 in der Nacht am Ctesiphon´s Cross und IV 30, wenn er Autarch geworden ist). Die Visionen enthalten ein Repertoire an Motiven, die neben Malrubius mehrfach vorkommen: die Undine, Triskele, Dunkelheit, Severians „Kleinheit“, Thecla ...

Die unterschiedlichen Proportionen des Raumes und der Fenster mögen damit zusammenhängen, dass Thecla (hier) kleiner als Severian ist.

„sister“. Wörtlich oder übertragen gemeint? Falls wörtlich, könnte dies heißen, dass Severian vielleicht mehr als nur eine Zwillingsschwester („Severa“ =?) hat.

„The Cumaean kissed me on the forehead, and when the kiss was over wiped blood from her lips. Although she did not speak, I knew this was a signal that I had in some sense become the soldier too.” Was soll das bedeuten? Da hier Thecla spricht und die Blutsymbolik auf Tod/Leben hindeutet, könnte es auf die Wiedergeburt/Reinkarnation in einem anderen Körper anspielen.

"When we sleep," Merryn told me, "we move from temporality to eternity." Was Severian wohl gerade tut. Die ganze Szene erinnert an Silks Vision am Anfang von „Long Sun”, wo ebenfalls Bilder aus verschiedenen Ort und Zeiten gemischt sind.
Was machen Hethor und die Cumaean in der Vision? Hethor ist ja irgendwie der Gegenspieler von Jonas, der (angeblich?) wiedergeboren wird, die Cumaean mag angesichts der Verbindung zwischen Hexen und Folterern tatsächlich den kranken Malrubius gepflegt haben, aber woher sollte Severian das wissen?

Wer ist die Lady in Hethors Rede? Doch wohl die doll, paracoita etc. von der er schon in I 30 gesprochen hat. Oben sollen sie allerdings die Schiffskameraden geraubt habe, hier hat sie anscheinend Hethor selbst verlassen. Oben habe ich auf Agia getippt, „She is her own ship“ erinnert jetzt eher an Tzadkiel. Ganz auszuschließen ist auch die Gleichung Lady = Jonas nicht, weil bei dem Androiden mit menschlichen Bestandteilen wohl das Geschlecht nicht sicher ist ...

Hunna ist noch in V 18 und V 19 erwähnt.

„"When we wake," the Cumaean whispered, "we lose the facility to see beyond the present moment." / “Then I woke.” Auf solche Witze kann man bei GW schon fast blind vertrauen ...

Mit Severians Vision kann ich relativ wenig anfangen. Sie scheint mir auch vom Informationsgehalt nicht mit den anderen Stellen vergleichbar zu sein. Mein Vermutung ist, dass Severian wieder gestorben ist und wiedergeboren wurde. Die ganze Vision macht für mich den Eindruck einer verzerrten Geburtsvorgangs, und zwar in zeitlich umgekehrter Richtung: Malrubius ist das Stadium kurz vor dem Tod; die kindliche Thecla und die „unvollkommene“ Hunna bezeichnen verschiedene Phasen der menschlichen Entwicklung; „Water from the room behind us poured from the eye“ könnte schließlich konkret auf den Geburtsakt hinweisen).

Nessuno
Omnis clocha clochabilis, in clocherio clochando, clochans clochativo clochare facit clochabiliter clochantes. Parisius habet clochas. Ergo gluc (Rabelais).

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