Abt. Textverarbeitung - Die schönsten Übersetzungsschnitzer

Science Fiction in Buchform
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Frank Böhmert

Abt. Textverarbeitung - Die schönsten Übersetzungsschnitzer

Ungelesener Beitrag von Frank Böhmert » 19. Mai 2003 20:14

Hai, Leute!

Da will ich doch mal eine der beliebtesten Rubriken meines letzten Print-Fanzines WURMWELT im Rahmen dieses Forums wiederbeleben.

Heute folgender schöner Satz, offensichtlich mit der heißen Nadel gestrickt von einem guten Freund (tja, irgendwann wirds auch mich mal erwischen) und auch ohne Blick in das Original sofort rückübersetzbar:

"Etwas Mondänes wie einen Schrottplatz gibt es in Carmel nicht."

Dan Simmons, "Das Schlangenhaupt", aus dem Amerikanischen von Jörn Ingwersen

mundane - mondän. Tja. Hätte spätestens dem Lektor auffallen müssen, dass ein Schrottplatz nichts Mondänes, sondern eher etwas Profanes oder Banales haben sollte. Andererseits - gibt es bei Goldmann überhaupt noch Lektoren?

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Lensman
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:-(

Ungelesener Beitrag von Lensman » 19. Mai 2003 22:30

Hi!
Mein Lieblingsübersetzungsfehler:

J.R.R Tolkien "Der Herr der Ringe" in der Übersetzung von Wolfgang Krege. :kotzen:

Gruß!
Lensman
"Und nun, durch zwiefach Glas, sehe ich
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Jetzt mach' uns frei, an unserer Seite stehe,
den Hammer schwing, o Thor, und leih uns deinen Schild."
Gordon Dickson

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Ungelesener Beitrag von Kringel » 20. Mai 2003 07:00

@Lensman: Der Gag war gut. Der war RICHTIG gut.

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Frank Böhmert

Re: :-(

Ungelesener Beitrag von Frank Böhmert » 21. Mai 2003 11:04

Lensman hat geschrieben:Mein Lieblingsübersetzungsfehler: J.R.R Tolkien "Der Herr der Ringe" in der Übersetzung von Wolfgang Krege. :kotzen:
Hm. Zwar ein schöner Gag, ansonsten aber zweifelhaft. Ich meinte ja Schnitzer. An Kreges Neuübersetzung gefällt Dir aber anscheinend die Methode nicht.

Da wird es wohl so sein, dass Dein Herz an der alten deutschen Übersetzung hängt, Kreges Herz aber am Originaltext - das kollidiert dann natürlich.

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Ungelesener Beitrag von Kringel » 21. Mai 2003 11:11

Ich habe die Neuübersetzung in Auszügen gelesen und ich würde nicht behaupten, daß die sich am Originaltext orientiert. Gut - ein paar Passagen, die bei Carroux holprig oder umständlich waren, sind jetzt besser, aber diese Anbiederei an den vermeintlich heutzutage aktuellen Stil ist einfach unerträglich. "SIE" statt "IHR" zu schreiben ist IMHO Unsinn in einem Roman, durch den die Atmosphäre einer quasi mittelalterlichen Welt vermittelt werden soll. Das wäre aber nur ein kleines Detailbeispiel. Oder ziemlich am Anfang die Stelle, wo Gandalf ins Auenland kommt und die Hobbitkinder wg. seiner Rune rufen "G - das steht für g***!" (wobei die ausgesternten Buchstaben im Buch tatsächlich ausgesternt sind und wohl "geil" heißen sollen). Was für ein Blödsinn!

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Ralf Bodemann

Ungelesener Beitrag von Ralf Bodemann » 21. Mai 2003 12:42

Ein netter Übersetzungsfehler tauchte in der deutschen Version von Keith Roberts' "Pavane" auf. Leider finde ich die Stelle auf die Schnelle nicht, aber sinngemäß lauteten die Sätze etwa so:

"Schellfisch für den Bürgermeister! Austern für den König!"

shellfish = Schellfisch

Das ist so ähnlich wie mundane=mondän.

Einen anderen offensichtlichen Schnitzer fand ich in Robert Anton Wilsons "Die Illuminati-Papiere":

"Ein Satz ist stets größer als ein Teil dieses Satzes."

Dieser Satz taucht eindeutig im mathematischen Umfeld auf.
Und ich wette vieles dafür, dass im Original das Wort "set" stand.
Was im mathe-englisch so viel wie "Menge" bedeutet.
Die Aussage lautete also:
"Eine Menge ist stets größer als eine ihrer Teilmengen."

Ist doch immer wieder empörend (=emporhebend), wenn wir kleinen Leser den großen, fett bezahlten Übersetzern solche Schnitzer nachweisen können.

Gruß
Ralf

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Frank Böhmert

Lob und Bitte

Ungelesener Beitrag von Frank Böhmert » 22. Mai 2003 12:07

Schöne Schnitzer, Ralf. So etwas wünsche ich mir für diesen Thread. Kannst Du vielleicht noch die Übersetzernamen nachschieben?

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Ralf Bodemann

Einen ham wa noch!

Ungelesener Beitrag von Ralf Bodemann » 26. Mai 2003 09:58

Gerade am Wochenende entdeckt in Frederik Pohl "Jenseits des blauen Horizonts":

"Bewerbungs- und Gebrauchs-Nervenendorgane"

Ob die Bewerbung im Originaltext wohl "application" hieß?

Der "Täter" war in diesem Fall Tony Westermayer.

Gruß
Ralf

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Re: Einen ham wa noch!

Ungelesener Beitrag von Rusch » 26. Mai 2003 10:19

Einen habe ich auch zu bieten.
In einem von Robert Jordans "Rad der Zeit" Büchern. Protagonist denkt sich: "Seit stunden warte ich hier und starre auf diesen blutigen Tisch."
Dem Übersetzer war die übertragene Bedeutung des Wortes bloody nicht bewusst...

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Ralf Bodemann

Bloody Translators!

Ungelesener Beitrag von Ralf Bodemann » 26. Mai 2003 11:25

Rusch hat geschrieben: Dem Übersetzer war die übertragene Bedeutung des Wortes bloody nicht bewusst...
Dieser Person empfehle ich einen mindestens vierwöchigen Australien-Aufenthalt. Dann ist er ein "bloody expert" in punkto "bloody"-Bedeutungen.

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Re: Bloody Translators!

Ungelesener Beitrag von Rusch » 26. Mai 2003 12:11

Ralf Bodemann hat geschrieben:
Rusch hat geschrieben: Dem Übersetzer war die übertragene Bedeutung des Wortes bloody nicht bewusst...
Dieser Person empfehle ich einen mindestens vierwöchigen Australien-Aufenthalt. Dann ist er ein "bloody expert" in punkto "bloody"-Bedeutungen.
Ich versuche mich schon seit langem vorzustellen, wie dieser blutige Tisch aussieht. Eine ekelhafte schweinerei! :D

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Ungelesener Beitrag von Kringel » 26. Mai 2003 12:29

Muß wohl ein blutiger Anfänger sein - huch! Das kann man ja wirklich so schreiben!

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Gast

Ungelesener Beitrag von Gast » 5. Juni 2003 00:14

Hallo!

Habe mal in einer Rezension (SFTimes, "Was mache ich hier?") gelesen, dass der Übersetzer eines Bruce Chatwins Werkes das Wappentier der USA mit "Kahler Adler" wörtlich übersetzt hat. "Balded Eagle" ist der Weißkopfseeadler.
:lol: :lol: :lol: :lol:

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Ungelesener Beitrag von Bungle » 5. Juni 2003 01:07

Noch mal ich, diesmal angemeldet

Immer wieder stoße ich drauf: englisch "teutonic" wird wörtlich mit "teutonisch" übersetzt. Dabei müsste es "germanisch" heißen. Die Germanen heißen im Englischen nämlich "Teutons", also im etymologisch genau anders herum als im Deutschen. :lehrer:

Als Beispiel kann ich die Übersetzung von "Die Literatur des Grauens" von HP Lovecraft, der Übersetzer war Joachim Körber vorführen.

MB

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Ungelesener Beitrag von breitsameter » 5. Juni 2003 07:48

Bungle hat geschrieben:Als Beispiel kann ich die Übersetzung von "Die Literatur des Grauens" von HP Lovecraft, der Übersetzer war Joachim Körber, vorführen.
Warum wundert mich das jetzt nur nicht? 8)

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