David Mitchell - "Knochenuhren"

Science Fiction in Buchform
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Uschi Zietsch
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Re: David Mitchell - "Knochenuhren"

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Es geht insofern um Holly, als sie die Einzige ist, die von Anfang bis Ende eine Rolle spielt, indem sie in allen Episoden vorkommt. Aber ihre Geschichte ist stets am Rande, abgesehen von dem ersten und dem letzten Kapitel, ansonsten sehen wir sie nur im Augenwinkel anderer Betrachter und erfahren zwischendrin mal was von ihrem Leben.
Je mehr wir darüber diskutieren, desto mehr halte ich es für Stückelwerk, Ausschnitte und Ausrisse aus vielerlei Geschichten und Themen, wobei alles nur angerissen, aber nie wirklich ausgeführt wird. Plötzlich ist das Ende herbeigeführt - wie bei dem alternden Schriftsteller - und nichts erwächst daraus. Vieles, was als Spannungselement erwähnt wird - wie in der zweiten Episode der Anruf der Agentin - findet nie wieder Anwendung oder Klärung. Alle dramatischen Ereignisse in Hollys Leben sind nur Randnotizen. Ihre Abtreibung - was erst ganz spät erwähnt wird -, der Verlust ihres Mannes, der Verlust ihrer Tochter, ihre eigene Erkrankung, ihr Buch ... man wird immer nur vor vollendete Tatsachen gesetzt, ohne sie je miterlebt zu haben. Das ist so viel Show, dass mir ausgerechnet Holly mit Ausnahme der ersten Episode völlig am Hintern vorbeigeht. Sie ist mir egal. Ihren Charakter als alte Frau in der letzten Episode bekomme ich vorgesetzt, ohne je ihre Entwicklung erlebt zu haben.

Das alles sind Dinge, die mich als Leser einfach nicht reizen können. Der einzige, der mir noch richtig im Gedächtnis geblieben ist, ist Crispin, alles andere habe ich schon ziemlich vergessen.
Und die Horologen finde ich im Nachgang doof, und umso doofer, wenn ihr meint, dass sie eigentlich überhaupt keine Rolle spielen. Da frag ich mich dann einfach: Äh, wozu das Ganze?

Episoden, die durch verbindende Elemente irgendwie zusammenhängen sollen, anhand eines Zeitabschnitts, der durch ein Menschenleben dargestellt wird. Stückelwerk mit wirklich guten Abschnitten.

Also im Nachgang heute und anhand eurer Ansichten: Mit Mitchell bin ich wirklich durch. Ich belasse es beim Wolkenatlas.
:bier:
Uschi
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