Walkaway - Cory Doctorow

Science Fiction in Buchform
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Knochenmann
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Walkaway - Cory Doctorow

Ungelesener Beitrag von Knochenmann » 7. Mai 2017 15:46

Neues Buch:

(Wieviele Bücher ich lese ist direkt abhängig davon wie weit der Weg zur Arbeit ist)

Bild

...das erste Buch für Erwachsene von Doctorow, der da davor nur Jugendbücher geschrieben hat.

...obwohl innhaltlich nicht viel anders ist: Es geht natürlich um Wirtschafts und um das was wir gerade haben (und das man nicht wirklich als Wirtschaftsystem bezeichnen kann).

Zur Stroy:

Ein gewisser Hubert usw. findest sich auf einer "communist party" wieder... obwohl er eigenlich viel zu alt ist (27) um Kommunist zu sein. (Zur Aufklärung: Auf einer "communict party" herrumzuhängen macht einem nicht zum Kommunisten, genauso wie eine Geburtstagsparty einem nicht zum Geburtstag macht)

Wie dem auch sei, wir bekommen einige politische Statements und Hugbert usw. Lebensgeschichte: der hat die letzen 3 Jahre damit verbracht Zeppeline zu bauen für die Superreichen.

Was den Naben von Hubert usw. angeht: der heißt: nämlich: "Hubert Vernon Rudoph Clayton Irving Wilson Alva Anton Jeff Harley Thimothey Curtis Cleveland Cecil Ollie Edmund Eli Wiley Marvin Ellis Espinoza" Hintergurng: Seine Eltern waren Internetaktivisten und wollten so gegen die Klarnamenpflicht protestieren.

Symphatisch das! Wenn ich an "Little Brother" denke: Da hatten wir einen superschlauen Overarchiver als Protagonisten der alles besser wusste als alle anderen und seine Eltern sowieso. Jetzt haben wir eine umkehrung: Das Kind von unsymphatischen Interneteltern, jemand der einfach nur irgendwie in der Welt zu recht kommen will und nicht die Ansprüche hat die Welt zu ändern. Much better.

Was das "Buch für Erwachsene" angeht: hier glänzt das Buch vor allem mit Fremdwörtern die ich noch nie gehört habe. "Little Brother war problemlose lesbar, hier aber stolpere ich in jedem zweiten Satz über ein Fremdwort. Bin mir ziemlich sicher das Doctorow das extra so hochgestochen formuniert haben weil ja "erwachsen". Ich weiß ja nicht.
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Re: Walkaway - Cory Doctorow

Ungelesener Beitrag von Knochenmann » 9. Mai 2017 15:43

10%

Drei Leute reden miteinander: Eine steinreiche Erbin die Geld verachtet, der komplett durchschnittliche Hubert und Seth, vom Charakter her der Happy Go Lucky Typ.

Viel mehr ist nicht passiert... aber die Gespräche sind natürlich interresant:

"Tragediy of the commons"... der tragische Umstand das gemeinnützige Güter immer von irgendjemand ausgenutzt wird, ist die Tatsache nur scheinbar nur Privatbesitzt dazu führt das Resurcen sinnvoll genutzt werden. Woraus folgt: Kapitalismus ist aus sich selbst herraus unfassbar hässlich und dumm, aber wohl alternativenlos... oder doch nicht? Ich hoffe das Buch liefert Antworten.

doctorow ist her alles und jedem schon wieder einen Schritt herraus (oder aber er hat seine Hand am Puls der Zeit, schwer zu entscheiden). Dinge die nicht gut wegkommen: Geld, Stifftungen, Unternehmertum, Anti-Unternehmertum, Kommunismus, Kapitalismus. Grundtenor: Alles scheiße, und zwar auf eine Art und weiße um die es zu beschreiben ist eine neue Sprache erfunden werden müsste.

Zur Welt selber: Das ganze spielt in einer Pseudozukunft... es gibt ein paar Technische Entwicklungen, es gab den Zeppelinboom... und die Sprache ist auf die "Walkaways" gekommen... das scheint eine Gruppe zu sein die irgendein Ding dreht, aber was genau, das weiß keiner.
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Re: Walkaway - Cory Doctorow

Ungelesener Beitrag von Knochenmann » 16. Mai 2017 03:02

30%

Das Buch teil sich in Teile, die auch so beschriftet sind. Anfang: drei Freunde treffen sich und beschießen "wegzugehen". Teil zwei: Man trifft sich in einer Taverne und redet über die Grundlagen der Walkaways.

Was die Tavernenhandlung angeht: hier bekommen wir auch Einsichten und Geschichten über die Begegnung zwischen den Walkaways und der sog. "Default Reality", also: der kapitalistisch / neoliberalen Welt, die wir unser zu Hause nennen (oder aus Sicht der Walkaways: Der groteske Sex- und Todeskult)

Ein weiterer Charakter wird eingeführt: Limpopo, die die Grundlagen der Walkaways erklärt: antihirachisch, pazifistisch (teilweise), anarchistisch, kommunistisch. Miktoprokution, Open Source, der ganze Scheiß. Geht gar nicht: Überwachung, Bewertung.

Die Tavernenhandlung gipfelt in einer feintlichen Übernahme: ein unfreundlicher Mensch ist mit der Art und Weise wie die Arbeit verteilt wird unzufrieden und will Gamification / Überwachung / Leaderborads. Die Walkaways machen das was sie immer machen: sie gehen woanders hin und bauen eine bessere Welt.

Beschreibung des Lebens bei den Walkaways: Jeder will [make a difference], und jeder austauschbar. Leben im Default: Du sollst keinen Unterschied machen und du bist überflüssig.



Nächster Teil der Handlung: ein paar Jahre in der Zukunft, die Walkaways sind inzwischen so organisiert das sie sogar schon Universitäten haben. Und sie werden angegriffen, von den "Zottas" aus der Default Reality... bei Zottas handelt es sich um die 0,0001% der Superreichen. Angegriffen werden sie weil sie etwas haben was die Zottas wollen (aber nicht für Geld kaufen könnnen): Unserblichkeit.

Zitierenwerte Sätze:
We can live like this is the first days of a better world, not like its the first pages of a Ayn Rand Novel
If a paycheck could change your life, do you think they would let you have one?
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Re: Walkaway - Cory Doctorow

Ungelesener Beitrag von Knochenmann » 22. Mai 2017 07:42

60%

Die "Unsterblichkeit" enpuppt sich als digitale Unsterblichkeit.

(Die genze Idee hat ultraviele Schwachstellen, ich rechne es Doctorow aber an das er seine Protagonisten diskutieren lässt)

Es gibt eine Entwicklung:
Das reiche Mädchen wird von ihrem Vater gekidnappt und soll umprogrammiert werden (weil sie ja offensichtlich mit Terroristen herumgehangen ist)
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Re: Walkaway - Cory Doctorow

Ungelesener Beitrag von Knochenmann » 26. Mai 2017 03:11

70%

Diese Sache mit der "Unsterblichkeit" geht mir immer mehr auf den Sack. Keine Ahnung was Doctorow da geritten hat... zum es macht das Buch inhaltlich schlechter und wird als fragwürdiges Plot Device benutzt.

Was die Sache mit der "Entwicklung" oben angeht: unclear wo das hinführt. Ich hoffe nicht das das der Climax des Buches ist, denn wenn so dann ist es ein schlechtes Buch.

Generell ist das Buch aber nur eine Ansammlung von Menschen die miteinander reden als allen möglichen Gründen und zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten.
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Re: Walkaway - Cory Doctorow

Ungelesener Beitrag von Knochenmann » 12. Juni 2017 13:01

Fertig

Wenn man so will dann wird in dem Buch eignedlich nur geredet.
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Re: Walkaway - Cory Doctorow

Ungelesener Beitrag von Fjunch-Klick » 12. Juni 2017 20:07

Wie bei Asimov früher?
Meine Angebote bei Booklooker - Ich nehm aber gern Angebote per PN an :)

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Re: Walkaway - Cory Doctorow

Ungelesener Beitrag von Knochenmann » 12. Juni 2017 21:25

Ja... ever Wenger Action.
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Re: Walkaway - Cory Doctorow

Ungelesener Beitrag von Knochenmann » 25. August 2017 12:00

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Re: Walkaway - Cory Doctorow

Ungelesener Beitrag von lapismont » 2. November 2018 13:57

So bin durch. Großartige SF!

Das Thema Unsterblichkeit verknüpft Doctorov mit Upload und quasi auch mit der Singularität. Ihm geht es tatsächlich eher darum, die damit verknüpften Probleme zu diskutieren. Teils direkt durch die Figuren aber auch durch die Erfahrungen, die sie machen. Ich fand das alles sehr inspirierend.

Hier mein Fazit:

»Walkaway« von Cory Doctorow ist vielleicht tatsächlich die große positive Utopie, die auf die Science Fiction, dem Posthumanismus und auf uns selbst ausstrahlen kann. Was Doctorow in die Zukunft denkt, ist so schmerzhaft wie notwendig. Manchmal endet die Postapokalypse eben einfach dadurch, dass man von ihr weggeht.

Meine Rezi im FG:

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