Der Roman, den ihr gerne verfilmt sehen würdet

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L.N. Muhr
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Re: Der Roman, den ihr gerne verfilmt sehen würdet

Ungelesener Beitrag von L.N. Muhr » 18. Juli 2018 22:03

Badabumm hat geschrieben:
18. Juli 2018 18:57
Ich habe das unbestimmte Gefühl, dass Vorlagentreue oft mit schlechter Umsetzung gleichgesetzt wird. Das eine steht aber unabhängig neben dem anderen. Dann werden Phrasen wie "Kunst darf alles" und "ein Buch ist eben kein Film" als Alibi angeführt.

Wenn ich davon ausgehe, dass sich der Autor Gedanken über seine Geschichte gemacht hat, dann ist eine Abweichung prinzipiell immer erstmal eine Verschlechterung, weil ich die ergründeten Tiefen des Schriftsteller-Gedankenuniversums nicht mal eben verbessern werde.
Nicht? Warum sollte nich ein Kubrick intelligenter sein als ein King (hypothetisch)?

Warum kann sich nicht ein Autor Gedanken machen, aber ein Drehbuchautor bessere Gedanken machen? Dahinter steckt die Idee vom Buch als Maßstab der Intelligenz ("Er schreibt Bücher. Er kann nicht davon leben, aber er ist einer unserer klügsten, denn er schreibt Bücher.").

Was den "Roman vom Roman" angeht, werfe ich die "Sagen des klassischen Altertums" von Schwab in die Runde.

Und Peter Abrahams "Der Affenstern" war shcon irgendwie eine Coverversion von Boulles "Planet der Affen". (Randnotiz: Hartmut Berlin hat in den 80ern eine Kishon-Kurzgeschichte, nun ja, weitgehend übernommen, ohne dass jemand auffiel, dass Kishons Geschichte nicht in Ostberlin, sondern in Haifa spielt.) Man nennt das dann halt Plagiat, aber gemeint ist, was du meinst.

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Re: Der Roman, den ihr gerne verfilmt sehen würdet

Ungelesener Beitrag von Badabumm » 18. Juli 2018 22:14

Es gibt natürlich IMMER ein Gegenbeispiel- für alles.
Ich will keine englische Rangbezeichnung! :faint:

heino
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Re: Der Roman, den ihr gerne verfilmt sehen würdet

Ungelesener Beitrag von heino » 19. Juli 2018 09:35

Ein paar Kandidaten, die mir gefallen würden:

John Shirley - Eclipse-Trilogie
Nancy Kress - Bettler-Trilogie/Der Weg zum Herz der Welt
Isaac Asimov - Das Ende der Ewigkeit
Chuck Palahniuk - Das Kainsmal
Matthew Delaney - Dämon
Lese zur Zeit:

Robert Harris - München
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Re: Der Roman, den ihr gerne verfilmt sehen würdet

Ungelesener Beitrag von Bully » 19. Juli 2018 12:23

Man könnte argumentieren, dass ein Drehbuchautor mehr Ahnung von Filmen hat, und was in Filmen funktioniert und was nicht, als ein Romanautor. (Bei Shining gibt's Geschichten, dass King und Kubrik offenbar sehr unterschiedlicher Ansicht waren, worum es eigentlich geht. Jetzt kann man natürlich sagen, dass das eigene Werk quasi ein blinder Fleck oder toter Winkel ist.)
Das Problem ist aber generell, dass der Roman verfilmt wird, weil er populär ist, und er ist populär, weil er bestimmte Eigenschaften hat. Wenn man ihn verfilmt, aber die jeweiligen Eigenschaften ändert, kann es sein, dass das Ergebnis extrem unpopulär wird. Kubrik hat gute Sachen mit anderen guten Sachen ersetzt. Boll eher nicht so.

Mein Fazit wäre, dass man möglichst nur schlechte Romane verfilmen sollte, da ist so viel Luft nach oben, dass man wenig falsch machen kann.
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Re: Der Roman, den ihr gerne verfilmt sehen würdet

Ungelesener Beitrag von L.N. Muhr » 19. Juli 2018 12:32

Bully hat geschrieben:
19. Juli 2018 12:23
Kubrik hat gute Sachen mit anderen guten Sachen ersetzt.
Oder auch nicht.

Siehe Clockwork Orange.

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Re: Der Roman, den ihr gerne verfilmt sehen würdet

Ungelesener Beitrag von Kringel » 19. Juli 2018 12:38

Eine Neuverfilmung von Michel Fabers "Die Weltenwanderin", die näher am Roman ist als "Under the Skin", würde ich gern sehen.
Und natürlich eine Verfilmung von PR 1, die in den Siebzigern des Perryversums spielt und damit endet, dass PR die Rangabzeichen von seiner Uniform abtrennt...

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Re: Der Roman, den ihr gerne verfilmt sehen würdet

Ungelesener Beitrag von Shock Wave Rider » 19. Juli 2018 12:39

Buch ist Buch und Film ist Film. Beide Medien haben ihre eigenen Konventionen. Was in einem Medium möglicherweise eine Meisterleistung ist, kann im anderen Medium nahezu unmöglich sein (in der doppelten Bedeutung des Wortes).

Wollte man einen 850-Seiten-Wälzer wie John Irvings "Gottes Werk und Teufels Beitrag" (orig. "The Cider House Rules") vorlagentreu und ohne größere Kürzungen verfilmen, käme vermutlich eine Filmdauer von mehreren Tagen zustande. (Selbst Peter Jacksons elf(?)- oder vierzehn(?)-stündige Verfilmung von "Herr der Ringe" hat ganze Handlungssträge des Romans ignoriert.)

Von Irving kenne ich sowohl Buch als auch Film. Interessant fand ich das Beiwerk zur DVD. John Irving selbst riet den Filmemachern, möglichst viele Seitenstränge zu kürzen, weil der Film sonst zu aufgebläht worden wäre. Und Irving ging dabei radikaler vor, als es die FIlmemacher ihm zunächst vorschlugen.

Vorlagentreue - mittlerweile glaube ich, das ist in erster Linie das Gefühl eines Lesers, der den Film sieht.

Gruß
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Re: Der Roman, den ihr gerne verfilmt sehen würdet

Ungelesener Beitrag von Bully » 19. Juli 2018 13:16

L.N. Muhr hat geschrieben:
19. Juli 2018 12:32
Bully hat geschrieben:
19. Juli 2018 12:23
Kubrik hat gute Sachen mit anderen guten Sachen ersetzt.
Oder auch nicht.

Siehe Clockwork Orange.
Ok, ich sprach immer noch von "Shining". Eine der besseren King-Verfilmungen.
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Re: Der Roman, den ihr gerne verfilmt sehen würdet

Ungelesener Beitrag von L.N. Muhr » 19. Juli 2018 13:49

Boll hat Shining verfilmt?

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Re: Der Roman, den ihr gerne verfilmt sehen würdet

Ungelesener Beitrag von Bully » 19. Juli 2018 14:19

L.N. Muhr hat geschrieben:
19. Juli 2018 13:49
Boll hat Shining verfilmt?
Das war Ironie.
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Re: Der Roman, den ihr gerne verfilmt sehen würdet

Ungelesener Beitrag von L.N. Muhr » 19. Juli 2018 14:27

The Ironing?

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Re: Der Roman, den ihr gerne verfilmt sehen würdet

Ungelesener Beitrag von Bully » 19. Juli 2018 15:25

Ja, ich fühle mich total geplättet.
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Re: Der Roman, den ihr gerne verfilmt sehen würdet

Ungelesener Beitrag von Badabumm » 19. Juli 2018 17:49

Vorlagentreue kann trotzdem erhalten bleiben, auch wenn Seitenstränge gekürzt werden. Wenn die Kerngeschichte unverändert übernommen wird, bin ich damit einverstanden. Was ich nämlich bemängele, ist, dass neben dem Wegfall der Nebenhandlungen auch die Hauptgeschichte verfälscht wird. Für mich fast immer ohne triftigen Grund. Klar, es gibt gleich jemanden, der einwerfen wird, dass durch den Fortfall des Nebenballastes auch die Hauptstory zwangsläufig geändert werden muss. Das sehe ich nicht so. Schließlich sind es ja "Neben"erzählstränge - aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt wwrden.
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Re: Der Roman, den ihr gerne verfilmt sehen würdet

Ungelesener Beitrag von heino » 19. Juli 2018 20:06

Das beißt sich aber damit, dass du am Anfang des Threads darauf bestanden hast, dass sogar die Bäume und Häuser buchstabengetreu der Schilderung in den Büchern entsprechen müssen. Und ja, mir ist klar, dass das überspitze Beispiele waren. Aber diese Detailvernarrtheit widerspricht deiner jetzigen Aussage, dass Nebenstränge durchaus stark gekürzt werden dürften, solange nur die Haupthandlung unberührt bleibt.
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Re: Der Roman, den ihr gerne verfilmt sehen würdet

Ungelesener Beitrag von Badabumm » 19. Juli 2018 20:13

Die Bäume und Häuser des Hauptstranges sollen ja trotzdem da sein, wo sie hingehören. Wenn eine Nebenhandlung ganz wegfällt, gibt es auch keine Bäume zum Zeigen... ;)

Als Beispiel möchte ich die Erzählung "Die Bibliothek von Babel" als Schilderung anführen. In den ersten Absätzen ist ziemlich akkurat erklärt, wie sie aussieht. Was (in der deutschen Ausgabe; ich kenne die Originalausgabe nicht und könnte sie auch nicht lesen) nicht explizit drinsteht, ist das Material. Also könnten auch bildliche Darstellungen der Bibliothek mit Glaswänden in Frage kommen. Das wird nicht bestritten, aber auch nicht erwähnt. Insofern ist die Struktur der Bibliothek fest definiert, sogar, wie die Beleuchtung zu sein hat und wo man aufs Klo geht.

Meine Version: https://www.deviantart.com/littlebluemo ... -185240262

Das, was die Bewohner darin tun, lässt sich nun frei interpretieren, solange man den Erzählungsrahmen von Borges respektiert. Es ist ja sowieso keine Erzählung, sondern eher ein philosophischer Diskurs ohne wirkliche Handlung. Das heißt, die Handlung kann frei vom Regisseur hinzugedichtet werden. Jede Romanvorlage ist das Spielen unter Berücksichtigung der vom Autor aufgestellten Regeln, nämlich seiner Eckdaten.
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