Cruquius Pumpen-Museum Haarlem

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Gast09
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Cruquius Pumpen-Museum Haarlem

Ungelesener Beitrag von Gast09 » 20. November 2018 20:50

Terraforming ist einerseits ein Begriff aus der SF, andererseits aber so alt wie die Menschheit; hat sie doch immer wieder versucht, ihren Planeten nach ihren Wünschen zu gestalten - dies insbesondere dann wenn es galt, dem Wasser Land abzuringen.
Unsere nordwestlichen Nachbarn, lebend in einem Land welches zu einem hohen Prozentsatz unterhalb des Meeresspiegels liegt, weswegen es ja auch so heißt wie es heißt, waren seit jeher die ungekrönten Meister darin.
Es begann bereits vor mehreren tausend Jahren als sie ihre wichtigsten Siedlungsgebiete mit Dämmen zu sichern versuchten; jede heutige Stadt deren Name mit der Silbe "dam" endet gehörte dazu.
Aber kleine Dämme, überwiegend mit Sand errichtet und mit Weidensträuchern gesichert (in dieser Gegend sind Steine eine Mangelware) reichten nicht aus, um den Naturgewalten Paroli zu bieten. Etwa ab 1000 n.Chr. setzte sich eine andere Idee durch. Die damaligen Technologien ließen es zu, ein Kern-Gebiet von etwa 100 km Durchmesser einzudeichen. Mithilfe einfacher mechanischer Schleusensysteme wurde versucht, das darin gelegene Gebiet; mithin das Kernland einer blühenden Handelsnation, zu entwässern. Aber auch das klappte nicht.
Erst ab etwa 1500 n.Chr. deutete sich eine Lösung an: Windmühlen. Auf dem vor 500 Jahren errichteten, mittlerweile mehrfach verstärkten Deich wurden 150 Windmühlen errichtet. Diese Windmühlen dienten weder der Erzeugung von Weizenmehl noch der Verzückung zukünftiger Touristen sondern einzig und allen dem Abtransport von Wasser. Aber auch das führte nicht zu dem gewünschten Erfolg - Windkraft hat enge Grenzen.
Im Jahre 1849 jedoch kam die Wende.
Auf dem 100-km-Deich wurden drei Pumpstationen errichtet, welche - aus britischer und belgischer Produktion stammend - in jeder Hinsicht Superlative in sich vereinigten: die größten Dampfkessel der Welt, die größten Dampfmaschinen der Welt.
Diese drei im neo-gotischen Stil errichteten Pumpstationen vollendeten das, was vor mehr als 1000 Jahren begonnen worden war: Sie pumpten das Wasser aus dem eingedeichten Gelände 4m hoch in die Nordsee und legten dadurch das Kernland dessen frei, was heute Holland ist.
Die Maschinen arbeiteten immer, d.h. von wenigen Wartungspausen abgesehen, 24/7. Ihre Pumpleistung lag bei 180.000l Wasser . . . pro Minute.
Trotzdem dauerte es mehr als 80 Jahre bis das eingedeichte Gebiet trockengelegt war. In den Pumpen eigebaute Zähler sagen uns heute, wieviele Pumpvorgänge es gegeben hat und lassen errechnen, dass etwa 600 Mrd. l Wasser weggepumpt worden sind.
1933 wurde die letzte dieser drei Pumpen stillgelegt. Zwei von ihnen wurden gesprengt. 1980 gab es Überlegungen, auch das letzte dieser Monumente zu beseitigen. Interventionen der Royal Family haben dies verhindert.
Heute ist Cruquius eines der wichtigsten Industrie-Museen der Niederlande; ein Muss! für jeden SF-Fan welcher sich irgendwo in der Nähe aufhält; Terraforming über einen Zeitraum von 80 Jahren.
Und wenn wir irgendwann auf dem Mars Probleme mit dem Wasser haben und nicht wissen, wohin damit:
So gehts:
https://www.bing.com/images/search?q=Cr ... ORM=IARRTH
Gast09
PS: in dem neben dem Museum gelegenen Thee-Huis gibt es fantastisch gute Pannekoeken.

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Re: Cruquius Pumpen-Museum Haarlem

Ungelesener Beitrag von Bully » 21. November 2018 12:50

Cool!

Aber bis wir auf dem Mars Probleme mit ZU VIEL Wasser kriegen, ist Zukunftsmusik³.
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Re: Cruquius Pumpen-Museum Haarlem

Ungelesener Beitrag von Nina » 27. November 2018 22:05

Also dass es ein Pumpenmuseum überhaupt gibt, auf die Idee wäre ich nicht gekommen. Ist der Beschreibung nach aber sicher interessant.

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