Gormenghast I - Der junge Titus

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Re: Gormenghast I - Der junge Titus

Ungelesener Beitrag von Olaf » 9. Januar 2009 10:43

Okay, ansonsten hätte ich es dir tatsächlich abgekauft. :)

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Uschi Zietsch
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Re: Gormenghast I - Der junge Titus

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch » 9. Januar 2009 20:42

Trash Star hat geschrieben: Es ist eher der Mangel an Handlung, der mich langweilt. Die Personen sind sehr gut beschrieben, aber es sind langweilige Personen. Die Beschreibung des Schlosses hat mir gut gefallen. Aber wie gesagt, die Personen machen mich nicht an und die fehlende Handlung kommt auch nicht gut. Dem Buch fehlt es an Intensität. Zumindest meinem subjektiven Empfinden nach.
Wer weiß - vielleicht würde es mich heute auch nicht mehr so faszinieren wie damals. Und den Mangel an Handlung habe ich damals schon festgestellt, als Titus das Schloss verließ. *g*
Hingegen liebe ich das Bas-Lag-Universum von China Mievielle sehr.
The Scar gefiel mir auch sehr. Mit Perdido Street Station quäle ich mich schon seit ewigen Zeiten. Da bin ich jetzt z.B. überhaupt nicht reingekommen und hänge immer noch am Anfang fest. Es ist aber weiterhin im RUB, ich will es schon nochmal probieren - denn vielleicht war ich zu dem Zeitpunkt dafür einfach nicht bereit. Für gewisse Inhalte und Stile braucht man einfach die richtige Stimmung und Konzentrationsfähigkeit.
Ob ich ein Buch mag oder nicht, hängt von der Intensität des Leseerlebnisses ab.
:prima: Ich auch.
:bier:
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Lemmy
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Re: Gormenghast I - Der junge Titus

Ungelesener Beitrag von Lemmy » 10. Januar 2009 17:57

Ja, das ist keine einfache Lektüre, die einen breiten Geschmack trifft.

Handlung im Sinne von zielgerichteter Unternehmung fehlt fast völlig, weil keiner der Figuren eine Handlung vorantreibt. Alle-mit Ausnahme von Steerpike -sind vollkommen realitätsfremd und befinden sich in einem seltsamen traumähnlichen Zustand, wenn sie nicht gerade obskuren Ritualen nachgehen oder als Bedienstete häusliche Pflichten erledigen.

Die düstere Atmosphäre, die Peake mit seinem deskriptiven Stil schafft, ist einfach wunderbar. Das habe ich so in dieser Intensität noch nirgendwo gelesen, der Zustand des langsamen Verfalls des unüberschaubaren, rätselhaften Schlosses ist deutlich spürbar. Irgendwie habe ich beim Lesen immer Bilder des Comic Zyklus " Die geheimnisvollen Städte" von Schuiten/ Peeters vor meinem inneren Auge, obwohl die Architektur bei Schuiten wesentlich moderner ist.


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Alle, bisher eingeführten Schlossbewohner ( habe erst 230 Seiten geschafft ) sind exzentrisch, psychisch krank oder mindestens mit seltsamen Ticks ausgestattet.
@ Kringel: Auch hier ein Namensspielchen. Lord Sepulchrave ( von Sepulchre =Grabstätte ) hat sich schon zu Lebzeiten in eine psychische Grabstätte in Form seiner Depression, die er hingebungsvoll pflegt, begeben.
Swelter und Flay sind wunderbar getroffen und wenn ich an die Schwestern Cora und Clarice denke, fällt mir eine doppelte Ausgabe dieser werten Dame ein:


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Fuchsia ist in meinen Augen der faszinierendste Charakter, ich ahne, dass das kleine, mürrische, ungnädige Mädchen eine wunderbare Metamorphose durchmachen wird und zu einer selbstbewussten jungen Dame wird.


Ich habe mich mit dem holprigen Stil, den seltsamen Dialogen etc auch sehr schwer getan, mein Lesetempo ist dementsprechend langsam. Ich finde aber dass der holprige, umständliche Stil sehr passend ist und möchte auf keinen Fall eine eventuell "sprachlich geglättete" Ausgabe lesen.

@Alex: Wenn ich Gormenghast lese, beneide ich Dich um Deine "Scribble"-Künste, zu gerne würde ich die ein paar bizarre Figuren wie Swelter oder Flay zu Papier bringen.
Lese gerade: Brian W. Aldiss: Helliconia
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Re: Gormenghast I - Der junge Titus

Ungelesener Beitrag von Lemmy » 17. Januar 2009 10:34

Trash Star hat geschrieben:
Es ist eher der Mangel an Handlung, der mich langweilt.
Dieser Magel wird später behoben. Ein Messerduell bei Nacht, ein intriganter Ex-Küchenjunge will nach oben, Brandanschlag auf die Bibliothek mit inszenierter Rettung. Gormenghast hat momentan alles, was ein Meisterwerk ausmacht. Eine tolle Atmosphäre-wird beim Wechsel von Herbst auf Winter immer düsterer-skurrile, psychotische Charaktere und jetzt auch HANDLUNG. Wunderbar, macht grossen Spass.
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Re: Gormenghast I - Der junge Titus

Ungelesener Beitrag von Lemmy » 1. Februar 2009 09:40

Band I beendet. Puuh, das war teilweise ganz schon mühsam, hat sich aber doch gelohnt.

Der Brandanschlag ist Auftakt zu einer Tragödie, die einige Opfer fordert ( mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten). Ende Band I ist dann auch der spannendste Abschnitt des Buches, gegenseitiges Auflauerns in den düsteren Gängen Gormenghasts, ne finstere Hack & Slash Szene, Selbstmord, Verbannung und ein bizarrer Opfergang. Eindrucksvoll und düster - grosse Klasse.
Leider auch das Ende von einigen - vorher exzellent in Szene gesetzten- Figuren.
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Re: Gormenghast I - Der junge Titus

Ungelesener Beitrag von None » 18. September 2009 12:22

Hier wird der Stil von Mervyn Peake z.T. seltsam und verworren genannt. Zugegeben, so fand ich ihn auch zu Beginn. Hat aber jemand einmal Charles Dickens im Original gelesen? Dann weiß man woher das kommt (außerdem ist Dickens auch sehr viel düsterer, als ihn sein Ruf als Erfinder von Weihnachten erscheinen lässt). Überhaupt ist Mervyn Peake im Vergleich zu vielen Inspirationsquellen und Vorbildern des 19. Jahrhunderts sehr zahm. Die größte Seltsamkeit entspringt eher aus dem Setting, dem Treten auf einem Punkt und der Ausschmückung jeder Einzelheit (mit der Anwendung von ungewöhnlichen Wörtern). Wer sich jedoch beispielsweise an Charles Dickens gewöhnt hat, der sollte, so meine ich, Mervyn Peake's Grammatik geradezu für flüssig halten. Aber ich musste mich auch erst eine Weile daran gewöhnen, dass es mir nun so vorkommt. Oder es mag daran liegen, dass ihm die späteren Kapitel flüssiger aus der Feder kamen... Ich habe gehört, dass er sein erstes Manuskript im Zug liegengelassen hat und einfach nocheinmal von vorne begonnen hat. Vielleicht schrieb er dann den Anfang etwas ungeduldiger.

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