Lesezirkel: QUINTANA ROO von James Tiptree jr.

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lapismont
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Re: Lesezirkel: QUINTANA ROO von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von lapismont »

Die zweite Geschichte geht tatsächlich ähnliche Wege was die Darreichung anbelangt, allerdings gibt es einen langen Prolog. Man erfährt ziemlich viel nebenbei. Vom Fischfang, von der politischen Struktur und auch wieder vom seltsamen Wesen der Maya.
Und dann eine fast minimalistische Story über einen Wasserski-Ausflug. Was Jürgen als Nachhall bezeichnet, findet sich da durchaus. Mal von der phantastischen Erklärung abgesehen, hatte ich das Gefühl, hier eine Maya-Stadt zu Gesicht zu bekommen, obwohl das alles nur nebenbei passiert. Ganz kurze Blicken werfen wir darauf und trotzdem brennen sie sich ein. Aber genau so auch der Zug der Garnelen und man kommt nicht umhin, diese beiden Wanderungen zu verbinden.
Ob es nun das Überleben der Maya ist, das Verschwinden am Ende, das Überwinden einer Grenze - irgendwie passt das zusammen.

Ja, ich bin immer noch beeindruckt. Wer sponsort mir eine Exkursion nach Mexiko?
:ola:
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breitsameter
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Re: Lesezirkel: QUINTANA ROO von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von breitsameter »

lapismont hat geschrieben:Die zweite Geschichte geht tatsächlich ähnliche Wege was die Darreichung anbelangt, allerdings gibt es einen langen Prolog. Man erfährt ziemlich viel nebenbei. Vom Fischfang, von der politischen Struktur und auch wieder vom seltsamen Wesen der Maya.
Mir hat vor allem die Schilderung des Zuges der Garnelen gefallen. Allerdings atmet das irgendwie für mich sehr den Zeitgeist der 80er: dieser Zorn und diese Hilflosigkeit angesichts der Umweltzerstörung. Aber James Tiptree jr. reißt das Ruder gelungen herum, wenn sie dann unsere Hauptfigur in den Gewissenskonflikt: Mensch oder Tier stürzt. Lustig: eigentlich gefiel mir die Garnelen-Episode sogar besser als die Wasserski-Geschichte. :beanie:
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lapismont
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Re: Lesezirkel: QUINTANA ROO von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von lapismont »

ja stimmt, dieser Gewissenskonflikt in der Story kam völlig unerwartet und ebenfalls minimalistisch inszeniert. Irgendwie schreiben das moderne Autoren auf dreihundert Seiten.

Das Bild der wandernden Garnelen hat sich auch bir mir festgesetzt.
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Frank Böhmert

Re: Lesezirkel: QUINTANA ROO von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von Frank Böhmert »

Jetzt habt ihr mir aber einen Schreck eingejagt mit eurer ständigen Erwähnung von "Garnelen", die hier ihren Anfang nahm:
lapismont hat geschrieben:der Zug der Garnelen
Ich dachte schon, wir hätten bei der Überarbeitung Mist gebaut. Uff!

Das sind natürlich Langusten, genauer: Karibik-Langusten, also Riesenviecher und keine filigranen Garnelchen, und diese Wanderungen gibt es wirklich:
http://de.wikipedia.org/wiki/Karibik-Languste
Tiptree übertreibt nur ein bisschen.
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breitsameter
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Re: Lesezirkel: QUINTANA ROO von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von breitsameter »

Frank Böhmert hat geschrieben:Jetzt habt ihr mir aber einen Schreck eingejagt mit eurer ständigen Erwähnung von "Garnelen", die hier ihren Anfang nahm:
lapismont hat geschrieben:der Zug der Garnelen
Ich dachte schon, wir hätten bei der Überarbeitung Mist gebaut. Uff!

Das sind natürlich Langusten, genauer: Karibik-Langusten, also Riesenviecher und keine filigranen Garnelchen, und diese Wanderungen gibt es wirklich:
http://de.wikipedia.org/wiki/Karibik-Languste
Tiptree übertreibt nur ein bisschen.
Okay, ich verbessere mich: der Zug der Langusten hat mich sehr beeindruckt. :beanie:

Ansonsten ist mir aufgefallen, dass es von Florian F. Marzin eine Kurzgeschichtensammlung/Roman in Geschichten gibt, die auf sehr ähnliche Art phantastisches und fremde Länder/Kulturen verbindet: »Die Welt ist ein seltsamer Ort«. Der hätte 1998 auch beinahe den SFCD-Literaturpreis gewonnen.
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lapismont
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Re: Lesezirkel: QUINTANA ROO von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von lapismont »

Ah wieder etwas gelernt. Da war ich beim Lesen zu oberflächlich. Hatte das unter leckeren Schalentieren abgelegt. 45 Zentimeter. Das passt natürlich etwas besser zur beschriebenen Fangmethode. Echt, ich hatte mir das ziemlich witzig visualisiert, wie die Taucher hektisch hoch und runter paddeln mit so zappelndem Kleinvieh in den Fingern (oder im Mund - fragt mich nicht warum, ich hatte das Bild im Kopf). Warn bei mir eher 6-10 cm.

Der lange Gang der Langusten. Sollte man sich merken können.
:wink:
Torsten
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Re: Lesezirkel: QUINTANA ROO von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von Torsten »

Hier einmal zum Vergleich die Heyne-Übersetzung:
Wo früher die Spanier sich alter Sklaven entledigten, werfen Touri-
sten heute mißlungene Polaroidfotos fort. Und dann und wann ge-
sellt sich ein Tourist zu viertausend Jahre alten Gräbern. In der
Liebe ist es weiser, sich dem Lächeln und dem Glanz der Wogen zu
entziehen
.

Der alte Aufseher der Kokos-Ranch erblickte ihn zuerst. An
diesem Tag wehte ein glühend heißer Südwind. Der Strand
dampfte zu Füßen der sturmgepeitschten Kokospalmen,
und die Karibik toste vorüber wie ein Heer weißer Teufel, in
Richtung Kuba – vierhundert Meilen entfernt. Als ich zum
Strand hinunterging, um nachzusehen, wohin Don Pa´o
Camool so intensiv starrte, vermochte ich kaum auch nur
ein Auge offenzuhalten, so heftig wurde der blendend
weiße Sand hochgewirbelt.
Der verlassene Strand erstreckte sich meilenweit bis zum
dunstigen Horizont – grellweiß, mit Teer, Tang und ange-
spültem Schiffstrümmern wie mit Hieroglyphen übersät.
"Qué?" brüllte ich, um das Heulen des Winds zu übertö-
nen. "Caminante."
Neugierig kniff ich die Augen zusammen und sah ge-
nauer hin. Von den Caminantes hatte ich schon gehört, den
Wanderern früherer Zeiten, die ihr Leben damit verbrach-
ten, diese endlos lange wilde Küste entlangzuwandern,
immer wieder, hin und zurück. Möglicherweise bewegte
sich einer der dunklen Flecken auf dem Strand tatsächlich.
Würde gerne lesen: Einen neuen Roman von Caroline Janice Cherryh
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Frank Böhmert

Re: Lesezirkel: QUINTANA ROO von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von Frank Böhmert »

Torsten hat geschrieben:Hier einmal zum Vergleich die Heyne-Übersetzung
Kannst du noch dazuschreiben, Torsten, wer sie angefertigt hat?
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breitsameter
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Re: Lesezirkel: QUINTANA ROO von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von breitsameter »

Ich bin natürlich längst durch, aber ich gehe gerade meine Zettel durch und stelle fest, dass ich mehrmals über Formulierungen gestolpert bin. Auch folgender Satz klingt für mich... komisch.
Hier ein Beispiel: S. 116 , unten: »Würden Sie es glauben, dass ich ein großes Schildkrötenweibchen gefunden habe, das versucht hat, mit einem Stahlbolzen durch den Hals zu leben?«

Das Nachwort hat noch niemand erwähnt. Ich fand es etwas unnötig, da ich viele angesprochene Aspekte längst für mich herausgearbeitet hatte. Auch hat mich etwas gestört, dass so sehr auf dem Feminismus-Aspekt rumgereitet wurde (so wird Technik als männlich tituliert, das Gleichgewicht mit der Natur aber weiblichen Attributen zugeordnet), aber nicht darauf eingegangen wird, dass die Autorin eigentlich nur Männer auftreten lässt. Ein Aspekt, der für mich einige Argumente etwas außer Kraft setzt.

Ich freue mich aber jetzt umso mehr darauf, James Tiptrees SF-Erzählungen zu lesen. Wann kommt denn der nächste Band?
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Re: Lesezirkel: QUINTANA ROO von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von Lucardus »

Torsten
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Re: Lesezirkel: QUINTANA ROO von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von Torsten »

Frank Böhmert hat geschrieben:Kannst du noch dazuschreiben, Torsten, wer sie angefertigt hat?
Uta McKechneay?

Ich habe in meiner Bibliothek nur zwei weitere Übersetzungen von ihr gefunden:
- LAFFERTY, R.A.: "Es gibt kein Zurück" [YOU CAN'T GO BACK] und
- WOLFE, GENE: "Die Frau, die das Einhorn liebte" [THE WOMAN THE UNICORN LOVED]

Und den Roman:
ALDISS, BRIAN W.: "Feinde aus dem Kosmos" [EQUANTOR]
Würde gerne lesen: Einen neuen Roman von Caroline Janice Cherryh
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achimh
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Re: Lesezirkel: QUINTANA ROO von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von achimh »

breitsameter hat geschrieben:Das Nachwort hat noch niemand erwähnt. Ich fand es etwas unnötig, da ich viele angesprochene Aspekte längst für mich herausgearbeitet hatte.
Da hast du ja eigentlich recht, allerdings hatte ich mich hier stellenweise gefreut, dass mal jemand meiner Meinung ist. :)
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a3kHH
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Re: Lesezirkel: QUINTANA ROO von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von a3kHH »

Gast hat geschrieben:Zur Neuübersetzung: ohne die Leistung der damaligen Übersetzer angreifen zu wollen
es war eine andere Zeit und in der hektik und (vermutlich) der Prämisse Kosten niedrig halten und eine SF Story erzählen - ging Tiptrees hervorragende und eigenwilligi Sprache unter in den alten Ausgaben
Definitiv nicht.
Die früheren Übersetzungen transportieren sehr gut die Schönheit von Tiptrees Stories zum Leser. Sie sind aber bereits ein Vierteljahrhundert alt und damit vielleicht (?) überholt. Damals waren sie aber genau das richtige und trafen den Zeitgeist.
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a3kHH
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Re: Lesezirkel: QUINTANA ROO von James Tiptree jr.

Ungelesener Beitrag von a3kHH »

breitsameter hat geschrieben:Das Nachwort hat noch niemand erwähnt. Ich fand es etwas unnötig, da ich viele angesprochene Aspekte längst für mich herausgearbeitet hatte.
Für den unbedarften Leser unbedingt notwendig. Argumentierst Du hier nicht etwas sehr arrogant aus der Sicht des SF-Spezialisten ?
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breitsameter
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Re: Lesezirkel: QUINTANA ROO von James Tiptree jr.

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a3kHH hat geschrieben:
breitsameter hat geschrieben:Das Nachwort hat noch niemand erwähnt. Ich fand es etwas unnötig, da ich viele angesprochene Aspekte längst für mich herausgearbeitet hatte.
Für den unbedarften Leser unbedingt notwendig. Argumentierst Du hier nicht etwas sehr arrogant aus der Sicht des SF-Spezialisten ?
Na ja, auch für den unbedarften Leser dürfte es interessanter sein, neue Dinge zu erfahren (z.B. in welcher Situation befand sich die Autorin, als sie das schrieb?) und nicht eine Interpretation der gelesenen Texte nachgeschoben zu bekommen... das finde ich immer etwas oberlehrerhaft. Nach dem Motto: Passt gut aus, und dass wollte die Autorin uns damit sagen.
Vielleicht bin ich da etwas überempfindlich, das will ich nicht ausschließen (liegt sicher auch an meinen schrecklichen Deutsch-Lehrern, die einst nur ihre Interpretation gelten ließen...). Liegt sich aber auch daran, dass ich wie erwähnt die Argumentation der Autorin des Nachworts etwas lückenhaft finde.

Das durchweg positive Bild des Bandes trübt das allerdings natürlich nicht ein.
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