Die Phantastik - Lesechallenge 2019

Science Fiction in Buchform
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Naut
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Re: Die Phantastik - Lesechallenge 2019

Ungelesener Beitrag von Naut » 10. September 2019 08:12

[x] Roman-Neuerscheinung 2019 | "Wir sind Götter"
[x] Kurzgeschichtensammlung | "Kolonien - Welt unter Dampf"
[ ] Preisträger von 1987
[x] Buch von Arthur C. Clarke | "Rendezvous mit 31/439"
[x] im Original nicht deutsch- oder englischsprachiges Buch | "Krieg der Schrecken"
[ ] Buch mit dem Wort "Planet" im Titel
[x] Handlung mehr als 1000 Jahre in der Zukunft | "Tödliche Geheimnisse"

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Ich bin vermutlich der letzte, aber was soll's: Das Jahr hat ja noch ein paar Tage. :)

Nun also das im Original nicht deutsch- oder englischsprachiges Buch, hier "Krieg der Schrecken" von Vlad Hernandez. Hernandez ist auf Kuba geboren und schreibt daher auf spanisch, er lebt momentan in Barcelona. Das Buch wurde vom Verlag als "erste kubanische SF in Deutschland" beworben, was aber wohl nicht so ganz stimmt, weil es zumindest "Memoiren einer außerirdischen Großmutter" gibt - wie auch immer man das nun wieder einsortieren will. Dass "Krieg der Schrecken" richtige Science-Fiction ist, daran kann jedenfalls kein Zweifel bestehen: Schon die erste (von drei) Erzählungen beginnt ganz klassisch als Hommage an "Alien". Ein einzelner, verbliebener Astronaut an Bord eines havarierten Raumschiffs, eingesperrt mit einer insektoiden, biomechanoiden Alien-Königin.
Aber dabei bleibt es nicht: Hernandez beschreibt zwar den Krieg der Menschen gegen die biomechanoiden "Schrecken", aber im Kern geht es ihm um die Weiterentwicklung der Menschen. Was macht der Krieg aus den Individuen, aus der Gesellschaft, was tun Veteranen nach dem Kampf? Eine zentrale Rolle spielen Mensch-Alien-Hybriden, gezüchtet von beiden Seiten als Waffen.
Die erste Geschichte "Die Emperatriz" dient als gute Einleitung in das Thema, ist aber schnell vorbei. Der Hauptteil des Buchs wird von "Wesen des Krieges" eingenommen, eine lange, aber nicht immer mitreißende Erzählung, denn Hernandez verzettelt sich etwas in seiner Zielrichtung. Am besten fand ich "Die bleiche Schrecke", letzte und kürzeste Geschichte im Buch. Leider ist diese wieder zu kurz, zu vieles wird nur angerissen (Präkursor-Zivilisationen, Sieg über die Schrecken), hätte mehr Raum verdient.

Insgesamt ein lesenswertes Buch: Sicher keine Offenbahrung, und etwas spezifisch kubanisches konte ich nicht entdecken, aber gute, international geprägte SF ist das allemal. Die Übersetzung durch Pia Biundo fand ich auch sehr gelungen.

Okay, noch zwei ... für "Planet" habe ich eine Anthologie mit ostfriesischer(!) SF herausgesucht - mal sehen, was das so ist. Der Preisträger ... mal sehen. Vielleicht lese ich wirklich nochmal "Das Parfüm".

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Re: Die Phantastik - Lesechallenge 2019

Ungelesener Beitrag von Ender » 10. September 2019 08:38

Naut hat geschrieben:
10. September 2019 08:12
Ich bin vermutlich der letzte, aber was soll's: Das Jahr hat ja noch ein paar Tage. :)
Bestimmt nicht. Immerhin bist du schon ein Buch weiter als ich.
Aber noch bin ich ganz gelassen ...

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Re: Die Phantastik - Lesechallenge 2019

Ungelesener Beitrag von Naut » Heute 08:08

Als nächsten Punkt lese ich jetzt ein Buch mit dem Wort "Planet" im Titel:
Der schwarzbunte Planet, herausgegeben von Bernd Flessner und Peter Gerdes.

Es handelt sich dabei um eine Anthologie von SF aus (und in) Ostfriesland. Die Idee klingt erstmal gut. Desweiteren war der Plan der Herausgeber, ausschließlich (oder zumindest vorwiegend) Genre-Fremdlinge zu versammeln. Das heißt hier konkret, dass die Beteiligten aus derselben Schreibgruppe im Umfeld des Krimis stammen. Diese Tatsache war mir vor dem Kauf des Buchs unbekannt, sonst hätte ich vielleicht nochmal überlegt. Erfahrungsgemäß gehen solche Versuche zu etwa 50% in die falsche Richtung, weil Krimiautoren eben immer Krimis schreiben, egal, wie sie das sonst noch ausschmücken. :) Andererseits gibt es das Buch sowieso nur antiquarisch, daher war es nicht teuer.

Bisher habe ich drei Geschichten gelesen:
Gotcha von Michael Mittmann: Eine ziemlich offensichtliche Neuromancer-Hommage, angesiedelt in den Ruinen der Nordseeküste, die aber unter ebenso offensichtlichen Shadowrun Einflüssen leidet. Das war gut geschrieben, aber irgendwie auch ziemlich flach.

Ehrlich! von Udo Franken: Ein Pharmakonzern möchte ein Bakterium auf einer Nordseeinsel testen und heuert dazu einen Schriftsteller als Hofberichterstatter an. Natürlich geht etwas schief.
Gute Sache: Die Story ist da stark, wo sie richtig liegt. So kommt der Kurierfahrer z.B. von der Fahbahn ab, weil er mit Telefonieren beschäftigt ist, und der Klimawandel kommt auch schon vor. Schlechter wird es, wenn fliegende, besser gleitende Autos vorkommen ... Das sind aber nur Details, insgesamt ist die Geschichte leider eine weitere Nabelschau eines Autors, die als Insidergeschichte in seinem Schreibkreis bestimmt super zündet, hier aber irgendwie nicht.

Der Baum von Ingeborg Kruse: Viel besser! Kruse nutzt das Potential, das die Nordseeinseln als europäisches Pendant zu Lovecrafts Küstenorten eigentlich haben. Wieder geht es um ein Experiment eines Biotechkonzerns, aber Kruse bleibt angenehm im Vagen, deutet vieles nur an und gibt der Story so einen Twist in Richtung magischem Realismus. Fand ich gut!

Demnächst mehr.

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