Gerade im Kino gesehen...

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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Badabumm » 25. November 2018 18:07

Das könnte ich auch über den "Hobbit" sagen. Hatten wir das in "Herr der Ringe" nicht bereits besser..?
Ich will keine englische Rangbezeichnung! :faint:

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lapismont
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von lapismont » 25. November 2018 18:40

Andreas Eschbach hat geschrieben:
25. November 2018 18:05
heino hat geschrieben:
24. November 2018 15:54
Phantastische Tierwesen 2

Schade, schade, da wäre mehr drin gewesen. Der Film brilliert auf der technischen Seite (ich habe noch nie so gutes 3D gesehen, aber die Handlung ist grottig und der Charme des ersten Teils ist fast komplett weg. Stattdessen haben wir hier eine plumpe Populismus-Allegorie mit zu dick aufgetragenem Melodram und einem Johnny Depp, der mal aufhören sollte, sich die Rollen nach der Menge der zu verwendenden Schminke auszusuchen. Der erste Teil war zwar nicht besonders gehaltvoll, aber das glich er mit viel Humor und Tempo aus. Der hier zieht sich wie Kaugummi und endet in einer zu simplen "Gut gegen Böse"-Schlacht, die zu simplifiziert daher kommt.

4 von 10 vertauschten Babys
Volle Zustimmung. Eine Leistungsschau der Film-Computer-Technik, aber die Story? Ein Böser, der die reinblütigen Magier an die Macht bringen will? Hatten wir das nicht schon mal, in 7 Folgen – nur besser? :nein:
Wobei wir in Familie überlegt haben, dass Grindelwalds Ziel, die Muggels davon abzuhalten, Krieg zu führen und Atombomben zu zünden, ja durchaus akzeptabel ist. Warum das aber das Ziel eines Bösen sein soll und warum die "Guten" das nicht ebenfalls wollen, blieb unklar.
Man kann einwenden, dass Grindelwald, die Muggels dafür töten und versklaven will. Okay. Aber als Bösewichtmotivation steckt da doch deutlich mehr drin, als der Film herausholte.

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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch » 25. November 2018 20:56

Badabumm hat geschrieben:
25. November 2018 18:07
Das könnte ich auch über den "Hobbit" sagen. Hatten wir das in "Herr der Ringe" nicht bereits besser..?
Ja.
Und ...?
:bier:
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Doop » 26. November 2018 06:32

Uns haben „Grindelwalds Verbrechen“ gut gefallen. Nicht meisterwerk-gut, aber ich mag die Helden, die wunderschöne Zaubererwelt und Depp hat mich nicht gestört. Nein, die Verrisse verstehe ich nichr.

Was Grindelwalds Motivation angeht: Die scheint mir doch arg vorgeschoben. Was das Argument „hatten wir das nicht schon vorher, dass der Bösewicht die reinblütigen Zauberer zur Herrschaft über minderwertige Muggel und Halbblute bringen will“? Ja, hatten wir. Aber in der wirklichen Welt treten die rassistischen Arschlöcher ja auch alle Jubeljahre aufs Neue auf, obwohl ihre Vorgänger gescheitert sind. Voldemort ist letztlich Grindelwalds geistiger Nachfolger.
„Ich habe [...] nichts gegen Filme ohne viel Handlung (z.B. Laberfilme von Rohmer), aber das Verhältnis zwischen Landschaftsmalerei, Dialog und Kawumm muss stimmen.“ (Badabumm, hier im Forum)

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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von heino » 26. November 2018 07:27

Doop hat geschrieben:
26. November 2018 06:32
Voldemort ist letztlich Grindelwalds geistiger Nachfolger.
Dazu kann ich nichts sagen, ich habe nur den ersten Film damals im Kino gesehen und mich danach nicht weiter dafür interessiert. Ich habe das aber so verstanden, dass Grindelwald seine hehren Ziele nur vortäuscht und eigentlich
einfach nur die normalen Menschen ausrotten will
Mir war das Ganze einfach zu plump und auch melodramatisch und die sympathischen Figuren aus Teil1 kamen mir hier deutlich zu kurz.
Lese zur Zeit:

George R.R. Martin - Das Erbe von Winterfell
Octavia E. Butler - Dawn

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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Gast09 » 8. Januar 2019 13:27

Der Jungs muss an die frische Luft
Gesehen und für Schön! befunden.
Der Film beschreibt die harmonische und glückliche Kindheit eines etwa 10-jährigen, leicht pummeligen Jungen in den frühen 1970-ger Jahren - zunächst in BOH, dann in RE. Er schildert die Geborgenheit seines Familienlebens, das gutartige Miteinander von Tanten, Onkeln, Großeltern und Nachbarn und nicht zuletzt das Liebesglück seiner Eltern. Zwar ist der Vater als Schreiner oft längere Zeit auf fernen Baustellen eingesetzt, seine Mutter aber managt alles oft singend und mit einem Lächeln auf den Lippen und kümmert sich rührend um ihre beiden Söhne.
Seine Freizeit verbringt der Junge in den damals auch schon existierenden Grünen Lungen des Ruhrgebietes oder einfach nur auf der Straße spielend mit anderen Kindern.
Der Junge singt sehr gerne und imitiert dabei Roy Black sowie Cindy & Bert. Er schafft es immer wieder, Menschen mit zum Teil selbst ausgedachten Grotesken zum Lachen zu bringen - auf einer Karnevalsparty erscheint er als Mädchen verkleidet und singt Zara Leander, seinen Auftritt in einer Schul-Theater-Aufführung in welchem er nur einen Satz sagen muss weitet er mutig und kreativ zu einem bejubelten Ereignis aus.
Der Film erzählt auch die Tragödie als seine Mutter
nach einer Routine-OP an den Nebenhöhlen feststellen muss, das sie ihren Geruchs- und Geschmackssinn dauerhaft verloren hat. Sie verliert dadurch ihre Lebensfreude. Der Film zeigt, wie sie verblüht. Zwar schafft der Junge es auch hier, herzliches Lachen zu erzeugen indem er Sketche aus KlimBim nachspielt, das aber kann nicht verhindern, dass seine Mutter zunehmend depressiv wird, schließlich eine Überdosis Schlaftabletten schluckt und neben ihrem Sohn im Bett
stirbt.
Der Film ist in sich geschlossen und endet mit dem "richtigen" Hans-Peter Kerkeling.
Alles in allem ist das ein sensibel gezeichneter, schöner Film. Wenn die Filmförderungen NRW, BY und BRB sowie der DFFF ihre Finanzmittel für derartige Projekte zur Verfügung stellen, dann ist alles gut.
Allein mir fehlt der Glaube, dass ein insgesamt unsportlicher Junge spontan so gut reiten kann, deshalb nur:
9/10 mit der Oma gebackene Marillen-Knödel
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Gast09 » 18. Januar 2019 19:12

Kalte Füße
Gesehen und für Herzerwärmend! befunden.
Ich beginne meinen kleinen Kommentar zu diesem Film mit annähernd den gleichen Worten mit denen ich meinen kleinen Kommentar zu meinem letzten gesehenen Film beendet habe: Wenn die deutsche (und in diesem Fall auch die Österreichische) Filmförderung ihre Geldmittel für derartige Projekte ausgeben, dann ist die Welt in Ordnung.
Auch hier stimmt nahezu alles. Heiner Lauterbach (ein Schauspieler, den wir gerne sehen) brilliert einmal mehr in der für ihn untypischen Rolle eines Schlaganfall-Patienten; ein grummeliger, ewig nörgelnder Rentner auf einem Landsitz irgendwo in Niederösterreich. Er verdirbt es mit jedem was dazu führt, dass er nach einem Schlaganfall auf sich allein gestellt ist.
Seine Enkelin, mit der er es vor 10 Jahren ebenfalls verdorben hat, erklärt sich widerstrebend bereit etwa 2 Tage Überbrückungszeit bis zum Eintreffen des professionellen Pflegers im Haus ihres Großvaters zu verbringen. Als sie eintrifft erwischt sie einen Einbrecher auf frischer Tat. Sie hält ihn jedoch für den sehnlichst erwarteten Pfleger.
Das hat doch Potenzial, oder?
In der Tat, das hat es. Und sie verschenken nicht ein einziges Partikel davon; nicht eines. Alles stimmt. Und das was nicht stimmt, das wird weggeblinzelt. Mehrere schöne innere Geschichten, z.B. der Großvater der
die Situation sofort durchblickt sich aber wg seiner neurologischen Ausfälle nicht artikulieren kann, irgendwann aber geläutert wird und keineswegs so ruppig ist wie er die letzten Jahre getan hat und tatsächlich nach Entdeckung zurückgehaltener Geburtstagsgeschenke aus einem Jahrzehnt
eine neue Beziehung zu seiner Enkelin aufbaut, die Polizistin und der Einbrecher die wirklich perfekt zueinander passen (die Casting-Leiterin heißt Tolkien mit Nachname; der Name ist Programm) und auch die Situation innerhalb der Familie der Einbrechers werden sehr sensibel und mit einem leisen intelligenten Humor gezeichnet.
Ein schöner Film der es einem Warm ums Herz werden lässt.
Ich bin heute mal gut drauf, deshalb tatsächlich:
10/10 mit Wochentagen beschriftete Unterhosen.
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Shock Wave Rider » 27. Januar 2019 09:23

Colette
 
Der Film deckt etwa die Jahre 1890-1903 ab, die Beziehung und Ehe der jungen Sidonie-Gabrielle Claudine Colette aus Burgund mit dem Pariser Verleger Willy. Er zeigt die Entwicklung von einem Mauerblümchen, das als Ghostwriter für ihren Mann arbeitet, zu einer selbstbewussten, talentierten jungen Frau, die, anders, als es das Rollenbild der "Belle Epoque" vorschreibt, ihre eigene Persönlichkeit und Talente als Schriftstellerin und Varietetänzerin entfaltet und ihre lesbischen Neigungen auslebt. Der Film endet mit der Scheidung von Willy, der sie in ihrer Ehe permanent betrogen und ausgenutzt hat.
 
Der FIlm beruht auf historischen Fakten. Aber sicher sind viele Details für die Dramaturgie zurecht gebogen bzw. hinzu erfunden worden. Es bleibt ein gut inszenierter Film mit einem durchgehenden Spannungsbogen. Keira Knightley zeigt sich in Hochform: In "Colette" kann sie alle Register ihres Könnens ziehen. Dabei hilft ihr Dominic West, dessen "Willy" einen Antagonisten bietet, an dem sie sich hervorragend abarbeiten kann. Positiv wirkt sich aus, dass der Film nur eine begrenzte Spanne von Colettes langem und auch in späten Jahren ereignisreichen Leben abdeckt. So kann er sich den Geschehnissen dieser Zeit intensiv widmen und die Pariser "Belle Epoque" zu neuem Leben erwecken.
 
Bewertung: 9 von 10 Damen in Herrenanzügen 
 
Gruß
Ralf
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von andy » 5. Februar 2019 12:27

Glass

Nach Unbreakable und Split versucht M. Night Shyamalan seine Reihe rund um Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zum Abschluss zu bringen. Das gelingt ihm meiner Meinung nach nur durchschnittlich gut. Die Hauptfiguren der beiden ersten Teile treffen in einer geschlossenen Anstalt aufeinander. Hier versucht eine Psychologin sie davon zu überzeugen, dass sie keine übermenschlichen Fähigkeiten haben, sondern dass es für alle Ereignisse wissenschaftliche Erklärungen gibt.

Mein Problem mit dem Film ist das missglückte Setting in dem Hochsicherheitstrakt, in dem die drei Gefangen gehalten werden. Das wirkte dilettantisch. Ich erwarte keinen Dokumentarfilm über den Umgang mit potenziell gefährlichen Menschen, aber hier passte nichts zusammen: unfähige Wärter, nicht vorhandene Sicherheitsprotokolle. Die Leute spazierten da rein und raus wie in einer Kurklinik. Das ganze war dadurch reichlich unspannend. Auch die Motivation der Beteiligten war mir nicht klar:
Die Zuneigung des Opfers aus Split ging mit etwas zu weit.
James McAvoy macht das immer noch gut mit der Darstellung der vielen Persönlichkeiten. Es nutzt sich nur ab im Laufe des Films.

Aber:
Der Twist am Ende mit der Geheimorganisation, die seit Jahrtausenden Superhelden jagt war schon interessant.
In Summe für mich ein durchwachsener Kinoabend.

06 von 10 Persönlichkeiten.

Andy

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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Gast09 » 5. Februar 2019 15:04

Green Book
Gesehen und für Genial! befunden.
So dieses "Freundschafts-Thema" ist eigentlich nicht so mein Ding. Insofern bin ich mit einer doch erheblichen Zurückhaltung ins Kino; einer Zurückhaltung, die bereits nach 10 Sekunden von mir abfiel. Das was da auf der Leinwand passiert, ist von Anfang bis Ende einfach nur genial.
Viggo Mortensen (seit A History of Violence ohnehin einer meiner Top-Ten) brilliert in jeder Szene (hier deutlich gealtert und mit mindestens 20kg Übergewicht) und auch sein Counterpart Mahershala Ali ist einfach nur toll. Auch Linda Cardelli (die Film-Ehefrau von Viggo) überzeugt einfach immer.
Worum geht es?
Viggo spielt Tony, den Rausschmeißer einer Bar (er selbst nennt sich "Fachkraft für Öffentlichkeitsarbeit"). Er macht den Job gerne und gut und ist auch sonst weit vernetzt. Als die Bar für mehrere Monate wg Renovierung geschlossen wird, benötigt Tony einen Job um seine Familie (Ehefrau und zwei Söhne) ernähren zu können. Er findet diesen Job als Chauffeur des dreifach promovierten farbigen Klavier-Virtuosen Dr. Don Shirley.
Dieser macht eine Tournee durch die Südstaaten; ein Unterfangen welches für einen Farbigen im Jahre 1962 nicht einfach ist. Das Titel-gebende Green Book ist nicht mehr und nicht weniger als ein Hotel- und Gaststättenverzeichnis von Südstaaten-Locations in welche auch Schwarze einkehren können.
Genug bis hier. Der Film generiert seine Genialität u.a.aus den Gegensätzen der Protagonisten: einerseits der einfache und vllt sogar etwas tumpe, aber gleichwohl Straßen-erfahrene und verschlagene Weiße, andererseits der distinguierte akademisch gebildete aber im Real-Live eher unerfahrene Schwarze.
Nahezu jede Szene ist sehenswert, egal ob es um Verhalten in einer Bar geht oder beim Pfandleiher.
Der Film ist für den Oscar nominiert, nicht nur als "Bester Film", sondern noch mehr. Ich kann das in jeder Hinsicht nachvollziehen. Kaum noch drei Wochen, dann werden wir es wissen.
Es lohnt sich, während des Abspanns sitzen zu bleiben denn dort wird auf die wahre Story von Tony und Don eingegangen und erklärt, wie es weiter gegangen ist.
Ein in jeder Hinsicht gelungener Kinobesuch.
10/10 KFC-Riesenportionen.
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Gast09 » 11. Februar 2019 17:23

Womit haben wir das verdient
Gesehen und für Verdienstvoll! befunden.
Der Film widmet sich einem Thema, welches Eltern von pubertierenden Kindern (insbes. Töchtern) gut kennen und leistet verdienstvolles darin, dies schonungslos darzustellen: das ehemals süße Kind entwickelt eine Persönlichkeit und dies in eine Richtung die die Eltern nicht verstehen und deshalb ablehnen. Hier folgende, durchaus aktuelle Variante: Die 16-jährige Tochter aus gutem Hause (beide Elternteile sind Klinik-Oberärzte in Wien) konvertiert zum Islam.
Und los geht's. Der Film ist oftmals kaum mehr als ein Kammerspiel; die wichtigsten Handlungsstränge vollziehen sich am gemeinsamen Esstisch. Insbesondere in diesen Passagen muss dieser Film den Vergleich mit: Der Vorname, August in Osage County, Frau Müller muss weg, The Diner und sogar Der Gott des Gemetzels nicht fürchten - es geht mächtig zur Sache. Die Familie (eine wg Scheidungen und Neukontakten überaus verzweigte Angelegenheit) droht gänzlich zu zerbrechen. Aber die Hauptperson gibt nicht auf. Sie ist stark, sie zieht das durch - auch diese Art der Darstellung ist überaus verdienstvoll.
Der Film ist keine Komödie, er trägt eher Elemente einer Tragödie in sich. Beides jedoch pendelt sich aus - insbes. gibt es keine Plattitüden oder Schenkelklopfer, auch dies ist verdienstvoll. Der Film bietet ab und an subtile Kritik an der deutschen Flüchtlingspolitik unter der ja auch Österreich zeitweise gelitten hat. Ansonsten aber ist der Film unpolitisch und auf den familiären Mikrokosmos fokussiert.
Noch drei Sätze:
Die Filmmusik erinnert sehr an John Powells Musik zu Mr. and Mrs Smith.
Der Film zeigt deutlich das eingeschränkte Sichtfeld bei Vollverschleierung.
Piefkes ist das in Österreich gerne benutzte Schimpfwort für die Deutschen.
8/10 rituellen Waschungen im elterlichen Badezimmer welches dann nicht mehr von einem Mann benutzt werden darf
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Gast09 » 13. Februar 2019 21:26

Bohemian Rhapsody
Jetzt auch gesehen und für Authentisch! befunden.
Die Produzenten haben alles richtig gemacht. Sie haben zur Beschreibung des Lebens- (und Leidens-) Weges ihres homosexuellen Hauptdarstellers einen Regisseur engagiert, der auch homosexuell ist. Deswegen kommt es alles gut rüber, ist immer authentisch und auch für die Mehrheit der nicht homosexuellen Zuschauer in jeder Sekunde nachvollziehbar.
Ich habe die Musik von Queen nie besonders gemocht. Wenn meine Recherche korrekt ist, dann haben sie mehr als 10 Schallpatten veröffentlicht mit also insgesamt fast 100 Musikstücken voller Queen-Gejaule. Der Film scheint auch meiner Meinung zu sein, denn er negiert diese 100 Stücke und bringt nur die wenigen Songs, die wie alle kennen und die das Phänomen "Queen" ausmachen. Er endet mit der kompletten Live-Aid-Performance von Queen im alten Wembley-Stadion und zeigt, wie absolut besessen Freddy von seiner Musik ist, wohl wissend, dass er unheilbar krank ist.
Der Film ist gut, er ist authentisch und wertvoll; eine Dokumentation des Zeitgeistes. Er zeigt uns die Innereien erfolgreicher Menschen wie sie Gefahr laufen, von ihrem Erfolg aufgefressen zu werden. Und er zeigt die innere Qual eines Menschen der erkennt, dass er die Schönheit neben sich im Bett nicht wirklich lieben kann. Ein Segen nur, dass sie das Gejaule ausgeblendet haben. Sie werden schon wissen, warum.
Der Film hat einige wenige Längen, deshalb nur
9/10 Queen-gerechten Hahnen-Schreien
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PS: Der Hahn kräht: Gallileo - Gallileo

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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von heino » 14. Februar 2019 07:31

Gast09 hat geschrieben:
13. Februar 2019 21:26

Die Produzenten haben alles richtig gemacht. Sie haben zur Beschreibung des Lebens- (und Leidens-) Weges ihres homosexuellen Hauptdarstellers einen Regisseur engagiert, der auch homosexuell ist.
Ob das die richtige Entscheidung war, ließe sich anhand der schon seit Langem gegen Singer bestehenden Vorwürfe trefflich diskutieren:

https://www.dailywire.com/news/43338/br ... -paul-bois
Lese zur Zeit:

George R.R. Martin - Das Erbe von Winterfell
Octavia E. Butler - Dawn

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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Gast09 » 18. Februar 2019 20:49

Sweethearts
Gesehen und für Verbesserungswürdig! befunden.
Nicht verbesserungsfähig sondern verbesserungswürdig. Der Film ist es wert, verbessert zu werden. Karoline Herfurth (hier im Genre ja nicht ganz unbekannt) zeigt was sie kann - und das ist eine ganze Menge. Sie kann gut singen, sie kann gut tanzen, sie kann gut schauspielern und sie macht eine gute Arbeit als Regisseurin. Aber all das zusammen hat sie vllt auch ein wenig überfordert. Worum geht's?
KH spielt Franny, eine von Selbstzweifeln und Panik-Attacken gequälte kleine Büro-Angestellte. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände gerät sie in das Fahrwasser eines dilettantischen Raubüberfalls und wird als Zufallsgeisel genommen. Die Gangsterin (Hannah Herzsprung als Mel) will die erbeuteten Juwelen ihrem Hehler zuführen, was jedoch durch eine extreme Franny-Panik-Attacke verhindert wird. Was bleibt ist die überstürzte Flucht.
Mel und Franny könnten gegensätzlicher kaum sein: auf der einen Seite die taffe Gangsterin, auf der anderen Seite die weinende und kotzende Franny. Als sie auch noch die Polizei auf den Fersen haben, geht alles schief. Gleichwohl: Die beiden freunden sich an.
OK, der Plot kommt uns vermutlich irgendwie bekannt vor: Orpheus und Euridike? Jaques Offenbach? Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs Stone? Stockholm-Syndrom? Gleichwohl - er bietet eine neue interessante Variante dieses Themas insbes. nachdem ein Polizist als zweite Notgeisel genommen werden muss.
Karoline Herfurth ist nicht die dominierende Person, sie hält sich angenehm zurück; das ist sehr erfrischend, gibt es doch viele Beispiele in denen die Regie führenden Hauptdarsteller keine anderen Götter neben sich zulassen, bestes Beispiel: Til Schweiger.
Trotz des Engagements von Karoline und Hannah ist dieser Film kein Frauen-Film und wurde auch nicht entsprechend vermarktet; die auf dem Filmplakat gezeigte Einstellung kommt im Film nicht vor und auch der Titel ist irreführend: Sweethearts sind sie zu keinem Zeitpunkt.
Trotzdem:
Der Film hat potenzial. Alle Charaktere sind klar und eindeutig gezeichnet, die Handlung ist zwar oftmals eher … na ja … sagen wir: "hart an der Grenze zur Absurdität" aber das kann ja als dramaturgische Schleifen durchaus auch gewollt sein, wenn ich es denn positiv sehe.
Insgesamt ist alles ganz ordentlich. Vieles hätte besser sein können, besser sein müssen. Der Film hätte das verdient. Es wird ihn nicht lange in den Kinos halten; wir waren alleine im Saal.
Verbesserungswürdig.
Und deswegen
7/10 extrem symbolträchtigen blauen Zahnbürsten
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Re: Gerade im Kino gesehen...

Ungelesener Beitrag von Gast09 » 3. März 2019 21:30

Hard Powder
Gesehen und für Lustig! befunden.
Echt jetzt? Lustig?.
Ja. Echt jetzt, lustig.
Der Film ist eine sehr feinfühlige in der OV sicher noch intelligentere Komödie die ihre komödiantischen Elemente aus der Übertreibung zieht. OK, einverstanden: habe ich nicht erwartet und lässt der Trailer auch nicht vermuten.
Worum geht es?
Der Film spielt in Kehoe, einem kleinen, tief verschneiten Wintersport-Ort in Colorado. Kyle Coxman (unbekannter Schauspieler) ist Gepäckfahrer am dortigen Airport. Irgendwann ist er der Meinung, einen Koffer klauen zu müssen nicht wissend, dass sich darin mehrere kg Heroin befinden - eine äußerst unkluge Aktion welche seinem weiteren Lebensweg nicht förderlich ist. Die Ehe seiner Eltern, gespielt von Liam Neeson (bekannter Schauspieler) und Laura Dern (bekannte Schauspielerin) geht in die Brüche und Coxman Senior (Liam Neeson; bekannter Schauspieler) beginnt seinen in etlichen Filmen vorher geübten Rachefeldzug; 10 kleine Negerlein (falls man sowas heutzutage überhaupt noch sagen darf).
Es hat, nicht nur bei mir sondern auch bei den anderen etwa 30 Zuschauern, etwa 1/2h gedauert bis alle gemerkt haben, dass das was da auf der Leinwand passiert nicht wirklich ernst gemeint sein kann. Der Film schaltet um auf eine satirisch überzogene Absurdität, unterstützt durch eingeblendete Todesanzeigen mit Symbol der jeweiligen Religionszugehörigkeit.
Der Film ist flott, ohne Längen und mit einem wie immer routiniert auftretenden Liam Neeson der sich so manchen Kommentar über seine in einem früheren Leben als nord-irischer Boxmeister mehrmals gebrochene Nase anhören muss.
Der Regisseur Hans Petter Moland hat einfach seinen früheren norwegischen Film nochmal gedreht und dabei Emmy Rossum (leider unbekannte Schauspielerin, hier im Genre nur 1x markant aufgetreten) wieder in einen abendfüllenden Film geholt.
Der US-amerikanische Sprachwitz kommt in der deutschen Übersetzung nicht rüber. Alleine der Name Coxman ist satirisch überhöht und eine in der deutschen Fassung eher unbedeutende Szene mag sich in der OV etwa wie folgt anhören:
(4 Indianer an der Rezeption eines Hotels.)
Do you have Rooms?
Do you have a Reservation?
Die Cohen-Brüder haben sich mit Fargo vor Jahren schon auf ähnlichem Terrain bewegt. Dieser Film muss den Vergleich nicht scheuen.
Die Namen im Abspann erscheinen nicht In Order of Appearance, sondern In Order of Disappearance welches der Titel des ursprünglichen norwegischen Film ist.
8/10 Gute-Nacht-Geschichten aus einem Betriebshandbuch für den Schneepflug
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