Angst vor der Gehirn-Kopie?

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Bully
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Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Ungelesener Beitrag von Bully »

KarlOlsberg hat geschrieben:
Bully hat geschrieben:
Andererseits gibt es die Heisenberg'sche Unschärfe einerseits und das Mehrkörperproblem in der Himmelsmechanik andererseits, wenn also Dinge, deren Verhalten man mit Formeln erfassen kann, nicht beliebig vorhersehbar sind, wie vorhersehbar sind dann wohl Menschen?
In der Praxis wird man menschliches Verhalten nie hinreichend vorhersehen können. Wahrscheinlich werden sogar zwei Kopien desselben Gehirnes manchmal unterschiedlicher Ansicht sein; mit "Bauchhirn" oder ohne.

Was jetzt die Sinnhaftigkeit des Projektes irgendwo infrage stellt, aber andererseits ist das bestimmt ein schönes Hobby.
Der Sinn eines Projekts zu - wie auch immer gearteter - "Künstlicher Intelligenz" kann es kaum sein, etwas zu schaffen, das "vorhersehbar" arbeitet.
Nicht "vorhersagbar" - "vorhersagend".
Das ist nämlich schon bei relativ simplen Softwaresystemen nicht mehr gegeben, sonst hätten wir nicht dauernd Computerprobleme.
Vorhersagbarkeit wäre ja mal was tolles.
Unvorhersehbarkeit ist also keine typisch menschliche Eigenschaft und hat auch nicht viel mit Heisenbergscher Unschärfe zu tun, sondern wohnt allen komplexen Systemen inne und ist damit auch sehr gut reproduzierbar.
...
1. Die Unschärfe bezog sich konkret auf die fehlende Willensfreiheit. Wenn der Mensch keinen freien Willen hat, ist sein Verhalten vorherbestimmt. Wenn es vorherbestimmt ist, könnte man es vorhersagen. Jetzt kann man aber wegen besagter Unschärfe nicht mal so etwas unkompliziertes wie das Verhalten eines einzelnen elektrischen Teilchens mit beliebiger Genauigkeit vorhersagen, ergo ist es möglicherweise vorherbestimmt, aber nicht vorhesagbar. Menschliches Denken besteht aber aus elektrischen Ladungen, die sich kaskadenartig über das menschliche Hirn verteilen. Eine kleine Unschärfe kann also darin resultieren, dass man beim Vorhersagen scheitert. (Also keine 100%igen Vorhersagen machen kann, statistische Aussagen gehen natürlich.) Ergo ist auch menschliches Verhalten möglicherweise vorherbestimmt, aber nicht beliebig vorhersagbar. Dass komplexe Systeme viel schwerer in Formeln (wenn überhaupt) zu fassen sind als einfache kommt noch erschwerend hinzu.

2. Das Wetter ist auch nicht vorhersehbar, dennoch versucht man, es vorherzusagen, und programmiert entsprechende Computerprogramme. Quantenschmetterling und so. Eigentlich müsste man jedes Luft und Wassermolekül erfassen. :teufel:

3. Eine denkbare Anwendungsmöglichkeit für eine Gehirn-Kopie wäre, ein konkretes menschliches Gehirn zu kopieren (wie auch immer), um dann damit die Gedankengänge dieses Menschen zu verstehen und vorherzusagen.
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Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Ungelesener Beitrag von KarlOlsberg »

Bully hat geschrieben:
3. Eine denkbare Anwendungsmöglichkeit für eine Gehirn-Kopie wäre, ein konkretes menschliches Gehirn zu kopieren (wie auch immer), um dann damit die Gedankengänge dieses Menschen zu verstehen und vorherzusagen.
Wenn das das Ziel wäre, dann wäre es in der Tat ein sinnloses Unterfangen. Ich verstehe ja nicht mal meine eigenen Gedankengänge, von Vorhersage mal ganz zu schweigen. Andererseits ist es vielleicht gar nicht notwendig, Gedanken zu verstehen, um sie vorherzusagen. Amazon, Google und die Werbeindustrie können meine Reaktion auf bestimmte Reize schon ziemlich gut vorhersagen, ohne sie im Einzelnen zu verstehen. :wink:
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Bully
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Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Ungelesener Beitrag von Bully »

KarlOlsberg hat geschrieben: ... Andererseits ist es vielleicht gar nicht notwendig, Gedanken zu verstehen, um sie vorherzusagen. Amazon, Google und die Werbeindustrie können meine Reaktion auf bestimmte Reize schon ziemlich gut vorhersagen, ohne sie im Einzelnen zu verstehen. :wink:
Das sollte einen jetzt aber wirklich Angst machen... :zombie:
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Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Ungelesener Beitrag von KarlOlsberg »

Bully hat geschrieben: Das sollte einen jetzt aber wirklich Angst machen... :zombie:
Ja, vielleicht. Ich finde es in der Tat ein bisschen bedenklich, dass Google mir immer stärker ein für mich individuell aufbereitetes Bild der Welt zeigt, das möglicherweise wenig mit dem Bild zu tun hat, das du zu sehen bekommst. Wenn wir beide denselben Suchbegriff eingeben, sehen wir - zumindest in einigen Fällen - sehr unterschiedliche Ergebnisse. Die vermeintlich objektive Realität des Internet verbirgt sich immer mehr hinter einer rosa Wolke von "bedürfnisgerecht" aufbereiteter und selektierter Information.

Aber immerhin können sie uns - noch - keine Gedanken einpflanzen. Es liegt also an uns, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.
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Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Ungelesener Beitrag von maitreya »

Naja, ich denke, man kann das Gehirn vielleicht kopieren, sagen wir mal genetisch oder sonstwie.
Allerdings können wir nicht das "Ich" oder die Identität kopieren.
Da kommt nicht mehr als ein genetisch identischer Zwilling raus, der so ähnlich denkt.

Unser "Ich" ist wie ein Termitenbau, der über Jahre entstanden ist und sich angepasst hat.
Selbst wenn man diesen Termitenbau komplett klont, müsste man auch die ganzen Umweltbedingungen kopieren, damit es auch das gleiche bleibt.

Stellt Euch mal vor, man würde Euch kopieren. Der Klone wäre im Augenblick des Kopiervorgangs ein anderer Mensch, weil er in einem anderen Körper ist und anderen Bedingungen ausgesetzt ist.
Ein Klon handelt und denkt unweigerlich aus einer anderen Perspektive und besitzt daher auch unweigerlich ein eigenes "Ich".

Man kann sicher nicht einfachso ein Gehrin am Leben erhalten, irgenwie hängt es am Ende ja an einem Körper ab.
Also muss man den ganzen Körper kopieren, da kommt bestenfalls eine 90% Kopie heraus, 100% sind einfach nicht drin ...
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Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Ungelesener Beitrag von Acryldame »

Ich denke schon, dass es mal technisch machbar sein wird, das Gehirn zu kopieren. Denn was ist das Gehirn schon außer eine Ansammlung von Neuronen (okay, sie haben ein paar tolle Glia-Zellen entdeckt, die auch für das Denken zuständig sein sollen, aber die lasse ich mal außen vor), ein Netzwerk also und damit einem Computer nicht sehr unähnlich. Man müsse nur einen Weg finden, die Neuronen gleich anzuordnen und ihre DNS entsprechend zu schalten (bestimmte Stränge aktivieren und deaktivieren), um ein System zu erhalten, dass gleich "funktioniert".

Aber selbst wenn sie "mich" kopieren würde, würden sich der Klon und ich selbst mit der Zeit auseinander entwickeln, weil wir verschiedene Erfahrungen machen und sich damit langsam unsere Persönlichkeit verändert. Die Einzigartigkeit würde also recht schnell wieder hergestellt werden.

Ich glaube, außer verletzter Eitelkeit gäbe es für mich persönlich keine Schaden. Schließlich bin ich kein Geheimagent oder so, wo es für eine Regierung interessant wäre, mich gegen eine Kopie auszuwechseln.
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Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Ungelesener Beitrag von KarlOlsberg »

maitreya hat geschrieben: Man kann sicher nicht einfachso ein Gehrin am Leben erhalten, irgenwie hängt es am Ende ja an einem Körper ab.
Also muss man den ganzen Körper kopieren, da kommt bestenfalls eine 90% Kopie heraus, 100% sind einfach nicht drin ...
Du hast recht: Selbst wenn man ein körperloses Gehirn perfekt im Computer simulieren könnte, wäre es nicht dasselbe. Die Neurowissenschaft zeigt, dass die Körperlichkeit einen sehr großen Einfluss darauf hat, wie wir denken und fühlen. Genau deshalb sind die ersten KI-Experimente oft hinter den Erwartungen zurückgeblieben, weil man es nicht geschafft hat, Computern diese Körperlichkeit zu vermitteln.
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Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

Ungelesener Beitrag von KarlOlsberg »

Acryldame hat geschrieben: Ich glaube, außer verletzter Eitelkeit gäbe es für mich persönlich keine Schaden. Schließlich bin ich kein Geheimagent oder so, wo es für eine Regierung interessant wäre, mich gegen eine Kopie auszuwechseln.
Dazu müsstest du gar keine Agentin sein. Ich könnte z.B. einen Klon von dir ein Verbrechen begehen lassen, das ich dann dir in die Schuhe schiebe. Und bei Erbschaftsstreitigkeiten könnte es auch interessante Diskussionen geben ... ;-)
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Acryldame
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Re: Angst vor der Gehirn-Kopie?

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KarlOlsberg hat geschrieben:
Acryldame hat geschrieben: Ich glaube, außer verletzter Eitelkeit gäbe es für mich persönlich keine Schaden. Schließlich bin ich kein Geheimagent oder so, wo es für eine Regierung interessant wäre, mich gegen eine Kopie auszuwechseln.
Dazu müsstest du gar keine Agentin sein. Ich könnte z.B. einen Klon von dir ein Verbrechen begehen lassen, das ich dann dir in die Schuhe schiebe. Und bei Erbschaftsstreitigkeiten könnte es auch interessante Diskussionen geben ... ;-)
Jepp, da hast du wohl recht. Aber genausogut könnte mich morgen auch ein Bus überfahren. Alles ist möglich (na ja, fast alles).
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