Ein Hoch auf Matt Ruff

Science Fiction in Buchform
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Knochenmann
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Ein Hoch auf Matt Ruff

Ungelesener Beitrag von Knochenmann » 10. Juni 2004 19:49

Ich wollte euch nur auf zwei ziemlich gute Bücher hinweisen:

Fool on the Hill
und
G.A.S.

Die Bücher sind vielleicht nicht die neusten, aber so verdammt gut das sie einen eigenen Thread werd sind. Wer, wie ich, einen Hang zur komischen Phantastik hat ist mit beiden bestens bedient:

Bei "Fool on the Hill" handelt es sich laut Amazon um "Mischung aus Abenteuerroman, Love-Story, Märchen, Gruselroman, politischer Posse und Heldenepos"... tatsächlich ist der Grenemix noch umfangreicher, vielschichtiger und besser als Worte das sagen können. Und mehr zu verraten wär ein Verbrechen.

"G.A.S." ist ähnlich abgedreht wie "Fool", hat aber mehr einen Hang zum Makaberen und zur Öko/SF. Wird zur nicht so hoch wie der "Fool" eingeschätzt, hat mir aber eine Menge Spaß gemacht. Und bildet: nur wegen dem Buch hänge ich jetzt an "Wer ist John Galt?"

Ich kann jedenfalls eine klare Kauf (und Lese-) empfelung aussprechen, und ich würd mich freuen zu höhren was ihr über die Bücher denkt.
Als ich jung war, war der Pluto noch ein Planet

Alle Bücher müssen gelesen werden

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molosovsky
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Ungelesener Beitrag von molosovsky » 10. Juni 2004 22:28

Mit der Jubelnummer auf Matt Ruff machst Du mir Freude.
Ich rechne ihn zu den besten lebenden (Phantastik)-Autoren überhaupt … so sehr, daß ich »Fool…« und »GAS« deutsch und englisch gelesen habe.

FOOL (1988): Liebesgeschichte, Hunde die den Himmel suchen und Shakespeare-inspirierte Elfen im Kampf gegen einen fiesen Oberkobold … das sind die drei zentralen Handlungsfäden, die alle auf dem Campus der Cornell-Uni zusammenfinden. Ein Optimismus verströhmendes Buch. - Sollte man als (post}moderne Phantastik bezeichnen, der Fantasy- oder Märchen-Aufkleber fällt aber auch nicht gleich ab. Lustige Seitenhiebe/homagen auf Tolkien sind zu finden.

GAS (1997): ist mein persönlicher Liebling. Eindeutig Science-Fiction, sogar nicht mal allzu an-den-Haaren-herbeigezogene, wenn auch mit mehr Törn ins Satierische denn ins Prognostische. Spuren von »Illuminatus« (WIlson/Shea) bis »Yellow Submarine« und »Aliens« zu finden. Erinnert an eine bestaunenswerte Irrung des Denkens anhand der kybernetisch wiederauferstandenen Ayn Rand, eine wirklich erschreckende Zeitgenossin des 20. Jahrhunderts. - Abgeklärter als der erste Roman Fool, dafür aber mutiger im Weltenerfinden, das Ruff kraft stlistischer Souveränität und einem Füllhornschmaus an Ideen gelungen stemmt. Politisch ernsterer Hinterton, dafür noch mehr Äktschn und Nebenstories-in-der-Story als Fool.

ICH UND DIE ANDEREN (»Set this house in order«, 2003) erscheint bei Hanser am 28. August, wird ca. 600 Seiten haben und 25 Euro kosten.

Mein kleiner Teaser dazu. Ich hab nur den englischen Klappentext übersetzt und verrate nichts weiter. (Bei Sandammeer gibts eine Kurzrezi-Empfehlung, die aber recht gemein einiges vom Ende des Buches ausplaudert).

Sportiv betrachtet, ist Ruff ein Übertreibungs- und Auftürmungskönner. Dumme Leute beschweren sich dann, daß die Ideen und Geschehnisse eines Buches ja bei anderen für gute zwei oder drei Bücher gelangt hätten, und es wird dann »Pfui, wasn Kuddelmuddel« gemeckert. Ich steh auf moderne Maximal-Literatur, die sich unter anderem eben selbstbewußt auf die Herausforderungen durch Film-, Comic- und PC-Konsolennarration einläßt.

Nebenbei: Hab entdeckt, daß die Frau von Ruff die Baroque-Cycle-Trio von Stephenson probegelesen hat. Lustig, die Bekanntschaft.
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Ungelesener Beitrag von molosovsky » 21. August 2004 10:13

Der Hanser-Verlag hat nun seine Website um eine Vorschau auf das Herbstprogramm ergänzt.
Hier zu den allgemeinen Infos dort zu »Ich und die anderen«, sowie einer kleinen netten Leseprobe.

Grüße
alex / molosovsky
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Ungelesener Beitrag von molosovsky » 21. August 2007 14:56

Hab grad meine Rezi eingepflegt zur neusten Gehirnwäsche de luxe von Matt Ruff: »Bad Monkeys«, u.a. einer zum Hinknien schönen Homage auf PKDick.
Wie immer viele Links und als Extra eine Übersicht zu Matts bisherigen Büchern.

Viel Spaß
Alex / molo
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Ungelesener Beitrag von Taahaag » 22. August 2007 18:40

und hier mal eine gegenteilige Meinung:

G.A.S. war absurd, actionhaltig, unspannend: insgesamt sehr überflüssig. es stimmt, dass ruff viele tolle ideen hat, wenn er sie aber nur so umsetzen kann, dann verzichte ich.

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Ungelesener Beitrag von L.N. Muhr » 22. August 2007 22:27

Taahaag hat geschrieben:und hier mal eine gegenteilige Meinung:

G.A.S. war absurd, actionhaltig, unspannend: insgesamt sehr überflüssig.
stimmt: ich verstehe diese meinung absolut nicht. "G.A.S." zählt für mich zum besten der 90er jahre.

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Ungelesener Beitrag von pirxfan » 23. August 2007 00:23

molosovsky hat geschrieben:Hab grad meine Rezi eingepflegt zur neusten Gehirnwäsche de luxe von Matt Ruff: »Bad Monkeys«, u.a. einer zum Hinknien schönen Homage auf PKDick.
Wie immer viele Links und als Extra eine Übersicht zu Matts bisherigen Büchern.

Viel Spaß
Alex / molo
köntest du den link hinter dem berichtigen? da fehlt ein a.

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Ungelesener Beitrag von pirxfan » 23. August 2007 00:24

hinter dem BILD auf deiner site, meinte ich

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Ungelesener Beitrag von molosovsky » 23. August 2007 00:45

@pirxfan: Erledigt (und insgesammt noch 1x entfehlert).

@L.N. Muhr: Ha, daß Dir G.A.S. gefällt taugt mir enorm. Immerhin hast Du mir mal einen schlimmen Nachplapperfehler ausgetrieben (Mein Kampf und so).

@Taahaag: Wie auch immer. Gibt ja dennoch einiges, wo wir uns scheints einig sind (Sandman, oder überflog ich das Profilarchiv flasch?).

Grüße
Alex / molo
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Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch » 23. August 2007 10:55

Ich hab mir jetzt mal GAS bestellt. Weiß noch nicht, wann ich zum Lesen komme, aber ich bin gespannt und werde dann was dazu sagen. :)


edit Tage später: Ja, seid's ihr wahnsinnig? Das Buch hat ja über 600 Seiten! Wann soll ich die denn lesen ... heul ... na ja, werd mir Mühe geben. :smokin
Zuletzt geändert von Uschi Zietsch am 26. August 2007 20:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Ungelesener Beitrag von Taahaag » 23. August 2007 21:29

@molosovsky: sandman ist bei comics mein all-time favourite. und bei büchern darf man auch mal anderer meinung sein als der rest, sonst wäre es ja ziemlich langweilig.

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Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch » 7. Oktober 2007 14:00

Uschi Zietsch hat geschrieben:Ich hab mir jetzt mal GAS bestellt. Weiß noch nicht, wann ich zum Lesen komme, aber ich bin gespannt und werde dann was dazu sagen. :)
edit Tage später: Ja, seid's ihr wahnsinnig? Das Buch hat ja über 600 Seiten! Wann soll ich die denn lesen ... heul ... na ja, werd mir Mühe geben. :smokin
Ja, Mühe gegeben hab ich mir, vor allem, weil ich mir nach Venedig keine andere Lektüre mitgenommen hatte. Aber auf S. 98 oder schon vorher hab ich endgültig aufgegeben.
Ich hab mich ab der ersten Seite nur gelangweilt und keine Handlung gefunden. Der Tortenbeschuss hat mir dann den Rest gegeben, das ist einfach zu albern und kindisch. Völlig absurd, dass der Multimilliardär erklärter Pazifist ist. Wir schreiben das Jahr 2023 (oder um den Dreh), also praktisch schon morgen, da sind die Menschen ganz bestimmt nicht so lustig, doof und harmlos wie sie dargestellt werden. Eine Parodie kann ich beim besten Willen nicht erkennen, vielmehr nur Slapstick, und wenig intelligent. (Ich möchte mal nicht wissen, wie verschissen das U-Boot ist, und wie viele Blauhamster es in Wirklichkeit gibt, wenn ein Luchs frei herumläuft)
Bei den vielen Anleihen aus Monsterfilmen etc. kann ich nichts eigenständiges und auch nichts originelles erkennen.
Ganz zu schweigen von stilistischen Schwächen, wie mehrfachen Perspektivwechseln innerhalb einer einzigen Szene.
Nee, nix für mich.
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Ungelesener Beitrag von WeepingElf » 7. Oktober 2007 14:06

Fool on the Hill ist einsame Klasse. Ich habe mich ohne Ende schlappgelacht, als ich es gelesen habe. G.A.S. ist auch gut, kommt aber an Fool on the Hill nicht heran - und man sollte wissen, wer Ayn Rand war (die ist hierzulande ja fast völlig unbekannt).
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Ungelesener Beitrag von L.N. Muhr » 7. Oktober 2007 14:14

Uschi Zietsch hat geschrieben:Völlig absurd, dass der Multimilliardär erklärter Pazifist ist.
eben: "völlig absurd". ebenso wie der geist von ayn rand in einer stehlampe. und das ist auch die hohe kunst von matt ruff, das absurde wie selbstverständlich zu erzählen. in diesem punkt - und der erwähnten handhabung der perspektiven - ist er philip k. dick nahe.

der zeitpunkt der handlung ist natürlich rein metaphorisch zu sehen. aber alle SF ist metapher. kalenderdaten in zukunftsgerichteter SF können nicht real sein. das lässt sich an kalendarisch überholter sf ("make room! make room!", "2001", "2010", "perry rhodan") deutlich ablesen.

ich finde es schade, dass du dieses brechen mit handelsüblichen erzählmustern so ablehnst.

und das wechseln von perspektiven in einer szene ist nur dann eine schwäche, wenn der leser es nicht versteht.

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Ungelesener Beitrag von Taahaag » 7. Oktober 2007 19:48

"absurd" kann man aber von 2 seiten sehen:

bei dick sind die absurden elemente gerade nicht an den haaren hereibgezogen, sondern wirken zumindest im kontext des romanes echt, d.h. der leser kann es bis zu einem gewissen punkt nachvollziehen. die absurden elemente sind bei dick ein wesenlticher bestandteil. der seine bücher interessant für mich macht.

matt ruff hat in g.a.s. jede menge absurde elemente vereint, aber wesentlich für die handlung sind sie nicht, sondern einfach das: absurd und vor allem ohne sinn.

genau diese elemente finden sich auch in aktuellen simpsons folgen (wie die neuen, die sonntags auf pro 7 laufen), und sind auch der grund, warum ich diese auch nicht mag.

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