Zeitreisen

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Tim
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Zeitreisen

Ungelesener Beitrag von Tim » 3. März 2003 12:00

Hi.

mich würde mal interessieren, ob es vor H.G. Wells "Zeitmaschine" schon andere Romane oder Geschichten zum Thema Zeitreise gab.

Es ist ja so, dass viele Ideen in der SF ihre Vorlage in älteren Schriften haben, als es die SF in dem Sinne noch gar nicht gab. Die Idee künstliche Menschen zu erschaffen ist ja schon uralt. Bei den Griechen in der Antike gab es bereits Geschichten von Sklaven aus Bronze etc.

Meine Frage ist nun war Wells der Erste, der sich mit der Idee der Zeitreise beschäftigt hat oder gab es vor ihm schon andere, die diese Idee hatten?

Tim

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breitsameter
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Re: Zeitreisen

Ungelesener Beitrag von breitsameter » 3. März 2003 12:49

Tim hat geschrieben:mich würde mal interessieren, ob es vor H.G. Wells "Zeitmaschine" schon andere Romane oder Geschichten zum Thema Zeitreise gab.
Natürlich gab es zuvor schon Werke, die eine Art Zeitreise als Handlungsvorgabe nutzten.
Tim hat geschrieben:Meine Frage ist nun war Wells der Erste, der sich mit der Idee der Zeitreise beschäftigt hat oder gab es vor ihm schon andere, die diese Idee hatten?
H.G. Wells "Time Machine" von 1895 ist sehr wahrscheinlich tatsächlich der erste Roman, der eine Zeitreise mit Hilfe einer Maschine, bzw. mittels einer Erfindung beschrieb.

Alle anderen Zeitreisen, die zuvor beschrieben wurden, beruhten entweder auf Visionen (Protagonist träumt von Vergangenheit oder Zukunft), göttlicher Einwirkung oder einer Art "Ewiger Schlaf". In Mark Twains "Ein Yankee aus Conneticut an König Artus' Hof" von 1889 schläft sich der Held z.B. einfach in die Vergangenheit...

Die Idee, mittels einer Maschine die Zeitbarriere überwinden zu können, ist natürlich ein Produkt des gesellschaflichen Umbruchs durch die Industrielle Revolution. Darum kann man aber auch Geschichten aus der Zeit VOR Wells meist nur schlecht mit den Geschichten NACH Wells vergleichen. Denn damals wurde aus einem rein philosophischen Gedankenexperiment plötzlich etwas, das (nach der Vorstellung der damaligen Phantasten) im fortlaufenden technischen Fortschritt irgendwann zwangsläufig umsetzbar sein würde.
Zuletzt geändert von breitsameter am 3. März 2003 19:07, insgesamt 1-mal geändert.

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Ungelesener Beitrag von Doop » 3. März 2003 18:58

Ein anderes bekanntes Beispiel für eine frühe Zeitreise, diesmal in Richtung Zukunft, ist Edward Bellamy's "Looking Backward: 2000-1887" (dt. "Ein Rückblick aus dem Jahr 2000") aus dem Jahr 1888.

Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, dann verschläft der "Zeitreisende" aus Versehen die Jahre. Auch hier fehlt also das technische Gerät, mit dem die Zeitreise bewältigt wird. Dieses taucht meines Wissens erstmals bei Wells auf.

Bei Mark Twain hingegen werden Anfang und Ende der Zeitreise durch einen kräftigen Schlag auf den Kopf des Reisenden ausgelöst. Die "illustrierte Enzyklopädie der SF" nennt diese Form der Zeitreise "heilig" :) .

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Ungelesener Beitrag von breitsameter » 3. März 2003 19:13

Doop hat geschrieben:Bei Mark Twain hingegen werden Anfang und Ende der Zeitreise durch einen kräftigen Schlag auf den Kopf des Reisenden ausgelöst. Die "illustrierte Enzyklopädie der SF" nennt diese Form der Zeitreise "heilig" :) .
Ach ja, genau, es war ein Schlag auf den Kopf. :wink: Paßt irgendwie auch besser zum Humor von Mark Twain, daß er diese doch etwas rabiate Methode der Zeitreise wählte.

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Ungelesener Beitrag von Tim » 4. März 2003 12:46

Hm, hm, sehr interessant. Dann scheint ja Wells das Thema Zeitreise, wie wir es heute aus der SF kennen, tatsächlich "erfunden" zu haben.

Die beschriebenen Zeitreisen vor Wells waren dann eher Gedankenexperimente à la "Was wäre wenn...". Trotzdem würde mich mal interessieren, ob es Geschichten gibt, in denen jemand tatsächlich in der Zeit verschoben wird (mittels eines Dimensionstors oder ähnliches) und das alles nicht nur träumt?

Die Frage ist auch, ob die vor der industriellen Revolution und den damit verbundenen Fortschritt in Sachen Physik die Zeit als Dimension angesehen haben, in der man sich irgendwie bewegen kann oder könnte.

Puh war das n´ Satz. Ich danke erstmal für die Antworten.

Bis denne...

Tim

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Ungelesener Beitrag von Jorge » 4. März 2003 19:55

Trotzdem würde mich mal interessieren, ob es Geschichten gibt, in denen jemand tatsächlich in der Zeit verschoben wird (mittels eines Dimensionstors oder ähnliches) und das alles nicht nur träumt?
Edgar Allan Poe
"Im Felsengebirge"(A Tale of Ragged Montains; 1844)
in "Erzählungen" Patmos Verlag 2000
Inhalt: Ein Mann gerät in einem Hochgebirge in einen Nebel und findet sich in einer anderen Zeit wieder. An seine Erlebnisse dort erinnert er sich später bei einer Hypnosebehandlung.

William Hope Hodgson
"Das Haus an der Grenze"(The House on the Borderland; 1907)
Insel 1973(Neuauflage Festa 2003)
Inhalt: Es geht um ein Haus in einer düsteren Gegend, in der das Überwechseln in eine andere Dimension möglich ist, außerdem treten seltsame Zeitphänomene(Sonne bewegt sich rasend schnell über den Himmel, die Zeit vergeht so schnell, das der Held miterlebt, wie die Sonne erlischt u.a.) auf.

P.J. Farmer
"Die Welt der tausend Ebenen"(The World of Tiers; 1965)
Knaur 5766 1983
Inhalt: Es geht um sog. "Taschenuniversen", die von ihren Erbauern(den "Lords") zum privaten Vergnügen erschaffen wurden, und die durch Dimensionstore betreten werden können.
"Das Tor der Zeit"(The Gate of Time; 1967)
Heyne 3144 1969
Während des zweiten Weltkriegs wird ein amerikanischer Bomber von einem deutschen Jagdflugzeug abgeschossen; trotzdem gelingt es dem Bordschützen, den Jäger ebenfalls abzuschießen: Die Überlebenden des Bombers und des Jägers gelangen beim Absturz durch ein "Tor" in eine andere Welt, wo am Ende der Geschichte auf die "Kriegsgegner" eine Überraschung wartet...

Thomas F. Monteleone
"Die Tore in der Tiefe"(The Secret Sea; 1979)
Heyne 4323 1986
Inhalt: Ein Student entdeckt ein altes Tagebuch, bei weiteren Nachforschungen entdeckt er Dimensionstore, durch die man in Welten gelangt, in denen die Erfindungen von Jules Verne Realität sind.

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Ungelesener Beitrag von Tim » 5. März 2003 08:52

Ein paar dieser Bücher sind aber nach HGWs Zeitmaschine geschrieben worden, außer das von E.A. Poe.

Sorry, ich meinte, ob jemand Zeitreise-Storys kennt, die vor Wells Zeitmaschine geschrieben wurden. Hab den Satz vielleicht nicht ganz klar formuliert.

Trotzdem klingen die anderen Bücher auch ganz interessant.

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Ungelesener Beitrag von breitsameter » 5. März 2003 10:19

Anonymous hat geschrieben:P.J. Farmer
"Die Welt der tausend Ebenen"(The World of Tiers; 1965)
Knaur 5766 1983
Inhalt: Es geht um sog. "Taschenuniversen", die von ihren Erbauern(den "Lords") zum privaten Vergnügen erschaffen wurden, und die durch Dimensionstore betreten werden können.

"Das Tor der Zeit"(The Gate of Time; 1967)
Heyne 3144 1969
Während des zweiten Weltkriegs wird ein amerikanischer Bomber von einem deutschen Jagdflugzeug abgeschossen; trotzdem gelingt es dem Bordschützen, den Jäger ebenfalls abzuschießen: Die Überlebenden des Bombers und des Jägers gelangen beim Absturz durch ein "Tor" in eine andere Welt, wo am Ende der Geschichte auf die "Kriegsgegner" eine Überraschung wartet...

Thomas F. Monteleone
"Die Tore in der Tiefe"(The Secret Sea; 1979)
Heyne 4323 1986
Inhalt: Ein Student entdeckt ein altes Tagebuch, bei weiteren Nachforschungen entdeckt er Dimensionstore, durch die man in Welten gelangt, in denen die Erfindungen von Jules Verne Realität sind.
Das sind aber keine Zeitreise-Thematiken, sondern eher Alternativweltgeschichten.

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Ungelesener Beitrag von Gast » 5. März 2003 12:37

Sorry, ich meinte, ob jemand Zeitreise-Storys kennt, die vor Wells Zeitmaschine geschrieben wurden. Hab den Satz vielleicht nicht ganz klar formuliert.
Kein Problem, habe die Romane von Farmer und Monteleone nur erwähnt, weil darin die Thematik der Dimensionstore und die Themenwelt älterer Literatur (Verne bei Monteleone, William Blake bei Farmer in "Welt der...) auftauchen. Was deine Frage angeht, so ist Wells der erste(wie bereits erwähnt), der eine Zeitreise mittels technischer Apparatur schildert. Bei früheren Geschichten geschieht dies meistens durch Träume(z.b. bei einer Story von Jack London), Unfälle u.ä.

Jorge
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Ungelesener Beitrag von Jorge » 5. März 2003 12:41

breitsameter hat geschrieben:
Anonymous hat geschrieben:P.J. Farmer
"Die Welt der tausend Ebenen"(The World of Tiers; 1965)
Knaur 5766 1983
Inhalt: Es geht um sog. "Taschenuniversen", die von ihren Erbauern(den "Lords") zum privaten Vergnügen erschaffen wurden, und die durch Dimensionstore betreten werden können.

"Das Tor der Zeit"(The Gate of Time; 1967)
Heyne 3144 1969
Während des zweiten Weltkriegs wird ein amerikanischer Bomber von einem deutschen Jagdflugzeug abgeschossen; trotzdem gelingt es dem Bordschützen, den Jäger ebenfalls abzuschießen: Die Überlebenden des Bombers und des Jägers gelangen beim Absturz durch ein "Tor" in eine andere Welt, wo am Ende der Geschichte auf die "Kriegsgegner" eine Überraschung wartet...

Thomas F. Monteleone
"Die Tore in der Tiefe"(The Secret Sea; 1979)
Heyne 4323 1986
Inhalt: Ein Student entdeckt ein altes Tagebuch, bei weiteren Nachforschungen entdeckt er Dimensionstore, durch die man in Welten gelangt, in denen die Erfindungen von Jules Verne Realität sind.
Das sind aber keine Zeitreise-Thematiken, sondern eher Alternativweltgeschichten.
Stimmt, ich habe die Romane wegen der Thematik der Dimensionstore erwähnt(obwohl bei allen noch ein bißchen Zeitreise dabei ist).

Scott
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Ungelesener Beitrag von Scott » 1. Januar 2004 14:20

Liebe Knechtschaft,

heute morgen lief im TV "Die Zeitmaschine" aus dem Jahre 1959 vom Regisseur George Pal. Mir hat diese Adaption von H.G. Wells Roman relativ gut gefallen.

Vor einigen Jahren lief ein Remake mit schicken Spezialeffekten im Kino, den ich mir aber nicht anschaute. Vorab meine Frage: Wie ist dieser Film? Das Creature Design scheint gelungen, denn die Maske wirkt sehr organisch.

Und warum trägt das Taschenbuch vom Dtv ein Bild von H.R. Giger (Dune)?


Gruß
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Ungelesener Beitrag von Ulrich » 1. Januar 2004 15:21

Scott hat geschrieben:Und warum trägt das Taschenbuch vom Dtv ein Bild von H.R. Giger (Dune)?
Zu den Morlocks würde das Bild passen, nicht jedoch zu der oberirdischen Welt der Eloi. Doch selbst für die Morlockwelt ist Giger etwas zu archaisch. Für uns ist das kannibalenhafte Verhalten der Morlocks grausam, sie haben jedoch Sinn für technische Feinheiten.

Das Cover als Sinnbild für eine düstere Zukunft.

Scott
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Ungelesener Beitrag von Scott » 1. Januar 2004 15:50

So habe ich das nicht gemeint. Es passt schon aus dem Grunde nicht, weil es eben ein Konzept für den Dune-Film war.
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Ungelesener Beitrag von Ulrich » 1. Januar 2004 15:57

Ich habe dich schon richtig verstanden. Ich wollte nur eine Verbindung zum Roman aufzeigen.

Frag doch mal beim DTV Verlag an.

Scott
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Ungelesener Beitrag von Scott » 1. Januar 2004 17:02

Die werden mir eh nicht antworten. Schon gleich nicht zu dieser Frage. Vielleicht fiel denen nichts besseres ein. Dabei ist der DTV doch so gut, hm.
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