Die besten Stories von Edmond Hamilton

Science Fiction in Buchform
Wrong
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Die besten Stories von Edmond Hamilton

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Der Monstergott von Mamurth (The Monster-God of Mamurth (1926)) war die erste Kurzgeschichte, die Edmond Hamilton verfasste. Sie erschien in der Augustausgabe der Weird Tales.

Ein Archäologe berichtet von den Ereignissen der letzten Tage. Sie führen ihn zu einer verlassenen Ruinenstadt mit karthagischem Hintergrund, zu der ihn kein einheimischer Araber begleiten will, da dem Gott der Stadt Mamurth in der Vergangenheit Opfer auf grausame Art und Weise dargebracht wurden. So muss er sich alleine auf den Weg machen. In der Nähe eines niedrigen Ausläufers des Atlas-Gebirges und der Igidi-Wüste trifft er auf rätselhafte Symbole und geheimnisvolle Erscheinungen.

Die erste Story des Playboy-Bandes „Die besten Stories von Edmond Hamilton“ hat mir richtig gut gefallen. Spannend und atmosphärisch unheimlich dicht geschrieben, habe ich die 31 Seiten doch glatt zweimal gelesen.

Mal sehen, was die nächsten Geschichten so können ...

Wrong
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Re: Die besten Stories von Edmond Hamilton

Ungelesener Beitrag von Wrong »

„Der Mann, der sich entwickelte“ (The Man Who Evolved (1931) ) erschien im Februar 1931 in Gernsbacks „Wonder Stories“.

Die zweite Story der vorliegenden Ausgabe handelt von einem Biologen, der seine beiden früheren Kommilitonen zu einem Experiment in sein abgeschiedenes Haus einlädt. Er will herausfinden, mit welchen evolutionären Veränderungen die Menschheit zu rechnen hat. Mit Hilfe von kosmischen Strahlen will er die Entwicklung der menschlichen Rasse beschleunigen (15 Minuten ergeben 50 Millionen Jahre Entwicklung). Das Ende ist zwar etwas vorhersehbar, dennoch kann man der Geschichte einen hohen Unterhaltungswert attestieren.



„Die Eroberung zweier Welten“ (A Conquest of Two Worlds (1932) 1932 in Gernsbacks „Wonder Stories“) ist eine wunderschöne Anti-Kriegsparabel. Die Menschheit ist in der Lage, fremde Planeten im großen Stil zu besiedeln und für ihre eigenen Interessen zu nutzen. Die eher friedlichen, aber zu Recht besorgten Bewohner des Mars und des Jupiters haben natürlich ihre Einwände gegenüber den menschlichen Raubzügen und stellen sich der mit Atomwaffen ausgerüsteten Armeen der Menschen mit „Pfeil und Bogen“ entgegen. Im Mittelpunkt stehen wieder drei Männer, die sich im Laufe der Kämpfe auf den jeweiligen Planeten in unterschiedlichen Konstellationen begegnen. Hamilton unternimmt hier einen moralischen Angriff auf die imperialistischen Bestrebungen der zivilisierten Menschen und deren skrupelloses Vorgehen gegenüber Schwächeren.

Wrong
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Re: Die besten Stories von Edmond Hamilton

Ungelesener Beitrag von Wrong »

„Die Insel der Unvernunft“ („The island of unreason“) erschien im Mai 1933 wieder in Wonder stories und gewann den erstmals vergebenen Jules Verne Prize in der Kategorie bester Science Fiction story. Allan Mann, ein Techniker in der „vernünftigen“ Welt wird wegen unvernünftigen Handelns auf die Insel der Unvernunft verbannt. Dort begegnet er einer gesetzlosen Gefängniswelt und muss sich gegen gewaltbereite Mithäftlinge wehren. Ein Treffen mit einer jungen schönen Frau macht die ganze Sache dann noch reizvoller. Wieder eine Geschichte, die zu unterhalten weiß. Es sind keine literarischen Perlen, aber wer etwas auf Pulp steht und die Zeit, in der die Geschichten entstanden, im Blick hat, der macht eine unterhaltsame und spannende Reise in die Science – Fiction der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ob John Carpenter „The island of unreason“ als Inspiration gelesen hat? Ich bin gespannt, welche drei Stories es am Ende auf meinTreppchen schaffen.

Wrong
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Re: Die besten Stories von Edmond Hamilton

Ungelesener Beitrag von Wrong »

In meinen Augen nicht ganz so gut gealtert ist die Story „Donnernde Welten“ („Thundering worlds“) aus dem Jahre 1934. Hamiltons langjährige Ehefrau Leigh Brackett schreibt in dem Vorwort der Ausgabe wahrscheinlich unfreiwillig kritisch: „ … Stil und Charakter sind hier weniger wichtig als die zentrale Idee: neun Planeten suchen eine Sonne.“ Die Story beginnt mit einer Konferenz der neun Vertreter der Sterne unseres Sonnensystems (der Pluto ist noch mit dabei). Eine gemeinsame Lösung muss gefunden werden, da die Sonne den Planeten keine Wärme mehr spenden kann. Hauptprotagonist ist Lonnat vom Merkur. Er muss sich gegen Widerstände gegenüber den Abgesandten größerer Planeten erwehren. Letztendlich einigt man sich, mit Hilfe von Atomexplosionen alle neun Planeten auf die Suche nach einem neuen Sonnensystem zu schicken, das die Rettung der Menschheit garantieren kann. Zwischendurch trifft man noch auf die Antolier, die ebenfalls eine neue Sonne benötigen und somit endet die Geschichte eben mit diesem Wettlauf.
Kurzum: die Story hat mir bei weitem nicht so gefallen wie ihre Vorgänger. Atomexplosionen werden mir nichts dir nichts gezündet und die einzelnen Planeten fliegen kreuz und quer durch das Universum. Innerhalb weniger Sätze verfrachtet Hamilton ein halbes Sonnensystem in ein nächstes und so weiter. Dadurch wirkt die Handlung so naiv, dass man als Zielgruppe nur Heranwachsende in Erwägung ziehen kann. Mehr vermag „Donnernde Welten“ in meinen Augen nicht zu leisten. Vielleicht gefällt mir "Der Mann, der zurückkehrte" wieder besser.

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Re: Die besten Stories von Edmond Hamilton

Ungelesener Beitrag von Doop »

Vielen Dank für Deine Besprechungen der Hamilton-Geschichten. Hamilton ist ja ein in ziemliche Vergessenheit geratener Klassiker (wenn man von Captain Future mal absieht). Die Wiederentdeckung ist er sicher wert!
„Ich habe [...] nichts gegen Filme ohne viel Handlung (z.B. Laberfilme von Rohmer), aber das Verhältnis zwischen Landschaftsmalerei, Dialog und Kawumm muss stimmen.“ (Badabumm, hier im Forum)

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Re: Die besten Stories von Edmond Hamilton

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Ich lese hier auch mit großen Vergnügen mit. :prima:
Von Hamilton habe ich die beiden Golkonda-Bände mit Captain Future Kurzgeschichten gelesen. Auch die haben sich für ihr Alter erstaunlich gut gehalten. (Außerdem fühlt man sich wieder in seine Kindheit versetzt, als im ZDF die Anime-Serie lief...)

Wrong
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Re: Die besten Stories von Edmond Hamilton

Ungelesener Beitrag von Wrong »

Ich freue mich, dass euch der kleine Ausflug in Hamiltons Pulp-Magazine-Vergangenheit gefällt. Vielen Dank für eure Beiträge.
Ich wollte mich schon seit längerem genauer mit dieser Art von Geschichten beschäftigen. Auf der einen Seite war natürlich der Golkonda- bzw. Captain Future-Hintergrund ausschlaggebend, auf der anderen Seite war es aber auch der antiquarische Zufall, dass die Wahl dann genau auf diese Ausgabe fiel.

Wrong
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Re: Die besten Stories von Edmond Hamilton

Ungelesener Beitrag von Wrong »

Der Mann, der zurückkehrte“ („The man who returned“) erschien im Februar 1934 in Weird Tales und ist trotz des häufig auftretenden Inhalts wieder überaus unterhaltsam. John Woodford hat, aus Angst lebendig begraben zu werden, verfügt, nach seinem Tod in einer überirdischen Grabkammer bestattet zu werden. Und wie es bei einigen anderen Autoren (E. A. Poe „The premature burial“) geschieht, erwacht Woodford in einem Sarg. Aber während bei Poe die Vorgeschichte zu diesem Ereignis die wichtigere Rolle spielt, indem die Auswirkungen der Ängste bezüglich Katalepsie und Klaustrophobie geschildert werden, legt Hamilton den inhaltlichen Schwerpunkt auf die Zeit nach dem Erwachen. Ähnlich wie bei der ersten Erzählung „Der Monstergott von Marmuth“ schafft es Hamilton ein düstere und dichte Atmosphäre aufzubauen. Der emotionale Wechsel von Freude auf eine Wiedersehen mit der anschließenden demütigenden Enttäuschung kann überzeugen und in den Bann ziehen. Ab einem gewissen Zeitpunkt weiß man zwar, wie die Story enden wird, aber das tut der Qualität der packenden Geschichte keinen Abbruch. Für mich ein weiterer Höhepunkt der bisher gelesenen Stories. In Bälde folgt dann „Die verfluchte Galaxis“ („The accursed Galaxy“), wo es wahrscheinlich wieder ins Weltall geht.

Wrong
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Re: Die besten Stories von Edmond Hamilton

Ungelesener Beitrag von Wrong »

In The Accursed Galaxy (1935) "Die verfluchte Galaxis" thematisiert Hamilton die Ausdehnung der Galaxis, indem Garry Adams, Reporter eines New Yorker Sensationsblattes, während seines Urlaubs in einem verschlafenen Dorf einen Meteoriten in Form eines Polyeder findet. Daraufhin holt er den Astronom Dr. Ferdinand Peters vom Observatorium der Manhattan-Universität in New York zur Hilfe und die beiden unterschiedlichen Figuren versuchen gemeinsam das Rätsel der nicht irdische Substanz zu lösen. Die Geschichte fängt spannend an, aber in der Mitte verliert sie dann ihre Strahlkraft, wenn Peters den wissenschaftlichen Zusammenhang verlässt und durch die Kraft und Gedankenbotschaften der Erscheinung den Überblick verliert. Hamilton lässt die Erzählung undurchsichtig und verworren enden. Sicherlich beabsichtigt, aber die offenen Fragen v.a. hinsichtlich der kosmologischen Erscheinung werden dann in meinen Augen nur unzureichend geklärt und zu schnell verlässt der Autor den wissenschaftlichen Hintergrund, um sich zusammen mit dem Leser in das Unerklärliche zu flüchten. So bleibt die Geschichte konturlos und lässt mich doch etwas unbefriedigt zurück. Die nächste Story heißt "Welt im Dämmerlicht" und ist bestimmt wieder spannender. Verliert die Sonne ihre Kraft und die Menschen müssen wegen eines permanenten Dämmerlichts um das Überleben kämpfen? Auf jeden Fall ein interessanter Titel.

Wrong
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Re: Die besten Stories von Edmond Hamilton

Ungelesener Beitrag von Wrong »

Welt im Dämmerlicht“ ("In the world`s dusk") erschien laut Wikipedia 1936 und befasst sich mit einer Art Apokalypse der Menschheit. Eine düstere Story um den letzten Menschen auf der Erde. Galos Gann, in der Stadt Zor lebend, versucht mit mit Hilfe zweier wissenschaftlicher Experimente
die Menschheit am Leben zu erhalten. Tote werden aufgeweckt und Menschen werden aus der Vergangenheit geholt. Letztendlich wird von Galos Gann durch eine Kombination von organischen Verbindungen mit den ersten Formen protoplasmischen Lebens die Entstehung der Erde wiederholt, mit dem Ziel, die Menschheit neu zu erschaffen. Das starke Ende ist wieder einmal zynisch und bitter.
Hamilton schafft in dieser Story eine Atmosphäre aufzubauen, die die der späteren sword and sorcery – Geschichten vorweg nimmt und wieder einmal zeigt, dass wir es hier mit einem wahren Pioneer der Phantastik zu tun haben.

Wrong
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Re: Die besten Stories von Edmond Hamilton

Ungelesener Beitrag von Wrong »

Aus dem Jahre 1936 stammt die Geschichte „Das Kind der Winde“ („Child of the winds“) und erschien erneut in Weird Tales. Die Story ist ähnlich wie Hamiltons Debüt – Geschichte „Der Monstergott von Marmuth“. Wobei der Inhalt hier nicht mit Horrorelementen versehen ist, sondern die Tendenz eher ins märchenhafte, mystische verläuft.
Brent begibt sich im fernen Turkistan auf Goldsuche und stößt mit seinem türkischen Begleiter auf die gefürchteten Winde eines Felsplateaus. Nachdem Dasan An durch die Böen umkommt, ist der Abenteurer Brent, der den Angriff der Winde knapp überlebt, auf sich allein gestellt. Er trifft aber kurz darauf auf das schöne Mädchen Lora, die als einzige Überlebende einer anderen Expedition seitdem von den Winden beschützt auf dem Plateau lebt. Die Story entwickelt sich fortan zu einer Liebesgeschichte.
Richtig überzeugt hat die Geschichte mich nicht. Zu vorhersehbar ereignen sich die Geschehnisse und Dialoge. Hamilton wartet mit keiner Überraschung auf, sondern erzählt die durchschnittliche Story unaufgeregt und auch ein bisschen langweilig zu Ende.

Am Rande der Recherche habe ich auf der Seite des Zauberspiegel-Onlinemagazins dieses geniale Cover einer Weird Tales - Ausgabe gefunden:

https://www.zauberspiegel-online.de/ima ... _gross.jpg

Wrong
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Re: Die besten Stories von Edmond Hamilton

Ungelesener Beitrag von Wrong »

Die Saat aus dem All“ („The seeds from outside“) ist mit knapp sieben Seiten einer der kürzesten Stories des Altmeisters des Sci-Fi / Horrors. Im Jahre 1937 erschienen (das Magazin, in dem die Story erstmals herauskam, konnte ich nicht ermitteln), ist diese Geschichte wieder richtig lesenswert. Der in den Bergen zurückgezogen lebende Maler Standifer entdeckt die Landung eines Meteors und findet ein Kästchen mit zwei Samen, die er in seinem Garten einpflanzt und deren Wachstum er beobachtet. Was daraufhin mit dem Maler und den außerirdischen Produkten der Pflanze geschieht, ist zwar keine inhaltliche Offenbarung, aber Hamilton ködert wieder einmal den Leser durch seine knappen Beschreibungen mit unglaublichem Geschick und schwuppdiwupp ist man gefangen, in die Atmosphäre des blühenden Gartens eingetaucht und die Story ist zu Ende. Ein kurzes, aber schönes Lesevergnügen.

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Mammut
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Re: Die besten Stories von Edmond Hamilton

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Re: Die besten Stories von Edmond Hamilton

Ungelesener Beitrag von Wrong »

Mammut hat geschrieben:
20. März 2020 19:08
Das ist diese, oder?
http://www.isfdb.org/cgi-bin/title.cgi?63339
Jau, vielen Dank für den Hinweis. Tolle Seite, die kann ich gut gebrauchen.

Und wieder einmal in den Weird Tales:
Der Herausgeber Wright hat die Story aber nicht auf die Titelseite gebracht.

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Beste Grüße,
Wrong

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Re: Die besten Stories von Edmond Hamilton

Ungelesener Beitrag von Wrong »

Einer meiner bisherigen Lieblingstories und mit großen Chancen auf das Treppchen heißt „Fessendens Welten“ („Fessende's Worlds“Weird Tales, April 1937). Der Wissenschaftler Barkley besucht einen seit Wochen nicht mehr auf den Campus gesehenen Kollegen zuhause. Dieser bei den übrigen Dozenten eher argwöhnisch betrachtete Eigenbrötler Arnold Fessenden bittet Barkley, sein neuestes Experiment zu begutachten. Fessenden hat in seinem Laboratorium ein ganzes Universum in Mikroform geschaffen und spielt als Demonstration den „Weltenzerstörer“. Die Beschreibung des Mikrokosmos ist so gelungen, dass man als Leser wirklich Angst bekommt, so oder ähnlich könnte unser eigenes Universum aufgebaut sein. Sehr, sehr lesenswerte Story.

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