Thomas Wawerka hat geschrieben:Ming der Grausame hat geschrieben:Nein, ich finde nur die abstrusen, unschlüssigen und inkohärenten phantastischen Filme schlecht, eben weil sie abstrus, unschlüssig und inkohärent sind. Und das die soziale Hierarchie in eine auf Zeit basierende Gesellschaft viel ausgeprägter als in eine auf kapitalistischen Grundlagen sein soll, halte ich für ein Gerücht, die von den soziologischen Untersuchungen bezüglich der Klassengliederung einer modernen kapitalistischen Gesellschaft nicht gedeckt werden. Nach dem US-amerikanischer Soziologe und Professor an der University of Wisconsin Erik Wright unterteilt sich z.B. eine moderne Gesellschaft in mindestens 12 Klassen. Und bereits die Unterschiede in der US-Gesellschaft sind nun wirklich eklatant.
Abstrus ist kein Mangel - abstruse Filme sind im Gegenteil die besten, weil sie einen Wahrnehmungsbruch erzeugen.
Dieser Film erzeugt aber überhaupt keinen Wahrnehmungsbruch.
Thomas Wawerka hat geschrieben:Unschlüssig und inkohärent war der Film nicht, weil er ja die durch die eigenen Prämissen geschaffenen Grenzen konsequent einhielt.
Aber selbstverständlich ist es unschlüssig und inkohärent. Eben weil bereits die Prämisse eine einzige logische Äquivokation war, wodurch alles Weitere ebenfalls zu einer Äquivokation wurde. Oder willst du etwa jetzt auch noch die Prinzipien der Logik außer Kraft setzen, nur um ein höchst mediokren Film zu verteidigen? Die schnöde Prämisse war bereits ein Griff ins Klo und das Andrew Niccol auch ganz anders kann, hat er mit
Gattaca bewiesen, wo er ebenfalls für Regie und Drehbuch verantwortlich war.
Thomas Wawerka hat geschrieben:Darüber hinaus sind beispielsweise Filme von David Lynch, Alejandro Jodorowski oder Jan Svankmajer durchweg abstrus, unschlüssig und inkohärent - und nicht trotz, sondern gerade deshalb großartige Kunstwerke. "In Time" ist damit natürlich gar nicht zu vergleichen ...
Nein, kann man wirklich nicht. Dieser Film hat es ja nicht einmal verdient in einen Zug mit David Lynch, Alejandro Jodorowski oder Jan Svankmajer erwähnt zu werden.
Thomas Wawerka hat geschrieben:Wir brauchen das, verstehst du? Wir brauchen diese Gedankenfreiheit, die sich nicht ängstlich an das Reale, Mögliche oder auch nur Wahrscheinliche klammert, sondern die einen tollkühnen, völlig irren Sprung wagt.
Dieser Film wagt aber rein gar nichts. Es zeugt nur davon, dass die Kulturindustrie noch ein vielversprechender Regisseur innerhalb eines Jahrzehnts verschließen hat.
Lord of War aus dem Jahr 2005 war noch engagiert, zynisch und ernüchternd. Dieser Film ist dagegen nur ein durchschnittliches Unterhaltungsfilmchen – pures Mittelmaß.
Thomas Wawerka hat geschrieben:Dass die Rolle Justin Timberlake nicht mehr abverlangt hat, ist ja nicht seine Schuld
Dass es zwischen Justin Timberlake und Amanda Seyfried auf der Leinwand aber so rein gar nicht funkt, aber schon. Gute Schauspieler können so etwas überspielen, schlechte eben nicht.
Thomas Wawerka hat geschrieben:Der Plot, das Drama, die Story oder Fabel - wie immer man es nennen will, es trägt in einer konventionellen Geschichte eben die Hauptlast ... nicht die Idee, nicht die Figuren, nicht das Setting.
Richtig und im Film wird immer wieder erwähnt, dass durch die dümmliche Bonnie-und-Clyde-Vorgehensweise ein gesellschaftlicher Wirtschaftskreislaufzusammenbruch droht aber mehr auch nicht. Hätte er jedoch die Tragweite eingehender thematisiert, wäre aber der gesamte Revoluzzermystizismus in sich zusammengebrochen. Wer nur etwas Ahnung bezüglich wirtschaftliche Zusammenhänge hat, weiß wie unglaublich dämlich und naiv deren Vorgehensweise war. Die Folgen eines Wirtschaftszusammenbruches müssen immer die schwächsten der Gesellschaft tragen – immer und überall. Sie haben exakt denen, denen sie vermeintlich helfen wollten, lediglich einen Bärendienst geleistet. Die Minute-Men haben nicht umsonst darauf aufmerksam gemacht, dass das System nichts gegen sie unternimmt, eben weil sie zum Erhalt des Zeitsystems nötig sind. Aber all diese wesentlichen Punkte wurden nur stiefmütterlich behandelt. Eben um eine diffuse Form des Revoluzzermystizismus zu frönen.
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Hüter des Paradiestores und Anführer der Foren-internen Heerscharen, kurz Chefe mit dem lustigen Hut genannt: Ich bin der Meinung, dass die gesamte Diskussion ab Beitrag 931 (abzüglich 934) ruhig in den Diskussionsthread zum Film ausgelagert werden kann.