molosovsky hat geschrieben:...Am wichtigsten finde ich, sich immer erstmal zu vergewissern, wer die Genre-Frage warum stellt, bzw. wer warum wie eine Genre-Definition oder Genre-Zuweisung vornimmt.
...
Eine große Dummheit, der man durchaus empörend oft beim Umgang mit Genre-Begriffen begegnet, ist die Annahme, die Genres ließen sich mit großer Genauigkeit eindeutig definieren und voneinander abgrenzen, bzw. einzelne Werke ließen sich entsprechend eindeutig einem (und nur einem!) Genre zuordnen. -- Ich hab schon einige Male die Metapher bemüht, dass Genre-Begriffe kein Schubladensystem bilden, sondern ein Genre-Begriff eher wie ein Betrachtungsfilter ist, und beim Blick durch diesen verschiedene Eigenschaften eines Werkes betont oder geschwächt werden (und man kann ein Werk eben durch verschiedene Genre-Begriffs-Filter sinnvoll betrachten).
Am interessantesten und vielleicht nützlichsten finde ich Genre-Begriffe, wenn man über Entwicklungs-, Traditions- & Beziehungs-Räume nachdenken will, also hinsichtlicher der Beziehungen des Einflusses, des aufeinander Verweisens, des kritischen, ablehnden oder zustimmenden Diskurses, welche zwischen Werken bestehen (oder bestehen könnten).
Grüße
Alex / molo
Eine Frage mit der Gegenfrage zu beantworten, warum die erste Frage gestellt wird, klingt immer so verdächtig.
Wenn jemand von mir wissen will, was ist "Science Fiction", dann antworte ich: "Literatur/Filme/Comics, in der/denen die mehr oder weniger plausibele Extrapolation technischer und/oder naturwissenschaftlicher Theorien und Entwicklungen eine wesentliche Rolle spielen.", wenn mich jemand fragt, was ein "Krimi" sei, dann ersetze ich den "Extrapolation etc."-Teil mit "Verbrechen und häufig ihre Aufklärung".
Wenn man die "Macht" auch noch so (fantasymäßig) unwissenschaftlich findet, "Star Wars" ist nach der Definition SF, weil Raumfahrt- und Robotertechnik extrapoliert wurde.
Dass ein Roman/Comic/whatever in mehr als eine Kategorie passen kann, oder in kein etabliertes Genre, oder nicht eindeutig, weil in einer Geschichte offengelassen wird, ob ein Phänomen die Weiterentwicklung bekannter Wissenschaft und Technik oder mehr Magie sein soll, tut dem ja keinen Abbruch.
Den bekannten Einwand, dass ein fliegender Besen und ein überlichtschnelles Raumschiff beide nicht wissenschaftlich erklärbar seien, und es von daher keinen Unterschied zwischen Fantasy und SF gäbe, halte ich aber trotzdem für falsch.
SF wird nicht dadurch definiert, dass die darin dargestellte Technik irgendwann umgesetzt wird.
Überlichtschnelle Raumschiffe sind eine Extrapolation (wenn auch nicht eine besonders wahrscheinliche, beim derzeitigen stand der Technik) von unterlichtschnellen Raumschiffen. Fliegende Besen sind keine Extrapolation von normalen Besen, eine Extrapolation von Reisigbesen wären dampfgetriebene Fegemechanismen oder vllt. noch Staubsauger, wenn es richtig abgehoben sein darf.
