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Orion - die letzte SF-Serie aus dem 70ern?

Verfasst: 24. Januar 2006 13:14
von Shock Wave Rider
Auf Telepolis habe ich einen Artikel von Rudolf Stumberger entdeckt:
Die Umzüge des Kommissars
Untertitel: Mord ist in unserer Gesellschaft die einzige verbleibende Sinninstanz

Den Artikel selbst finde ich nicht sonderlich ergiebig.
Nett ist aber der erste Absatz:
Rudolf Stumberger hat geschrieben:Es scheint also eine bleibende Nachfrage nach dieser Art erfundener Geschichten aus dem Bereich der Kriminalität zu geben. Mehr jedenfalls als nach anderen Genres der populären Unterhaltung, wie zum Beispiel die technische Utopie. Die letzte und einzige (?) Science-Fiction-Serie des (west)deutschen Fernsehens war wohl die legendäre "Raumschiff Orion"-Serie aus den 1970er Jahren. Jedenfalls behauptet sich der "Krimi" erfolgreich, wo andere ehemals populäre Genres längst abgestorben sind - z.B. der Heimatfilm oder der Western - oder durch neue "Formate" wie "Big Brother" oder Ekelshows mit Kakerlaken abgelöst wurden.
Any comments? :wink:

Gruß
Ralf

Verfasst: 24. Januar 2006 13:22
von Kringel
Wenn man mal davon absieht, daß "Orion" aus den Sechzigern ist und nicht aus den Siebzigern...

EDIT: Außerdem paßt das nur, wenn man sich auf deutsche Produktionen beschränkt. SF-Serien aus USA gibt es ja zuhauf. Was vielleicht auch eine Erklärung dafür ist, daß es so wenige davon aus Deutschland gibt.

Verfasst: 24. Januar 2006 13:29
von Shock Wave Rider
Kringel hat geschrieben:EDIT: Außerdem paßt das nur, wenn man sich auf deutsche Produktionen beschränkt. SF-Serien aus USA gibt es ja zuhauf. Was vielleicht auch eine Erklärung dafür ist, daß es so wenige davon aus Deutschland gibt.
Und wenn man die These des Autors zugrunde legt, heißt das wiederum, dass Amerika noch nicht so kapitalistisch durchseucht und damit so sinnentleert ist wie Deutschland.

Ich sach ja: Von dem Artikel halte ich nicht viel...

Gruß
Ralf

Re: Orion - die letzte SF-Serie aus dem 70ern?

Verfasst: 24. Januar 2006 13:57
von breitsameter
Shock Wave Rider hat geschrieben: Nett ist aber der erste Absatz:
Rudolf Stumberger hat geschrieben:Die letzte und einzige (?) Science-Fiction-Serie des (west)deutschen Fernsehens war wohl die legendäre "Raumschiff Orion"-Serie aus den 1970er Jahren. Jedenfalls behauptet sich der "Krimi" erfolgreich, wo andere ehemals populäre Genres längst abgestorben sind
Any comments? :wink:
Ein leider typischer Telepolis-Artikel: schlecht recherchiert, dürftig argumentiert. »Das blaue Palais« scheint der Herr auch nicht zu kennen. Aber klar - dafür hätte man sich ja hinsetzen müssen und etwas Recherche betreiben. Da ist es doch leichter Argumente einfach mal in den leeren Raum zu stellen...

Re: Orion - die letzte SF-Serie aus dem 70ern?

Verfasst: 24. Januar 2006 14:09
von Kringel
breitsameter hat geschrieben:»Das blaue Palais« scheint der Herr auch nicht zu kennen.
Es ging - glaube ich - eher um Neuproduktionen und Wiederholungen, die aktuell im TV laufen, nicht um die Frage, welche (deutschen) Produktionen es überhaupt gibt. Oder irre ich mich? Ich verstehe diese komplizierten Telepolis-Artikel immer so schlecht... :wink:

Verfasst: 24. Januar 2006 14:22
von Ronni
außerdem sind inzwischen viele SF-TV-Serien internationale Produktionen, manchmal auch mit deutscher Beteiligung. Lexx fällt mir da z.B. ein.

Gruß Ronni

Re: Orion - die letzte SF-Serie aus dem 70ern?

Verfasst: 24. Januar 2006 14:47
von gernot1610
breitsameter hat geschrieben: ... »Das blaue Palais«
... ja, das hab ich geliebt, ob mir's heute noch gefallen würde? Gibt's das auf DVD?

Verfasst: 24. Januar 2006 15:40
von Kringel
Nur auf VHS, ist unter diesem Link aber nicht erhältlich.

Verfasst: 24. Januar 2006 15:45
von Knochenmann
Shock Wave Rider hat geschrieben: Und wenn man die These des Autors zugrunde legt, heißt das wiederum, dass Amerika noch nicht so kapitalistisch durchseucht und damit so sinnentleert ist wie Deutschland.
Huch! Politisch ist die SF doch viel mehr dem Kapitalismus zuzuordenen als den Sozialismus! Die Romantik ist doch ein Wesenszug den besonders liberale Denkmodelle von der Kunst einfordern - und was könnte romantischer sein als SF?

Verfasst: 24. Januar 2006 15:53
von Stefan Hoffmann
Öhm, wenn man sich anschaut, daß der Verfasser im Grunde auf die gesamte SF als "Genre der populären Unterhaltung" abzielt und dieses dann auf Visuelles->Fernsehen->Serien->Deutsche Serien (West) verengt, da wird einem ja ganz schummerig. :)

Übrigens gibts auch noch genügend Heimatfilme und hat nicht gerade erst mit "Brokeback Mountain" ein (ja ja, ein "schwuler") Western 4 Golden Globes abgestaubt?


Stefan, der nicht so richtig scharf auf den Rest des Artikels ist

Re: Orion - die letzte SF-Serie aus dem 70ern?

Verfasst: 24. Januar 2006 16:29
von Oliver
breitsameter hat geschrieben:Ein leider typischer Telepolis-Artikel: schlecht recherchiert, dürftig argumentiert.
Ack. Ich finde ihn sogar regelrecht gräßlich.

Die "Genre-Trends", die der Autor da entdeckt, sind doch an den Haaren herbeigezogen. Das Krimi-Genre bommt im TV und auf dem Buchmarkt doch nicht erst seit gestern, das ist ein jahrzehntelanger Trend.
Der Heimatfilm ist keinesfalls tot, sondern lebt in TV-Serien weiter. Das entsprechende Publikum sieht sich sowas halt nicht mehr im Kino an, sondern bleibt zu Hause.
Der Western lebt, urbanisiert, ebenfalls weiter; vor 40 Jahren hätten Vin Diesel & co. halt Cowboyhüte aufgehabt.
Und die Kapitalismuskritik des Autors..puh. :roll:
Der letzte Absatz liest sich dann sogar, gerade für einen Telepolis-Autor, ausgesprochen spießig. 8)

Re: Orion - die letzte SF-Serie aus dem 70ern?

Verfasst: 25. Januar 2006 20:42
von Doop
Rudolf Stumberger hat geschrieben:Es scheint also eine bleibende Nachfrage nach dieser Art erfundener Geschichten aus dem Bereich der Kriminalität zu geben. Mehr jedenfalls als nach anderen Genres der populären Unterhaltung, wie zum Beispiel die technische Utopie. Die letzte und einzige (?) Science-Fiction-Serie des (west)deutschen Fernsehens war wohl die legendäre "Raumschiff Orion"-Serie aus den 1970er Jahren.
Herr Sturmberger verwendet eine Menge Begriffe, die er nicht zu verstehen scheint. Einer ist "technische Utopie", der andere "Science Fiction" . Er scheint beides gleichzusetzen und ordnet dann (fraglich) "Raumpatrouille " der technische Utopie zu. In meinen Augen ist das doch wohl eher Space Opera gewesen. "Das blaue Palais" wird selbstverständlich ignoriert.

Der Punkt ist doch wohl folgender: Den Bedarf an Space Operas decken die amerikanischen Produzenten, da die Produktionskosten für solche Serien deutsche Verhältnisse um ein vielfaches übersteigen. Die Amerikaner adressieren ihren eigenen Markt (auf dem durch die Werbeeinnahmen gutes Geld verdient werden kann) und dann den Weltmarkt. Die Kosten für "Derrick" bekommt man in Deutschland vielleicht noch über die Gebühren herein, oder die Kosten für -sagen wir mal- "Alarm für Kobra 11" über die Werbung in Deutschland. Ein Export nach China oder Simbabwe ist vielleicht ein nettes Zubrot, reicht aber nie im Leben, um die Kosten für eine konkurrenzfähige, gute SF-Serie wieder hereinzuholen.

Nun könnte man sicher eine SF-Serie für wenig Geld produzieren, die ohne Special Effects auskommt. Also etwas für Intellektuelle wie uns im Forum. Das Problem ist halt, dass arte keine eigenen Serien produziert und "wir" für die Privatsender ein zu kleiner, elitärer Kreis sind. Das rechnet sich hinten und vorne nicht.

Zusammenfasssend kann man also feststellen, dass für intellektuelle SF ohne FX der Markt tatsächlich zu klein ist und für effektgeladene "klassische" SF ist der deutsche Markt zu klein, selbst wenn die Quote bei 70% läge. Daher importiert man. Und das ist doch auch gut so. Oder möchte wirklich jemand von uns, dass die Autoren von "Unser Pfarrer, der Förster: Alarm im Helikopter" sich an SF versuchen.... Da gucken wir doch gerne Galactica, Lost, Babylon 5, Star Trek....

Verfasst: 26. Januar 2006 07:26
von Kringel
Oh mein Gott - mir schwebt gerade eine SAT 1 - Eigenproduktion des Titels "Es waren Aliens - und ein Dorf schweigt" oder so vor. Mit Yvonne Catterfeld als Ober-Alien, Ottfried Fischer als UFO-Forscher, dem niemand glaubt, und der Biedermann als Stehrumchen, das sich in regelmäßigen Abständen unmotiviert auszieht. Nein, dann doch lieber ab und zu eine Wiederholung von "Das Millionenspiel" usw.!

Bei den Serien wurde aber EINIGES vergessen. Wie wäre es mit "Die Mädchen aus dem Weltraum", "Der Junge vom goldenen Stern", "Robinzak"? Um nur wenige zu nennen?

Verfasst: 26. Januar 2006 09:16
von gernot1610
Kringel hat geschrieben:Oh mein Gott - mir schwebt gerade eine SAT 1 - Eigenproduktion des Titels "Es waren Aliens - und ein Dorf schweigt" oder so vor. Mit Yvonne Catterfeld als Ober-Alien, Ottfried Fischer als UFO-Forscher, dem niemand glaubt, und der Biedermann als Stehrumchen, das sich in regelmäßigen Abständen unmotiviert auszieht. Nein, dann doch lieber ab und zu eine Wiederholung von "Das Millionenspiel" usw.!

Bei den Serien wurde aber EINIGES vergessen. Wie wäre es mit "Die Mädchen aus dem Weltraum", "Der Junge vom goldenen Stern", "Robinzak"? Um nur wenige zu nennen?
... Catterfeld als Alien wäre cool, die müsste man nicht mal schminken (Augenstellung ähnlich Rosswel). Und bei Fischer habe ich eh die Vermutung das es sich um ein Alien handelt, ohne Gravitationskontrolle kann der sich doch gar nicht mehr aufrecht halten. :laser:

Verfasst: 26. Januar 2006 09:56
von Andreas Simon
Kringel hat geschrieben:Oh mein Gott - mir schwebt gerade eine SAT 1 - Eigenproduktion des Titels "Es waren Aliens - und ein Dorf schweigt" oder so vor. Mit Yvonne Catterfeld als Ober-Alien, Ottfried Fischer als UFO-Forscher, dem niemand glaubt, und der Biedermann als Stehrumchen, das sich in regelmäßigen Abständen unmotiviert auszieht.
:lol: Der ist gut! Nicht zu vergessen der geschiedene, alleinerziehende Ermittler mit Töchterchen (Liefers), der sich in (zuerst) das Alien, dann die Dorfärztin verliebt und der keinen Plan hat, aber über die Schweigekultur in deutschen Landgegenden verzweifelt.

@Kringel: Toll, dass jemand sich noch an "Der Junge vom goldenen Stern" erinnert -- aber eine Serie kann man das nicht nennen: 3x25 Minuten? Kenne übrigens einige Amis, die das Buch lieben und irre gerne eine DVD oder ein Videoband davon hätten ("Huh? You Germans adapted "The Forgotten Door" into a film? Unbelievable!").