Der "Liest zur Zeit" Thread

Science Fiction in Buchform
Arkron
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Arkron »

Binti - eine SF Fantasy Novelle von Nnedi Okorafor aus dem neuen Tor.com Novellen-Programm. Hier ist meine Rezension.

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Oliver
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Oliver »

Ich habe 'Radiance' von Cathrynne Valente ausgelesen.
http://us.macmillan.com/radiance-2/catherynnemvalente
Mein Eindruck:
Ein Roman aus einer Parallelwelt, in welcher unser Sonnensystem so aussieht, wie in SF-Romanen der zwanziger Jahre: Jeder Planet eine Welt voller bunter Wunder. Erzählt wird die Geschichte vom Verschwinden der Tochter eines Filmemachers. In diesem Parallel-Universum hält sich der Stummfilm bis in die späte Hälfte des 20. Jahrhunderts, weil ein gewisser Herr Edison nach wie vor eifersüchtig auf seinen Patenten sitzt.
Dieses Deco-Punk Setting ist in seiner Schönheit kaum in Worte zu fassen und der verträumte, elegante Stil der Autorin ein Hochgenuss. Der enorme gute Wille als Leser wird aber davon aufgezehrt, dass die hochgradig fragmentarisch-ungeordnete und häufig bewusst schnöde das Setting links liegen lassende Erzählweise der Autorin zwar in der (ja exisiterenden: http://clarkesworldmagazine.com/valente_08_09/) Form einer Kurzgeschichte exzellent funktioniert, bei einer Langstrecke von über 400 Seiten den Geduldsfaden bei aller erschlagenden Schönheit aber etwas zu arg ausfranst.

heino
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von heino »

Kathy Reichs - Knochenjagd

Eines ihrer besseren, auch wenn sie mal wieder zuviel Beziehungskram rein bringt. Immerhin taugt das diesmal für ein paar witzige Streitereien zwischen 2 Alpha-Tieren. Insgesamt besserer Durchschnitt.

Außerdem habe ich noch "Rattennest" von Sean Black und "The league of regrettable superheroes" von Jon Morris gelesen. Mehr dazu unter "Verisse" und Empfehlungen.
Lese zur Zeit:

Stefan Orth - Couchsurfing in Russland

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Ming der Grausame
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Ming der Grausame »

Andreas Brandhorst: Das Kosmotop

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Khaanara »

Robert Heinlein: "Die Geschichte der Zukunft" als Ebook

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Die Basteiversion der FUTURE HISTORY habe ich zwar auch im Keller, aber in der elektronischen Form ist es irgendwie leichter die 1248 Seiten wieder zu lesen.

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Oliver
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Oliver »

Habe die Anthologie "The Best American Science Fiction and Fantasy 2015" (Hrsg.: John Joseph Adams & Joe Hill) durch und meinen Eindruck bei FB und Goodreads gepostet. Weil es ja immer noch komische Leute gibt, die bei keinem der beiden Dienste angemeldet sind, mein Eindruck auch hier:
Unter den inzwischen unzähligen Jahresbest-Anthos an phantastischen Kurzgeschichten sticht diese hier insofern heraus, als dass sie Teil einer Publikationsfamilie ist, die sich an Nicht-Genreleser richtet und in den USA in literarischen Kreisen einen guten Ruf genießt. Dies ist der erste Band dieser Art nur mit SF & F und somit auch eine Art Genre-Leistungsschau für Nicht-Genreleser. So hat Herausgeber John Joseph Adams seine Aufgabe auch verstanden, tausende Geschichten gelesen und davon dann 80 ausgewählt und einem Gastherausgeber vorgelegt. Diesmal der preisgekrönte Horror-Bestsellerautor Joe Hill, Sohn von Stephen King. Hill dampfte den Stapel von 80 Geschichten auf 20 ein, schön säuberlich getrennt in 10xSF und 10xF. Das Resultat? Stark, könnte aber besser sein. Ein Genre-Fan kann sich denken, was man bei Joe Hill erwarten kann, Raumschiffe und Hard-SF machen sich rar und die Fantasy-Storys muten häufiger mal etwas seltsam an, was ja nicht schadet.
Hat ein solcher Anthologie-Ansatz mit dem Nicht-Genrepublikum Vorteile, liest sich das anders? Nur sehr begrenzt. Größter greifbarer Vorteil ist, dass einer der Highlights des Bandes, die apokalypstische Story "The Empties" von Jess Row von einem im Genre völlig unbekannten Autor (Stammgast im New Yorker, Tin House etc.) stammt, der hier in fremden Gewässern höchst erfolgreich fischt. Weiteres SF-Highlight ist die wunderschön-traurige "The Blue Afternoon That Lasted Forever" von Daniel H. Wilson um Kindereinschlafrituale, die unsanft von der Ankunft eines großen schwarzen Loches unterbrochen werden, sowie "Each to Each" um militärisch genutzte Kampf-Meerjungfrauen von Seanan McGuire. Stark natürlich auch die Stories von Joe Walton und T.C. Boyle, die ich schon an anderer Stelle gelesen hatte.
Da ich Fantasy-Kurzgeschichten nicht so mag, las ich den anderen Teil des Bandes nicht so gerne und fand auch für mich kaum was brauchbares. Fantasy in der Langstrecke immer gerne, Fantasy-KGs um Kobolde, Elfen und so, nein danke.
Die Geschichten von Alaya Dawn Johnson und Theodora Gross kannte ich schon und habe sie nicht noch mal gelesen (obwohl beide lesenswert sind!), ganz nett und gelungen war noch "Help Me Follow My Sister into the Land of the Dead" von Carmen Maria Machado, und überraschender Weise ein richtiger Stinker ist die Neil Gaiman-Geschichte, die ich auch schon kannte.
Insgesamt eine durchaus lesenswerte Jahresantho mit einigen starken Geschichten, aber sicherlich nicht die beste ihrer Art im Moment. Der Ansatz, damit Nicht-Genreleser ansprechen zu wollen, macht sich nicht so stark bemerkbar.
Ob Joe Hill für eine breite Auswahl (gerade, was SF angeht) wirklich der richtige Gast-Herausgeber war, darf man zumindest mal mit einem kleinen Fragezeichen versehen.

Jetzt freue ich mich auf "Luna - New Moon" von Ian McDonald. Freue mich sehr drauf.

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Lensman
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Lensman »

Gestern abend ausgelesen:

Neal Stephenson: "Amalthea" (orig: "Seveneves")

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Um es klar zu sagen: Das Buch ist ein einziges Ärgernis. Für mich DIE Science-Fiction-Enttäuschung des Jahres. :nein:

Stephensons 1000-Seiten-Roman beginnt mit einem vagabundierenden schwarzen Loch in Mikrogröße, das den Mond zersprengt. Der Mond zerfällt binnen zweier Jahre in immer weitere Bruchstücke, die dann als tödlicher Meteoritenregen alles Leben auf der irdischen Oberfläche auslöschen. Überleben können nur die Menschen, die auf der Raumstation ISS sind. Diese wird in einer Kraftanstrengung aller Staaten innerhalb von kurzer Zeit ausgebaut und zu einer Art Arche der Menschheit umfirmiert.
So weit, so gut. Die ersten dreihundert Seiten lesen sich - wenn man die stephensontypische Langatmigkeit und partielle Detailversessenheit akzeptiert - noch ganz anständig. Danach stürzt der Roman dann in die Tiefe.
Auf merkwürdige, imho völlig unplausible Weise, erreicht die amerikanische Präsidentin (wer auch sonst ??? :kopfschuettel: ) in einer Frachtrakete (!) das Weltall und wird dort gerettet (ohne das man vorher weiß, dass sie an Bord ist).
Als Dank für diese Rettung beginnt Madame Präsidentin auch gleich eine Palastrevolte zu inszenieren, die dann zunächst gelingt, aber mittelfristig den Tod der allermeisten geretteten Menschen im Weltall bedeutet.
Zum Dank dafür wiederum wird die Präsidentin erneutet gerettet und wird ohne jede weitere emotionale Regung der überlebenden Ursprungsbewohner der ISS zu einer Urmütter der "neuen" Menschheit. :kopfschuettel:
Es werden Personen als Handelnde eingeführt und in ihrer Bedeutung für das Geschehen aufgebaut, um dann völlig willkürlich zu sterben (z. B. Markus). Andere Personen kommen dann als Jack-out-of-the-box vor und bekommen eine völlig überhobene Bedeutung (z. B. Aida).
Überhaupt sterben allzuviele Protagonisten ziemlich willkürlich und ohne jede emotionale Auswirkung. Weder die Sterbenden, die sich opfern für ein höheres Ziel und dann ersticken, verstrahlen, erfrieren usw., zeigen eine vorherige emotionale Reaktion, noch tun die Überlebenden dies, wenn sie vom Tod anderer erfahren. Alle Protagonisten agieren die meiste Zeit völlig emotionslos und wirken als Charaktere außerordentlich flach.

Im Mittelteil verliert sich Stephenson viele Seiten lang in unglaublich ermüdenden Schilderungen von Weltraumsprech über astrophysikalische Gegebenheiten, die aber die Handlung kaum voranbringen. Das mag ja alles sachlich richtig sein, ist aber jenseits von Hobbyastronauten ziemlich ödes Zeug. Auf den Seiten 300 bis 700 kann man 10er-blockweise Seiten auslassen, ohne was zu versäumen.

Irgendwie musste Stephenson wohl noch ein bißchen Grusel einbauen.
Die aufständischen Arche-Bewohner machen später wiederum innerhalb ihrer Gruppe ein bißchen Revolution. Da ihnen aber die Nahrung ausgeht, werden sie zu Kannibalen. Eine dieser Kannibalinnen, Aida, kommt dann zurück zur Arche (zusammen mit Madame Präsidentin - wem sonst???) scheitert dann nochmals in dem Versuch, die Macht auf der ehemaligen ISS zu übernehmen. Danach wird sie ungestraft eine der sieben Urmütter des neuen Menschengeschlechts. Ja, klar ... sonst noch was? :kopfschuettel: :wand:
Nach zwei Dritteln des Buches kommt dann der auf dem Klappentext angekündigte Sprung um 5000 Jahre in die Zukunft. Das liest sich dann wieder ein bißchen flüssiger, wird aber nicht wirklich besser. Inhaltlich kaum relevant wird ausladend beschrieben, wie sich aus den sieben Evas, den Urmüttern der ehemaligen Menschheit, jetzt quasi sieben Ethnien gebildet haben, die in einem gewaltigen Gürtel von Weltraumhabitaten rund um die Erde leben. Mehrere Milliarden Menschen in einer High-Tech-Spacewelt. Jede dieser Ethnien baut auf den Persönlichkeiten ihrer jeweiligen Urmütter auf. Die Geschehnisse von vor 5000 Jahren - also die ersten 700 Seiten des Romans - werden als so eine Art Schöpfungsmythos angebetet.
Handlungstechnisch wird dann endlich einmal eine leidlich brauchbare Protagonistin eingeführt: Kath Two, die als Erkunderin auf der Erde, die gerade geterraformt wurde, zufällig einen echten Menschen gesehen hat. Es haben also - welch Überraschung - doch einige Menschen geschafft, die Katastrophe zu überleben und unter der Erde bzw. im Wasser eine Restpopulation von Menschen weiterexistieren zu lassen.
Es sind natürlich die Nachfahren von Dinahs Famile und die des U-Boot-Fahrers bis Seite 300. Die einen wurde eher degenerierte Höhlenmenschen, die sog. "Digger"; die anderen haben sich selektiv an das Leben unter Wasser angepasst, die sog. "Pinger".
Dazu schaft Stephenson einige weitere durchaus ausbaufähige Charaktere, z. B. einen Neander (eine Art genetisch neugeschaffener Neandertaler) oder eine junge Ureinwohnerin der Menschheit. Aber es wird wenig aus diesen Charakteren gemacht. Stattdessen wird uns erzählt, wie es zwischen Gruppen aus dem Weltraumhabitat, eine Koalition der Roten gegen eine Koalition der Blauen, zu einer Art kalten Krieg gekommen ist. Dabei geht es in einer pseudoreligiösen, medienunterstützten Konkurrenz darum, wer wann wie mit welchen Ureinwohnern auf der gereterraformten Erde Kontakt aufnehmen darf.
Stephenson baut jetzt noch ein bißchen Action und Krieg ein, aber auch das ist in der Summe bestenfalls durchschnittlich. Die Personen bleiben auch hier überwiegend flach und es wird wieder ziemlich zufällig gestorben. Nach den ersten 200 - 300 Seiten des Romans wirkt die gesamte Handlung häufig willkürlich zusammengeschustert, als ob Stephenson die Lust ausgegangen ist und das Lektorat sich nicht getraut hat, ihm das zu sagen. Und über den Plot am Schluss kann man am besten nur schweigen. :kopfschuettel:


Zusammengefasst ist das definitiv der schwächste Roman von Neal Stephenson, den ich gelesen habe. Er erreicht an keiner Stelle auch nur näherungsweise das Niveau von Diamond Age oder Anathem. Ich rate vom Kauf ab.

Es grüßt
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Lensman hat geschrieben: Zusammengefasst ist das definitiv der schwächste Roman von Neal Stephenson, den ich gelesen habe. Er erreicht an keiner Stelle auch nur näherungsweise das Niveau von Diamond Age oder Anathem. Ich rate vom Kauf ab.
Seufz. Dabei hatte ich mich schon drauf gefreut. :(
(Obwohl es ja bei jedem Stephenson jemanden gibt, der sagt, die alten Stephensons waren klasse, aber der neue ist doof. Vielleicht bist du ja in einer Lesekrise und findest zur Zeit alles nicht so toll? Du siehst, ich greife nach Strohhalmen...)

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Lensman »

@Teddy:
Sorry, wenn ich Dich enttäuschen muss. Ich habe "Anathem" im vergangennen Januar gelesen und es war definitiv eines der Highlights in meinem persönlichen SF-Jahr 2015. Guggst Du hier: http://forum.sf-fan.de/viewtopic.php?p=178079#p178079

"Amalthea" hingegen ist imho einfach nur Murks, meinethalben ergänzt um ein 'leider'.

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Teddy »

Lensman hat geschrieben:@Teddy:
Ich habe "Anathem" im vergangennen Januar gelesen und es war definitiv eines der Highlights in meinem persönlichen SF-Jahr 2015.
Ich hab's kurz nach dir gelesen und stimme dir voll und ganz zu. Auch für mich ein Highlight des Jahres. Umso betrüblicher, dass der neue Roman dir nicht gefallen hat.

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Knochenmann »

Für mich war "Anathem" kein Highlight. Die beiden Bücher spielen für mich in etwa in der selben Liga.
Als ich jung war, war der Pluto noch ein Planet / Mod-Hammer fieg und sieg!

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Ming der Grausame
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Ming der Grausame »

Es wird doch hoffentlich wieder ein literarischer Jahresrückblick 2015 geben, oder?
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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Ender »

Terry Pratchett & Stephen Baxter: Der lange Krieg

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Hierbei handelt es sich um den zweiten Teil der insgesamt auf fünf Bände angelegten "Lange Erde"-Reihe von Terry Pratchett und Stephen Baxter (wobei Letzterer die Teile 4 und 5 ja leider alleine fertigstellen muss). Man sollte den ersten Band auf jeden Fall kennen, bevor man "Der lange Krieg" liest.
Die Grundidee der Reihe kurz zusammengefasst: Es gibt unendlich viele Parallelwelten und die Menschheit hat einen Weg gefunden, zwischen diesen hin- und herzuwechseln. Jede andere Parallel-Erde hat sich ein kleines bisschen anders entwickelt als unsere; Menschen scheinen allerdings nur auf dieser einen vorzukommen. Nun geht es also um die Auswirkungen, die dieses neue Weltbild auf die Menschheit hat. Und natürlich um die Erforschung von Hunderten, Tausenden, Millionen von fremden Welten.

Beim ersten Band "Die lange Erde" hatte ich das Gefühl: Tolle Idee mit riesigem Potenzial, viele interessante Ansätze... aber irgendwie fehlt etwas. Es wurde einfach zu wenig aus den Möglichkeiten herausgeholt, die diese Ausgangssituation geboten hätte. (Meine ausführliche Betrachtung findet sich HIER.)

Doch es blieb ja noch die Hoffnung, dass das Potenzial in den folgenden Büchern besser ausgeschöpft wird.
Aber leider bleibt das Grundproblem in Teil 2 dasselbe: Dieses permanente Gefühl "Da wäre mehr drin gewesen!" Auch hier gibt es spannende Ansätze und werden interessante Fragen aufgeworfen, aber irgendwie kreist die Geschichte immer so ein bisschen um den heißen Brei herum.
Zusätzlich hat "Der lange Krieg" das Problem, dass zwar mehrere parallel verlaufende Handlungsstränge verfolgt werden, aber kein echter roter Faden zu erkennen ist. Dadurch bleibt alles ein bisschen halbgar. Man stellt sich die Frage: Welche Geschichte soll hier eigentlich erzählt werden?

Auch das halbherzig hingebogene Ende wirkt wenig überzeugend und irgendwie kraftlos.
- Die Trolle kehren wieder in die lange Erde zurück, weil... ja, warum eigentlich? Weil Lobsang eine 5minütige Rede hält, in der er versichert, dass die Menschen eigentlich doch ganz OK sind? Hmm.
- Die Frage der Unabhängigkeitsbewegung wird friedlich gelöst, weil... ja, warum eigentlich? Weil die Militärmacht der "Datum"-USA zwar präsent ist, sich aber letztlich vom Sitzstreik der Pioniere überzeugen lässt, nicht einzugreifen? Hmm.
- Joshua & Co. entkommen den Beagles, weil... ja, warum eigentlich? Weil diese zwar aggressiv und böse sind, aber ein oder zwei von ihnen doch einen weichen Kern haben? Hmm.
Fazit:
Mehr noch als beim ersten Teil gilt: Nicht wirklich schlecht - aber alles in allem doch ziemlich unbefriedigend.
5/10 fiesen Beagles
Zuletzt geändert von Ender am 5. Dezember 2015 08:42, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Ender »

Ups. Ich wollte noch einen kleinen Nachtrag hinzufügen - und nun taucht mein Beitrag doppelt auf.
Kann das vielleicht jemand ändern, indem er den ersten löscht? (Ich kann's leider nicht) Danke.

Edit Khaa: Weg es ist! :beanie:

Edit Ender: Bedankt! :prima:

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Re: Der "Liest zur Zeit" Thread

Ungelesener Beitrag von Amtranik »

andy hat geschrieben:
Knochenmann hat geschrieben:Ich!

Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung worum es geht.
Bis zum Schluss nicht?

Andy
Ich weiß ja nicht ob Du den Roman inzwischen durchgelesen hast. Mir hat der Roman seinerzeit dann vor allem deshalb nicht gefallen ( nach anfänglichem fasziniert sein ) weil er für mich leider über weite Strecken einfach unverständlich war. Zuviele Begrifflichkeiten, Zukunftsbegriffe, Kunst-Sprech die sich mir nicht erschlossen haben. Durchaus möglich das es da weit pfiffigere Leser gibt, die das konnten und dem Roman von daher mehr Inhalt abgewinnen konnten. Doch wenn Du ständig irgendwelchen Kauderwelsch liest und über die Bedeutung des Wortes oder was es beschreibt im Dunkeln tappst hält sich bei mir die Begeisterung in Grenzen. Ich brauche schon ein wenig mehr "vorstellbares Worldbuilding" Von daher fand ich Quantum Thief zu weit abgehoben mit zu viel Kunstsprache. Der Plot, da bin ich bei Knochenmann ist auch letztlich eher ( das teilt er im übrigen mit Mievilles "Die Stadt und die Stadt" ) ein mittelprächtiger Krimi und so gar nix besonderes. Der Roman lebt von seiner Idee alles dermaßén weit entfernt von uns anzusiedeln und die Welt bis zur unkenntlichkeit zu verfremden. Viele Leser verzückt dies offenbar und lässt Sie ins schwärmen geraten. Bei mir hat es eher langeweile und unveständnis ausgelöst.

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