13 - Zu guter Letzt: Unser persönliches Fazit!

Wir lesen und diskutieren über »S. - Das Schiff des Theseus« von J. J. Abrams und Doug Dorst
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Uschi Zietsch
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13 - Zu guter Letzt: Unser persönliches Fazit!

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch » 15. Dezember 2015 21:47

Hier schreiben wir unsere Gesamtbeurteilung, Eindrücke und eben alles rein, was uns zusammenfassend zum Buch einfällt bzw. bewegt.
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Re: 13 - Zu guter Letzt: Unser persönliches Fazit!

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch » 27. Dezember 2015 17:50

Eine rückwärts gerichtete Erzählung, die zu Beginn eine Fülle an Informationen bietet, die Zug um Zug, je mehr man sich der Auflösung bzw. dem Ende nähert, abnehmen und an Bedeutung verlieren.

Ein Verschwörungs- und Rätselbuch, das mit sehr großem Aufwand erstellt wurde und nicht nur durch die Beilagen, sondern auch im Internet akribisch weiter ausgeführt wird mit Informationen, Hintergründen und dergleichen mehr. Eine Rahmengeschichte auf diese Weise zu erzählen, die noch dazu die eigentliche Hauptgeschichte ist, hat etwas für sich. Kann man natürlich nur einmal bringen, doch das ist wirklich gut gelungen.

Gratulation an die Übersetzer, die ihre Sache hervorragend gemacht haben.

In dieser Hinsicht ein Kleinod, ein wertvolles Sammlerstück, und der Dank gilt den Verlagen, dass sie dieses Kleinod auch das Licht der Welt erblicken lassen.
Was aber nur gelingen kann, wenn sich jemand wie JJ Abrams daran macht. Der Mann hat das Ansehen und das Geld, einen solchen Aufwand zu treiben und den Erfolg der Veröffentlichung hinzubekommen. Seinen Co-Autor kenne ich nicht.
Kein Verlag würde so einen Aufwand treiben, stünde dahinter nicht mindestens ein berühmter Name, der vielleicht sogar einen Teil der Produktionskosten übernommen hat.

Eine Hommage ans Buch, ans Lesen, ans Rätselspielen mit steigender Spannung. Und für diejenigen, denen das nicht genug war und die noch mehr haben wollen, gibt es im Internet haufenweise mehr dazu. Es sind alles Ablenkungen.

Denn: Es ist dann halt auch nicht mehr. Der Streifzug durch die Film-Literatur ist sehr pointiert, nett. Der fiktive Autor Straka war für mich schon zu Beginn ab dem Moment uninteressant, als ich die lange Liste gelesen habe, woran er alles beteiligt gewesen sein soll. Das ist dann einfach zu viel (und auch zu grotesk und absurd). Bond/Blofeld.

Die Schwäche des Buches ist meiner Ansicht nach, dass Abrams Filmemacher ist und kein Literat, und dass er schon mal gern die Stringenz auf Kosten der Effekthascherei flöten gehen lässt und zu sehr zu detail- und selbstverliebten Mitteln greift, die letztendlich keinen Sinn und Zweck ergeben.
Man soll das Buch mehrmals lesen, doch dazu kommt es bei mir nicht, denn was sich jetzt nicht erschlossen hat, wird sich auch später nicht erschließen oder eine Lösung bieten, sondern höchstens eine Interpretationsvariante. Das mit dem mehrmals Lesen ist auch nur deswegen notwendig, weil man bei der Fülle an verschiedenen Leseabschnitten einfach einiges überliest bzw. wieder vergisst, denn so viele Infos werden gar nicht vermittelt, man ist nur diese „Multi-FiFo“-Aufnahme nicht gewohnt, sondern eben lineares Lesen. Ich hasse es übrigens, hin und herspringen zu müssen, um etwas zu kapieren. Suchen kann man in dem Teil gar nicht, wo denn, bei so vielen Textstellen? Deshalb verzichte ich notgedrungen einfach auf die Dinge, die mir persönlich nicht so wichtig sind – etwa die Codes und Verschlüsselungen; ich habe mich natürlich auf die Romanzen konzentriert. ;-)

Das ist für mich auch nicht der Sinn eines Buches, denn ganz ehrlich, ich bin nicht Eric, ich hab weder die Zeit noch die Lust, daraus das „Buch meines Lebens“ zu machen. Ich brauche auch keine Internetseiten mit Lösungsansätzen. Nichts ist so unwitzig wie ein Witz, der erklärt werden muss und dazu noch verschiedene Pointen anbietet.

Es ist also reine Interpretationssache, und ich interpretiere jetzt mal, dass alles eine einzige riesige Lügenbarongeschichte ist, ein Ballon, gefüllt mit heißer Luft.

Die Essenz für mich: Die Liebe in all ihren Variationen, als Nebeneffekt die Suche nach sich selbst, wer man sein will, und ob man es wagt, eine Beziehung einzugehen. Die Verschwörungstheorien sind schmückendes Beiwerk, um eine Spannung aufzubauen.

Aber ehrlich: Weniger wäre mehr gewesen, damit ich mich emotional beteiligter empfunden hätte.

Ohne diesen Lesezirkel hätte ich das Buch nicht bis zum Ende gelesen.
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Re: 13 - Zu guter Letzt: Unser persönliches Fazit!

Ungelesener Beitrag von Andreas Eschbach » 27. Dezember 2015 18:19

Das ist ja ein geradezu abschreckendes Fazit. :(

Dabei sah das Buch so schön aus …

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Re: 13 - Zu guter Letzt: Unser persönliches Fazit!

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch » 27. Dezember 2015 18:35

Ach, ich will nicht sagen, dass das Buch schlecht ist. Aber ich persönlich bin lieber ein traditioneller Leser. Für mich ist das so auf Dauer zu anstrengend, vor allem, weil ich immer auf Distanz bin. (Du weißt ja, Andreas, ich alte Romantikerin ... ;-) ) Wir kriegen ja nie eine Innensicht, abgesehen vom Zwischenspiel, und von S selbst, der ja aber kein Gedächtnis mehr hat und insofern nicht viel zu bieten.

Vom Anschauen her ist das Buch einfach toll, und die vielen Beilagen und all das sind herrlich zu durchwühlen, aber es lenkt halt doch sehr ab. Stilistisch ist der Roman streckenweise auch sehr ordentlich, und der Austausch von Jen und Eric hie und da witzig und pointiert. Aber letztendlich bleibt, finde ich, eben nur eine ganz normale Geschichte übrig, die klassische Selbstfindung, die Angst vor Bindungen, und halt die Liebe selbst. Der Thriller dient nur der Ablenkung und ist nicht wirklich vorhanden. Es wird ja auch keine Lösung hierfür angeboten, nur ein Ansatz, aber mal ehrlich, wieso soll ich nach dem Zuklappen als Leser weiterhin einer fiktiven Figur "nachjagen"?
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Re: 13 - Zu guter Letzt: Unser persönliches Fazit!

Ungelesener Beitrag von Pogopuschel » 27. Dezember 2015 19:04

Wer verstehen will, wie Abrams Geschichten erzählt, und warum man bei seinen Rätseln keine Auflösung erwarten kann, sollte sich seinen TED-Vortrag "The Mystery Box" ansehen: http://www.ted.com/talks/j_j_abrams_mystery_box

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Re: 13 - Zu guter Letzt: Unser persönliches Fazit!

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch » 28. Dezember 2015 09:04

Ach, verstehen muss ich das nicht, und ich muss das auch nicht wissen. Ich bin ja nicht enttäuscht, denn ich hatte das von Abrams nicht anders erwartet, das ist halt seine Erzählweise. Aber es ist wiederum nicht mein Geschmack und nicht das, was ich unter guter Literatur verstehe.
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Re: 13 - Zu guter Letzt: Unser persönliches Fazit!

Ungelesener Beitrag von Naut » 28. Dezember 2015 11:43

Klingt wie Lost als Buch - kann ich mir also getrost ersparen.

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Re: 13 - Zu guter Letzt: Unser persönliches Fazit!

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch » 28. Dezember 2015 13:41

Na, warte mal ab - vielleicht sind die anderen Mitleser ja völlig gegenteiliger Meinung! 8-)
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Re: 13 - Zu guter Letzt: Unser persönliches Fazit!

Ungelesener Beitrag von Naut » 28. Dezember 2015 17:16

Uschi Zietsch hat geschrieben:Na, warte mal ab - vielleicht sind die anderen Mitleser ja völlig gegenteiliger Meinung! 8-)
Kann schon sein. Aber mich schreckt auch die Gestaltung ab - obwohl ich ein Fan komplexer Bücher bin.
Vandermeers "Die Stadt der Heiligen und Verrückten" fand ich toll, ebenso Danielewskys "Das Haus". Aber diese Zettelwirtschaft reizt mich leider gar nicht.

Eine schöne Idee ist es ja trotzdem.

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Re: 13 - Zu guter Letzt: Unser persönliches Fazit!

Ungelesener Beitrag von Ender » 7. Januar 2016 20:32

Als nicht Mitlesender des Romans bringe ich jetzt gerade nicht den Ehrgeiz auf, sämtliche Lesezirkel-Beiträge durchzuarbeiten - daher besteht die Gefahr, dass diese Frage längst geklärt wurde... ich stelle sie trotzdem:
Handelt es sich bei diesem Buch eigentlich um Science Fiction? Oder allgemein: Phantastik? Oder ist es einfach nur komplex und skurril, aber in der "realen Welt" angesiedelt?
Nur mal so aus Interesse.

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Re: 13 - Zu guter Letzt: Unser persönliches Fazit!

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch » 7. Januar 2016 23:49

Der Romanteil ist als klassische Fantastik a la Gogol, B. Traven & Co erzählt, die Randnotizen sind als Liebesgeschichte Real Life (Gegenwart), die Fußnoten sind fiktive Historie/Realität, die fiktiven Hintergründe sind als Thriller aufgebaut.
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Re: 13 - Zu guter Letzt: Unser persönliches Fazit!

Ungelesener Beitrag von Ender » 8. Januar 2016 00:02

Also gilt offenbar auch hinsichtlich des Genres: von Allem etwas. Das muss ja nicht verkehrt sein.
Allerdings geht es mir genauso wie Naut:
Naut hat geschrieben:Aber mich schreckt auch die Gestaltung ab [...] diese Zettelwirtschaft reizt mich leider gar nicht.
Eine schöne Idee ist es ja trotzdem.
, daher werde ich wohl auch verzichten.

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Re: 13 - Zu guter Letzt: Unser persönliches Fazit!

Ungelesener Beitrag von Shock Wave Rider » 8. Januar 2016 12:07

Naut hat geschrieben:Aber mich schreckt auch die Gestaltung ab - [...]
Aber diese Zettelwirtschaft reizt mich leider gar nicht.
Gerade das finde ich reizvoll. So unterschiedlich sind die Geschmäcker.

Gruß
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Re: 13 - Zu guter Letzt: Unser persönliches Fazit!

Ungelesener Beitrag von Naut » 8. Januar 2016 12:50

Shock Wave Rider hat geschrieben:
Naut hat geschrieben:Aber mich schreckt auch die Gestaltung ab - [...]
Aber diese Zettelwirtschaft reizt mich leider gar nicht.
Gerade das finde ich reizvoll. So unterschiedlich sind die Geschmäcker.
Ja. Wobei ich so etwas bei Brettspielen sehr gern mag.
Bin mir auch unsicher, ob "13" überhaupt ein (herkömmliches) Buch ist oder nicht doch eher so eine Art Abenteuerspielbuch mit Zusatzmaterial.

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Re: 13 - Zu guter Letzt: Unser persönliches Fazit!

Ungelesener Beitrag von Uschi Zietsch » 4. Juni 2017 23:35

Hallo Freunde, sagt mal, hat eigentlich noch einer das Buch fertig gelesen? Oder wie steht es damit - ist es schon vergessen und verstaubt? Ich habe gesehen, es ist auf deutsch vergriffen, aber die Zweitverkäufe müssen gut laufen bei dem Rang und den Lesermeinungen, die ziemlich aktuell sind. Bei A. allerdings teuer mit 95,00) Auf Englisch ist es noch erhältlich, und da gibt es auch nochmal aktuelle Meinungen.

Dennoch: Ob sich der Aufwand gelohnt hat? Zumindest im deutschen Bereich und auch bei der englischen Ausgabe bei uns gibt es nicht sooo viele Lesermeinungen. Da haben wohl viele aufgesteckt.

Ist da eine (kleine) Internetgemeinde immer noch im Netz auf Rätseljagd, oder wendet man sich lieber aktuellen Verschwörungstheorien zu, die ja auch zuhauf zu finden sind und "spannende Spekulationen" bieten?

Hat das "Experiment" geklappt? Was meint ihr?

Ich meine: nein. Der Lesezirkel hier war eher dürftig :beanie: Ich hatte in meinem Blog allerdings schon gute Zugriffe damals (und viele Beschimpfungen wie doof, inkompetent und unverschämt ich bin mit meiner Meinung hahaha), doch das ebbte schon nach wenigen Wochen ab, und heute gibt es darauf gar keinen Zugriff mehr.
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