Hatte ich mit Vorurteilen zu kämpfen? "2 Mark 50" hätte Robert Lembke vielleicht gesagt. Also ja und nein.
Als ich SF (oder Phantastik überhaupt) zu lesen begann, hörte ich von meinen Eltern und anderen immer wieder: "Lies was anständiges!" Oder wenn damals (Ende der 1960er) ein SF-Film im Fernsehen kam oder ich im Kino was sehen wollte kam von der Seite: "Wie kann man so was nur anschauen. Das ist doch nichts gescheites!"
Aber es gab eben auch die paar wenigen - und da kann ich Andreas bestätigen - die das Interesse an SF teilten und es wurden zum Teil gute und langjährige Freundschaften daraus, wenn auch nur für die Zeit, in der wir zusammen waren (Schule, Sport usw.).
Die berühmte Masse (meines Bekanntenkreises) hingegen war ... sagen wir neutral. Oder gleichgültig. Es interessierte sie nicht, sie lasen es nicht, sie sahen es nicht. Es war ihnen egal.
Ähnlich war es, als ich dann anfing (Mitte der 1970er) zu schreiben. Natürlich zunächst mal nur für den Hausgebrauch und ein paar "Auserwählte". Von den einen kam: "Such Dir doch ein gescheites Hobby!" oder "Schreib doch was gescheites!" (Wobei das was sie lasen in meinen Augen auch nicht unbedingt etwas "Gescheites" war: Western, Historienschinken usw.

- ich hatte ja auch meine Vorurteile). Die "Auserwählten" waren durchaus interessiert (auch wenn ich die Geschichten natürlich heute keinem mehr zu lesen geben würde: Gigantismus hat regiert). Die Masse hingegen war wieder gleichgültig. Allenfalls die Tatsache, dass ich "Schreiben" als Hobby hatte, "berührte" sie. War eben etwas anderes als Autorennbahn, Modelleisenbahn, Fußball usw.
Insgesamt kann ich also sagen: Ja, es gab ein paar, die Vorurteile gegen SF hatten. Wenn ich mit diesen Vorteilen (zumindest was das Lesen betrifft) zu kämpfen hatte, dann war es der Kampf mit den Eltern. Sie mussten mir damals ja meine Leserichtung finanzieren

... meine wöchentliche Dosis Perry zum Beispiel. Und da musste ich dann schon ein wenig kämpfen (und Zugeständnisse machen: "Ich gebe Dir das Geld, aber dafür musst Du ...!").
Im Bekannten- und Freundeskreis weniger. Abfällige Bemerkungen ab und zu, aber kämpfen nicht wirklich.
Heute ... haben die Menschen in meinem Umfeld keine Vorurteile mehr. Allenfalls Desinteresse. Auch wenn sie selbst oft genug irgendwelche phantastischen Dinge anschauen. Und wenn doch jemand meint, er müsse SF im allgemeinen und mein Interesse dafür im Besonderen verurteilen ... es gibt immer eine Tür, durch die man den Raum amüsiert verlassen kann.