Michael Iwoleit: Der Moloch

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Frank
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Michael Iwoleit: Der Moloch

Ungelesener Beitrag von Frank »

Michael Iwoleit: Der Moloch // Rezension von Frank Hebben


»Und was ist ... Terroir?«
»Ein Begriff aus der Weinkunde«, sagte Whitby. […] »Er bedeutet das spezifische Charakteristikum eines Ortes – Geografie, Geologie und Klima, die gemeinsam mit der weineigenen genetischen Disposition einen überraschenden, tiefen, originären Wein hervorbringen können. […] Die direkte Übersetzung lautet ‚Gespür für einen Ort‘, und das bedeutet die Summe aller Einwirkungen auf einen örtlich beschränkten Lebensraum, insofern sie die Eigenschaften eines bestimmten Produkts betreffen. Das kann Wein sein, aber was passiert, wenn man diese Kriterien beim Nachdenken über Area X anwendet?«
[Jeff Vandermeer: Autorität]


Soweit ich mich entsinne, habe ich vor ein paar Jahren auf dem Rücken der Kurzgeschichtensammlung vom Michael – (Die letzten Tage der Ewigkeit) – folgenden Spruch hinterlassen:


Iwoleit ist der Architekt. Und nein: Du willst in seinen Welten nicht leben.


Obwohl Michael – wie auch Mr. Vandermeer, um kurz den Bogen zur Intro zu schlagen – die Charakterführung beherrscht; seine Protagonisten weder schablonenhaft wirken, noch künstlich, steif oder vorhersagbar: eben: keine Abziehbilder sind, transzendiert doch alles, der Plot, die Handlung, nach und nach zu etwas Größerem, Gewaltigerem.


Wie Area X wird im Moloch eine (Städte-)Landschaft beschrieben: das Ruhrgebiet; in dem, pars wie toto, eine Unterströmung zu spüren ist: mit allen Sinnen erfassbar, aber eben doch nicht greifbar: Es entzieht sich in letzter Instanz; der Blick hinter den Spiegel ist nicht möglich.


Was man sieht, ist die nackte Realität: die Enge, unter und über der Erde: in stillgelegten Schachtanlagen, am Rheinufer – den Dreck und den Verfall. Degenerierte Menschen, kaputte Technik, ein Slum, ein Leben am Abgrund, wenn man nicht in den besseren Franchise-Vierteln ein privilegiertes, wenn auch steriles, schablonenhaftes Leben aus Arbeit und Konsum führt; das eben genauso wenig erstrebenswert ist wie am mit Chemikalien- und Fäkalien-verseuchten Fluss seine Wäsche zu waschen.


In seiner Kurzgeschichte „Das Urteil“ wirkt noch ein außerirdischer, somit möglicherweise guter, göttlicher Wille, der „die Völker“ dazu zwingt, sich zu vereinen – allerdings mit wenig Erfolg:


„Von ihm stammt der bemerkenswerte Satz, dass all das, was wir an Menschen für wertvoll erachten – Würde, Individualität, Empfindungsfähigkeit – mit der Anzahl der Menschen, die wir an einem Ort zusammenbringen, nicht etwa zu-, sondern abnimmt und sich ab einer Grenze, an der der Einzelne zu einem sinn- und zwecklosen Ding unter vielen wird, ganz auflöst. Ähnliches haben Soldaten berichtet, die durch die Menge patrouillierten, um Tote einzusammeln; Helfer an den Pavillons, die bis zur vollkommenen Erschöpfung Wasser, Fladenbrote und Gemüsesuppen austeilten und am Ende das Gefühl hatten, ein einziges unersättliches Monstrum mit Millionen Mäulern zu füttern; Arbeiter, die in die Abwässerkanäle stiegen, um Stauungen zu beseitigen, und die Massen, die sich an den Rand der Kanäle drängten und zuweilen jemanden in die Jauche stießen, als die größte Quelle von Dreck und Fäkalien erlebten, die im Universum denkbar ist. Über den alten Gemeinplatz, wonach der Krieg das Schlimmste im Menschen zum Vorschein bringt, haben alle Beteiligten nach diesem Tag nur noch lachen können. Es reicht viel weniger, um einem den Glauben an den göttlichen Ursprung des Menschen auszutreiben. Nimm einen, und kannst in ihm vielleicht ein Gegenüber mit Verstand und Würde erkennen. Nimm eine Milliarde, und die einzigen Instrumente, die ihnen beikommen, sind Statistik und Logistik.“


Jetzt, im Moloch, wirkt nur die unsichtbare Hand des Kapitals.


Sina, Ärztin – erste Hauptprotagonistin, folgt seit Jahren ihrer intrinsischen Neigung, Gutes zu tun. Anderen Menschen zu helfen. Sich nicht machtlos, hilflos zu fühlen in einer neoliberalen Welt, in der jedes Individuum auf seine Nutzbarkeit reduziert wird. Eine Gemeinschaft zu stiften; eben: die Zivilisation als solche voranzubringen, deren Devolution zu verlangsamen oder gar zu stoppen: den Hass, die Hetze in dieser kalten, technoiden Welt.
Mit durchwachsenem Erfolg.


Andere übernehmen das Ruder. Und sind so viel erfolgreicher mit ihren Plänen und Zielen, dass Sina nur staunend daneben stehen kann und zusieht, zum reinen Zuschauer degradiert, um sich dann – aus einem Impuls heraus – völlig in dieser Neuen Ordnung zu verlieren, zwischen der Hitze, im Schweiß und Blut einer menschlichen Masse, die vor Leben nur so pulsiert!


Kiran, Techniker – zweiter Hauptprotagonist, ein Überlebenskünstler, ein Tänzer auf den Stromseilen, hat seine eigenen, wenn auch nicht immer legalen Methoden, in dieses Terroir manipulierend einzugreifen. Im verzweifelten Versuch, seine Geliebte: Sina, aus diesem stinkenden Sumpf zu befreien, sinkt er dabei immer tiefer ein in ein zähes Geflecht aus Kabeln und Neuronen, aus Strom, Biomasse, Muskeln; aus Enge, Licht und klaustrophobischen Schatten.


Man kann das Buch an beliebiger Stelle aufschlagen, um einen Eindruck vom dichten „Filz“ zu erhalten: hier:


„Es dämmerte inzwischen. Trübes, rötliches Licht drang durch die Ritzen der Bretter und rostdurchlöcherten Bleche. Von fern hörte Kiran aufgeregtes Geschrei.“ (S.71)


Oder:


„Als sie sich übers Geländer beugte und Kiran hinterher schaute, stockte Sina der Atem von dem faulig-chlorigen Mief, der aus den graublauen, schlammigen und von öligen Schlieren durchsetzen Rheinfluten emporstieg […].“ (S.79)


Oder:


„Sina und die beiden anderen Frauen – frisch examinierte, mit erfrischender jugendlicher Naivität gesegnete Krankenschwestern, die bei den Medics for Men gerade einen ernüchternden Schuss Wirklichkeit injiziert bekamen – hatten ihre Taschen auf die Schöße genommen und wechselten immer wieder, gepresst schnaufend, gequälte Blicke.“ (S.152)


Oder:


„Sinas Blick ging hin und her, versuchte Einzelheiten festzuhalten, doch die Vielzahl an Körpern, Gliedern und Gesichtern, von Kindern, Säuglingen, entblößten Brüsten, Bäuchen, Wunden, Lumpen und an knochige Brustkästen gedrückte Habseligkeiten, verwischte zu einem graubraunen Rauschen.“ (S.168


Alles trieft vor menschlichem Elend und Verfall.


Aber Iwoleit bleibt nicht im Sumpf stecken, in dieser Apathie und Trostlosigkeit des Szenarios, sondern skizziert in seinem apokalyptischen Gemälde einer babylonischen Stadt auch den Ausweg aus der Krise:


Er zeigt, auch dem Leser, Wege auf, die man gehen könnte – sofern genügend Wille und/oder Geld vorhanden ist. Als Mahnung für uns selbst.


Wie bei Dune; wie bei Auslöschung, ist also das Setting, das Szenario der eigentliche Star. Das Terroir. Die Quintessenz aus Manipulatoren und Manipulierten – aus Leibern, Technik, Gift, Drogen, Malware, Hacks, Mutanten, Tieren, Essen; Leben, Liebe, Tod.


Als Kritik: Obwohl am Ende tatsächlich alles in der Fluchtperspektive zusammenfällt, bleibt doch der schale Nachgeschmack, dass es irgendwie anders hätte sein sollen – die Auflösung (sic!) des Ganzen dramaturgisch besser hätte inszeniert werden können.


Auch viele Rechtschreibfehler trüben den Lesegenuss.


Frank Hebben, 13.02.2020

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Re: Michael Iwoleit: Der Moloch

Ungelesener Beitrag von Ahorn Amyen »

Das war wirklich sehr interessant zu lesen, bei dem Passus:

"Sina und die beiden anderen Frauen – frisch examinierte, mit erfrischender jugendlicher Naivität gesegnete Krankenschwestern, ..."

habe ich einen Moment lang nicht aufgepasst. Und jetzt bestelle ich das Buch, wenn es nicht ausverkauft ist*! Klasse!

Euer Ahorn

*Das stimmt!

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Frank
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Re: Michael Iwoleit: Der Moloch

Ungelesener Beitrag von Frank »

Hey Ahorn. Ich danke dir. :) Also, das Buch wirst du wohl bei amazon.de problemlos erjagen können ... oder eben direkt beim Verlag:

https://www.fabylon.de/

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Re: Michael Iwoleit: Der Moloch

Ungelesener Beitrag von Doop »

Uschi freut sich über den Kauf!
„Ich habe [...] nichts gegen Filme ohne viel Handlung (z.B. Laberfilme von Rohmer), aber das Verhältnis zwischen Landschaftsmalerei, Dialog und Kawumm muss stimmen.“ (Badabumm, hier im Forum)

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Re: Michael Iwoleit: Der Moloch

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch »

Ahorn Amyen hat geschrieben:
13. Februar 2020 19:07
Das war wirklich sehr interessant zu lesen, bei dem Passus:

"Sina und die beiden anderen Frauen – frisch examinierte, mit erfrischender jugendlicher Naivität gesegnete Krankenschwestern, ..."

habe ich einen Moment lang nicht aufgepasst. Und jetzt bestelle ich das Buch, wenn es nicht ausverkauft ist*! Klasse!

Euer Ahorn

*Das stimmt!
Ja, das gibt's natürlich noch :xmas: wenn du es direkt beim Verlag bestellst bekommst du es ebenso versandkostenfrei wie beim A. https://www.fabylon.de/?s=der+Moloch&post_type=product

P.S.: Hey, das ging schnell! Danke schön! ^^ Geht morgen raus!
:bier:
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Re: Michael Iwoleit: Der Moloch

Ungelesener Beitrag von Ahorn Amyen »

Versandkosten hätte ich tatsächlich gerne gezahlt, aber die wenigsten Leser haben natürlich Verständnis dafür. Schade, dass man sich in dieser Hinsicht dem großen Herrn Ama... beugen muss, ich kenne das Problem selber sehr gut. Eines Tages spazieren wir nicht mehr durch die Innenstadt sonntags, sondern um das große Versandzentrum herum.....

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Re: Michael Iwoleit: Der Moloch

Ungelesener Beitrag von Shock Wave Rider »

Ahorn Amyen hat geschrieben:
13. Februar 2020 20:50
Versandkosten hätte ich tatsächlich gerne gezahlt, aber die wenigsten Leser haben natürlich Verständnis dafür.
Das liegt nicht an den Lesern, sondern am Gesetzgeber.
Stichwort: Buchpreisbindung

Gruß
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Re: Michael Iwoleit: Der Moloch

Ungelesener Beitrag von breitsameter »

Shock Wave Rider hat geschrieben:
14. Februar 2020 07:50
Ahorn Amyen hat geschrieben:
13. Februar 2020 20:50
Versandkosten hätte ich tatsächlich gerne gezahlt, aber die wenigsten Leser haben natürlich Verständnis dafür.
Das liegt nicht an den Lesern, sondern am Gesetzgeber.
Stichwort: Buchpreisbindung
Das musst Du erklären - was hat die Buchpreisbindung mit den Versandkosten zu tun?
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Re: Michael Iwoleit: Der Moloch

Ungelesener Beitrag von lapismont »

Habs jetzt auch endlich bestellt.

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Re: Michael Iwoleit: Der Moloch

Ungelesener Beitrag von Mammut »

Mir hatte der Roman auch sehr gut gefallen, nachdem mir die Ursprungsnovelle gar nichts gegeben hat:
Der Moloch ist kein einfaches Buch, aber mit Sicherheit eines der herausragendsten und ungewöhnlichsten und abgefahrensten der deutschsprachigen Science Fiction der letzten Jahre, wenn es auch eines der schwer verdaulichsten ist.
Lest es, aber wundert euch nicht über eure schlechten Träume!

Zur Besprechung:
https://defms.blogspot.com/2019/09/mich ... oloch.html

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Re: Michael Iwoleit: Der Moloch

Ungelesener Beitrag von Shock Wave Rider »

breitsameter hat geschrieben:
14. Februar 2020 08:17
Shock Wave Rider hat geschrieben:
14. Februar 2020 07:50
Ahorn Amyen hat geschrieben:
13. Februar 2020 20:50
Versandkosten hätte ich tatsächlich gerne gezahlt, aber die wenigsten Leser haben natürlich Verständnis dafür.
Das liegt nicht an den Lesern, sondern am Gesetzgeber.
Stichwort: Buchpreisbindung
Das musst Du erklären - was hat die Buchpreisbindung mit den Versandkosten zu tun?
So weit ich informiert bin, bedeutet Buchpreisbindung, dass ein neues Buch zum vom Verlag vorgegebenen Preis verkauft werden muss. Das gilt für alle Vertriebswege. Insbesondere dürfen keine vertriebswegspezifischen Zusatzkosten (z.B. Versandkosten bei online-Handel) erhoben werden.
Deshalb berechnet amazon z.B. keine Versandkosten bei Büchern.

Die Buchpreisbindung gilt natürlich nicht für gebrauchte Bücher.

Bevor ich es vergesse: meine positive Meinungsäußerung zum "Moloch"

Gruß
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Re: Michael Iwoleit: Der Moloch

Ungelesener Beitrag von Mammut »

Shock Wave Rider hat geschrieben:
14. Februar 2020 09:43
breitsameter hat geschrieben:
14. Februar 2020 08:17
Shock Wave Rider hat geschrieben:
14. Februar 2020 07:50
Ahorn Amyen hat geschrieben:
13. Februar 2020 20:50
Versandkosten hätte ich tatsächlich gerne gezahlt, aber die wenigsten Leser haben natürlich Verständnis dafür.
Das liegt nicht an den Lesern, sondern am Gesetzgeber.
Stichwort: Buchpreisbindung
Das musst Du erklären - was hat die Buchpreisbindung mit den Versandkosten zu tun?
So weit ich informiert bin, bedeutet Buchpreisbindung, dass ein neues Buch zum vom Verlag vorgegebenen Preis verkauft werden muss. Das gilt für alle Vertriebswege, und es dürfe keine vertriebswegspezifische Zusatzkosten (z.B. Versandkosten bei online-Handel) erhoben werden. Deshalb darf amazon z.B. keine Versandkosten erheben.

Die Buchpreisbindung gilt natürlich nicht für gebrauchte Bücher.

Gruß
Ralf
Denke nicht, zumindest sehe ich hier nichts:
https://www.gesetze-im-internet.de/buch ... 10002.html

Aber was anderes. Zweck des Gesetzes:
Das Gesetz dient dem Schutz des Kulturgutes Buch. Die Festsetzung verbindlicher Preise beim Verkauf an Letztabnehmer sichert den Erhalt eines breiten Buchangebots. Das Gesetz gewährleistet zugleich, dass dieses Angebot für eine breite Öffentlichkeit zugänglich ist, indem es die Existenz einer großen Zahl von Verkaufsstellen fördert.

Wenn man ehrlich ist, das ist ein wenig aus der Zeit gefallen. Bei dem Überangebot an Kulturgut Buch, braucht es da wirklich ein Gesetz zum Schutz?

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Re: Michael Iwoleit: Der Moloch

Ungelesener Beitrag von breitsameter »

Shock Wave Rider hat geschrieben:
14. Februar 2020 09:43
So weit ich informiert bin, bedeutet Buchpreisbindung, dass ein neues Buch zum vom Verlag vorgegebenen Preis verkauft werden muss. Das gilt für alle Vertriebswege. Insbesondere dürfen keine vertriebswegspezifischen Zusatzkosten (z.B. Versandkosten bei online-Handel) erhoben werden.
Deshalb berechnet amazon z.B. keine Versandkosten bei Büchern.
Nein, das siehst Du falsch.
Siehe hier: https://www.boersenverein.de/beratung-s ... ngskosten/
Beschaffungskosten sind die Kosten, die durch die Beschaffung eines Buches beim Verlag oder Barsortiment entstehen. Beschaffungskosten dürfen grundsätzlich nicht an den Kunden weitergegeben werden. Ausnahmsweise zulässig ist die Weiterbelastung von Beschaffungskosten in besonderen Fällen, z. B. bei Eilbestellungen. Nach der bisherigen Spruchpraxis des Kartellamtes gilt dies auch für Zeitschriften, Zeitungen, Loseblattwerke und Ergänzungslieferungen. Beschaffungskosten sind begrifflich von den Porto- bzw. Versandkosten zu unterscheiden, die beim Versand der Bücher an den Endkunden entstehen. Diese werden in aller Regel – zulässigerweise – dem Endkunden in Rechnung gestellt. Allerdings darf der Buchhändler diese Kosten übernehmen (»versandkostenfreie Lieferung«), ohne gegen das BuchPrG zu verstoßen (§ 7 Abs. 4 Ziff. 4).
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Re: Michael Iwoleit: Der Moloch

Ungelesener Beitrag von Shock Wave Rider »

Danke für die Klärung, Florian! Dann ist das eine de-facto-Norm, an die sich die meisten Verlage und Buchhändler freiwillig halten. Again what learned!

Die Sinnhaftigkeit der Buchpreisbindung sollten wir in einem eigenen Thread diskutieren.

Gruß
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Re: Michael Iwoleit: Der Moloch

Ungelesener Beitrag von breitsameter »

Shock Wave Rider hat geschrieben:
14. Februar 2020 09:54
Die Sinnhaftigkeit der Buchpreisbindung sollten wir in einem eigenen Thread diskutieren.
Am besten hier: viewtopic.php?f=5&t=982&start=165
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