[Artikel] Die digitale Revolution frisst das Filmerbe

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[Artikel] Die digitale Revolution frisst das Filmerbe

Ungelesener Beitrag von lapismont » 20. Januar 2015 13:42

Simifilm aka Simon Spiegel hat auf seinem Blog einen ausführlichen Artikel veröffentlicht, der sich mit den Auswirkungen der digitalen Revolution auf Film und Kino beschäftigt.

Sehr lesenswert!

Die digitale Revolution frisst das Filmerbe
:prima:

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Re: [Artikel] Die digitale Revolution frisst das Filmerbe

Ungelesener Beitrag von breitsameter » 20. Januar 2015 16:02

lapismont hat geschrieben:Simifilm aka Simon Spiegel hat auf seinem Blog einen ausführlichen Artikel veröffentlicht, der sich mit den Auswirkungen der digitalen Revolution auf Film und Kino beschäftigt.
Ja, durchaus lesenswert, aber die eigentliche Antwort bleibt uns der Artikel schuldig.
Denn das Filmerbe auf brandgefährlichem Zelluloid - es ist heutzutage schlicht nicht mehr projektionsfähig. Oft sind aus Sicherheitsgründen schon längst die Originalkopien vernichtet, und so gibt es keine wahre Alternative zur Digitalisierung, wenn wir uns nicht weiterhin mit Kopien von Kopien herumschlagen wollen. Was hilft mir eine Kopie, die ich nicht mehr projizieren kann, weil ich sie damit zerstöre? Oder modern gedacht: Wie viele Filme erreichten nie ihr Publikum im Kino, weil nie genug Filmkopien existierten (jede Kopie auf Film ist teuer).

Die Bibliotheken zeigen uns, wo die Zukunft liegt: dort digitalisiert man seine Schätze mittlerweile sehr freudig, um endlich den weiteren Zerfall kostbarer Originale zu minimieren, weil diese dann endlich in die perfekte Lagerung dürfen - ohne weitere Ausleihvorgänge. So sichert man sein Erbe. Nicht durch ein Verhindern des Fortschritts, sondern durch eine Nutzung des Fortschritts.
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Re: [Artikel] Die digitale Revolution frisst das Filmerbe

Ungelesener Beitrag von lapismont » 20. Januar 2015 16:16

Simi schimpft ja nicht auf den Fortschritt, ich habe eigentlich gar kein Urteil herausgelesen. Vielmehr wirbt er um Beachtung des analogen Erbes.
Letztlich bedarf es Geld, um auch die Filme zu digitalisieren, die keine große Fangemeinde hat.

Aber dieses Konzept mit Kino on Demand finde ich cool.
Es gibt einige Filme, die ich mir mal wieder im Kino ansehen würde.

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Re: [Artikel] Die digitale Revolution frisst das Filmerbe

Ungelesener Beitrag von simifilm » 20. Januar 2015 16:30

lapismont hat geschrieben:Simi schimpft ja nicht auf den Fortschritt, ich habe eigentlich gar kein Urteil herausgelesen. Vielmehr wirbt er um Beachtung des analogen Erbes.
Letztlich bedarf es Geld, um auch die Filme zu digitalisieren, die keine große Fangemeinde hat.
Exakt. Es geht mir eigentlich eher darum, die verschiedenen Probleme aufzuzeigen. Ich plädiere nirgends gegen Digitalisierung, überhaupt nicht. Aber irgend jemand muss das bezahlen, und damit sieht's vielerorts nicht gut aus. Das führt zur absurden Situation, dass wir faktisch keinen Zugang zu 100 Jahren Filmgeschichte haben (ganz abgesehen davon ist Digitalisierung und die Lagerung der digitalen Filme keine triviale Angelegenheit. Das braucht Geld und Know-how und beides ist vielerorts nur sehr begrenzt vorhanden).
Denn das Filmerbe auf brandgefährlichem Zelluloid - es ist heutzutage schlicht nicht mehr projektionsfähig. Oft sind aus Sicherheitsgründen schon längst die Originalkopien vernichtet, und so gibt es keine wahre Alternative zur Digitalisierung, wenn wir uns nicht weiterhin mit Kopien von Kopien herumschlagen wollen. Was hilft mir eine Kopie, die ich nicht mehr projizieren kann, weil ich sie damit zerstöre? Oder modern gedacht: Wie viele Filme erreichten nie ihr Publikum im Kino, weil nie genug Filmkopien existierten (jede Kopie auf Film ist teuer)
Das Problem sind nicht die Zelluloid-Filme. Zum einen wird Zelluloid seit den 50ern nicht mehr verwendet, zum anderen ist Zelluloid zwar brennbar, das ist aber harmlos im Vergleich zu den Nitratfilmen, die in der Frühphase des Films verwendet wurden. Letztere sind wirklich gefährlich. Nitrat-Film-Brände haben in der Vergangenheit Tote gefordert, bei Zelluloid ist das nicht so dramatisch. Dagegen ist die Lagerung von analogen Filmen viel einfacher als die Langzeitarchivierung digitaler Daten (das ist nochmal eine ganz andere Geschichte, die ich nicht auch noch in den Artikel packen wollte).

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Re: [Artikel] Die digitale Revolution frisst das Filmerbe

Ungelesener Beitrag von Ming der Grausame » 20. Januar 2015 17:50

simifilm hat geschrieben:ganz abgesehen davon ist Digitalisierung und die Lagerung der digitalen Filme keine triviale Angelegenheit. Das braucht Geld und Know-how und beides ist vielerorts nur sehr begrenzt vorhanden
Google und Amazon helfen da gerne weiter. Allerdings sind sie nicht ganz uneigennützig...
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Re: [Artikel] Die digitale Revolution frisst das Filmerbe

Ungelesener Beitrag von Gast09 » 20. Januar 2015 18:07

Man gestatte mir eine Minderheiten-Meinung:
Die digitale Revolution frisst gar nichts, schon gar nicht das Film-Erbe. Es gab mal ein Buch mit dem Titel: "Die Revolution entlässt ihre Kinder". Soll die Überschrift des Referenz-Beitrages diesbezügl. Assoziationen wecken?
Im Gegenteil. Die digitale Technik neigt dazu, das Filmerbe zu bewahren. Ohne Digitalisierung würde es eine Vielzahl Siebziger-Jahre-Filme heute nicht mehr in einer im Kino präsentierbaren Version geben. Wer will, versuche doch mal eine Schmalfilm-Privataufnahme des Jahres 1974 heute abzuspielen.
Von Metropolis, Winnetou und Drei Mann in einem Boot will ich gar nicht reden.
Die digitale Revolution (warum Revolution? wer oder was revoltiert da?) frisst das Filmerbe nicht. Sie rettet es insbes. auch deshalb, weil digitale Daten auch auf zukünftigen Speichermedien (Kristalle, BioSpeicher o.ä.) bewahrt werden können. Digital ist digital, egal wo.
Aber wie gesagt: ich bin wohl in der Minderheit.
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Re: [Artikel] Die digitale Revolution frisst das Filmerbe

Ungelesener Beitrag von simifilm » 20. Januar 2015 18:51

Gast09 hat geschrieben:Man gestatte mir eine Minderheiten-Meinung:
Die digitale Revolution frisst gar nichts, schon gar nicht das Film-Erbe. Es gab mal ein Buch mit dem Titel: "Die Revolution entlässt ihre Kinder". Soll die Überschrift des Referenz-Beitrages diesbezügl. Assoziationen wecken?
Im Gegenteil. Die digitale Technik neigt dazu, das Filmerbe zu bewahren. Ohne Digitalisierung würde es eine Vielzahl Siebziger-Jahre-Filme heute nicht mehr in einer im Kino präsentierbaren Version geben. Wer will, versuche doch mal eine Schmalfilm-Privataufnahme des Jahres 1974 heute abzuspielen.
Von Metropolis, Winnetou und Drei Mann in einem Boot will ich gar nicht reden.
Die digitale Revolution (warum Revolution? wer oder was revoltiert da?) frisst das Filmerbe nicht. Sie rettet es insbes. auch deshalb, weil digitale Daten auch auf zukünftigen Speichermedien (Kristalle, BioSpeicher o.ä.) bewahrt werden können. Digital ist digital, egal wo.
Aber wie gesagt: ich bin wohl in der Minderheit.
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Re: [Artikel] Die digitale Revolution frisst das Filmerbe

Ungelesener Beitrag von Gast09 » 20. Januar 2015 19:03

Ja, habe ich.
Ich kritisiere etwas an dem Titel hier. Ersetze 'frisst' durch 'bewahrt' und die Sache sieht schon anders aus. Jedenfalls mal nicht irgendwie reißerisch sondern eher dokumentarisch, sachlich.
In die Tonne mit dem analogen Kram, aufbewahren höchstens noch aus nostalgischen Gründen (z.B. alte Schallplatten).
In 20 Jahren gibt es sowas wie den arkonidischen Schwingkristall. Durchmesser 1mm, Speicherkapazität ab 1000TB aufwärts, am Donnerstag bei Aldi: 3 Stück 19.99 (Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel aufgrund hoher Nachfrage kurzfristig ausverkauft sein kann. Wir danken für Ihr Verständnis).
Da wird nix gefressen.
(Bekannte von mir haben einen Beamer, der das 2D-Bild in 3D umwandelt. Tagesschau in 3D: Hammer!)
Aber wie gesagt: Ich = Minderheit.
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Re: [Artikel] Die digitale Revolution frisst das Filmerbe

Ungelesener Beitrag von lapismont » 21. Januar 2015 07:30

Gast09 hat geschrieben:Ja, habe ich.
Ich kritisiere etwas an dem Titel hier. Ersetze 'frisst' durch 'bewahrt' und die Sache sieht schon anders aus. Jedenfalls mal nicht irgendwie reißerisch sondern eher dokumentarisch, sachlich.
In die Tonne mit dem analogen Kram, aufbewahren höchstens noch aus nostalgischen Gründen (z.B. alte Schallplatten).
In 20 Jahren gibt es sowas wie den arkonidischen Schwingkristall. Durchmesser 1mm, Speicherkapazität ab 1000TB aufwärts, am Donnerstag bei Aldi: 3 Stück 19.99 (Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel aufgrund hoher Nachfrage kurzfristig ausverkauft sein kann. Wir danken für Ihr Verständnis).
Da wird nix gefressen.
(Bekannte von mir haben einen Beamer, der das 2D-Bild in 3D umwandelt. Tagesschau in 3D: Hammer!)
Aber wie gesagt: Ich = Minderheit.
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Simis Argumentation lief ja so: Digitaler Film führt zu digitalen Projektoren und zum Abbau und Verschwinden analoger Geräte, was wiederum bedeutet, analoges Material kann nicht mehr aufgeführt werden. Dadurch kann das analoge Filmerbe als verloren angesehen werden.
Für mich ist der Titel damit schlüssig.

Was auch immer Du gelesen hast, in Simis Artikel wird für mich jedenfalls deutlich, dass er den »analogen Kram« einfach weiterhin uns allen zugänglich halten will. Dafür müsste man es eben nur digitalisieren. Was wiederum wir als Erben bezahlen sollten.

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Re: [Artikel] Die digitale Revolution frisst das Filmerbe

Ungelesener Beitrag von Khaanara » 21. Januar 2015 07:45

Wobei schon vieles Totgeglaubte nach dem Wechsel auf das digitale Medium auch wieder zurück kam, so werden zum Beispiel wieder viel mehr Schallplatten verkauft (http://www.ad-hoc-news.de/vinyl-verkaeu ... s/41046427) und auch die analoge Fotografie findet trotz der digitalen Konkurrenz vermehrt wieder seine Freunde.
Und man beachte gerade den steigenden Retrobereich im digitalen Computerzeitalter.

Ich denke, so ganz aussterben werden die analogen Projektoren in den nächsten Jahren nicht, gerade einige Programmkinos werden dies wohl weiterpflegen, denke ich. Ich vermute einmal, dass der analoge Film in späterer Zeit sogar sein Revival bekommen wird, da den Zuschauern das digitale Kino zu kalt und das 3D zu überbewertet ist. ;-)

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Re: [Artikel] Die digitale Revolution frisst das Filmerbe

Ungelesener Beitrag von lapismont » 21. Januar 2015 07:59

mhm, ich weiß nicht. Wenn ich mir meine analogen Filme angucke oder besser gesagt nicht angucke, weil ich keine funktionierenden Camcorder mehr habe, bezweifle ich, dass es da großartiges Beharren gibt.
Man sollte es vielleicht nicht mit LPs sondern eher mit Tonbändern vergleichen. Wieviele Tonbänder wurde einfach weggeschmissen, weil sich eine Digitalisierung finanziell nicht lohnt?

Und was die Film-Nostalgie anbelangt: Es dürfte nicht schwer sein, ein Filterprogramm drüber zu legen, der analoges Kino simuliert.

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Re: [Artikel] Die digitale Revolution frisst das Filmerbe

Ungelesener Beitrag von simifilm » 21. Januar 2015 08:48

Khaanara hat geschrieben:Wobei schon vieles Totgeglaubte nach dem Wechsel auf das digitale Medium auch wieder zurück kam, so werden zum Beispiel wieder viel mehr Schallplatten verkauft (http://www.ad-hoc-news.de/vinyl-verkaeu ... s/41046427) und auch die analoge Fotografie findet trotz der digitalen Konkurrenz vermehrt wieder seine Freunde.
Und man beachte gerade den steigenden Retrobereich im digitalen Computerzeitalter.

Ich denke, so ganz aussterben werden die analogen Projektoren in den nächsten Jahren nicht, gerade einige Programmkinos werden dies wohl weiterpflegen, denke ich. Ich vermute einmal, dass der analoge Film in späterer Zeit sogar sein Revival bekommen wird, da den Zuschauern das digitale Kino zu kalt und das 3D zu überbewertet ist. ;-)
Wenn du schaust, was in den letzten Jahren in der Industrie – sowohl Filmproduktion als auch Vertrieb und Kinos – passiert ist, ist der Befund eindeutig: Der Wechsel ist vollzogen und es gibt kein Zurück. Film ist heute digital.

Dass der analoge Film von Programmkinos und Kinematheken weiter gepflegt wird, ist schwer zu hoffen. Der Vergleich mit der LP hinkt allerdings. Eine Plattenpresse ist etwas, was ein Fan mit einigem Aufwand in seinem Keller betreiben kann. Ein photochemisches Labor bewegt sich aber in einer anderen Grössenordnung. Ein Kopierwerk ist nicht etwas, was von ein paar Fans mal nebenher betrieben werden kann.

Wie im Artikel geschrieben sehe ich eine Gefahr im Verlust des Know-hows. In den letzten Jahren wurden reihenweise Leute entlassen, die in der "analogen Industrie" beschäftigt waren und Nachwuchs wird nicht ausgebildet. Und wie bei jedem Handwerk geht es hier nicht nur um ein paar Maschinen, sondern um Wissen, das sich über Jahrzehnte hinweg angesammelt hat.

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Re: [Artikel] Die digitale Revolution frisst das Filmerbe

Ungelesener Beitrag von breitsameter » 21. Januar 2015 08:57

lapismont hat geschrieben:Simis Argumentation lief ja so: Digitaler Film führt zu digitalen Projektoren und zum Abbau und Verschwinden analoger Geräte, was wiederum bedeutet, analoges Material kann nicht mehr aufgeführt werden. Dadurch kann das analoge Filmerbe als verloren angesehen werden.
Für mich ist der Titel damit schlüssig.
Der Artikel will sich in der Frage, ob das Medium hier wirklich bestimmend ist, ja nicht festlegen. Ansonsten aber geht das analoge Filmerbe ja sowieso völlig unabhängig von der heutzutage aktuellen Projektionstechnik verloren. Filmmaterial hält sich nicht ewig. Insofern werden hier zwei unterschiedliche Dinge miteinander vermischt. Es gibt keine Alternative zur Digitalisierung, wenn es um das Bewahren geht.
lapismont hat geschrieben:Was auch immer Du gelesen hast, in Simis Artikel wird für mich jedenfalls deutlich, dass er den »analogen Kram« einfach weiterhin uns allen zugänglich halten will.


Den Inhalt oder die Filmrollen? Das ist ein Unterschied.
lapismont hat geschrieben:Dafür müsste man es eben nur digitalisieren. Was wiederum wir als Erben bezahlen sollten.
Und die Rechteinhaber, die weiterhin die Rechte daran halten.
Echte Vampire schillern nicht im Sonnenlicht, sie explodieren. Echte Helden küssen keinen Vampir, sie töten ihn.

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Re: [Artikel] Die digitale Revolution frisst das Filmerbe

Ungelesener Beitrag von simifilm » 21. Januar 2015 09:06

breitsameter hat geschrieben:
lapismont hat geschrieben:Simis Argumentation lief ja so: Digitaler Film führt zu digitalen Projektoren und zum Abbau und Verschwinden analoger Geräte, was wiederum bedeutet, analoges Material kann nicht mehr aufgeführt werden. Dadurch kann das analoge Filmerbe als verloren angesehen werden.
Für mich ist der Titel damit schlüssig.
Der Artikel will sich in der Frage, ob das Medium hier wirklich bestimmend ist, ja nicht festlegen. Ansonsten aber geht das analoge Filmerbe ja sowieso völlig unabhängig von der heutzutage aktuellen Projektionstechnik verloren. Filmmaterial hält sich nicht ewig. Insofern werden hier zwei unterschiedliche Dinge miteinander vermischt. Es gibt keine Alternative zur Digitalisierung, wenn es um das Bewahren geht.
Das stimmt so sicher nicht. Wenn eine analoge Kopie unter den richtigen Bedingungen gelagert bleibt sie über Jahrzehnte hinweg in einwandfreiem Zustand. Es gibt Original-Negative von 100-jährigen Filmen, die in fast perfekter Verfassung sind. Dass zahlreiche alte Filme in schlechtem Zustand sind, hängt damit zusammen, dass man sich lange überhaupt nicht darum gekümmert hat. Und auch als Filmarchivierung dann allmählich ein Thema wurde, flossen die Gelder nach wie vor nicht reichlich.

Die Langzeitarchivierung von digitalen Daten ist da weitaus problematischer. Hier reicht es nicht, eine Festplatte in einen klimatisierten Raum zu legen. Vielmehr müssen die Daten ständig in Bewegung gehalten werden, um einer allfälligen Entmagnetisierung vorzubeugen. Das macht die Archivierung aufwendiger und allfälliger. Von möglichen Problemen, die wir noch nicht kennen, ganz zu schweigen. Ein grosser Vorteil des digitalen Materials ist, dass wir damit viel Erfahrung haben.

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Re: [Artikel] Die digitale Revolution frisst das Filmerbe

Ungelesener Beitrag von Pogopuschel » 21. Januar 2015 13:00

Hat alles seine Vor- und Nachteile (was den technologischen Wandel im aktuellen Kinogeschäft angeht). Beim Fantasy Filmfest bestanden die Filme bis vor wenigen Jahren noch aus Filmrollen. Da das Festival meist in zwei Städten gleichzeitig stattfindet und es nur eine Kopie pro Film gab, mussten die Filme unter großem Stress - wie vom kleinen Salvatore in Cinema Paradiso - durchs Land kutschiert werden. Und es gibt keinen Ärger mehr mit fehlerhaftem oder schlechtem Filmmaterial. Dieser Aufwand und Stress entfällt inzwischen, da sämtliche Filme Digital gezeigt werden.

Das Problem: Jeder Film hat einen eigenen sehr komplizierten Schlüssel, um freigeschaltet zu werden. Ist wohl bei jeder Vorstellung des Films, in jeder Festivalstadt eine anderer. Und es kam schon mehr als einmal vor, dass der Schlüssel nicht funktioniert hat und die Vorstellung ausfallen musste. Da hat sich der Stress durch die modernere und vermeintlich komfortablere Technik nicht verändert, sonder nur verlagert.

Ich meine auch gehört zu haben, dass kein Festivalkino mehr gibt (das FFF findet in sechs Städten statt), das noch einen Analogprojektor besitzt, was Retrospektiven z. B. erschweren würde. Die 285 Kinoleinwände in 32 Kinos der Cinemaxx-Kette werden z. B. von einer einzigen Vorführzentrale aus per Computer bedient. Da kann man sich mal ein Bild davon machen, wie viele Jobs als Filmvorführer da weggefallen sind.

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