Der "Liest zur Zeit" Thread

Science Fiction in Buchform
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lapismont
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von lapismont »

Teddy hat geschrieben: Man liest ja relativ häufig Rezensionen, deren Verfasser mit dem ein oder anderen Buch von Dath nicht so richtig warm wurden. Das hat mich bis jetzt auch davon abgehalten, überhaupt etwas von ihm zu lesen. Welches Buch von ihm würdest du als Einstieg empfehlen? Meine größte Annäherung an Dath war, dass ich mir "Die Abschaffung der Arten" gekauft und ins Regal gestellt habe...
Ich hab erst vier Werke von ihm gelesen. Hier mal die Reihenfolge mit absteigender Komplexität:

Feldeváye
Venus siegt!
Pulsarnacht
Deutsche Demokratische Rechnung

Abschaffung der Arten sah ich im Theater und vermute es ähnlich komplex wie Feldeváye

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Teddy
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Sieht ja alles nach Pulsarnacht aus. Habe mir gerade nochmal die Laudatio zum KLP durchgelesen. Klingt abschreckend und toll zugleich. Vielleicht muss ich erstmal so einen richtig dicken (seichten) Fantasy-Schmöker lesen, um Lust auf Dath zu bekommen. :lol:
Dank an l & l.

Amtranik
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Amtranik »

Dath hat halt seinen ganz eigenen Stil. Damit kommt nicht jeder zurecht. Ich habe Pulsarnacht beispielsweise auch noch ganz gut bewältigt aber schon in diesem Roman ist deutlich vorhanden was Feldevaye bspw für mich nahezu unlesbar gemacht hat und der Grund warum ich Pulsarnacht eher so mittel fand. Der hang zu verfremden um jeden Preis, unorthodoxe Wörter zu wählen wo es auch ein einfacheres getan hätte, ganz allgemein sehr sehr viel vorauszusetzen und sehr wenig bis nichts zu erklären. Das Faible Satzmonster zu konstruieren die man mehrmals lesen muss was den Lesefluß empfindlich stört. Ich konnte mich in Lensmans Rezi zu Venus siegt gut wiederfinden. Ich habe mich durch Feldevaye gekämpft und kann sagen das ich da ganz ähnliches erlebt habe wie er schildert.

kingsize
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von kingsize »

Amtranik hat geschrieben:Dath hat halt seinen ganz eigenen Stil. Damit kommt nicht jeder zurecht. Ich habe Pulsarnacht beispielsweise auch noch ganz gut bewältigt aber schon in diesem Roman ist deutlich vorhanden was Feldevaye bspw für mich nahezu unlesbar gemacht hat und der Grund warum ich Pulsarnacht eher so mittel fand. Der hang zu verfremden um jeden Preis, unorthodoxe Wörter zu wählen wo es auch ein einfacheres getan hätte, ganz allgemein sehr sehr viel vorauszusetzen und sehr wenig bis nichts zu erklären. Das Faible Satzmonster zu konstruieren die man mehrmals lesen muss was den Lesefluß empfindlich stört. Ich konnte mich in Lensmans Rezi zu Venus siegt gut wiederfinden. Ich habe mich durch Feldevaye gekämpft und kann sagen das ich da ganz ähnliches erlebt habe wie er schildert.

OK, danke :-) Das sind massig genug Argumente für mich diesen Dietmar Dath niemals auch nur in Erwägung zu ziehen zu lesen...
Durch was für seltsames Zeuch quält ihr euch hier eigentlich durch?

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lapismont
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von lapismont »

kingsize hat geschrieben:
Amtranik hat geschrieben:Dath hat halt seinen ganz eigenen Stil. Damit kommt nicht jeder zurecht. Ich habe Pulsarnacht beispielsweise auch noch ganz gut bewältigt aber schon in diesem Roman ist deutlich vorhanden was Feldevaye bspw für mich nahezu unlesbar gemacht hat und der Grund warum ich Pulsarnacht eher so mittel fand. Der hang zu verfremden um jeden Preis, unorthodoxe Wörter zu wählen wo es auch ein einfacheres getan hätte, ganz allgemein sehr sehr viel vorauszusetzen und sehr wenig bis nichts zu erklären. Das Faible Satzmonster zu konstruieren die man mehrmals lesen muss was den Lesefluß empfindlich stört. Ich konnte mich in Lensmans Rezi zu Venus siegt gut wiederfinden. Ich habe mich durch Feldevaye gekämpft und kann sagen das ich da ganz ähnliches erlebt habe wie er schildert.

OK, danke :-) Das sind massig genug Argumente für mich diesen Dietmar Dath niemals auch nur in Erwägung zu ziehen zu lesen...
Durch was für seltsames Zeuch quält ihr euch hier eigentlich durch?
Amtranik quält sich, ich liebe es. Es gibt Menschen, die können langen Sätzen besser folgen als andere, so wie es auch AutorInnen gibt, die entsprechende Sätze versemmeln. Dath ist sicher kein Pynchon oder Twain, aber hat immer noch mehr zu sagen, als der Großteil der deutschen SF-Produktion in einem Jahrzehnt.
:naughty:

kingsize
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von kingsize »

Jedem Tierchen sein Pläsierchen :-)
Aber ist doch immerhin schön, daß hier jeder lesen kann was einem gefällt - irgendwie habe ich das Gefühl (obwohl ich es zugegenermaßen in keiner Weise belegen kann), daß es kaum (keine?) SF aus islamischen Ländern gibt, oder? Bekommt man z.B. in Saudi Arabien auch nur arabische Übersetzungen von internationaler SF? Würde mich ehrlich gesagt wundern. Wahrscheinlich muß der interessierte Scheich den Lesestoff im Diplomatengepäck ins Land schmuggeln und dann heimlich auf dem Klo in der Originalsprache lesen. Von schreiben mal gar nicht zu reden, da gibt die Religionsbehörde wohl umgehend eine Fatwa heraus...

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Lensman
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Lensman »

Heute morgen beendet:

Michael G. Coney - "Sklaven der Zukunft"
(Originaltitel: "The jaws that bite, the claws that catch" - sehr viel passender als der oberflächliche deutsche Titel. :lehrer: )

Bild

Sprachlich einfach gehaltener Roman, der sich um moralische Fragen der Organspende / Organzwangsspende von Strafgefangenen dreht. Gesetzt wird ein Zukunftsszenario, in dem die Entnahme von Organen und Körperteilen zwecks Weiterverwendung bei einem anderen Menschen mehr oder wenig beliebig funktioniert (medizinische Probleme werden ignoriert). Die Organspender /Organzwangsspender sind diesem Fall Strafgefangene aus staatlichen Gefängnissen. Das System dahinter ist morbide. Die Bereitschaft, Organe zu spenden, reduziert die Haftdauer, z. B. um ein Drittel. Das "Organ" kann eine Niere sein, aber auch ein Bein oder beide Hände oder usw. Ein zweiter Aspekt für die Strafgefangenen ist die Möglichkeit sich als Leibeigene [sic!] bei einem sog. freien Bürger zu verdingen. Dann wird ebenfalls die Gefängnisstrafe erheblich reduziert, außerdem muss der gefangene Leibeigene keine Organe spenden - außer für seinen freien Bürger, der ihn quasi "besitzt". In diesem Fall kann die Organspende allerdings auch den Tod bedeuten, etwa wenn sein Besitzer infolge eines Unfalls sehr viele Organe benötigt. Die Gefangenen haben prinzipiell freie Wahl, wobei dann auch Machtmissbrauch, Korruption, Organhandel usw. im Gefängnis eine Rolle zu spielen beginnen. Stirbt der Besitzer, ist der Leibeigene übrigens frei (und wird zm "freien Bürger", der selbst Leibeigene besitzen kann).
Anhand dieser Gemengelage baut der Verfasser eine Reihe von klaren Dilemmasituationen und moralischen Fragestellungen auf, die man z. T. auch heute so stellen könnte.
Einen bizarren Zug bekommt das Geschehen dadurch, dass infolge biologischer Fortschritte jetzt Meeresbewohner als Haustiere an Land gehalten werden können (!). So hält eine der Hauptpersonen einen Hai wie einen Hund. Der Hai ist - wie manche Hunde - verhaltensgestört und bissig und unberechenbar. Diese und weitere ähnliche Haustiere sind neben den Risikosportarten vieler freier Bürger für viele Unfälle mit nachfolgendem Organbedarf verantwortlich. Man sieht, der Verfasser schafft hier ein ziemlich morbides Szenario und pflegt diesbezüglich einen ausgeprägten Zynismus. :o

Ein Zitat (Szene im Gefängnis, Handelnde: Mr. Sagar und Dave):
"Der Mann auf den Dave zeigte, lag nackt da; ... Er hatte keine Arme, keine Beine und sein Rumpf schien nur aus Narben zu bestehen. Ein Auge schielte mich bösartig an, und ich dachte: Dieser Mann wird bald die Grenze seiner Brauchbarkeit erreicht haben. Würgend rannte ich hinaus.
Dave folgte mir in seine Kammer. ... 'Herrgott, das hat die Menschheit diesem armen Wrack angetan.'
...
'Aber sehen Sie,' er zog eine Karteikarte heraus. 'Das ist die Akte des Mannes. Das hat er der Menschheit angetan. John Umpleby. ... acht Morde hat er begangen.Die Opfer waren alle Kinder, Jungen und Mädchen unter zehn Jahre alt, und alle waren vor ihrem Tod von ihm sexuell missbraucht worden.'
...
'Ich sage ihnen, dass Sie hier Ihre Zeit verschwenden, Mr. Sagar, [sagte Dave], wenn Sie den Unterschied zwischen Recht und Unrecht suchen. Hier ist alles Unrecht.'"

Nun ja ... :o

Die Schwierigkeiten bei diesem Roman liegen eher im Aufbau der Handlung und den Personen. Letztere sind überwiegend eher schlicht gehalten und verhalten sich manchmal doch recht willkürlich. Insbesondere der Gesinnungswandel einer der Hauptpersonen (Carioca Jones) im Laufe des Romans wirkt wenig überzeugend. Insgesamt wechselt die Handlung zwischen durchaus gelungenen Szenen und B-Movie-Flair hin und her. Hier merkt man dem Roman deutlich sein Alter an: er ist bereits von 1975. Am Rande angemerkt: Der Roman eignet sich übrigens durchaus als Vorlage für einen Kinofilm.

Mit den letztgenannten Einschränkungen ein lesenwerter Roman, dessen Verlauf übrigens wenig vorsehbar ist und ein paar ziemlich hintergründige Wendungen enthält.

7 von 10 verhaltenstherapeutisch behandelte Haushaie

Es grüßt
Lensman
"Und nun, durch zwiefach Glas, sehe ich
Des Bruders dunkelnd Ebenbild.
Jetzt mach' uns frei, an unserer Seite stehe,
den Hammer schwing, o Thor, und leih uns deinen Schild."
Gordon Dickson

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Amtranik »

lapismont hat geschrieben:
kingsize hat geschrieben:
Amtranik hat geschrieben:Dath hat halt seinen ganz eigenen Stil. Damit kommt nicht jeder zurecht. Ich habe Pulsarnacht beispielsweise auch noch ganz gut bewältigt aber schon in diesem Roman ist deutlich vorhanden was Feldevaye bspw für mich nahezu unlesbar gemacht hat und der Grund warum ich Pulsarnacht eher so mittel fand. Der hang zu verfremden um jeden Preis, unorthodoxe Wörter zu wählen wo es auch ein einfacheres getan hätte, ganz allgemein sehr sehr viel vorauszusetzen und sehr wenig bis nichts zu erklären. Das Faible Satzmonster zu konstruieren die man mehrmals lesen muss was den Lesefluß empfindlich stört. Ich konnte mich in Lensmans Rezi zu Venus siegt gut wiederfinden. Ich habe mich durch Feldevaye gekämpft und kann sagen das ich da ganz ähnliches erlebt habe wie er schildert.

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:naughty:
Quälen stammt nicht von mir sondern Kingsize und er bezog sich damit nicht speziell auf mich lieber Ralf. Überhaupt kann ich gar nicht verstehn was Du für ein Problem hast. Niemand würde wohl in abrede stellen das Menschen langen Sätzen unterschiedlich gut folgen können. Es kommt aber auch darauf an wozu man was zu sagen hat da gibt es Themen die interessieren nun mal auch nicht jeden - ich zb interessiere mich nicht für die Sowjetunion und den Kommunismus in SF-Romanen und was noch wichtiger ist wenn einer viel zu sagen hat ist es auch wichtig das man verstanden wird. Ich habe Lensmans Rezi unter anderem auch so gelesen das es da im Roman von Dath dran mangelte und kann dies für mich so bestätigen und weis mich da durchaus in Gesellschaft. Dein Lesevergnügen ist Dir doch dadruch unbenommen.

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Ming der Grausame
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Ming der Grausame »

Ursula K. Le Guin: Die linke Hand der Dunkelheit

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Lensman
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Lensman »

An einem verregneten und verschneiten Sonntag gelesen:

Lavie Tidhar - "Osama"

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In der ersten Hälfte ein außerordentlich gelungener Roman :) , dann leider (!!) deutlich nachlassend. :(

Ein im Stil des Film noir der 40er Jahre gehaltener Privatdetektiv namens Joe soll im Auftrag einer geheimnisvollen Frau einen Schriftsteller ausfindig machen, der sich hinter dem Pseudonym 'Tom Longshott' verbirgt. Dieser schreibt Pulp-Romane in einer Serie, die 'Osama - Der Vergelter' heißt. Ohne zu spoilern kann man sicher sagen, dass die Welt in diesen Romanen eher unsere reale Welt ist, während die Welt des Privatdetektivs Joe die Zeit des Film Noir widerspiegelt. Diese Verfremdung, das Spiel mit Genre-Elementen und der Aufbau der Handlung gelingen Tidhar wirklich gut. Dazu hat mich die sehr präzise und offensichtlich gut abgewogene Sprache in diesem ersten Teil des Romans wirklich erfreut. :prima:
Leider kippt die Qualität des Buches in der zweiten Hälfte des Buches deutlich. Spätestens ab dem Zeitpunkt, als Joe in New York ankommt, eigentlich aber schon in London, wird das Spiel mit Verfremdungen irritierend bis langweilig. Die Handlung plätschert so vor sich, die Selbstreflektionen des Privatdetektivs auch, alles wird amorph. Auch die zunehmend häufiger auftauchenden Irrwirre, Geistwesen aus der anderen Welt, bleiben verwirrend. Vielleicht hat der Verfasser diesen Effekt beabsichtigt - mich als Leser hat es dann aber nicht überzeugt. Der "Plot" am Schluss - wenn man es dann so nennen will - ist leider auch nicht besser. Insgesamt haben mich die letzten 100 Seiten dieses 300seitigen Romans unbefriedigt zurückgelassen; das enttäuscht um so mehr, als dass der Beginn eben wirklich gut war.
Am Rande erwähnt setzt Tidhar in diesem Buch den vielen Opfern von Terroranschlägen in unserer realen Welt ein eindrückliches Denkmal.

Wegen der genannten positiven Aspekte ein lesenwerter Roman!

7 von 10 Männern in einer Bar, whisky trinkend

Es grüßt
Lensman

edit: Rechtschreibfehler korrigiert /edit
Zuletzt geändert von Lensman am 15. Februar 2016 13:08, insgesamt 1-mal geändert.
"Und nun, durch zwiefach Glas, sehe ich
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

Ich fand das Buch richtig schlecht. Als hätte Tidhar eine interresante Idee gehabt, aber absolut keine Vorstellung wie man draus ein Buch machen sollte.
Als ich jung war, war der Pluto noch ein Planet

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

Gelesen:

Beutezeit von Jack Ketchum

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Eine Familie von degenerieten, inzestiösen Kanibalen firsst eine Gruppe Urlauber. Das Buch spielt über 24 Stunden und besticht duch seine Geradlinigkeit. Und: keine dummen Protagonisten! (sterben trozdem fast alle). Eine Willkommene Abwechlung zu King.

Chimpanzee von Bradly Darin

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Von dem Buch hätte ich mir deutlich mehr erwartet. Es enthällt einige gute Ideen, die aber alle nur mässig umgesezt werden bzw in einem Blurr verschwinden.

After the Battle von Starship Hill von Vernor Vinge

Bild

Kurzgeschichte von Vinge, die nach den Ereignissen von "Ein Feuer auf der Tiefe spielt". Vieles darin nicht sonderlich interresant, hat ein ein paar gute Momente, besonders wenn wieder auf die Rudellebewesen eingegangen wird: Sind (Menschen)rechte teilbar wenn die Persönlichkeit teilbar ist? Was ist mit (Rudel)affen? Hätte jetzt rightig Lust auf "Children of the Sky"
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Liest zur Zeit: Kim Stanley Robinson "2312"
Barbara Slawig "Flugverbot"

Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von agro »

Knochenmann hat geschrieben:Gelesen:


After the Battle von Starship Hill von Vernor Vinge

Bild

Kurzgeschichte von Vinge, die nach den Ereignissen von "Ein Feuer auf der Tiefe spielt". Vieles darin nicht sonderlich interresant, hat ein ein paar gute Momente, besonders wenn wieder auf die Rudellebewesen eingegangen wird: Sind (Menschen)rechte teilbar wenn die Persönlichkeit teilbar ist? Was ist mit (Rudel)affen? Hätte jetzt rightig Lust auf "Children of the Sky"
Hmmm.. ja kommt denn nochmal was in deutscher Übersetzung von vernor Vinge? "Ein Feuer auf der Tiefe" gefiel mir ja außerordentlich. Aber das ist alles schon Jaaaahre her!
Lies das!

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Liest zur Zeit: Ray Bradbury - The Illustrated Man

Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Catalpa »

Gestern beendet: Spin von Robert Charles Wilson

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Die Erde wird, von einem Moment auf den Nächsten, von einer Membran (dem Spin) eingehüllt, die sie vom Rest des Universums abschneidet und in die Zukunft katapultiert, da die Zeit außerhalb des Spins um ein Vielfaches schneller vergeht als im Inneren. Der Roman erzählt nun, wie die Menschen mit dieser Situation umgehen, insbesondere mit der Erwartung des nahen Weltuntergangs durch die Ausdehnung der Sonne, und von ihren Versuchen den Spin zu verstehen und ihm etwas entgegenzusetzen.

Der Roman ist immer dann richtig stark, wenn Wilson die Möglichkeiten seiner faszinierenden Grundidee nutzt, also dann, wenn sich die langen Zeiträume außerhalb des Spins für die Menschen auf der Erde auf wenige Wochen oder Monate verdichten.

Die literarische Umsetzung hat mich jedoch weniger überzeugt. Ähnlich wie Carl Sagan in Contact, wo die Astronomin Ellie Arroway in einen philosophischen Disput mit dem religiösen Schriftsteller Palmer Joss tritt, setzt Wilson dem genialen Wissenschaftler Jason Lawton dessen religiöse Zwillingsschwester Diane entgegen. Anders als bei Sagan wird die religiöse Seite aber nie wirklich ernst genommen. Die schwächste Figur des Romans ist Dianes Freund/Ehemann Simon, der in erster Linie als religiöser Spinner beschrieben wird.

Die Geschichte ist zudem recht behäbig erzählt. Etwas mehr Tempo und einige Seiten weniger hätten sicher nicht geschadet.
Da der Roman einigermaßen in sich abgeschlossen ist, werde ich auf die beiden Fortsetzungen wohl verzichten. Oder entgeht mir da noch viel?

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Naut
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Liest zur Zeit: Mitchell: Die Knochenuhren
Taylor: Alle diese Welten

Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Naut »

Nein, an sich nicht. Wilson philosophiert noch ein wenig über die Hypothetischen und ihre Natur. Das ist nett zu lesen, erreicht aber nicht mehr die Klasse von Spin.

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