Wie Autoren arbeiten.
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Wie Autoren arbeiten.
Bei seiner Lesung in München erzählte der kanadische SF-Autor Cory Doctorow auch etwas über seine Entscheidung als Autor zu arbeiten und einen seiner Grundsätze: Er nahm sich damals vor, jeden Werktag zu schreiben. Und zwar jeden Tag mindestens 250 Wörter (inzwischen ist er bei einem Minimum von 2.500 Wörter angekommen). Egal, ob er Lust darauf hatte, oder nicht. Egal, ob er unterwegs war oder zuhause. Einfach jeden Tag schreiben. »I never heard of a surgeon's block«, sagte er dazu, also warum sollte es etwas wie einen »author's block« geben?
Cory Doctorow hat sich dabei ein paar Tricks angewöhnt, die es für ihn leichter machen sollen, dieses Pensum durchzuhalten. Er sagte z.B., dass er jeden Tag mitten im Satz aufhören würde – dann würde es nämlich am nächsten Tag leicht fallen, schon einmal die ersten paar Worte zu schreiben, nur um den letzten Satz zu beenden.
Außerdem meinte er, dass es natürlich Tage gäbe, an denen er das Gefühl habe, dass es nur so aus ihm herausfließen würde, und selbstverständlich auch Tage, an denen jedes Wort ein Kampf wäre. Aber das verrückte daran sei, dass er später beim Redigieren des fertigen Romans nicht mehr sagen könnte, welche Stellen er wann geschrieben hätte – die Tagesform und der Spaß daran hätten bei ihm meist nur wenig Einfluss auf die Qualität des Textes.
Cory Doctorow hat sich dabei ein paar Tricks angewöhnt, die es für ihn leichter machen sollen, dieses Pensum durchzuhalten. Er sagte z.B., dass er jeden Tag mitten im Satz aufhören würde – dann würde es nämlich am nächsten Tag leicht fallen, schon einmal die ersten paar Worte zu schreiben, nur um den letzten Satz zu beenden.
Außerdem meinte er, dass es natürlich Tage gäbe, an denen er das Gefühl habe, dass es nur so aus ihm herausfließen würde, und selbstverständlich auch Tage, an denen jedes Wort ein Kampf wäre. Aber das verrückte daran sei, dass er später beim Redigieren des fertigen Romans nicht mehr sagen könnte, welche Stellen er wann geschrieben hätte – die Tagesform und der Spaß daran hätten bei ihm meist nur wenig Einfluss auf die Qualität des Textes.
Täglich geht die Sonne auf,
täglich weicht die Nacht Dem Licht.
Alles siehst du irgendwann wieder,
nur verliehene Bücher nicht.
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Re: Wie Autoren arbeiten.
Jepp.
Ich kann dem Mann nur zustimmen.
Selbst wenn das tägliche Pensum kleiner angesetzt ist, man geht schließlich noch einem Brötchenjob nach und kann seine Texte weder weder verschenken, noch seine Schlafgewohnheiten vollkommen dem Schreiben unterordnen, ist das tägliche Lesen und Schreiben der "Job" eines Autoren.
Egal wie bekannt oder unerkannt.
Gleichgültig ob Millionenbestseller oder Kleinverlagsschreiberling.
Ohne regelmäßiges Lesen, am besten sogar querbeet durch die verschiedensten Genres, damit man nicht betriebsblind wird, fehlt Grundlage Nummer Eins.
Nur so bekommt der "Scheiße-auf-Papier-Apparat" des Autoren genug Parameter, damit er den Mist auch zielsicher erkennt, den man selber manchmal verzapft
Und ohne regelmäßiges Schreiben fehlt Grundlage Nummer Zwei.
Mir persönlich ist es erstmal wurscht, was ich für einen Mist zu einer grandiosen Idee tippe.
Jeden Tag, auch an Wochenenden und Feiertagen, ja selbst an meinem Geburtstag, sitze ich mindestens eine Stunde vor dem Bildschirm, und tippe.
Manchmal springe ich dabei von einem Projekt um nächsten.
Aber meistens bleibe ich bei der Sache hängen, die mich am stärksten packt.
Geschriebenes kann man ändern, umarbeiten, streichen, nach vorne holen oder nach hinten versetzen.
Nichts Geschriebenes ... nun ... wer damit arbeiten kann, dem zolle ich meinen tiefsten Respekt
LG
Dirk
Ich kann dem Mann nur zustimmen.
Selbst wenn das tägliche Pensum kleiner angesetzt ist, man geht schließlich noch einem Brötchenjob nach und kann seine Texte weder weder verschenken, noch seine Schlafgewohnheiten vollkommen dem Schreiben unterordnen, ist das tägliche Lesen und Schreiben der "Job" eines Autoren.
Egal wie bekannt oder unerkannt.
Gleichgültig ob Millionenbestseller oder Kleinverlagsschreiberling.
Ohne regelmäßiges Lesen, am besten sogar querbeet durch die verschiedensten Genres, damit man nicht betriebsblind wird, fehlt Grundlage Nummer Eins.
Nur so bekommt der "Scheiße-auf-Papier-Apparat" des Autoren genug Parameter, damit er den Mist auch zielsicher erkennt, den man selber manchmal verzapft
Und ohne regelmäßiges Schreiben fehlt Grundlage Nummer Zwei.
Mir persönlich ist es erstmal wurscht, was ich für einen Mist zu einer grandiosen Idee tippe.
Jeden Tag, auch an Wochenenden und Feiertagen, ja selbst an meinem Geburtstag, sitze ich mindestens eine Stunde vor dem Bildschirm, und tippe.
Manchmal springe ich dabei von einem Projekt um nächsten.
Aber meistens bleibe ich bei der Sache hängen, die mich am stärksten packt.
Geschriebenes kann man ändern, umarbeiten, streichen, nach vorne holen oder nach hinten versetzen.
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Re: Wie Autoren arbeiten.
Wenn ich mich in ein derart starkes Korsett zwänge, kann ich auch als Angestellter irgendwo arbeiten gehen.
Selbstverständlich habe auch ich einen Plan und ein Pensum und Disziplin, aber erlege mir niemals einen starren Stundenplan auf, von wann bis wann ich wie viel zu schreiben habe. Dafür bin ich kein freiberuflicher Autor: ich teile mir meine Zeit ein, wie es am besten passt, und ich passe sie flexibel an, indem ich dann frei nehme, wenn das Wetter schön ist, und nicht, weil ich gerade "Mittagspause" habe.
Aber in einem hat er recht: Schreibblockade gibt es nicht.
Selbstverständlich habe auch ich einen Plan und ein Pensum und Disziplin, aber erlege mir niemals einen starren Stundenplan auf, von wann bis wann ich wie viel zu schreiben habe. Dafür bin ich kein freiberuflicher Autor: ich teile mir meine Zeit ein, wie es am besten passt, und ich passe sie flexibel an, indem ich dann frei nehme, wenn das Wetter schön ist, und nicht, weil ich gerade "Mittagspause" habe.
Aber in einem hat er recht: Schreibblockade gibt es nicht.
Uschi
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Re: Wie Autoren arbeiten.
Hallo Uschi.
Ja, auch wenn ich Doctorow im Grunde zustimme, so starr, wie er es beschreibt und wie ich offenbar rüberkomme, halte ich es auch nicht.
Die einzigen Konstanten, die ich bei meinem Schreiben habe, sind eben die eine Stunde Schreiben pro Tag (so, wie eben auch der Zeitpunkt dafür zwischen all den anderen Verpflichtungen des Lebens da ist) und die eine Stunde, die ich mindestens lese.
Ich halte nicht viel von Wortvorgaben, die erreicht werden müssen. Weder beim Lesen, noch beim Schreiben.
Ich halte aber sehr viel von Disziplin, da sie mir gerade was das Schreiben betrifft unheimlich hilft, am Ball zu bleiben.
Dadurch habe ich zwar die Zahl der lesbaren und veröffentlichten Texte aus meiner Feder nicht signifikant erhöht, aber ich glaube ganz fest daran, dass diese Diszlipin die Qualität meines Schreibens schon enorm verbessert hat.
Es ist wie beim Sport.
Am Anfang ist man voller Enthusiasmus dabei, und läuft in Gedanken vielleicht schon den Boston Marathon mit. Dann kommt eine Freundin oder die Frau dazwischen, der Hund muss zum Tierarzt, der Tag im Job war scheiße ... Nach einer Woche ohne Training plagt einen das schlechte Gewissen. Also legt man wieder los.
Aber irgendetwas ist diesmal alles anders.
Das Aufwärmen und Dehnen ist schon mühselig, das Laufen selber ist irgendwie lästig (vielleicht ist es ja schon recht kalt geworden?) und am nächsten Tag kann man vor lauter Kraft kaum aus dem Bett aufstehen.
Mit anderen Worten:
Man hat den Spaß, die Kondition und das Ziel aus den Augen verloren.
Schlimmstenfalls betreibt man sein Hobby danach nur noch sporadisch, der Boston Marathon bleibt ein ferner Traum, und der Futterspeicher unterhalb des Brustkorbs nimmt ungeahnte Ausmaße an.
Auf das Schreiben bezogen sehe ich bei diesem Gedanken immer das Bild meines alten Deutschlehrers vor Augen, der auch an einem Buch schrieb.
Von meinem fünften bis zum zu meinem zehnten Schuljahr.
Er trug ausgeblichene Cordhosen, ein Jackett mit Lederflicken an den Ellenbogen und manchmal hatte er einen erloschenen Blick, der in unbeobachteten Momenten auf den fernen Horizont seiner Träume blickte. Vermutlich immer in der Hoffnung eines Tages doch noch sein Buch fertig zu schreiben. Aber bis zum Erreichen dieser fernen Insel, die weit hinter dem Horizont des Alltags verborgen lag, musste er sich mit den Aufsätzen seiner Schüler herumschlagen.
Ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen, aber ich vermute, dass er abends, wenn er in weinseliger Melancholie versunken war, sein altes Manuskript hervorkramte. Dort etwas änderte, hier etwas einfügte ... aber eben nie fertig wurde.
Er war es übrigens, der mir als Erster Mensch in meinem Leben sagte, dass ich da etwas hätte, und es um Gottes Willen nicht wegwerfen oder ignorieren sollte.
Klar, ich war jung, die Welt sollte mein Spielplatz werden und was so ein alter Knacker an Weisheiten von sich gab, war in etwa so interessant wie ein Wetterbericht von Radio Eriwan.
Heute sehe ich das ein wenig anders.
Heute habe ich Disziplin, oder versuche sie zumindest einzuhalten.
Auch ohne Wortvorgaben, die täglich erreicht werden müssen.
Hauptsache ist für mich, dass ich dieses Tor, dass mich in die schrillen und bunten Welten meiner Fantasie entführt, schön weit geöffnet bleibt.
LG
Dirk
Ja, auch wenn ich Doctorow im Grunde zustimme, so starr, wie er es beschreibt und wie ich offenbar rüberkomme, halte ich es auch nicht.
Die einzigen Konstanten, die ich bei meinem Schreiben habe, sind eben die eine Stunde Schreiben pro Tag (so, wie eben auch der Zeitpunkt dafür zwischen all den anderen Verpflichtungen des Lebens da ist) und die eine Stunde, die ich mindestens lese.
Ich halte nicht viel von Wortvorgaben, die erreicht werden müssen. Weder beim Lesen, noch beim Schreiben.
Ich halte aber sehr viel von Disziplin, da sie mir gerade was das Schreiben betrifft unheimlich hilft, am Ball zu bleiben.
Dadurch habe ich zwar die Zahl der lesbaren und veröffentlichten Texte aus meiner Feder nicht signifikant erhöht, aber ich glaube ganz fest daran, dass diese Diszlipin die Qualität meines Schreibens schon enorm verbessert hat.
Es ist wie beim Sport.
Am Anfang ist man voller Enthusiasmus dabei, und läuft in Gedanken vielleicht schon den Boston Marathon mit. Dann kommt eine Freundin oder die Frau dazwischen, der Hund muss zum Tierarzt, der Tag im Job war scheiße ... Nach einer Woche ohne Training plagt einen das schlechte Gewissen. Also legt man wieder los.
Aber irgendetwas ist diesmal alles anders.
Das Aufwärmen und Dehnen ist schon mühselig, das Laufen selber ist irgendwie lästig (vielleicht ist es ja schon recht kalt geworden?) und am nächsten Tag kann man vor lauter Kraft kaum aus dem Bett aufstehen.
Mit anderen Worten:
Man hat den Spaß, die Kondition und das Ziel aus den Augen verloren.
Schlimmstenfalls betreibt man sein Hobby danach nur noch sporadisch, der Boston Marathon bleibt ein ferner Traum, und der Futterspeicher unterhalb des Brustkorbs nimmt ungeahnte Ausmaße an.
Auf das Schreiben bezogen sehe ich bei diesem Gedanken immer das Bild meines alten Deutschlehrers vor Augen, der auch an einem Buch schrieb.
Von meinem fünften bis zum zu meinem zehnten Schuljahr.
Er trug ausgeblichene Cordhosen, ein Jackett mit Lederflicken an den Ellenbogen und manchmal hatte er einen erloschenen Blick, der in unbeobachteten Momenten auf den fernen Horizont seiner Träume blickte. Vermutlich immer in der Hoffnung eines Tages doch noch sein Buch fertig zu schreiben. Aber bis zum Erreichen dieser fernen Insel, die weit hinter dem Horizont des Alltags verborgen lag, musste er sich mit den Aufsätzen seiner Schüler herumschlagen.
Ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen, aber ich vermute, dass er abends, wenn er in weinseliger Melancholie versunken war, sein altes Manuskript hervorkramte. Dort etwas änderte, hier etwas einfügte ... aber eben nie fertig wurde.
Er war es übrigens, der mir als Erster Mensch in meinem Leben sagte, dass ich da etwas hätte, und es um Gottes Willen nicht wegwerfen oder ignorieren sollte.
Klar, ich war jung, die Welt sollte mein Spielplatz werden und was so ein alter Knacker an Weisheiten von sich gab, war in etwa so interessant wie ein Wetterbericht von Radio Eriwan.
Heute sehe ich das ein wenig anders.
Heute habe ich Disziplin, oder versuche sie zumindest einzuhalten.
Auch ohne Wortvorgaben, die täglich erreicht werden müssen.
Hauptsache ist für mich, dass ich dieses Tor, dass mich in die schrillen und bunten Welten meiner Fantasie entführt, schön weit geöffnet bleibt.
LG
Dirk
Re: Wie Autoren arbeiten.
das könnte ich sein, nur war ich nie deutschlehrer und mein buch ist jetzt doch noch fertig geworden ist.Dirk hat geschrieben: Auf das Schreiben bezogen sehe ich bei diesem Gedanken immer das Bild meines alten Deutschlehrers vor Augen, der auch an einem Buch schrieb.
Von meinem fünften bis zum zu meinem zehnten Schuljahr.
[...]
Ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen, aber ich vermute, dass er abends, wenn er in weinseliger Melancholie versunken war, sein altes Manuskript hervorkramte. Dort etwas änderte, hier etwas einfügte ... aber eben nie fertig wurde.
was ich sagen wollte, die einzige konstante bei meinen schreibsessions ist das wodkaglas. meist ist es zuerst voll und am ende der session leer.
eine stunde schreiben, ja, doch nie zu festgelegten zeiten. daher hab' ich mein netbook immer mit. ich weiß ja nie, wann mich die schreiblust überfällt, daher steuere ich auch schon mal eine autobahnraststätte an (dann natürlich ohne wodkaglas, wenn auch nur widerwillig). wie du schon sagst: alles eine frage der disziplin. ich höre auf meine schreibsubpersönlichkeit, wenn sie ihre gedanken loswerden will. egal wo.
- Nina
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Re: Wie Autoren arbeiten.
Man vergisst aber da eines: Schreiben ist eigentlich der kleinste Teil der Arbeit. Vor allem das Überarbeiten ist ja die Krux. (Aber nein, wir sind ja alle supergeniale Autoren, wo von Anfang an jedes Wort an seinem Platz ist und Tippfehler ... was ist denn das? Kann man denn in einem Satz auch mal ein Wort vergessen? - Nie im Leben! *vor Ironie trief*) Man muss korrespondieren und Lektorate einarbeiten, erwartet wird außerdem von einem Autor, dass er Lesungen gibt, Präsenz bei Messen u.ä. zeigt, Interviews gibt, sich in Ezines einbringt usw. Von den ganzen Bewerbungen schreiben ganz zu schweigen. So etwas klingt direkt so, als würde allein das tolle Fernsehprogramm den Autor vom Schreiben abhalten.
Das von mitten im Satz aufhören zu schreiben, ist eine nette Geschichte, die halt gut in Interviews kommt, nicht mehr und nicht weniger. Als ernsthaften Tipp kann ich das nicht werten.
Aber ist O.K. Er arbeitet so oder gibt es zumindest vor, so zu arbeiten. (Und Harry Potter wurde übrigens auf Papierservietten geschrieben, weil die Autorin zu arm für eine Hunderterpackung Kopierpapier war ...
)
Das von mitten im Satz aufhören zu schreiben, ist eine nette Geschichte, die halt gut in Interviews kommt, nicht mehr und nicht weniger. Als ernsthaften Tipp kann ich das nicht werten.
Aber ist O.K. Er arbeitet so oder gibt es zumindest vor, so zu arbeiten. (Und Harry Potter wurde übrigens auf Papierservietten geschrieben, weil die Autorin zu arm für eine Hunderterpackung Kopierpapier war ...
Re: Wie Autoren arbeiten.
Hallo Nina.
Das, was du da verlangst, wäre aber DIE GANZE WAHRHEIT.
Und ich glaube kaum, dass die Menschen dort draußen DIE GANZE WAHRHEIT überhaupt wissen wollen.
Supermodells leben im Jet-Set und führen ein aufregendes Leben, Schauspieler liegen gelangweilt in den Swimmingpools ihrer Traumvillen, und Schriftsteller sitzen gedankenverloren in ihren Arbeitszimmern und warten auf den göttlichen Funken, bis sie abends schließlich zu irgendeiner Cocktailparty gehen.
Das Supermodells von Termin zu Termin hetzen, einen 16 bis 18 Stunden Tag haben, immer und überall lächeln und verführerisch aussehen müssen, Kalorien noch schlimmer zählen, als ein Übergewichtiger bei den Weight-Watchers; dass Schauspieler sich ständig fit halten und ebenso für ihre Rollen bewerben müssen, wie Herr Müller-Lüdenscheid vom Eckhaus die Straße runter, nachdem seine Arbeitskraft freigesetzt wurde, und dass ein Autor nicht nur schreiben, sondern auch ausbessern, korrigieren, sich mit jedem neuen Roman bewerben muss … dass sind Dinge, die die Leute da draußen nicht hören wollen.
Und weißt du warum?
Weil die Leute dann feststellen würden, dass es ihnen vielleicht viel besser geht, in ihrer kleinen Welt, als den „wirklich Großen und Wichtigen“.
Es würde ihnen die Illusion nehmen.
Die wirklich Großen und Wichtigen wären, sollte jemals die GANZE WAHRHEIT ans Tageslicht kommen, plötzlich wie sie selber.
Täglich darum kämpfend, ihren Status zu behalten.
Das wäre im Vergleich etwa so, als würde ein Illusionist die Leute zuerst mit einem tollen Trick beeindrucken, und ihnen dann, gegen Ende der Show zeigen, wie dumm sie doch alle waren, dass sie auf ihn reingefallen sind, weil alles nur technische Tricks und Handwerk waren.
Und außerdem war Doctorow schon gefährlich nah an der GANZEN WAHRHEIT dran, als er sagte, dass er jeden Tag schreibt.
Auch wenn er unterwegs ist und eigentlich gar keine Lust hat.
In dem Sinne verstehe ich deine Aufregung nicht.
Als Schriftstellerin ist es deine Aufgabe, die Leute wie ein Illusionist zu unterhalten.
Die Wahrheit über deinen Alltag würde diese Illusion vernichten, sie würden sich bei all deinen Geschichten fragen, wann und wie du sie geschrieben hast, und ob du das wirklich alles selber geschafft hast, oder vielleicht doch im Hintergrund irgendwo ein Heer aus Lohnschreibern im Keller versteckt hältst, die all das für dich verfassen, weil du ja auf Lesungen in der Weltgeschichte rumgondelst, Korrespondenzen beantwortest, dich bei Verlagen bewirbst, deine Brötchen und deine Miete verdienen musst ...
Ich glaube, dass man in diesem Job ebenso Schauspieler sein muss, wie als Supermodell oder Oscarpreisträger oder Callcenter Agent.
Die Menschen möchten unterhalten und mit der Ware / Dienstleistung ihrer Wahl bedient werden.
Welche Arbeit dahinter steckt, interessiert sie nicht. Arbeit und Stress und Druck haben die selber schon genug. Und da ist jeder der "wirklich Großen und Wichtigen", der sich dann auch noch über seinen 18-Stundentag beschwert, direkt unten durch, ein Weichei, ein Snob, schließlich haben sie sich diesen Job ja selber ausgesucht, während der Callcenter Agent vielleicht von der Agentur für Arbeit zu seinem Job gezwungen wurde.
LG
Dirk
Das, was du da verlangst, wäre aber DIE GANZE WAHRHEIT.
Und ich glaube kaum, dass die Menschen dort draußen DIE GANZE WAHRHEIT überhaupt wissen wollen.
Supermodells leben im Jet-Set und führen ein aufregendes Leben, Schauspieler liegen gelangweilt in den Swimmingpools ihrer Traumvillen, und Schriftsteller sitzen gedankenverloren in ihren Arbeitszimmern und warten auf den göttlichen Funken, bis sie abends schließlich zu irgendeiner Cocktailparty gehen.
Das Supermodells von Termin zu Termin hetzen, einen 16 bis 18 Stunden Tag haben, immer und überall lächeln und verführerisch aussehen müssen, Kalorien noch schlimmer zählen, als ein Übergewichtiger bei den Weight-Watchers; dass Schauspieler sich ständig fit halten und ebenso für ihre Rollen bewerben müssen, wie Herr Müller-Lüdenscheid vom Eckhaus die Straße runter, nachdem seine Arbeitskraft freigesetzt wurde, und dass ein Autor nicht nur schreiben, sondern auch ausbessern, korrigieren, sich mit jedem neuen Roman bewerben muss … dass sind Dinge, die die Leute da draußen nicht hören wollen.
Und weißt du warum?
Weil die Leute dann feststellen würden, dass es ihnen vielleicht viel besser geht, in ihrer kleinen Welt, als den „wirklich Großen und Wichtigen“.
Es würde ihnen die Illusion nehmen.
Die wirklich Großen und Wichtigen wären, sollte jemals die GANZE WAHRHEIT ans Tageslicht kommen, plötzlich wie sie selber.
Täglich darum kämpfend, ihren Status zu behalten.
Das wäre im Vergleich etwa so, als würde ein Illusionist die Leute zuerst mit einem tollen Trick beeindrucken, und ihnen dann, gegen Ende der Show zeigen, wie dumm sie doch alle waren, dass sie auf ihn reingefallen sind, weil alles nur technische Tricks und Handwerk waren.
Und außerdem war Doctorow schon gefährlich nah an der GANZEN WAHRHEIT dran, als er sagte, dass er jeden Tag schreibt.
Auch wenn er unterwegs ist und eigentlich gar keine Lust hat.
In dem Sinne verstehe ich deine Aufregung nicht.
Als Schriftstellerin ist es deine Aufgabe, die Leute wie ein Illusionist zu unterhalten.
Die Wahrheit über deinen Alltag würde diese Illusion vernichten, sie würden sich bei all deinen Geschichten fragen, wann und wie du sie geschrieben hast, und ob du das wirklich alles selber geschafft hast, oder vielleicht doch im Hintergrund irgendwo ein Heer aus Lohnschreibern im Keller versteckt hältst, die all das für dich verfassen, weil du ja auf Lesungen in der Weltgeschichte rumgondelst, Korrespondenzen beantwortest, dich bei Verlagen bewirbst, deine Brötchen und deine Miete verdienen musst ...
Ich glaube, dass man in diesem Job ebenso Schauspieler sein muss, wie als Supermodell oder Oscarpreisträger oder Callcenter Agent.
Die Menschen möchten unterhalten und mit der Ware / Dienstleistung ihrer Wahl bedient werden.
Welche Arbeit dahinter steckt, interessiert sie nicht. Arbeit und Stress und Druck haben die selber schon genug. Und da ist jeder der "wirklich Großen und Wichtigen", der sich dann auch noch über seinen 18-Stundentag beschwert, direkt unten durch, ein Weichei, ein Snob, schließlich haben sie sich diesen Job ja selber ausgesucht, während der Callcenter Agent vielleicht von der Agentur für Arbeit zu seinem Job gezwungen wurde.
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Re: Wie Autoren arbeiten.
LOOOOL Nina, du bringst es auf den Punkt.Nina hat geschrieben:Man vergisst aber da eines: Schreiben ist eigentlich der kleinste Teil der Arbeit. Vor allem das Überarbeiten ist ja die Krux. (Aber nein, wir sind ja alle supergeniale Autoren, wo von Anfang an jedes Wort an seinem Platz ist und Tippfehler ... was ist denn das? Kann man denn in einem Satz auch mal ein Wort vergessen? - Nie im Leben! *vor Ironie trief*) Man muss korrespondieren und Lektorate einarbeiten, erwartet wird außerdem von einem Autor, dass er Lesungen gibt, Präsenz bei Messen u.ä. zeigt, Interviews gibt, sich in Ezines einbringt usw. Von den ganzen Bewerbungen schreiben ganz zu schweigen. So etwas klingt direkt so, als würde allein das tolle Fernsehprogramm den Autor vom Schreiben abhalten.
Das von mitten im Satz aufhören zu schreiben, ist eine nette Geschichte, die halt gut in Interviews kommt, nicht mehr und nicht weniger. Als ernsthaften Tipp kann ich das nicht werten.
Aber ist O.K. Er arbeitet so oder gibt es zumindest vor, so zu arbeiten. (Und Harry Potter wurde übrigens auf Papierservietten geschrieben, weil die Autorin zu arm für eine Hunderterpackung Kopierpapier war ...)
Man darf nie vergessen: Ein Autor ist ein Geschichtenerzähler. Insofern erzählt er auch gern G'schichten über seine Art zu schreiben.
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Re: Wie Autoren arbeiten.
Nina, das Ärgerlichste und Zeitaufwendigste hast Du in Deiner Aufzählung vergessen: die Recherche. Man kann Stunden und Tage damit zubringen, irgendwelchen Details nachzujagen, und hat noch keine einzige Zeile geschrieben. Überarbeiten, Korrigieren, Layouten und sonstige rein handwerkliche Dinge mache ich dagegen recht gern. Man muß sich nichts ausdenken dabei. 
Ansonsten habe ich eher ein Problem mit der Motivation. Wenn kein Termin anliegt und eine Story oder ein Kapitel noch in den Anfängen steckt, dann muß ich mich manchmal regelrecht zwingen, den Text aufzurufen und weiterzuschreiben. Es gibt 100 Ausreden, warum man es im Moment eben nicht tut, und ich kenne sie alle.
Frank
Ansonsten habe ich eher ein Problem mit der Motivation. Wenn kein Termin anliegt und eine Story oder ein Kapitel noch in den Anfängen steckt, dann muß ich mich manchmal regelrecht zwingen, den Text aufzurufen und weiterzuschreiben. Es gibt 100 Ausreden, warum man es im Moment eben nicht tut, und ich kenne sie alle.
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Re: Wie Autoren arbeiten.
Hihi, nicht nur du. Ohne Termindruck tät gar keiner von uns auch nur irgendwas, außer hie und da ein paar Zeilen und herumdödeln. *ggggg
P.S.: Ich kenn bestimmt noch ein paar Ausreden mehr. Stichwort: Kühlschrank ...
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Re: Wie Autoren arbeiten.
Das setzt ja wohl zwingend voraus, das Supermodells, Schauspieler und Autoren zu den wirklich Großen und Wichtigen dazugehören, nicht wahr? Was jedoch ehr zu bezweifeln ist.Dirk hat geschrieben:Weil die Leute dann feststellen würden, dass es ihnen vielleicht viel besser geht, in ihrer kleinen Welt, als den „wirklich Großen und Wichtigen“.
„Weisen Sie Mittelmäßigkeit wie eine Seuche zurück, verbannen Sie sie aus ihrem Leben.“ – Buck Rogers
#The World from the nefarious Ming the Merciless
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Re: Wie Autoren arbeiten.
Ob es tatsächlich das Zeitaufwendigste ist, ist die Frage und sicher davon abhängig, was jemand schreibt, welche Ausbildung er hinter sich gebracht hat bzw. was für einen Beruf er ausübt und an welches Thema er sich wagt. Da mag es durchaus sein, dass jemand vor allem über Dinge schreibt, die er in Grundzügen bereits kennt. Aber zeitaufwendig ist es allemal und es ist auch sicher nicht das Einzige, das ich vergessen habe. Beispielsweise stelle ich mir es mir extrem zeitaufwendig und nervenaufreibend vor, als Schriftsteller bei einer "Leserunde mit Autor" in einem Forum mitzumachen. Viele erwarten aber auch das von einem Autor, mitunter könnte ich mir sogar vorstellen, dass der Verlag ein bisschen Druck macht ...Nina, das Ärgerlichste und Zeitaufwendigste hast Du in Deiner Aufzählung vergessen: die Recherche.
Oft unterhält die Wahrheit mehr als die Fiktion. Mich hat nach meiner letzten Lesung jemand gefragt, wie denn die Wohnung von jemandem aussieht, der so düstere Geschichten schreibt. Ich meinte dann auch, dass die Wände nicht schwarz angemalt sind und ich auch einen rosaroten Hello-Kitty-Bettvorleger habe und ich hatte das Gefühl, das hat die Leute mehr unterhalten, als ob ich jetzt gesagt hätte, dass ich eine minimalistisch eingerichtete Designerwohnung hätte, wo Grau die freundlichste Farbe ist (was dann auch tatsächlich geschwindelt gewesen wäre) ... Man pickt sich dann aber natürlich etwas raus und ich denke, da liegt der Unterhaltungswert.Als Schriftstellerin ist es deine Aufgabe, die Leute wie ein Illusionist zu unterhalten.
Ich denke auch nicht, dass das jetzt tatsächlich "gelogen" ist, es ist auch hier so eine Halbwahrheit. Er versucht es, jeden Tag zu schreiben und wenn normaler Alltag ist, gelingt ihm das wohl auch. Das mit dem halben Satz macht er vielleicht auch gelegentlich, wenn er mal halb vor dem Bildschirm einschläft, aber als toller Trick gegen Schreibblockaden?
Und ja, ich mag auch einen gewissen Anteil an Illusion. Ich weiß beispielsweise, dass heutzutage ein großer Anteil von Interviews per Mail geführt wird. Aber ich hasse es, das an den Interviews selbst zu merken! (Was man an eingebauten Emoticons, Verweise auf so lange Links, dass das kein Mensch spontan im Gespräch runterrasseln könnte oder gar Extreme wie Bemerkungen, man würde zwischendurch duschen (!) gehen und später weiterschreiben usw. natürlich sehr deutlich merkt.)
Re: Wie Autoren arbeiten.
Ich persönlich bezweifele das ja auch.Ming der Grausame hat geschrieben:Das setzt ja wohl zwingend voraus, das Supermodells, Schauspieler und Autoren zu den wirklich Großen und Wichtigen dazugehören, nicht wahr? Was jedoch ehr zu bezweifeln ist.Dirk hat geschrieben:Weil die Leute dann feststellen würden, dass es ihnen vielleicht viel besser geht, in ihrer kleinen Welt, als den „wirklich Großen und Wichtigen“.
Aber wenn du mal nur ein wenig rumhörst, in der Bahn, in Cafes oder die Flimmerkiste nicht direkt umschaltest, sobald die News of the World kommen, wirst du feststellen, dass der Durchfall eines Schauspielers ebensoviel Sendezeit erhält, wie die Talfahrt des Euro, das den "Bretterporter"-Modenschauen journalistisch die gleiche Aufmerksamkeit zuteil wird, wie der letzten Sitzung des Landesvorstands der SPD ...
Okay, das Bild ist schief und auf ziemlich haarige Art polemisiert, aber im Grunde glaube ich schon, dass ich Recht habe.
Die Menschen möchten gerne, dass es irgendwo auf der Welt besser ist, als in ihrern eigenen vier Wänden. Sie brauchen Promis, und sei es nur, um sie in Bausch und Bogen zu verdammen.
Da ist die Wahrheit oft hinderlich.
Doctorow, seine Worte, mein eigenes Verhalten und die GROßE WAHRHEIT
Ich schreibe tatsächlich jeden Tag mindestens eine Stunde.
Das ist eine Aussage, die ehrlich ist, und sich gut macht.
Und ja, Nina, du hast Recht.
Es ist nur eine halbe Wahrheit
Was ich damit nämlich nicht sage ist, dass dieses Schreiben Recherchenotizen, Korrekturen, Exposés, Rohszenen für andere Ideen etc.pp. sein können.
Ich sage dabei bewusst nicht, dass eine KG mal schnell vier Wochen Vorbereitung brauchen kann, in denen ich nicht ein einziges Wort zur Geschichte selber schreibe. So geschehen bei "Das Leuchten in der Ferne", wo zwar die Idee sehr schnell da war, aber für die Umsetzung einiges zu recherchieren war.
Wie war das damals in Tschernobyl?
Wie es dort heute?
Wie sehen die Menschen diese Sache damals und heute, die davon betroffen waren?
Ich habe das Glück, dass ich für viele Fragen auf eine Kollegin und einen Kollegen zugreifen konnte.
Sie hat dort noch eine Oma wohnen, die sich partout weigert ihr altes Gehöft (wir würden das eher einen Schrebergarten XL nennen) zu verlassen. Er hat einen Cousin, der in der ukrainischen Armee seinen Dienst verrichtet.
An der Grenze der Sperrzone.
Insgesamt habe ich zwei A5 Hefte voll mit Notizen, die nur aus den Gesprächen mit den beiden stammen. Ein A5 Heft ist zur Hälfte mit Szenen, Landschaftseindrücken und Stimmungen vollgepackt (unter anderem stammen die Bilder der Hornwölfe und der Baragoons von den beiden. Russische Legenden eben
Das Schreiben der kleinen Geschichte war hinterher nur noch ein Klacks, obwohl ich kein 10-Finger System beherrsche.
Ein anderer Kollge, dem ich "Prototypen" geliehen hatte, fragte mich, wie lange ich an der Geschichte geschrieben hätte.
Ich antwortete wahrheitsgemäß:
"Inklusive Recherche und allem Drum und Dran etwa 5 Wochen."
"Für das kleine Geschichtchen?"
"Ja, da war Recherche drin, Nachschlagen, Leute fragen, mehrere Korrekturdurchläufe ..."
Der Kollege winkte ab.
"Das meine ich alles nicht. Wie lange hast du geschrieben?"
"Etwa fünf Stunden reine Tippzeit."
"Na siehste. Mehr wollte ich nicht gar nicht wissen."
Und so komme ich eben darauf, dass die meisten Leser nicht unbedingt der Weg des Autoren zu seinem Roman / seiner Geschichte interessiert.
Sie wollen unterhalten werden, und auf Nachfragen nicht immer was von der Passion (kommt von Leidensweg
Er schreibt, er schreibt gut oder schlecht, und gut ist.
Interessant ist vielleicht noch wie der Typ wohnt, wie der tickt und ob er nachts schwarze Hähne köpft und dabei unsinniges Zeig vor sich hin brabbelt.
Alles andere klingt zu sehr nach Job, und da gibt es doch viel interessanteres, als das langweilige Wälzen von Fachbüchern und so´n Zeugs.
Deswegen gebe ich auf die Frage, wann und wie ich schreibe immer die gleiche Standardantwort:
"Jeden Tag eine Stunde, und immer Wort für Wort."
LG
Dirk
(der jetzt auch schon wieder schreibt, bzw. geschrieben hat
- L.N. Muhr
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Re: Wie Autoren arbeiten.
Mal davon abgesehen, dass das so pauschal falsch ist, und dass das, was die Menschen glauben, eben zwangsläufig das ist, was sie nicht wissen... von all diesen Nachrichten können wir mit Bestimmtheit sagen, welche die prominentere Platzierung erhalten, welche Aufmacher der Tagesschau sind und welche nur in den Tagesthemen kurz vorm Wetter kommen, welche mit Foto auf der Titelseite der FAZ landen und welche auf der Vermischtes-Seite der WELT. Es wird nicht der Durchfall sein. (Der Landesvorstand der SPD aber sicher auch nicht. Der Bundesvorstand schon eher.)Dirk hat geschrieben: Aber wenn du mal nur ein wenig rumhörst, in der Bahn, in Cafes oder die Flimmerkiste nicht direkt umschaltest, sobald die News of the World kommen, wirst du feststellen, dass der Durchfall eines Schauspielers ebensoviel Sendezeit erhält, wie die Talfahrt des Euro, das den "Bretterporter"-Modenschauen journalistisch die gleiche Aufmerksamkeit zuteil wird, wie der letzten Sitzung des Landesvorstands der SPD ....
Das Bedürfnis ist da. Aber ein Bedürfnis existiert auch für "Perry Rhodan", trotzdem sieht nicht die gesamte Science Fiction (oder gar Phantastik oder Literatur) wie "Perry Rhodan" aus. Das ist okay so, denn die Menschen möchten viel und nicht nur eine einzige Sache. Prominete sind daher auch so manches: Projektionsfläche, Wunschbild, Ziel, Idealvorstellung... nicht nur die Idee, dass es da irgendwem besser geht als dir oder mir.
Im Endeffekt geht es dabei darum, Geschichten zu erzählen. Der Kampf von Frau K. gegen Krebs, medial ausgeschlachtet, die wundersame rehäugige Läuterung von Bushido, das sind vor allem eins: Geschichten. Und Geschichten sind nicht dazu da, dass wir uns wohlfühlen - einige tun das, andere nicht - sondern dazu, zu unterhalten.
Harold Martenstein schrieb neulich, wie sehr er von sich fasziniert sei, weil ihn die Nachrichten über den Zusammenbruch des Finanzsystems unterhalten würden. Wie eine Geschichte, bei der er eigentlich nur noch darauf wartet, dass am Ende alles zusammenkracht. Auch Dystopien sind Unterhaltung.
http://www.pannor.de
'nuff said.
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Re: Wie Autoren arbeiten.
Das hast du viel besser ausgedrückt, als ichL.N. Muhr hat geschrieben:Das ist okay so, denn die Menschen möchten viel und nicht nur eine einzige Sache. Prominete sind daher auch so manches: Projektionsfläche, Wunschbild, Ziel, Idealvorstellung... nicht nur die Idee, dass es da irgendwem besser geht als dir oder mir.
So meinte ich das auch.
Auch richtig, und auch wieder in die Kerbe gehauen, die ich vorbereitet habe.L.N. Muhr hat geschrieben:Im Endeffekt geht es dabei darum, Geschichten zu erzählen. Der Kampf von Frau K. gegen Krebs, medial ausgeschlachtet, die wundersame rehäugige Läuterung von Bushido, das sind vor allem eins: Geschichten. Und Geschichten sind nicht dazu da, dass wir uns wohlfühlen - einige tun das, andere nicht - sondern dazu, zu unterhalten.
Aber jetzt frage ich mal ganz ketzerisch:
Juckt das irgendwen, ob Bushido nur eine Kunstfigur ist?
Fragt irgendwer, wie er an seine Texte kommt?
Will jemand wissen, ob das, was er da macht, auch wirklich schwer ist, und wie sein Arbeitsalltag aussieht?
Das ist ja, was ich meinte.
Und rüpelnde Rapper mit plötzlichem Gesinnungswandel vom Saulus zum Paulus unterhalten ebenso.L.N. Muhr hat geschrieben:Harold Martenstein schrieb neulich, wie sehr er von sich fasziniert sei, weil ihn die Nachrichten über den Zusammenbruch des Finanzsystems unterhalten würden. Wie eine Geschichte, bei der er eigentlich nur noch darauf wartet, dass am Ende alles zusammenkracht. Auch Dystopien sind Unterhaltung.
Das der Bambi sich mit diesem Skandälchen den Staub von der Patina wischte, das Bushidos Management ihm zu diesem Imagewechsel geraten hat etc.pp. ... wen juckt das? Das ist der Arbeitsteil seines Lebens, den niemand interessiert.
Hauptsache Bushido ist und bleibt eine Projektionsfläche.
Die Arbeit, die Gedanken dahinter, interessieren doch im Grunde niemanden.
Und das ist es, was Doctorow in seiner Antwort geschickt umschiffte.
Das der Job des Schriftstellers sich im Grunde nur marginal von einem normalen Brötchenerwerb unterscheidet.
LG
Dirk