Science Fiction am Ende?

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Christof

Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Christof » 5. Februar 2012 16:41

Wenn es schon einen Thread dazu gibt, bitte verschieben/löschen usw.

Bei Telepolis ist ein interessanter Artikel aufgetaucht. Dieser liest sich für mich sehr schlüssig und ich kann die Argument nachvollziehen und teilen.
http://www.heise.de/tp/artikel/36/36184/1.html

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agro
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von agro » 5. Februar 2012 16:54

Ein guter Artikel von Michael Szameit!
Lies das!

Guido Latz
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Guido Latz » 5. Februar 2012 16:59

Mir gefällt die Amazon Top 100 bei den eBooks. Was'n damit nicht in Ordnung?

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Thomas Wawerka
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Thomas Wawerka » 5. Februar 2012 17:01

Die kritisierten Tendenzen dürften sich aber, der Logik des Artikels folgend, nicht auf die SF beschränken, sondern müssten ein Phänomen auch in allen anderen Genres sein. Dass Fernsehserien die Ideen von Büchern oder auch großartigen Kinofilmen verwursten, war auch schon immer die Regel. Mehr Analyse und weniger Polemik hätten dem Artikel gut getan!

Gleichwohl kann ich den Zorn des Verfassers verstehen. Wenn man vom Verlag die Nachricht bekommt: "Bitte nur noch Fantasy!" ist das als SF-affiner Autor schon ärgerlich. Aber vielleicht ist der Ideenpool ja wirklich erstmal erschöpft. Das Genre hat immerhin bald 200 Jahre auf dem Buckel. Umfangreiche Versepen schreibt und liest schließlich auch keiner mehr ...
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Christof

Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Christof » 5. Februar 2012 17:05

@Guido Latz
Je nach Argumentationsstandpunkt gar nichts. Auch je nach Geschmack absolut nichts. Für mich ist z.B. PR ein absolutes no go. Sprich ich bin da nicht so begeistert, denn wenn man sich auf die Argumentation des Autor einlässt, ist das ein Trend der mir persönlich nicht zusagen würde. Ein PR Fan wird das sicher anders sehen und bewerten.

@Thomas Wawerka
Eigentlich sagt er ja auch das sich das auf andere Genre zeigt. Zumindest verstehe ich seine Argumentation so.
Am deutlichsten spiegelt sich der Zustand des Genres auf Bildschirm und Leinwand wider, aber die Fäulnis hat längst auch die SF-Literatur befallen: Die "Einschaltquoten-Mentalität" mit ihrer rigiden Beschränkung auf primitivste Mechanismen zur Hormonausschüttung hat auch die Literaturproduktion erobert. Nur wer das Gehirn des Zuschauers mit Adrenalin, Testosteron, Dopamin und ggf. Östrogen flutet, bekommt die Werbemillionen - der Neocortex ist nicht Ziel dieser Manipulation, da seine Aktivierung eher kontraproduktiv wirkt. Der Mensch soll nicht denken - er soll konsumieren.

Dass dieser (auch) durch den Quoten-Terror in den TV-Anstalten entstandene Trend schließlich die Lese-Gewohnheiten ebenso dominiert wie die Seh-Gewohnheiten, ist unausweichlich - obgleich Werbung und damit verbundene Quoten in der Literatur (zumindest in der Belletristik) noch keine Rolle spielen. Letzteres wird sich ohnehin ändern. Daran kann kein Zweifel bestehen. Und spätestens dann wird aus der Flut an geschriebener Trivialität, die bereits jetzt unerträglich ist, ein Tsunami der grenzenlosen Verblödung…

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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Guido Latz » 5. Februar 2012 17:09

Es geht ja "nicht nur" "gegen" RHODAN; das Problem ist doch nicht, dass es der SF scheinbar nicht gut geht (ich bin da gegenteiliger Ansicht), sondern dass eine spezielle Art der SF offenbar nicht ausreichend angeboten wird, zumindest aus Sicht des Autors. Da ist aber der Autor das Problem, nicht die SF, die angeblich nicht läuft.

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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Christof » 5. Februar 2012 17:14

Ich nahm PR einfach als Beispiel weil es eine Serie ist die in den Kindle Ebooks extrem massiv auftaucht.
Was dann dem Punkt
Hier wirkt verhängnisvoll der "Marktmechanismus", dass der Monopolist die Maßstäbe setzt: Der Kurs des von Ambition und Thema her radikal kastrierten Genres führt seit vielen Jahren schnurgerade in die tiefsten Niederungen der Trivialität. Die literarischen Trends folgen den von TV und Kino vorgegebenen Koordinaten widerstandslos.
einfach recht zu geben scheint. Ich nehme mich einmal nicht davon aus. Seine Argumentation bezüglich military SF ist ja auch eindeutig. Mit SF die gut geht ist es halt die Frage was ist gut laufen? Ich habe immer noch die Hoffnung das sich die Novis des nächsten Monats verbessern, aber irgendwie finde ich nichts was ich im deutschsprachigen Buchhandel kaufen möchte. Ich gehe in einen Thalia und finde nichts. Ich gehe in einen kleinen Buchladen(falls ich einen finde) und sehe noch weniger. Selbst eigentlich gut sortierte Bahnhofsbuchhandlungen bieten mir in Sachen SF oder auch Fantasy(für meinen Geschmack) seit Monaten nichts. Das ging so weit das ich die Tage aus Verzweiflung den neusten Vampirroman von MaryJanice Davidson gekauft habe. Dafür schäme und ärgere ich mich noch immer. Um polemisch zu sein, die Qualität hier könnte direkt ein Asht sein :kanone:
Zuletzt geändert von Christof am 5. Februar 2012 17:19, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von breitsameter » 5. Februar 2012 17:17

Mich wundert es, dass Michael Szameit diesen Artikel erst jetzt veröffentlicht - denn als sein Roman »Copyworld« nach der Wende erst einmal keinen Verleger fand, äußerte er bereits eine sehr ähnliche Kritik an der Entwicklung und dem aktuellen Stand der Science Fiction.
Michael Szameit hat geschrieben:Früher (und vor allem in der osteuropäischen SF) waren die Raumfahrer vor allem Entdecker und Forscher auf der Suche nach "Brüdern im All und im Geiste", von Neugier und Wissbegierde bis an den Rand des Universums getrieben, gewissermaßen mit einem Ölzweig im Schnabel - heute sind sie Eroberer, allerorten präsente Streitmacht oder Patrioten und Superhelden im Dienste irgendwelcher pseudoaristokratischer Weltherrscher, wachen in waffenstarrenden Festungen an den Grenzen des terranischen Imperiums mit Argusaugen und Rocky-Balboa-Fäusten darüber, dass kein Außerirder seinen käsigen Fuß über die Demarkationslinie setzt.
Ich weiß nicht, ob ich in den letzten zehn Jahren auch nur einen Roman gelesen habe, auf den die Beschreibung von Michael Szameit der derzeit aktuellen Science Fiction passt.
Michael Szameit hat geschrieben:Romane wie z.B. Jefremovs "Das Mädchen aus dem All" oder die von Jules Verne, Stanislaw Lem werden nie wieder geschrieben werden. Vermutlich würden mit heutigen Lesegewohnheiten infizierte Konsumenten militanter Mainstream-SF solche Werke kitschig und weltfremd nennen - und genau das ist das Problem: Diejenigen, die gerademal bis drei zählen können, diffamieren alles, was über drei hinausgeht…
Auch Romane wie »Hyperion« von Dan Simmons werden heute nicht mehr geschrieben. Auch kein »Ubik« mehr, kein »Man in the Maze«, kein »Stars my Destination«. Statt dessen werden aber neue Romane von neuen Autoren geschrieben, die keine Wiederholung der alten Themen darstellen – und neues ausprobieren und uns neue Ideen präsentieren.
Michael Szameit hat geschrieben:Heute sind an die Stelle der Weltentwürfe und kühnen Was-wäre-wenn-Gedankenexperimente, der Visionen und Prophezeiungen, der Aufklärung und Warnung billige Horrorszenarien getreten, die einzig und allein als Rechtfertigung für möglichst viele Ballerszenen herhalten müssen. Folgerichtig ist die Storyarchitektur derart simpel und linear, dass der Langeweile nur noch mit Reizüberflutung entgegengewirkt werden kann: Also noch mehr Ballerei, noch mehr Blutlachen, noch mehr Explosionen und Implosionen, Blitze, Feuer, Donnerhall…
Moderne Science Fiction ist nicht gleichzusetzen mit Military-SF. Dies ist eine Spielart, aber eben nur eine von vielen. Was ist mit Iain Banks, China Mieville, Nei Stephenson? Was ist mit hierzulande Andreas Eschbach, Michael Marrak und meinetwegen auch Uwe Post?
Michael Szameit hat geschrieben:Als wirklich gefährlich, mindestens jedoch hoch bedenklich, muss die zwischen den Zeilen oder auch explizit vermittelte Ideologie eingeschätzt werden: Die überwältigende Mehrheit der Produkte präsentiert in ihren - wenn auch nur fragmentarisch dargebotenen - Gesellschaftsstrukturen unverkennbar faschistoid-militante Tendenzen - und das nicht etwa kritisch mit der Intention, vor solchen Entwicklungen zu warnen, sondern klar euphemisierend oder gar idealisierend. Das Spektrum umfasst neofeudalistische Modelle mit ausgeprägtem Standessystem, alle denkbaren Spielarten von Diktaturen, Technokratien und andere elitaristische Herrschaftsformen. Nur Demokratie kommt selten vor. Sehr selten…
»Faschistoid-militante Tendenzen« - also diese Art der Kritik ist nicht neu (sie wurde in den Siebzigern geäußert) und heute genauso in der vorgebrachten Verallgemeinerung falsch wie damals.

Nein, die Science Fiction ist nicht am Ende. Sie verändert sich auf vielfältige Art und Weise - und das ist gut so.
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Guido Latz » 5. Februar 2012 17:18

Ich sehe da aber auch andere Verlage weit oben. Mit dem Monopolisten hat das erst mal nichts zu tun - auch andere dürfen gerne 8-10 eBooks einer Serie dort reinstellen, wenn das niemand macht, kann man VPM keinen Vorwurf machen, dass sie aufgrund der "Masse" auch entsprechend dort auftauchen. Wenn Bastei sagt, sie möchten nicht 190 Ausgaben STERNENFAUST rein stellen, dann ist das so, dann überlässt man den Platz anderen.

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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von breitsameter » 5. Februar 2012 17:19

Christof hat geschrieben:Ich nahm PR einfach als Beispiel weil es eine Serie ist die in den Kindle Ebooks extrem massiv auftaucht.
Was aber vor allem auch daran liegt, dass eine Heftromanserie wie PERRY RHODAN sich geradezu ideal als E-Book anbietet (Stichwort: Heftchen als Wegwerfprodukt), während viele Großverlage mit attraktiven E-Book-Angeboten nicht in die Gänge kommen.
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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Christof » 5. Februar 2012 17:22

@Guido Latz
Dann sind die 190 Ausgaben von Sternenfaust genau das gleiche wie ein PR. Als Punkt, Ian Banks taucht in den Top 100 erst auf Platz 99 auf. Das ist wohl einer der Punkte auf den Michael Szameit hinaus möchte.

@breitsameter
Schau dir mal die gedruckten Top 100 bei Amazon an. Das beschränkt sich nicht nur auf die Ebooks.
Zuletzt geändert von Christof am 5. Februar 2012 17:23, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Pogopuschel » 5. Februar 2012 17:23

Jetzt ist es wieder mal so weit. Der Untergang des Abendlandes steht kurz bevor. Ich kann dem Artikel nicht zustimmen. Abgesehen von seinem Frust, dass Agenten keine SF vermitteln wollen.
In puncto Serien scheint mir Michael Samzeit nicht ganz auf der Höhe der Zeit zu sein. Ob er mehr als nur ein paar Folgen von »Battlestar Galactica« gesehen hat? Den trotz des militaristischen Äußeren, hat die Serie weitaus mehr zu bieten. Die Inszenierung einiger besonders herausragender Folgen würde ich durchaus als poetisch bezeichnen.
Mir scheint, er hat auch nur diesen Tunnelblick, der nur Romane wahrnimmt, die mit dem SF Stempel in den SF-Programmen der Verlage erscheinen.
So wunderbar poetische Geschichten wie die von Cordwainer Smith wird nie wieder jemand schreiben. Für Poesie ist längst kein Platz mehr im eintönigen Gewitter aus Laserblitzen.
Ich bezweifel aber, dass er »Die Frau des Zeitreisenden« gelesen hat oder »Die Landkarte der Zeit« oder »Die Straße«. Auch was Filme angeht, hat die SF auch in jüngster Zeit einiges zu bieten: z. B. »Moon«, »Inception«, »Another Earth«, »Melancholia«, »Mr. Nobody« uvm. Ob Szameit diese Filme gesehen hat?
Im Romanbereich ist es sicher schwieriger geworden, Geld zu verdienen. Ob er seine Romane auch Kleinverlagen wie »Atlantis«, »Wurdack« und Co. angeboten hat?

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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Guido Latz » 5. Februar 2012 17:25

Szamait steht auf Platz 15. Hat doch geklappt.

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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von a3kHH » 5. Februar 2012 17:30

Christof hat geschrieben:Seine Argumentation bezüglich military SF ist ja auch eindeutig.
Sorry, aber das sind Vorurteile. Ich weiss das, hatte die früher selber. Ebenso wie die grundsätzliche Ablehnung von Vampir-Romanen und -Serien ist es falsch, die gesamte MilSF in einen Topf zu werfen. In beiden Subgenres gibt es einige sehr gute Sachen dazwischen.

Als Beispiel, das man vorsichtig mit einer grundsätzlichen Ablehnung eines Subgenres sein sollte, verweise ich hier auf die Warhammer 40.000-Romane von Ian Watson.

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Re: Science Fiction am Ende?

Ungelesener Beitrag von Christof » 5. Februar 2012 17:36

@a3kHH
Das Problem ist, es gibt gute Sachen dazwischen aber durch wie viel Mist muß man um auf sie zu stoßen. Wir können hier die Vampirromane nehmen. Ich habe durchaus einige davon in meiner Sammlung die mir gefallen haben. Aber viel öfters landet da ein Autor auf meiner nie wieder etwas von dem kaufen Liste. Und zumindest so verstehe ich die Argumentation von Szamait.

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