Der "Liest zur Zeit" Thread

Science Fiction in Buchform
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Ming der Grausame
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Ming der Grausame »

Wolfgang Jeschke: Der letzte Tag der Schöpfung

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Teddy
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Antje Wagner - Schattengesicht

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Der Roman ist in der Reihe Quer Criminal erschienen, aber wenn Schattengesicht ein Krimi ist, lese ich ab jetzt nur noch Krimis! Worum geht es: Zu Beginn des Roman wird die Hauptfigur Mila ins Gefängnis eingeliefert. In einer Rückblende erfährt der Leser, wie Mila und ihre Freundin Polly vor der Polizei versteckt leben. Weitere Rückblenden schließen sich an, bis in Milas Kindheit zurück.
Das Roman wird also rückwärts erzählt, was schnell mal in die Hose gehen kann, hier aber wunderbar gelingt. Zum einen ist jeder Abschnitt in sich interessant, aber zusätzlich erlangen die zuerst gelesenen Abschnitte teilweise ganz andere Bedeutungen, wenn man die Vergangenheit der Figuren kennt. Das Ende lässt mehrere Interpretationen zu, auch eine phantastische, die ich natürlich bevorzuge. Insgesamt eine klare Leseempfehlung.

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Bungle
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Bungle »

"Amalthea" von Neal Stephenson.
Sehr ambitionierter Roman. Episch erzählt, interessantes Thema: Wie kann die Menschheit fortexistieren, wenn der Mond zerstört wird und auf der Erde durch die Mondtrümmer alles Leben ausgelöscht wird. Für mich jedoch enthält der Roman bis jetzt zu viel Infodump. Den bringt Stephenson auch mal mitten ein einer spannenden Szene.

MB

p.s. Ich bin wieder zurück. :)

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Pogopuschel
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Pogopuschel »

Naut hat geschrieben:Nein, an sich nicht. Wilson philosophiert noch ein wenig über die Hypothetischen und ihre Natur. Das ist nett zu lesen, erreicht aber nicht mehr die Klasse von Spin.
Den Mittelband "Axis" fand ich schwach aber lesbar. Der Abschluss "Vortex" ist aber ein interessanter Blick in eine ferne Zukunft.

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Teddy
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Bungle hat geschrieben:"Amalthea" von Neal Stephenson.
Sehr ambitionierter Roman. Episch erzählt, interessantes Thema: Wie kann die Menschheit fortexistieren, wenn der Mond zerstört wird und auf der Erde durch die Mondtrümmer alles Leben ausgelöscht wird. Für mich jedoch enthält der Roman bis jetzt zu viel Infodump. Den bringt Stephenson auch mal mitten ein einer spannenden Szene.
Da würde mich mal deine Meinung interessieren, wenn du mit dem Buch durch bist. Nach Lensmans vernichtender Kritik habe ich das Buch erstmal ganz nach hinten auf meiner Wunschliste verschoben. Da mir Cryptonomicon, der Barockzyklus und Anathem aber ausgesprochen gut gefallen haben, habe ich den Roman noch nicht ganz abgeschrieben...
Bungle hat geschrieben:p.s. Ich bin wieder zurück. :)
:prima:

Amtranik
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Amtranik »

Pogopuschel hat geschrieben:
Naut hat geschrieben:Nein, an sich nicht. Wilson philosophiert noch ein wenig über die Hypothetischen und ihre Natur. Das ist nett zu lesen, erreicht aber nicht mehr die Klasse von Spin.
Den Mittelband "Axis" fand ich schwach aber lesbar. Der Abschluss "Vortex" ist aber ein interessanter Blick in eine ferne Zukunft.
Ging mir auch so. Vielleich wurde der Abschlußband aber auch dadurch bei mir noch aufgewertet das ich ihn im Urlaub in den Dünen am Meer bei Kaiserwetter gelesen habe. Aber Axis war ziemlich zäh.

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Naut
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Naut »

Amtranik hat geschrieben:
Pogopuschel hat geschrieben:
Naut hat geschrieben:Nein, an sich nicht. Wilson philosophiert noch ein wenig über die Hypothetischen und ihre Natur. Das ist nett zu lesen, erreicht aber nicht mehr die Klasse von Spin.
Den Mittelband "Axis" fand ich schwach aber lesbar. Der Abschluss "Vortex" ist aber ein interessanter Blick in eine ferne Zukunft.
Ging mir auch so. Vielleich wurde der Abschlußband aber auch dadurch bei mir noch aufgewertet das ich ihn im Urlaub in den Dünen am Meer bei Kaiserwetter gelesen habe. Aber Axis war ziemlich zäh.
Ich fand Axis gar nicht schlechter als Vortex. Bei Vortex tritt Wilson am Schluss das Gaspedal bis zum Boden durch und beschleunigt die Erzählweise - das geht aber bei ihm immer auf Kosten der Charaktere. Das hat mich auch am Schluss von Darwinia gestört, und auch hier etwas, wenn auch nicht so stark.
Axis ist dagegen sehr gleichmäßig mit Betonung auf den Personen erzählt, eher vergleichbar mit Chronos oder Quaratäne.
Mir haben beide Bücher gefallen.

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Catalpa
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Catalpa »

Naut hat geschrieben:
Amtranik hat geschrieben:
Pogopuschel hat geschrieben:
Naut hat geschrieben:Nein, an sich nicht. Wilson philosophiert noch ein wenig über die Hypothetischen und ihre Natur. Das ist nett zu lesen, erreicht aber nicht mehr die Klasse von Spin.
Den Mittelband "Axis" fand ich schwach aber lesbar. Der Abschluss "Vortex" ist aber ein interessanter Blick in eine ferne Zukunft.
Ging mir auch so. Vielleich wurde der Abschlußband aber auch dadurch bei mir noch aufgewertet das ich ihn im Urlaub in den Dünen am Meer bei Kaiserwetter gelesen habe. Aber Axis war ziemlich zäh.
Ich fand Axis gar nicht schlechter als Vortex. Bei Vortex tritt Wilson am Schluss das Gaspedal bis zum Boden durch und beschleunigt die Erzählweise - das geht aber bei ihm immer auf Kosten der Charaktere. Das hat mich auch am Schluss von Darwinia gestört, und auch hier etwas, wenn auch nicht so stark.
Axis ist dagegen sehr gleichmäßig mit Betonung auf den Personen erzählt, eher vergleichbar mit Chronos oder Quaratäne.
Mir haben beide Bücher gefallen.
Ok, das klingt alles nicht gerade nach einem must read. Da konzentriere ich mich lieber auf meinen aktuellen SUB, der ist umfangreich genug. Aktuell versuche ich dem „Algorithmus des Meeres“ auf die Spur zu kommen, von Forumskollege Frank Hebben. Sehr schönes Buch.

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Lensman
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Lensman »

Hier mein kleiner Februar-Lese-Rückblick, der im Vergleich zu den Vormonaten sehr erfreulich ausfällt. :)

Carlos Ruiz Zafon - "Das Spiel des Engels"

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KEIN SF-Roman, sondern ein historischer Roman, der ein phantastisches und einige Gruselelemente enthält. Eine mich sehr ansprechende literarische Sprache, sorgfältig ausgearbeitete Charaktere, ein wunderbar inszeniertes Ambiente (nämlich das Barcelona der 1930er Jahre) und eine Story, die durchdacht ist und sich doch nicht vorhersehbar entwickelt. Sehr viele literarische Bezüge und eine Fundgrube für Zitatensammler.
Auch wenn der geneigte Leser schon nach dem ersten Buchdrittel erfolgreich mutmaßt, dass sich hinter Andreas Corelli niemand anderes als der Teufel verbirgt, nimmt dies dem Roman nicht die Spannung.
Ein dickes Buch, dass ich definitiv für lesenswert halte.

9 von 10 neuzuerfindenen Religionen


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Ben Aronovitch - "Fingerhut-Sommer"

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Ein Fantasy-Krimi, wobei der Krimianteil deutlich überwiegt, aber es kommen ein Magier, zwei Einhörner sowie eine Fee vor (aber keine Elfen); außerdem ein fleischgewordener Flußgeist, der für die Polizei arbeitet. :o :lol: Insgesamt ist es aber eher eine Detektivgeschichte. Entgegen meinen Vorerwartungen bei solchen Buchgeschenken hat mir der Roman wirklich gefallen. Gefällig geschrieben, ein sympathischer Protagonist und eine schräge, wengleich nur bedingt originelle Story mit einem gelungenen Spannungsbogen.
Die Story dreht sich um einen Londoner Constable, der zu einer sehr kleinen Sondereinheit gehört, die Verbrechen untersucht, bei denen (illegale) Zauberei/Magie im Spiel sein könnte. Dieser Nachwuchszauberer-Constable wird auf's Land geschickt, wo zwei junge Mädchen unerklärlich und spurlos verschwunden sind. Die ganze Geschichte spielt in der Gegenwart; neben "Magie" kommen auch das Internet, der "Herr der Ringe" und Disney-Channel vor ...
Der Verfasser (der mir vorher unbekannt war) besitzt einigen trockenen Humor und schreibt hier keine Kitsch-Fantasy sondern einen leicht lesbaren Detektiv-Fantasy-Roman, in dem ein paar Fantasy-Klischees kräftig gegen den Strich gebürstet werden. Wer die Geschichten von Jasper Fforde über Thursday Next mag, wird diesen Roman auch genießen.
Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass es noch weitere vier Romane um diesen Nachwuchszauberer-Constable Peter Grant gibt. Die stehen jetzt 'mal auf meiner Wishlist.

8 von 10 aggressiven Einhörnern

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Richard Morgan - "Das Unsterblichkeitsprogramm"

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Harter Science-Fiction-Thriller, den nicht gelesen zu haben, imho ein Versäumnis ist. Hat 2002 den Philip K. Dick-Award bekommen. Zu recht!!!
Auch hier geht es um einen Privatermittler, dessen Auftraggeber ein Multimilliardär ist, der gerne erfahren möchte, warum er sich selbst erschossen hat. ... OK, Widerspruch bemerkt?! Die Menschen in dieser Zukunft sterben nicht mehr. Sie besitzen einen Stack, eine ins Gehirn eingebaute technische Sicherungskopie ihres Wissens und Bewußtseins. Mit dieser Kopie können sie nach ihrem Tod "gesleevt" werden, d. h. in einen neuen Körper transferiert werden. Und die ganz reichen Menschen können sich externe Sicherungskopien und in Bereitschaftstanks liegende Klone leisten. Einige Menschen sterben also praktisch gar nicht mehr; sie sind sog. "Meths" (Methusalems), die ewig körperlich jung bleiben können und sehr mächtig sind. Einer von diesen hat sich nun selbst mit einer Strahlenwaffe den eigenen Kopf mitsamt Stack weggeschossen ..., aber warum?
Und mit dieser Frage beginnt ein echt gut gemachter Thriller mit interessanten Personen in einem abwechslungsreichen Szenario mit einem absolut gelungenen Spannungsbogen. Das Buch hat einen hohen Page-Turn-Effekt, der fast über den gesamten Roman anhält.
Für mich bis jetzt die Überraschung des Jahres (obwohl das Buch von 2002 ist). Absolut lesenswert! :headbanger: :prima:

9 von 10 resleevten Envoys

So meint
Lensman
"Und nun, durch zwiefach Glas, sehe ich
Des Bruders dunkelnd Ebenbild.
Jetzt mach' uns frei, an unserer Seite stehe,
den Hammer schwing, o Thor, und leih uns deinen Schild."
Gordon Dickson

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Von Carlos Ruiz Zafon gibt es ja 3 Barcelona-Romane, wovon Das Spiel des Engels der zweite ist. Sind die Romane in sich abgeschlossen, oder gibt es eine durchgehende Handlung?

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Lensman
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Lensman »

@Teddy:
"Der Schatten des Windes" und "Das Spiel des Engels" sind in sich abgeschlossene Romane. Der dritte Band "Der Gefangene des Himmels" wartet noch auf mich im SUB. :D

Es grüßt
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Arkron »

Diese Woche (am 8.3.) erscheint die exzellente Storysammlung von Ken Liu: The Paper Menagerie and Other Stories.
Meine Besprechung findet Ihr auf meinem Blog.

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Ender »

Lensman hat geschrieben:"Der Schatten des Windes" und "Das Spiel des Engels" sind in sich abgeschlossene Romane. Der dritte Band "Der Gefangene des Himmels" wartet noch auf mich im SUB. :D
"Das Spiel des Engels" konnte mich genau aus dem Grund nicht überzeugen, weil ich "Der Schatten des Windes" vorher schon gelesen hatte. Denn irgendwie fand ich, dass sich beide Romane - hinsichtlich Umfeld/Atmosphäre/Aufbau - zu ähnlich waren.
Jeder für sich durchaus gelungen, aber einer hätte mir gereicht.

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Pogopuschel
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Pogopuschel »

Meine Lektüre im Februar

Frank Herbert – Der Wüstenplanet

Jakob Schmidts grandiose Neuübersetzung dieses großen und zeitlosen Klassikers der SF-Literatur, der wahrlich nichts an Aktualität eingebüßt hat. Die Geschichte um Paul Muad’dib und den Wüstenplaneten Arrakis dürfte den Meisten (auch durch die Verfilmungen) bekannt sein. Es lohnt sich übrigens, mindestens auch die nächsten beiden Bände der Reihe zu lesen, da Paul dort eingehend und selbstkritisch über seinen Heldenmythos reflektiert und daraus seine Konsequenzen zieht.

Frank Hebben – Der Algorithmus des Meeres

Sprachlich meisterhafte Novelle mit einem melancholischen Endzeitszenario, in dem einige verlorene Seelen in einer Wohngemeinschaft in einem ehemaligen Strandhotel die letzten Tage verbringen. Oder steckt doch mehr dahinter? Deutschsprachige Science Fiction, die ihresgleichen sucht. Großes Lob an den Begedia Verlag, zu veröffentlichen, was man bei den großen Publikumsverlagen vergeblich sucht. Und dann auch noch in einer so toll gestalteten Ausgabe. Ein Beweis dafür, dass es (auch sprachlich) anspruchsvolle Science Fiction aus Deutschland jenseits von Dietmar Dath gibt.


Andre Marx – Die drei Fragezeichen: Insel des Vergessens

Ben Pack is back (Peters Opa aus Der unsichtbare Gegner, eine meiner Lieblingsfolgen). Na ja, genau genommen ist er verschwunden, aus dem Altenheim, obwohl er doch in seinem Haus sein sollte, wo er einst einen hundsgemeinen Nachbarn namens Ed Schnabel hatte. Und dann überfällt er auch noch eine Bank. Wie man sieht, haben die drei Detektive einiges zu tun, und sie tun es, auf die von Andre Marx unvergleichlich geschriebene Art, die dafür sorgt, dass ich trotz sonnleitnerchen und lektoralen Totalausfälle zumindest einem Autor der Reihe die Treue halte.

Kai Ashante Wilson – The Sorcerer of the Wildeeps

Sprachlich außergewöhnliche Fantasy, vor einem afrikanisch anmutenden Hintergrund, in dem die Söldner wie dem Ghetto von The Wire entsprungen reden, während sich der Erzähler einer sprachgewaltigen, anspruchsvollen Sprache mit vielen altmodischen Begriffen aus dem Englischen bedient. Sehr ungewöhnliche Fantasy, die man aufgrund der sprachlichen Finesse des Autors nicht entgehen lassen sollte, auch wenn es manchmal anstrengend zu lesen ist.

Bov Bjerg – Auerhaus

Roman über eine Jugend in der deutschen Provinz, im Stile von Sven Regener (Neue Vahr Süd), Frank Goosen (Liegen Lernen) oder Jan Brandt (Gegen die Welt), über eine Gruppe von Außenseitern, die sich in der Abiturphase in einer WG (dem Auerhaus) zusammentun und versuchen, sich gegenseitig gegen die Widrigkeiten des Erwachsenwerdens zu unterstützen. Was teilweise allerdings in die Hose geht. Sprachlich wie auch inhaltlich sehr entschlackt, prägnant und ohne unnötigen Ballast, aber auch nicht ganz so reichhaltig und mitreißend wie die oben genannten Werke.

Paul S. Kemp – The Hammer and Blade

Sword and Sorcery über zwei sympathischen Halunken, die an Fafhrd und den grauen Mausling erinnern, gerne antike Gräber mit bösen Dämonen ausrauben und ständig in Schwierigkeiten geraten. Man merkt dem Buch vor allem Hinblick auf die Magie und die Dämonen an, dass Paul S. Kemp als Autor zuvor hauptsächlich in den Forgotten Realms unterwegs war. Seichte aber durchaus unterhaltsame Fantasy, die zwischendurch aber etwas arg langatmig und dünn geraten ist. Nach einem spannenden Anfang mit atmosphärisch dichten und lebendigen Beschreibungen der Stadt und ihres Armenviertels versandet die Handlung ein wenig in der von langweiligen Monstern bevölkerten Einöde, glücklicherweise halten die beiden Helden den Leser mit ihrem losen Mundwerk bei der Stange.

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Lensman
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Lensman »

Gestern abend ausgelesen:

Orson Scott Card: "Treason - Der Spenderplanet" (Bastei-Ausgabe 1980)

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Sehr seltsamer Roman. Es wird die Coming-of-Age-Geschichte von Lanik Mueller erzählt, der auf einem ziemlich seltsamen Planeten lebt. Es gibt dort rund ein Dutzend Völker, die jeweils sehr spezifische Eigenschaften haben, die sie im Tausch gegen Eisenerz (das auf diesem Planeten nicht vorkommt) eintauschen. Laniks Volk, die "Mueller", kann sich zusätzlich Gliedmaßen/Organe wachsen lassen, die dann für den Betreffenden mehr oder weniger komplikationslos operativ entfernt werden können und in sog. Abgesandten (ein Gerät) eingetauscht werden.
Auf diesem Planeten "Treason" herrscht im Kern ein Konkurrenzkampf um Eisen; alle träumen von genug Eisen, um ein Raumschiff bauen zu können. Ziel ist es, den Planeten zu verlassen.
Recht schnell kommt heraus, das die Bewohner von Treason in einer Art Strafkolonie leben. (Wie es dazu gekommen ist, wird nicht weiter erläutert). Lanik Mueller als Königssohn muss aufgrund einer genetischen Fehlsteuerung, die ihn sogar für Muellersche Verhältnisse missgestaltet aussehen lässt, ...
Ihm wachsen als Mann Brüste :o :lol: und unkontrollierbar weitere Körperteile
... in die Verbannung gehen. Sein ungeliebter Bruder, ein ausgemachter Unsympath, wird Thronfolger.

Ungefähr an dieser Stelle war ich soweit, Buch weglegen zu wollen. Es liest sich langweilig, hat unglaublich viele Druckfehler (mehr als einen pro Seite) und wirkt an vielen Stellen außerordentlich schlampig übersetzt. Dieser Eindruck zieht sich durch das ganze Buch. :kopfschuettel:
Ich habe dann doch weitergelesen, auch im Vertrauen auf den Autor, da mir die Ender-Reihe von O.S. Card gutgefallen hat. Nachdem ersten Viertel nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt auf und wird lesenswerter. Lanik lernt nach und nach die weiteren Völker von Treason kennen, die sich als deutlich anders erweisen, als er vorher gedacht hat. Die Darstellung dieser anderen Völker, ihre Denkweisen und seltsamen Fähigkeiten, sind imho das Interessanteste an diesem Roman. Das hat zum Teil einen echt hohen Abgefahrenheitswert! :mad:
Das nachfolgende Geschehen ist ansonsten eher genretypisch, begleitet von zu erwartenden moralischen Diskussionen (vgl. "Enders Game"), nur den Plot im letzten Abschnitt hätte ich anders erwartet.
Ich dachte die Betrüger wären in Wirklichkeit Fremdweltler, aber es ist doch ein "einheimisches" Volk.
Fazit: Der Roman ist durchaus lesenswert, wenngleich einmal lesen auch genügt. Ich mache dafür vor allem die Übersetzung verantwortlich. Orson Scott Card hat hier allerdings und trotzdem noch nicht die erzählerische Qualität seiner späteren Romane erreicht. Einige Eigenheiten schimmern aber schon deutlich durch.

6 von 10 sprechenden Felsen

Es grüßt
Lensman
"Und nun, durch zwiefach Glas, sehe ich
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